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Wie aus dem äthiopischen früheren Schafhirten Shmuel Ezra ein "echter
Zionist" wurde:
Heute ein Offizier – Morgen eine
Führungspersönlichkeit
Vor zwanzig Jahren war er noch ein Schafhirte in
Äthiopien gewesen. Heute ist Oberst Shmuel Ezra der Kommandeur einer
Aufklärungseinheit in Netzarim - In einem Interview mit der Zeitung
"Yediot Nagget", beschreibt er, neben weiteren Dingen, seine
militärische Laufbahn ("im Vorbereitungskurs für das Militär erkannte
ich, was ich für mich selbst erstrebte"), und seine Ideen, wie man um
junge Mitglieder der Gemeinschaft werben kann ("wenn man zu einer
Jugendbewegung gehört, führt das einen direkt hin zum Zionismus").
Von Benny Pikado
"Ich sage mir manchmal, 'du lebst erst seit zwei
Jahrzehnten in Israel. Vor zwanzig Jahren bist du eine Schafhirte in
Äthiopien gewesen und heute kommandierst du mehreren Kompanien in der
Armee. Das ist eine sehr schöne Leistung. Schließlich kamen wir aus
Dörfern, wo der Lebensstandard Lichtjahre von unserem heutigen Leben in
Israel entfernt ist. Das bedeutet, dass es einem ermöglicht wird,
erfolgreich zu sein. Alles, was man hierzu benötigt, sind der Glaube und
die Entschlossenheit. Jeder, der sich Ziele setzt und durchhält, wird
schließlich seine Ziele erreichen."
Dies waren die Worte von Oberst Shmuel Ezra, Kommandeur der
Aufklärungseinheiten in Netzarim, in einem Interview mit "Yediot
Nugget". Am vergangenen Unabhängigkeitstag wurde er mit dem besonderen
Anerkennungspreis vom stellvertretenden Kommandeur des Hauptkommandos
bei Yad LeBanim in Beer Sheva auszeichnet.
Ezra ist eine sehr seltene Form eines Kommandeurs und Führers. Als er
noch ein junger Teenager in Kiryat Gat war, war er sich bereits sicher,
dass er eine Laufbahn als Offizier in der IDF einschlagen würde. Man
darf davon ausgehen, dass wenn er in das Zivilleben zurückkehrt, auf ihn
eine führende Rolle in der Gemeinschaft warten wird.
Man sagt, dass Ihnen die Armee alles bedeutet. Wann begann dies?
"Bevor ich in die Armee eintrat, war ich an zwei Orten gewesen, die mich
besonders beeinflusst hatten. Einer war das Yemin Orde Jugenddorf, wo
ich studiert habe. Der Direktor des Dorfes, Dr. Haim Perry, hat mich
sehr beeinflusst. Wir hatten eine ganz besondere Beziehung und führten
zu verschiedenen Themen persönliche Gespräche. Wir haben nach wie vor
eine sehr gute Beziehung. Er ist ein ganz besonderer Mensch."
Der zweite Ort, der mich beeinflusste, war der Vorbereitungskurs der
Armee. Noch vor dem Eintritt in die Armee hatte ich von dem
Vorbereitungskurs gelesen, der unter dem Namen "The Israeli College for
Social Leadership" läuft. Ich wurde nach einem Prüfungs-Prozess
aufgenommen. Es war das erste Mal, dass jemandem wie mir eine sozial
bezogene Form dieses Programms offen stand. Es war an diesem Ort, wo ich
erkannte, was ich eigentlich von mir erwartete und mir vor allem bewusst
wurde, wie wichtig es ist, einen Beitrag für die Gesellschaft zu
leisten."
"Das Vorbereitungsprogramm dauerte sechs Monate und danach trat ich in
die Armee ein. Ich diente in einer Elite-Einheit und nach mehreren
Monaten intensiver Ausbildung trat ich in den Offizier-Ausbildungskurs
ein. Als Offizier kommandierte ich eine Aufklärungseinheit als
Battallions-Offizier in Netzarim"
Viele Jungen im Teenager-Alter fragen sich "was gibt mir eigentlich
der Militärdienst?"
Was sagen Sie dazu?
Ich besuche Jugenddörfer und treffe mit vielen Schülern zusammen. Ich
beschreibe ihnen, wie das Leben in der Armee aussieht und was die Armee
von ihnen erwartet. Teenager stellen sehr wichtige Fragen und ich tue
dies auch aus eigenem Antrieb, weil ich glaube, dass sie mehr über die
Armee erfahren, bevor sie eingezogen werden."
"Ich kann zwei gute Gründe für den Armee-Dienst anführen. Vom
persönlichen Standpunkt aus gesehen, ist die Armee eine gute Sache, wenn
es um die Selbsterfüllung geht. In der Armee muss niemand Angst haben,
dass er wegen seiner äthiopischen Herkunft nicht akzeptiert wird. Alles
funktioniert nach Codes und Zahlen. Es gibt keinen Bezug zur ethnischen
Herkunft, was zählt sind die persönlichen Veranlagungen und Leistungen.
Jeder, der für den Dienst geeignet ist, wird aufgenommen."
Die finanzielle Lage der Äthiopier ist nicht so schlecht im Vergleich
zur Lage von anderen Soldaten. Ein Mensch mit genug Ehrgeiz und
Motivation kann alle Schwierigkeiten bewältigen. Man kann in der Armee
Karriere machen und zum Beispiel Offizier werden. Die Armee hängt nicht
von einzelnen Personen ab, sondern von Ausschüssen und Gruppen."
"Grundsätzlich glaube ich, dass ein Land wie Israel, das von Feinden
umgeben ist, eine starke Armee benötigt, und der Dienst in
Kampfeinheiten sogar noch wichtiger ist. Jene, die dazu in der Lage
sind, sollen ihren Beitrag leisten und soviel geben wie sie können, ohne
danach zu fragen, was die Armee ihnen geben kann. Man verlässt die Armee
mit einer unschätzbaren Erfahrung für das ganze Leben und Fähigkeiten,
die es einen ermöglichen, mit allen Schwierigkeiten des Lebens fertig zu
werden."
Die Armee ist auch ein wundervoller Ort für Teenager, die mit dem Gesetz
in Konflikt gekommen sind und einen Neuanfang suchen. Es gibt für diese
Rekruten einen spezielles Programm mit dem Namen "The Raful Boys", wo
sie Leistungskurse belegen und sogar Offiziere werden können."
Was sind nach Ihrer Meinung die Ursachen der Probleme für Teenager in
der jeweiligen Gemeinschaft?
"Wann hören wir damit auf, uns als anders anzusehen? Wir treten hier
Wassermühlen und dies beschränkt uns in unseren Möglichkeiten. Wir haben
in Bezug auf die Armee und das hiesige Leben einen niedrigen
Bewusstseinsgrad."
"Eine normale Kindheit bedeutet, in der Familie aufzuwachsen und sich in
den verschiedenen Jugendbewegungen zu entwickeln und nicht in der
Strasse aufzuwachsen. Zionismus ist nicht nur ein Gefühl. Er muss
praktisch gelebt werden. Wenn man zu einer Jugendbewegung gehört, dann
hat man die Möglichkeiten, Zionismus praktisch zu leben. Es fehlt direkt
an Bereicherungs-Aktivitäten nach der Schule, persönliche
Lehrerbetreuung und Nachhilfe."
"Wir, die Erwachsenen, sollten damit aufhören, in einer Blase zu leben,
in der nach unserer Meinung die Äthiopier leben sollten und deshalb von
den übrigen getrennt sind. Wir müssen uns dieser Einstellung entledigen.
Ich mag keine Klubs, die Aktivitäten und Projekte veranstalten, die nur
für Äthiopier gedacht sind. Wir müssen uns in bestehende Programme
gemeinsam mit allen anderen integrieren. Wir dürfen uns nicht selbst
bemitleiden und wir müssen uns anpassen."
"Ich sage nicht, dass es in der Gesellschaft keine Diskriminierung und
keinen Rassismus gibt, aber jeder, der erfolgreich sein will, sollte
sein Haupt erheben und nach vorne blicken, weil es Rassismus immer
gegeben hat und immer geben wird."
Wer ist Ihr Erziehungs-Vorbild?
Ich war einmal ein innerlich gespaltener Schüler – ein wilder Schüler in
einer Ganztagsschule und ein ausgezeichneter Schüler im Klassenzimmer.
Eines Tages erwischte mich der Erziehungsbeauftragte dabei, wie ich eine
Zigarette rauchte und er rief meinen Vater an. Mein Vater kam aus Kiryat
Gat nach Haifa, schaute mich so an, wie ich es mein Leben lang nie mehr
vergessen werde und sagte nichts. Von diesem Augenblick an änderte sich
mein Leben. Es war für mich ein positiver Wendepunkt."
Das Treffen mit Oberst Ezra fand in einem Café in
Ashkelon statt. Als wir gehen wollten, schüttelte eine alte Frau, die
hinter uns gesessen hatte, Ezras Hand und sagte, "Ich habe mitgehört,
was sie gesagt haben und es hat mich mit Stolz erfüllt. Sie sind ein
Vorbild eines echten Zionisten."
Keren Hayesod 14-11-2004
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