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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Rechtsanwaltsausbildung in Rumänien – Offizier in der I.D.F.:
Die beduinische "Friedenstaube" von Gaza

Kadett Monir Alkarinawi, verheiratet und Vater eines Kindes, trat im Alter von 28 Jahren in die Armee ein. Er wuchs in Rahat auf, ging in Rumänien zur Universität und dient in Gaza. Während seines Offizier-Lehrganges, den er mit Auszeichnung bestand, brachte seine Frau Drillinge zur Welt. Als erster beduinischer Rechtsanwalt in der I.D.F. ist er neben anderen Dingen auch dafür zuständig, Klageschriften auf arabisch abzufassen, daneben stellt er Einreise- und Ausreisevisa für die Ein- und Ausreise nach Israel aus. "Palästinenser finden es einfacher, mit mir zu sprechen, weil wir uns in unserer gemeinsamen Sprache unterhalten."

Von Yuli Seker

Kadett Monir Alkarinawi, der in der vergangenen Woche seine Offiziers-Ausbildung abschloss und bald zum Leutnant befördert wird, ist nicht einer der üblichen Aufklärer oder ein Kampfsoldat im Wüsten-Aufklärungs-Regiment, wie so viele andere seiner ethnischen Minderheit, die bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (I.D.F.) Dienst tun. Alkarinawi, 31, ist vielmehr der erste Beduine, der in der I.D.F. als Rechtsanwalt arbeitet. "Dies ist der Grund, warum meine Familie in Rahat so stolz auf mich ist", erklärt er. "Wir sind eine sehr große Familie von 6,000 Personen und alle kennen mich, den Rechtsanwalt."

Alkarinawi sollte im Jahre 1992 nach dem Ende seiner Schulzeit am Gymnasium eingezogen werden, aber der Einberufungsbescheid kam einfach nicht an. Während er darauf wartete, erhielt Alkarinawi eine Einladung von einem Verwandten, nach Rumänien zu gehen und dort Jura zu studieren. "Ich entschloss mich dazu, mir diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Ich ging zusammen mit meiner Verlobten nach Rumänien, sie ist jetzt meine Frau."

Als Alkarinawi nach sechs Jahren aus Rumänien nach Israel zurückkehrte, hatte er das Gefühl, dass es für ihn noch etwas anderes zu tun gab. "Ich ging zum kommandierenden Offizier des südlichen Aufklärungs-Abschnittes, Oberst Pini Ganon, und fragte ihn, was ich in der Armee tun könnte", erinnert er sich. "Er überraschte mich mit der Frage: Was hältst du davon, Mitglied der Armee-Rechtsabteilung zu werden?" Ich stimmte sofort zu." Im April 2000, im Alter von 28 Jahren, verheiratet und Vater einer kleinen Tochter, Mai, trat Alkarinawi in die I.D.F. ein. "Ich legte meine Grundausbildung mit 18jährigen Rekruten ab, aber das machte mir nichts aus, weil ich wirklich nur in der Armee sein wollte."

Nach der Einberufung wurde Alkarinawi dem Büro des Rechtsberaters in Gaza zugeteilt. "Ich habe viel Verantwortung," sagt er stolz, "ich bin für die Anträge der palästinensischen Öffentlichkeit auf Einreise- und Ausreisevisa zuständig, für die Übersetzung von Klageschriften an die Einwohner von Gaza wie auch für viele andere Dinge."

"Für mich ist dies eine besondere Aufgabe", fährt er fort. "Viele palästinensische Rechtsanwälte empfinden es als einfacher und leichter mit mir zu sprechen statt mit einem gewöhnlichen Rechtsanwalt, weil wir eine gemeinsame Sprache haben. Die Palästinenser nennen mich "unsere Friedenstaube". Seit kurzer Zeit haben die Mitarbeiter im Büro damit begonnen, mich ebenso zu nennen."

Die erste Hürde, die sich Alkarinawi im Laufe seines Militärdienstes in den Weg stellte, war, als er sich um eine Offiziers-Ausbildung bewarb. "Das war einfach nirgendwo in der Armee vorgesehen", erinnert er sich. Der militärische Rechtsberater von Gaza, Oberst David Binyamin, erkannte, dass es für einen Beduinen von lebenswichtiger Bedeutung war, hier der Verwaltungs-Offizier zu sein, und er begann damit, Briefe an alle und jeden zu schreiben, die eventuell in der Lage waren, zu helfen. Schließlich, nachdem er persönlich mit dem Oberbefehlshaber in Rahat gesprochen hatte, erhielt ich eine besondere Beurlaubung vom obersten Personalleiter der Armee, um mich in einen Offizier-Ausbildungskurs einschreiben zu können. Ich wollte mich in diesen Kurs verbeißen und ihn verschlingen."

Dann, kurz nach Beginn des Kurses, erhielt Alkarinawi eine überraschende Nachricht. "Meine Frau war schwanger – und nicht nur das, sie würde Drillinge bekommen. Ich sagte dies zuerst niemanden, aber später erklärte ich den Ausbildern, dass meine Frau schwanger war und dass sie dies während der Ausbildung besonders berücksichtigen mussten."

So kam es, dass während Alkarinawi trainierte und auf den Übungsplätzen paradierte, um schließlich seine Offiziersnadel zu erhalten, seine Frau zuhause saß, mit einem Bauch, der immer größer wurde. "Ich tanzte gleichzeitig auf zwei Hochzeiten", sagt er und wird ganz poetisch dabei. "Ich bekam meinen Kuchen und aß ihn auch. Ich verfolgte nicht nur die Schwangerschaft meiner Frau, sondern bestand auch die Ausbildung mit Auszeichnung."

Vor drei Wochen wurden die Drillinge geboren – ein Mädchen, Tom, und zwei Buben, Din und Zidan. Diese doppelte Feier wird in einigen weiteren Wochen komplett sein, wenn er als Offizier in das Rechtsberater-Büro in Gaza zurückkehrt. "Ich möchte, dass die gesamte beduinische Bevölkerung weiß, dass auch wir hohe Armee-Positionen erringen können", sagt er. "Ich biete mein Beret und meine Hilfe jedem Beduinen an, der in die israelische Armee eintreten will. Ich möchte auch klarstellen, dass ich vorhabe, so hoch wie nur möglich in der I.D.F. aufzusteigen – sogar bis zum Oberbefehlshaber."

Keren Hayesod 04-12-2003

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem