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Grußwort von Greg Masel, Generaldirektor des Keren Hayesod Jerusalem zu Pessach 5765

"Nur in der Arbeit für unsere gemeinsamen Werte liegt die Zukunft des jüdischen Volkes und Israels"

Jerusalem, 18. April, 2005
ירושלים, ט' אדר ב', תשס"ה

Liebe Freunde,

Ich bin vor kurzem von einer überwältigenden internationalen Zusammenkunft leitender Führungspersönlichkeiten zurückgekehrt, die unter allen Gesichtspunkten ein Riesenerfolg war. Über 200 Groß-Spender nahmen an dieser rekordverdächtigen Veranstaltung in Las Vegas teil, die zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder stattfand. Davon kamen 120 aus der Keren Hayesod-Familie, darunter eine große Delegation aus Toronto und historisch gesehen, erstmalig Teilnehmer aus Griechenland, Russland und Kasachstan.

Eine weitere "Premiere" war der große Anteil der nächsten Generation, die 35% der Teilnehmer stellte. Die Höhepunkte des Programms bildeten  die Gruß-Ansprachen des kanadischen Justizministers, Irwin Kotler; des Botschafters Paul Bremer, der uns aus erster Hand als erster US-Gouverneur im Irak informierte, des stellvertretenden Ministerpräsidenten von Israel, Ehud Olmert sowie die Rede des Nobelpreisträgers, dem weltbekannten Schriftsteller Professor Elie Wiesel. Die Veranstaltung führte zu einem Spendenaufkommen, das 30% über dem des Vorjahres lag, und unter dem zusätzlichen Eindruck einer warmen Atmosphäre, Kameradschaft und des Zusammengehörigkeitsgefühls kamen wir zum einstimmigen Beschluss, dass diese wichtige Tradition erneuert und auf regelmäßiger Basis weiter geführt werden muss.

Diese bedeutende Veranstaltung zeigt uns, wohin wir uns in Zukunft bewegen müssen. Wir müssen das Wachstum beibehalten und permanent auf der Suche nach neuen und innovativen Strategien sein und gleichzeitig dazu bereit sein, erfolgreiche Aktivitäten aus der Vergangenheit zu erneuern und diese zu verbessern. Ich möchte mich bei unserer Führung bedanken, die uns  ihre umfangreiche Erfahrung zuteil werden lässt und uns dabei hilft, neue Strategien zu entwickeln.

Die Welle der Kampagnen-Eröffnungen, die in der jüdischen Welt seit dem Ende des letzten Jahres ihren Widerhall gefunden haben, macht mich zuversichtlich, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Eine große Zahl bedeutender israelischer Persönlichkeiten hat bei verschiedenen Veranstaltungen in unserem Auftrag Reden gehalten, während gleichzeitig einige der besten israelischen Unterhaltungskünstler den Gästen israelische Kultur von heute nahe brachten. Dies alles bewies, dass unser Geist und Willen so stark wie nie zuvor ist.

Ich hatte den großen Vorzug, bei einer Anzahl dieser Veranstaltungen anwesend sein zu dürfen und ich habe die Gelegenheit gehabt, zahlreiche unserer  Kampagnen in Europa und Süd-Amerika zu besuchen, um mich auf diese Weise mit der jeweiligen Führung, den Aktivisten, Freiwilligen und Spendern vertraut zu machen. Für mich war dies sowohl eine informierende wie inspirierende Erfahrung. Zum ersten Mal in meinem Leben besuchte ich Orte mit großen geographischen, klimatischen, sozialen und kulturellen Unterschieden, wie Sao Paulo, Venezuela, Helsinki und Schweden. Diese Besuche verdeutlichten mir das Ausmaß der Unterschiede innerhalb unserer Kampagne.

Aber während ich von den Unterschieden zwischen ihnen fasziniert war, überwog bei meiner Rückkehr nach Israel doch der Eindruck dessen, wie viel alle diese Kampagnen gemeinsam haben. Ich war vor allem von den wundervollen Menschen beeindruckt, von ihrem Einsatz und ihrer Hingabe und vom Status und dem großen Respekt, den der Keren Hayesod in der ganzen Welt genießt. Als Generaldirektor dieser wundervollen Organisation war ich stolz darauf, hier Zeuge zu sein und ich bin noch stolzer darauf, Teil dieser Organisation zu sein.

Unsere gemeinsamen Werte wurden noch stärker durch zwei weitere internationale Veranstaltungen betont, die im Laufe des Jahres stattfanden. Die 3. Europäische Women's Division Konferenz, die Anfang Februar stattfand, brachte 50 bedeutende und einflussreiche Frauen aus ganz Europa zusammen, um von den gegenseitigen Erfahrungen zu lernen. Bei der Europäischen Young Leadership-Konferenz trafen sich Ende Februar 130 junge Erwachsene aus ganz Europa in Berlin ein ganzes Wochenende lang, das sowohl informierend wie aufregend war. Unsere Herausforderung für die Zukunft liegt darin, auf dieser Basis aufzubauen und den Grad der Einbeziehung und des Einflusses unserer jungen Führungskräfte weiter auszubauen.

Unsere wichtigste jährliche Veranstaltung in Israel nähert sich mit Riesenschritten – die Keren Hayesod Welt-Konferenz. Sie wird im Tel Aviv Hilton vom 21. – 24 Juni stattfinden. Ich bin mir sicher, dass sie alle bereits davon gehört haben: In diesem Jahr bewegen wir uns weg von der Krise und betonen den Erfolg und den Optimismus, wobei wir uns auf die Leistungen Israels konzentrieren, sowohl in der Kultur wie in den Künsten. Sie werden Gelegenheit haben, Israel von einer Seite kennen zu lernen, die Sie normalerweise nicht so aus der Nähe zu sehen bekommen, durch persönliche Treffen mit israelischen Künstlern aus allen Richtungen. Viele von diesen sind neue oder eingesessene Einwanderer, die durch Ihre Unterstützung im Laufe der Jahre nach Israel kommen und ihren Platz in der Gesellschaft Israels finden konnten. Während der Konferenz werden Fundraising-Arbeitskreise stattfinden, die uns praktische Werkzeuge vermitteln werden, mit denen wir  unsere Arbeit noch besser als bisher leisten können.

Im Laufe der Konferenz, die am Abend des Abzuges aus Gaza stattfinden wird, werden die Augen der Welt auf Israel gerichtet sein. Sie werden die Möglichkeit haben, sich aus erster Hand darüber zu informieren, wie sich Israelis anlässlich dieses historischen Ereignisses fühlen. Ich freue mich darauf, Sie alle hier zu dieser aufregenden Konferenz begrüßen zu können und rufe Sie dazu auf, so viele weitere Teilnehmer wie nur möglich hierzu einzuladen.

So wie der Abzug aus Gaza Hoffnung dafür bietet, dass die Zeit der Krise vorüber ist, so müssen wir nunmehr daran arbeiten, das jüdische Volk mit Israel zu verbinden. Das neue MASA-(übersetzt – Reise) Programm der Jewish Agency zielt genau darauf ab, in dessen Rahmen jedes Jahr 20 000 junge Juden für ein Jahr lang nach Israel kommen sollen, in dem sie  studieren und freiwillige Arbeit leisten werden. Wir müssen auch weiterhin gemeinsam mit Israel daran arbeiten, die soziale Infrastruktur des Landes zu entwickeln, indem neuen Einwanderern, gefährdeten Jugendlichen und den Pionieren im Negev und im Gallil berufliche und erzieherische Möglichkeiten geboten werden.

Eine der schwächsten Bevölkerungsgruppen in Israel stellt die äthiopische Gemeinde dar. Die Internationale Bruderschaft von Christen und Juden (IFCJ), unter der Leitung von Rabbi Yechiel Eckstein, ist nach wie vor der Hauptförderer dieses Gemeinschaft. Die IFCJ hat den Bau von äthiopischen Kulturzentren in Lod, Ashkelon und Be'er Sheva finanziert und im Juli werden wir das Zentrum in Ramle seiner Bestimmung übergeben. Zur Feier von Pessach, im Rahmen der anhaltenden Initiative der IFCJ, wird dieser Gemeinschaft auch eine Sefer Torah übergeben, die von Spendern aus Deutschland gespendet wurde. Unsere Partnerschaft mit der IFCJ wird immer starker und über ihre blühende Arbeit in Europa hinaus entwickeln sie Aktivitäten in Süd-Amerika und in der östlichen europäischen Welt.

Wir werden bald um den Pessach Seder-Tisch sitzen, gemeinsam mit unseren Familien, und das Fest unserer Befreiung begehen. Dies sind Dinge, die wir alle als selbstverständlich ansehen – Freiheit, bei unseren Familien sein zu können, das große Pessach-Essen. Gerade in diesen Zeiten dürfen wir nicht vergessen, dass in Äthiopien nach wie vor zahlreiche jüdische Menschen darauf warten, nach Israel heimkehren zu können und mit ihren Familien wiedervereint zu werden. Die israelische Regierung hat kürzlich ihre Entscheidung bekannt gegeben, die restliche äthiopische Falashmura Gemeinde nach Israel heim zu bringen. Aber sie bedarf hierfür unserer Hilfe.

Als ich diesen Brief schrieb, erreichte mich die traurige Nachricht vom Tod des berühmten israelischen Sängers Ehud Manor. Ich hatte die Ehre, Ehud im Jahre 2002 zu treffen, als er bei der Kampagnen-Eröffnung in Sydney auftrat, ich war zu dieser Zeit der dortige Keren Hayesod-Delegierte. Obwohl Israel ein Land mit vielen Meinungen ist, war Ehud ein Liederschreiber, der viele Meinungen unter einen Hut brachte, seine Lieder reflektieren die Werte des Klal Yisrael.

Ich möchte mit einem Vers aus einem seiner Lieder schließen, das vielleicht sein berühmtestes Lied ist. Es spricht uns allen aus dem Herzen und zu unseren Herzen. Während Diaspora-Juden mit Antisemitismus fertig werden müssen, erinnert es uns alle daran, dass wir, als ein Volk, immer eine Heimat haben, die uns aufnehmen wird und eine Nation, die uns beschützt. In Israel wurde das Lied von Aktivisten sowohl des linken wie des rechten Spektrums Israels übernommen. Es erinnert uns daran, dass uns trotz aller Gegensätzlichkeiten doch etwas gemeinsam verbindet, das viel starker ist. Es erinnert uns auch daran, warum wir in aller Welt mit unseren Kampagnen so hart dafür arbeiten, unser Land zu stärken – weil wir kein anderes Land haben.

"Ich habe kein anderes Land
Auch wenn mein Land in Flammen steht
So durchdringt ein einziges hebräisches Wort
Meine Venen und meine Seele -
Mit einem schmerzenden Körper, mit einem hungrigen Herzen,
Hier ist meine Heimat."

Es gibt nichts, was ich dem hinzufügen könnte.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein glückliches und friedliches Pessach-Fest.

Greg Masel

Generaldirektor

Keren Hayesod