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Das Telem-Programm eröffnet Olim und Israelis alternative
Bildungs-Möglichkeiten:
Wer will ein Kibbuznik werden?
Das "Telem"-Programm stellt äthiopischen
Armee-Absolventen, die in Kibbuzim eintreten, Unterkunft, Arbeitsplätze
und Studienmöglichkeiten an. Es bietet auch die Grundlagen in Bezug auf
Eingliederung und wirtschaftlicher Unabhängigkeit an.
Von Panta Radai, "Nugget News"
Es gibt so viele Kibbuzim in Israel, aber nur wenige
Mitglieder der äthiopischen Gemeinschaft sind dazu bereit, hier zu
arbeiten und zu leben. Kibbuzim haben vieles mit einem Dorf gemein – es
gibt viel Natur, Fauna und eine große Tierwelt.
Junge Menschen, die sich nach diesem Teil ihres früheren Lebens in
Äthiopien sehnen, könnte es interessieren, mehr über das Telem-Projekt
zu erfahren, das sich gerade an diese Gruppe wendet und Arbeitsplätze,
Studienmöglichkeiten und Unterkunft in den Kibbuzim bietet.
Die Teilnehmer des Projektes, junge Äthiopier, die ihren
Militärdienst oder Zivildienst beendet haben, können sich dafür
entscheiden, in Kibbuzim wie Yotvata, Ma'agan Michael, Gan Shmuel, etc.
einzutreten, wenn sie die Absicht haben, sich soziale und
wirtschaftliche Unabhängigkeit zu verschaffen. Das Programm bietet ein
bezahltes Angestelltenverhältnis für ein Jahr an, Abendstudiengänge und
Unterkunft in einem Kibbuz an.
Ami Ronis, ein Mitglied des Kibbuz Na'an, leitet ein
besonderes Programm für äthiopische Einwanderer, das sich "Das erste
Heim in der Heimat" nennt. Viele Jahre lang bot das Programm Beratung
und Vermittlung für Einwanderer aus Russland, Großbritannien und
West-Europa an, die sich in einem Kibbuz ihrer Wahl niederlassen
wollten. Das eingeführte Konzept wurde später dahingehend verändert, um
den Bedürfnissen von jungen Äthiopiern gerecht zu werden, die nach dem
Ende ihres Militär- oder Zivildienstes wieder in das Zivilleben
zurückkehren.
Nach den Worten von Ami "geht man von der Einstellung
aus, dass wenn man drei grundlegende Faktoren bereit stellt, einen
Arbeitsplatz, Studienmöglichkeiten und eine Unterkunft, und das in einer
bereichernden und fördernden Umgebung, dann trägt man zur Förderung und
Verbesserung der Selbsteinschätzung der jungen Teilnehmer bei, was ihre
Einstellung zur israelischen Gesellschaft und dem Land angeht. Sie
werden unabhängig und tragen selbst zur Gesellschaft bei. Das Programm
läuft jetzt seit fünf Jahren und ist ein großer Erfolg."
Wie wird man in dieses Programm aufgenommen?
Nicht jedermann kann sich dafür bewerben. Das Programm
ist nicht für jene gedacht, die bereits erfolgreich studiert haben. Das
Programm hat einen guten Ruf und stößt auf große Nachfrage, da die
Menschen davon durch Mund – zu Mundpropaganda erfahren. Wer immer sich
bewirbt, erhält einen Informationsprospekt sowie die Aufforderung, seine
persönlichen Papiere vorzulegen. Wir halten einmal im Monat
Bewerbungsgespräche ab und jene, die aufgenommen werden, werden in eines
der Kibbuzim verwiesen."
"Es ist für uns sehr wichtig, dass die Beschäftigten in
den Kibbuzim diese jungen Menschen willkommen heißen. Das Kibbuz ist
dazu verpflichtet, sie zu beschäftigen und ihnen Gehälter zu zahlen.
Heute gibt es etwa 80 Teilnehmer an diesem Programm, einige von ihnen
verdienen etwa NIS 3000 brutto im Monat. Jene, die am Shabbat arbeiten,
erhalten eine Zulage von 150 % wie jeder andere Arbeiter in Israel."
Was sind die Rechte und was sind die Pflichten?
"Sie müssen wie jeder andere Angestellte arbeiten, sie
müssen pünktlich und diszipliniert sein. Sie müssen natürlich auch zum
Studieren bereit sein. Dies ist eines der Ziele des Programms und
derjenige, der nicht studiert, kann nicht in dem Programm verbleiben.
Wir haben einen akademischen Berater, der sie im Verlaufe ihrer gesamten
Studien berät und ihnen hilft. Sie müssen nicht für ihre Unterkunft und
ihren Lebensunterhalt bezahlen und können so eine Menge Geld sparen."
Gab es Probleme bei der Einführung des Programms?
Unser größtes Problem liegt außerhalb unserer
Einflussmöglichkeiten. Zahlreiche junge Menschen haben sich für die
Teilnahme an diesem Projekt beworben, aber wir haben nicht genügend
finanzielle Mittel. Wir können deshalb nicht alle Bewerber aufnehmen und
müssen eine Wahl treffen. Gegenwärtig nehmen wir vor allem Personen auf,
die aus schwierigen Lebens-Bedingungen kommen. Mädchen vor allem neigen
dazu, schneller aufzugeben und das Programm zu verlassen, bevor sie
überhaupt versucht haben, die Probleme zu bewältigen, die sich während
der Übergangsphase einstellen."
"Grundsätzlich gesehen ist es so, dass die Teilnehmer das
Programm nicht verlassen wollen, aber es gibt einige, die Unterstützung
benötigen. Unser Programm beinhaltet keine therapeutischen
Möglichkeiten, aber wir verfügen über einen Sozialarbeiter, der den
Teilnehmern am Anfang beisteht."
Was erhalten die Teilnehmer über die Unterstützung von
Ausgaben, Unterbringung und Ausbildung hinaus?
"Einer der jungen Männer des Programms sagte mir, "bevor
ich mich dem Kibbuz Ma'agan Michael anschloss, wurde mein Ehrgeiz durch
die Grenzen bestimmt, die mir das Umfeld meiner Wohngegend auferlegte.
Hier erkannte ich, dass ich so gut aussehe und so unterhaltend bin wie
alle anderen und ich wurde als einer von ihnen akzeptiert. Heute
bestimmt der Kibbuz meine Grenzen, ich möchte studieren, ins Ausland
reisen und ich begann mich für verschiedene Dinge zu interessieren."
"Genau dies ist das Ziel des Projektes, indem der
Lebensstil des Kibbuz ihren Horizont erweitert und ihre
Selbsteinschätzung und ihr Selbstvertrauen verbessert."
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
"Das Ziel ist es, zu helfen und Bedingungen zu schaffen,
in denen die Absolventen des Telem-Programmes unabhängig werden und dazu
in die Lage versetzt werden, ihren Beitrag für die Gesellschaft zu
leisten. Dieses Projekt wäre ohne die finanzielle Unterstützung des
Eingliederungsministeriums und privater Förderung wie durch die
Bruderschafts-Stiftung von Rabbi Eckstein nicht möglich gewesen."
Studieren wie arbeiten
Was sagen die Teilnehmer zu diesem Programm?
Yisrael, aus Netivot, wurde in Telem aufgenommen, nachdem
er in der Armee eine verkürzte Zeit gedient hatte. „Als ich in Netivot
wohnte, wurde ich wie ein Nichts behandelt und ich benahm mich wie ein
Nichts. Ich kam in das Kibbuz Nachshon und ich wurde wie ein König
behandelt. Ich studiere jetzt mit dem Ziel, zum Elektrotechniker am
Hanasi College ausgebildet zu werden im Rahmen des Kela-Programmes
(Ausbildungs-Programm für neue Einwanderer).
Mahari Reuvel und Yisrael Andarega sind beide Absolventen
des Programms. Obwohl er das einjährige Programm beendet hat, arbeitet
der 25jährige Mahari nach wie vor im Kibbuz Gan Shmuel obwohl er sich
nicht sicher ist, ob er ein Kibbutznik sein will.
Warum haben Sie sich für ein Kibbuz statt für die
Mechina (Universitäts-Vorbereitungs-Lehrgang) entschieden?
Mahari: "Das Kibbuz hat Vorteile wie Nachteile. Das
Kibbuz-Programm eignet sich nicht so sehr für jene, die studieren wollen
und höhere akademische Grade anstreben. Das Programm eignet sich für
jene, die arbeiten wollen und vor allem für jene, die ihr Abitur
nachholen oder Kurse belegen wollen."
"Wenn ich nach meinem Armee-Dienst nicht in das Kibbuz gekommen wäre,
hätte ich keine Arbeit gefunden und ich hätte gleichzeitig auch nicht
studieren können. Dieses Programm bringt Ordnung in Dein Leben. Man wird
unabhängig und man weiß, in welche Richtung man gehen will."
Yisrael Andarega, 21 Jahre alt, nahm an dem Programm vor
zwei Jahren teil und ist heute Mitarbeiter bei Telex B, einem
Folge-Programm. "Ich habe nicht in der Armee gedient und lebte nach dem
Abgang von der Hochschule bei meinen Eltern. Ich schob die Dinge etwas
vor mich her und während ich mich unter den Möglichkeiten umsah, stieß
ich auf dieses Programm. Zuerst dachte ich – „ich und studieren?
Niemals." Aber ich trat in das Programm ein, zum Teil weil ich das
aufholen wollte, was ich an der Hochschule versäumt hatte. Ich war kein
guter Schüler gewesen und hatte kein volles Abitur abgelegt."
Wie haben Sie sich dem Kibbuz-Leben angepasst?
"Ich bin von Natur aus eine entspannte Person und das
Kibbuz ist gut, wenn man es vom Standpunkt des Studierens, der
Entwicklung und des Weiterkommens sieht. Man lebt und arbeitet am
gleichen Ort und man kann sich entspannen und auf sich selbst
konzentrieren. Ich habe bereits zwei Abitur-Fächer bewältigt. Ich habe
gelernt, dass man mehrere Dinge gleichzeitig machen kann, man kann
lernen und arbeiten und gleichzeitig Zeit für sich selbst haben und sich
fragen, was man eigentlich werden und haben will und sich vom Leben
erwartet."
Keren Hayesod 07-11-2004
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