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Israel Update Offizieller Trauertag am 11. Oktober in Israel zum Gedenken an die Flugzeugopfer

Jetzt benötigen die Hinterbliebenen Hilfe und Beistand

Von Lior Kodner

Ha’aretz, 12. Oktober 2001

Jerusalem - Verwandte und Freunde legten am 11. Oktober während der Beerdigung der beim Flugzeugabsturz umgekommenen Julia und Swetlana Fronstein im Kibbuz Einat Kränze nieder. Ein Tag nach seiner Rückkehr aus Sochi am Schwarzen Meer ging Vadim Jakupow zu dieser Beerdigung. Die Leichen seiner Frau Lilia und seines 18 Monate alten Sohnes Michael wurden nicht gefunden, wahrscheinlich werden sie nie gefunden werden. Aber Vadim wollte an der Beerdigung der Schwester seines Freundes Nikolai Fronstein teilnehmen, ein Freund in Notzeiten.

Er traf Nikolai nach der Ankunft in Sochi. Ihr Treffen begann mit dem Beileidsaustausch und ging in langen Unterhaltungen während ihrer Schiffreise zur Stelle weiter, an der das Flugzeug der Siberian Airlines abgestürzt war. "Er ist ein wahrlich guter Freund", sagte Vadim auf dem Weg zur Beerdigung. "Ich habe das Gefühl, daß ich bei ihm sein muß, weil seine Mutter und Schwester beim Flugzeugabsturz umkamen, und auch ich jetzt alleine bin. Er lebt in Bnei Brak und ich lebe in Rehovot. Ich habe wirklich das Gefühl, daß wir zusammen gehören, immer zusammen sein sollen".

Jakupow wird sich in den nächsten Tage bürokratischen Angelegenheiten widmen. Die russischen Behörden weigerten sich, den Angehörigen der Opfer Unterlagen zu geben, welche den Tod ihrer Verwandten bestätigten, daher muß er jetzt in Israel Regelungen treffen, um Todesurkunden zu erhalten.

Er ist noch nicht imstande, die Arbeit wiederaufzunehmen, braucht das Geld jedoch – ihm bleiben sowieso nur Schulden. Seine Frau und Sohn flogen alleine nach Russland, um die Großeltern in Nowosibirsk zu besuchen; Jakupow durfte das Land nicht verlassen, weil er für Darlehen Geld schuldet.

Aber die Frage, die Jakupow am meisten beschäftigt, ist, was bei dem Flug 1812 tatsächlich geschehen ist. Was fühlten Michael und Lilia, kamen sie bei der Explosion gleich um oder starben sie erst beim Absturz ins Schwarze Meer?

"Dies ist das wichtigste geworden – ich will wissen, wer das tat und wie dies geschehen konnte. Ich will, daß sie die Schuldigen gefunden und eventuell vor Gericht gestellt werden. Wenn dies einmal geschehen konnte, kann es immer wieder geschehen, und so etwas darf sich nicht wiederholen", sagt Jakupow.

24 weitere Angehörige der Opfer wollten noch in Russland bleiben. Einige von ihnen nahmen an einer siebentägigen Trauerzeit für die Opfer, die in Russland begraben werden, teil; andere wollten noch ein paar Tage in Sochi bleiben, der Stadt in der sich die Nachforschungen konzentrierten.

"Sobald wir nach Israel zurückkehren, wird Russland die Untersuchung abbrechen, und wir werden nie erfahren, was geschah", sagen Familienmitglieder. "Wir bleiben noch etwas hier, um Druck auf die Russen auszuüben."

Die Jewish Agency hat ihre Hilfe zugesagt. "Wir besorgten die Flugkarten für die Familien, die an den Beerdigungen teilnehmen wollten, die in Russland stattfinden", sagt Amos Lahat, Direktor der Abteilung für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bei der Jewish Agency. "Siberian Airlines weigerte sich, diese Flugkarten zu zahlen, und wir beschlossen, den Familien, deren finanzielle Lage nicht gut ist, zu helfen. Mit unserer Hilfe können sie ihre Angehörigen besuchen und nach Israel zurückkehren. Wir werden nicht tatenlos dastehen und die Hilfe anderer erwarten – wir helfen einfach selbst".

Lahat hat vorerst nur einen Wunsch: "Was ich sehen möchte ist die Verbindung der Gesellschaft zu den Einwanderern. Diese Familien sind im ganzen Land zerstreut, und wir suchen zur Zeit Adoptivfamilien, die ihnen helfen können, die sie unter ihre Fittiche nehmen. Ich erwarte, daß mindestens 50 alteingesessene israelische Familien sich an uns wenden und bereit sind, diesen Leuten dabei zu helfen, diese schwierige persönliche Krise zu überwinden."

Laut Angaben der Jewish Agency und des Eingliederungsministeriums haben mehrere Familien aus Nowosibirsk und Umgebung, die beim Unglück Angehörige verloren, Antrag auf Einwanderung nach Israel gestellt. Die genaue Zahl ist noch nicht bekannt.

Valentina Nabratov lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nowosibirsk. Sie hat beim Unfall ihre Tochter, Oxana Seltzer, verloren und will jetzt Russland verlassen. "Ich glaube hier keinem. Alle lügen, vor allem Präsident Putin", sagte sie Mitgliedern der israelischen Delegation, bevor sie Russland in Richtung Israel verliessen. "Bitte helfen Sie mir, ich will nach Israel kommen, nach Elat, der Stadt, in der meine Tochter wohnte und wo mein Enkel lebt", bat sie.

Sechs Tage nach dem Absturz fanden in Israel sechs Beerdigungen statt. Eine weitere Beerdigung einen Tag danach. Familie Kameri beerdigte ihre Tochter Adi, 25, die unterwegs war, um ihre Mutter, Alisa Kameri, eine Vertreterin der Jewish Agency in Nowosibirsk, zu besuchen. Nikolai Fronstein beerdigte seine Mutter Swetlana und Schwester Julia, 18; Ella Kalnitzky beerdigte ihre Mutter, Sinaida Tuschina, 71. Ljuba Basilevich, 48, die erst vor zwei Jahren nach Israel eingewandert war, wurde in Kfar Masaryk begraben. Sofia Federow, 50, die nach Russland flog, um ihren Sohn zu besuchen, wurde in Sderot begraben. Haya Sara Kamcha, 78, die ihre kranke Schwester besuchen wollte, wurde in Jerusalem beerdigt. Eine weitere Beerdigung, die von Maria Korchunowa, 68, fand im Jarkon Friedhof statt. Korchunowa war auf dem Weg, um ihre Tochter und Enkel in Russland zu besuchen.

Während des offiziellen Trauertages in Israel am 11. Oktober wurden die Fahnen auf Halbmast gesetzt, die Knesset sowie das russische Parlament hielten Sondersitzungen zum Gedenken an die Opfer ab. Die Jewish Agency und das Absoptionsministerium hielten ebenfalls Gedenkfeiern ab. Der Absturz kostete 78 Personen das Leben, aber nur 15 Leichen wurden bisher geborgen. Eine der Leichen, die einer Frau, wurde bisher nicht identifiziert, und israelische Wissenschaftler kehrten aus Russland zurück, um ihre Arbeit im Labor mit DNA-Proben fortzusetzen. Obwohl die Aussichten minimal sind, hoffen die Familien, daß weitere Leichen geborgen werden können. Vadim Jakupow fand einen Schuh, der seinem Sohn gehörte, und hofft, daß die Leichen seines Sohnes Michael und seiner Frau Lilia gefunden werden. Die russischen Behörden versprachen, die Suche fortzusetzen.