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Grußwort von Israels Botschafter Shimon Stein zu Pessach 5765

"Die Geburt des jüdischen Volkes"

Es gibt kaum ein Gebot, eine Sitte noch einen Brauch, die nicht im entferntesten auf die Inhalte des Pessach-Festes Bezug nehmen. Der Auszug aus Ägypten wurde zum Anfangspunkt und gewissermaßen auch zum Leitfaden, dessen Bedeutung sich durch die Jahrhunderte zieht. Pessach verkörpert für uns ein besonderes Ereignis: die Geburt des jüdischen Volkes.

In diesen Tagen wird uns um so mehr die Bedeutung des Staates Israel als Heimstätte des jüdischen Volkes bewußt. Israel Unterstützung zu gewähren, insbesondere zum Ausbau seiner sozialen Strukturen beizutragen, ist ein wichtiger Bestandteil der jüdischen Identität. Der Keren Hayesod hat in diesem Zusammenhang stets eine tragende, verantwortungsvolle Rolle eingenommen, zwei Beispiele möchte ich aus seiner vielfältigen Arbeit herausgreifen: Seit der Gründung Israels brachte die Organisation gemeinsam mit der Jewish Agency über 3 Millionen jüdische Einwanderer nach Israel und ermöglichte deren Eingliederung. Darüber hinaus bildete er mehr als 300.000 benachteiligte Jugendliche aus und stellte Mittel bereit, um die jüdische Erziehung Tausender Kinder weltweit zu fördern.

In diesem Jahr begehen wir den 40. Jahrestag der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen – ein Jahr, in dem wir rekapitulieren und Bilanz ziehen. Was haben wir erreicht? Zurückblickend haben beide Staaten seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1965 beinahe sämtliche Verträge implementiert, die die Beziehungen zwischen Ländern auszeichnen. Ohne die Unterstützung der breiten Öffentlichkeit wären wir jedoch nicht in der Lage gewesen, die Beziehungen auf ein solch beachtliches Niveau zu heben. Doch Anlaß zum Ausruhen gibt es nicht. Wir müssen dafür Sorge tragen, daß sich auch die kommende Generation an der Gestaltung einer Erinnerungskultur beteiligt und in ihrem Bewußtsein verankert, daß die deutsch-israelischen Beziehungen aufgrund der Schoah einzigartige Beziehungen waren und bleiben. Der Keren Hayesod hat sich in den letzten Jahren verstärkt um die neue Generation bemüht, er hat junge jüdische Menschen aus ganz Deutschland für seine Arbeit gewonnen. Sie werden sich nach all ihren Kräften dafür einsetzen, daß die deutsche Haltung gegenüber dem Staat Israel keiner Enttabuisierung oder Normalisierung zum Opfer fällt.

Für die Zukunft der deutsch-israelischen Beziehungen ist es unverzichtbar, den derzeitigen Stand der Beziehungen durch zusätzliche Säulen zu ergänzen, ohne die Vergangenheit damit zu relativieren. Die vor uns liegenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts können die zivilisierten Staaten nur gemeinsam meistern. Die Hilfe Deutschlands als Teil der EU werden wir und unsere palästinensischen Nachbarn im Zusammenhang mit der friedlichen Beilegung des historischen Konflikts benötigen.

Ich möchte dem Keren Hayesod im Namen des israelischen Volkes dafür danken, daß er seit den 50er Jahren eine beeindruckende Arbeit leistet, wesentlich mitgetragen von seinen engagierten und unermüdlichen Freiwilligen.

Uns allen wünsche ich ein angenehmes, frohes Pessach-Fest.

Shimon Stein

Botschafter des Staates Israel

Keren Hayesod 21.04.2012