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Von Casablanca nach Hazor:
Wie aus dem Einwanderer Alex ein IDF-Flugzeugingenieur wurde

Korporal Alex, ein Einwanderer aus Marokko, lebt als Soldat ohne Eltern in Israel. Trotz seiner körperlichen Behinderung, er sieht nur auf einem Auge, bestand er darauf in der IDF dienen zu können. Trotz der Schwierigkeiten, die sich ihm täglich entgegen stellen, ist Alex der lebendige Beweis dafür, dass wo ein Wille ist, es auch einen Weg gibt, und er beschreibt in der nachfolgenden Reportage die freundschaftliche Umgebung, in der er auf der Hazor- Luftwaffenbasis lebt und arbeitet.

Von Shlomo Isaacson

Korporal Alex, 22 Jahre alt, wanderte vor vier Jahren aus Casablanca in Marokko, nach Israel ein. Er ließ seine Eltern und Bruder zurück und entschloss sich dazu, in die IDF einzutreten. Heute ist er ein Elektrotechniker in einer Service-Abteilung und für seine freundliche und direkte Art und Weise bekannt.

Nach den Worten des Kommandeurs der Elektroeinheit, Unteroffizier Asher Ifrach, ist "Alex beruflich sehr ehrgeizig, sehr freundlich und immer darum bemüht, anderen zu helfen. Seine Freundlichkeit ist schwer zu beschreiben. Jeder mag ihr, er ist ein Segen für das Regiment."

Er landete in Hazor statt auf dem Charles De Gaulle-Flughafen

Alex wurde 1983 als Sohn jüdischer Eltern in Marokko geboren. Er kam nur mit einem Auge zur Welt und bekam im Alter von drei Jahren aus rein ästhetischen Gründen eine Augenprothese eingepflanzt. Er besuchte die "Neve Shalom" – Religionsschule in Casablanca, wo die Schüler neben den normalen Schulfächern auch die Tora studieren und legte hier sein französisches Abitur ab.

In der 12. Klasse wechselte er in die "Rambam-Schule" über, eine weltliche jüdische Hochschule, wo er neben jüdischen wie arabischen Schülern aus Casablancas wohlhabenderen Schichten lernte, die ihre Kinder auf diese ausgezeichnete Schule schicken. Seine Klasse in der neuen Schule bestand aus mehr arabischen als jüdischen Schülern. "Die Beziehungen waren sehr korrekt. Ich hatte keine arabischen Freunde, aber wir halfen uns gegenseitig in der Klasse und hatten gute Beziehungen untereinander", sagt er.

Die Familie von Alex wohnt in einer gemischt jüdisch-arabischen Nachbarschaft. "In Casablanca gibt es kein jüdisches Ghetto und Juden leben in gemischten Nachbarschaften", sagt er, wobei er hinzufügt, dass die Lebens-Bedingungen für die jüdische Gemeinde in Casablanca gut sind.
"Es gibt viele Synagogen und Erziehungseinrichtungen, aber die Zahl der Juden dort nimmt langsam ab, weil viele auswandern und auch aus Altersgründen".

Er vermisst seine Familie, aber nicht Marokko als Land, auch wenn er betont, dass er nie Antisemitismus ausgesetzt war und dass die Juden dort ganz normal leben würden. "Ich habe mich nie als Fremder in Marokko gefühlt, aber das wäre heute wahrscheinlich anders, wenn ich dorthin zurückkehren würde. Es wäre schön, wenn auch meine Eltern und mein Bruder nach Israel auswandern würden", fügt er hinzu.

Als er 17 Jahre alt war und noch zur Schule ging, bewarb sich Alex an einer Universität in Paris, um hier Wirtschaft zu studieren. So wie die meisten seiner Freunde in Marokko, schwebte auch ihm seine Zukunft in Frankreich vor, aber schließlich änderte er seine Meinung und wählte eine andere Möglichkeit, die Auswanderung nach Israel. Es ist ihm unmöglich, genau zu sagen, warum er sich dafür entschieden hat, aber er ist davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

"Ich entschloss mich dazu, einen anderen Weg zu gehen als alle anderen. Die meisten jungen Juden in Marokko ziehen nach Frankreich, aber ich entschloss mich dazu, einen ungewisseren Weg einzuschlagen. Ich betrachtete die Einwanderung nach Israel als eine neue Erfahrung an. Ich betrachtete Israel als die jüdische Heimat, aber meine wichtigste Motivation lag in der Neugier und im Wunsch, etwas in meinem Leben zu verändern."

Anfangs-Schritte in Israel

Bald nachdem er seine Entscheidung getroffen hatte, kam Alex im August 2001 in Israel an. Er verbrachte seine ersten Wochen bei seiner Tante in Ashdod, aber er war sich nicht sicher, welchen Weg er von hier einschlagen sollte. Eines Tages traf er einen Freund aus Marokko, der vorschlug, dass er sich von der Studenten-Einrichtung in Jerusalem beraten lassen sollte. "Sie schlugen vor, dass ich in ein Eingliederungszentrum in Jerusalem ziehen sollte, um dort ein Ulpan zu besuchen". Hier lernte er drei Monate lang, schuf sich einen neuen großen Freundeskreis und erlernte die Grundlagen in Hebräisch. Noch während seiner Zeit im Ulpan fühlte er eine wachsende Identifizierung mit dem Staat Israel, was auch auf zahlreiche Terror-Anschläge in diesen Zeitraum zurückzuführen war.

Er kam zu der Haltung, dass in einer Zeit, in der das Leben von Menschen in Israel gefährdet war und das Land um seine Existenz kämpfte, Juden nicht im Ausland leben sollten. "Juden sollten hierher kommen, um das Land aufzubauen und nicht erst dann, wenn ihre Existenz in der Diaspora gefährdet ist”, sagt Alex. Als er den Ulpan beendete, schrieb er sich in das "Taka"-(akademisches Vor-) Programm ein, das für neue Einwanderer gedacht ist, wo diese Hebräisch, Englisch, Mathematik und Computerwissenschaften, alles auf Hebräisch, lernen. Der sechsmonatige Kurs wurde am Hadassah-College abgehalten.

Alex musste sich darauf für einen speziellen Studiengang entscheiden und beschloss Optometrie zu studieren. Sein Beschluss hatte auch damit zu tun, weil er mehr über die Grundlagen und Gründe seiner eigenen Behinderung wissen wollte. Er studierte ein Jahr und ihm gefiel der Kurs. Als der praktische Teil des Kurses begann, musste er jedoch feststellen, dass er daran nicht weiter teilnehmen konnte, was auf seine beschränkte Sehkraft zurückzuführen war. In der Zwischenzeit hatte er auch seinen Armee-Einrufungsbescheid erhalten und musste sich dem medizinischen Test unterziehen. Als neuer Einwanderer und Soldat ohne Eltern in Israel, bot man ihm die Möglichkeit eines studierenden Soldaten an.

Er hatte eigentlich vorgehabt, Optometrie zu studieren und dies auch mit der Armee so vereinbart. Aber als er seinen Studiengang beenden musste, entschloss er sich dazu, als regulärer Soldat Dienst zu tun. Er dachte, dass er sich zum Kampfsoldaten ausbilden lassen könnte, aber seine medizinische Beurteilung ließ dies nicht zu. Schließlich wurde Alex im Oktober 2003 in die IDF eingezogen und trat seine Grundausbildung an.

Meine Heimat

Nach der Grundausbildung wurde Alex auf der technischen Basis ausgebildet und wurde ein elektrischer Servicetechniker. Ihm gefiel der zweimonatige Kurs und sagt, dass dies für ihn eine sehr glückliche Zeit war. Er passte sich gut an, fand viele Freunde, und mit vielen steht er auch heute noch in Verbindung. Der Kurs war vor allem theoretischer Natur und Alex sagt, dass sein Erfolg auf den Physikunterricht an seiner Schule in Marokko zurückzuführen war. Er wurde als "Vorbildlicher Soldat" für seinen Einsatz und sein gutes Benehmen ausgezeichnet und bewies damit erneut sich selbst und seiner Umgebung, dass er trotz seines beschränkten Sehvermögens fast alles ebenso gut, wenn nicht sogar besser machen kann als andere.

Nach dem Kurs wurde Alex auf der Luftwaffenbasis in Hazor stationiert. In den ersten beiden Wochen hier, qualifizierte er sich dafür, an Barak (Blitz) und Netz (Falke)- Flugzeugen arbeiten zu dürfen. Seine Kommandeure wollten ihn zuerst in der Abteilung arbeiten lassen, da sie befürchteten, dass seine beschränkte Sehkraft ihn bei der Arbeit an den Maschinen behindern würde. Aber wie immer belehrte sie Alex eines besseren und unterzog sich einer besonderen Ausbildung, um an den Maschinen arbeiten zu dürfen.

Seine Kommandeure wollten jedoch kein Risiko eingehen und ließen ihn medizinisch erneut untersuchen, wo er jedoch seine Tauglichkeit bestätigt bekam, an den Flugzeugen arbeiten zu können. Alex legte darauf den vorgeschriebenen Kurs ab, wo dem Personal die benötigten Sicherheitsvorschriften beigebracht werden, wie man ein Cockpit überprüft und wo man alles über die Kontrolleinrichtungen und die Schalter lernt. Alex begann allmählich an Flugzeugen zu arbeiten und machte Fortschritte, bis er zum Techniker ersten Grades ernannt wurde. Sein Kommandeur erinnert sich, "Ich zögerte zuerst. Ich wusste nicht, wie ich mit einem derartigen Soldaten umgehen sollte, deshalb ließ ich ihn medizinisch untersuchen. Im Laufe der Zeit begann er regelmäßig zu arbeiten, machte schnell Fortschritte und jetzt ist er Teil der regulären Arbeits-Routine."

Die Armee brachte Alex in einer Wohnung in Jerusalem gemeinsam mit fünf anderen Kameraden unter, aber er verbringt die meiste Zeit in Hazor. Er verlässt die Basis an abwechselnden Wochenenden. Die meisten seiner vielen Freunde leben auf der Basis und wohin er auch geht, wird er mit einem Lächeln begrüßt. Es ist ganz offensichtlich, dass ihn einfach alle mögen.

Alex hat seine Eltern seit seinem letzten Besuch in Marokko vor zwei Jahren nicht mehr gesehen. Er spricht mit ihnen einmal pro Woche am Telefon, aber das überbrückt nicht die Entfernung, die zwischen ihnen liegt und er vermisst beide sehr. Er hofft, dass auch sie eines Tages nach Israel auswandern werden.

Keren Hayesod 28-03-2005

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