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Israel Update Nach dem 11. September gilt für die US-Gemeinden:
Jüdische Solidarität und amerikanischer Patriotismus kein Widerspruch

Ha’aretz Editorial, 13. November 2001

Die General-Versammlung der Jüdischen Bundes-Verbände von Nord-Amerika ist in jedem Jahr ein beeindruckender Ausdruck der jüdischen Solidarität – und in diesem Jahr mehr als je zuvor. Die etwa 3500 Repräsentanten der Jüdischen Gemeinden begannen ihre Diskussionen mit einem gefühlsbetonten Gruß und Beileidsausdruck für die Opfer des 11. September. Obwohl nur etwa 70 % von jenen teilnahmen, die eingeladen worden waren, stellten sie angesichts der gegenwärtigen Umstände doch eine beeindruckende Teilnehmerzahl dar.

Die Amerikanischen Juden erlitten, wie alle Amerikaner, am 11. September eine nur schwer zu bewältigende traumatische Erfahrung. Sie sind immer noch damit beschäftigt, diese zu verarbeiten, sich an die neue Realität zu gewöhnen, die sich wiederum permanent und schnell verändert – und bei der Eröffnung der Versammlung schien es erneut so zu sein, als hätte diese neue Realität mit voller Wucht zugeschlagen.

Wenn man nach den Ergebnissen einer kürzlichen Umfrage des jüdischen Wochenmagazins "Vorwärts" geht – und was auch bei der Eröffnung der Versammlung deutlich wurde – so sehen sich amerikanische Juden in ihrer Trauer, ihrem Schock und ihrer emotionellen Unterstützung für ihr kürzlich angegriffenes Land als ein integrierter Teil des riesigen, pluristischen menschlichen Mosaiks, das die Gesellschaft der USA kennzeichnet und bestimmt. Etwa 74 Prozent der Befragten sagten, daß sie sich "der amerikanischen Identität näher fühlen" als Folge des Angriffe vom 11. September.

Neben dem Anstieg der patriotischen Gefühle zeigte die Umfrage auch, daß unter den amerikanischen Juden ein verstärktes jüdisches Identifikationsgefühl zu verzeichnen ist. Diese beiden Gefühle scheinen einander zu unterstützen, dies geht sogar soweit, daß über 90 Prozent der Befragten antworteten, daß ihre amerikanische und jüdische Identität vereinbar seien und keinen Konflikt verursachen würden. "Amerikanische Juden reagierten auf den Angriff vom 11. September mehr als Amerikaner denn als Juden," lautet die Schlußfolgerung von Professor Steven M. Cohen, der diese Umfrage durchführte. "Dies sind Juden, die sich in ihrer amerikanischen Art zuhause fühlen," sagte Cohen, der dies als Zeichen von Reife und Selbstvertrauen wertet.

Die Umfrage zeigte auch, daß die Unterstützung der amerikanischen Juden für Israel als Folge der schrecklichen Erfahrung, die sie durchmachen mußten, gestärkt wurde. Und dies trotz des Argumentes, nach dem viele Amerikaner meinten, daß die Unterstützung der USA für Israel das Motiv für die Terror-Angriffe auf New York und Washington war. Was die Politik der israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern betrifft, so zeigt sich – und das ist nicht überraschend -, daß die Meinungen der amerikanischen Juden ebenso verschieden sind wie die ihrer Brüder und Schwestern in Israel.

Dennoch: Neben ihrem Selbstvertrauen, das fest eingebettet ist in einer Haltung von Solidarität und Zugehörigkeit, gibt es eine zunehmende Wachsamkeit unter vielen amerikanischen Juden, die noch verstärkt wird durch die Betroffenheit über den Ausbruch von ethnischen, religiösen und politischen Empfindlichkeiten und Spannungen, die in der amerikanischen Gesellschaft nach dem Terror-Angriff und dem Beginn des Gegen-Angriffes der US-Regierung gegen Osama bin Laden und seinen Komplizen deutlich wurden. Diese Wachsamkeit ist angebracht, genauso wie eine höchst wachsame jüdische Führungs-Persönlichkeit von Rang nötig ist, um der jüdischen Gemeinschaft der USA den richtigen Weg zu weisen.

keren-hayessod.de / 16-11-01