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Anschlag in Jerusalem:
Wenn Israelis weinen
Von Nachum Barnea, Yediot Ha'haronot 23. 02. 04
Der Terror hat den Abstand zwischen Kitsch und Tod
verkürzt. Mitarbeiter der Zaka (die Organisation von religiösen
Freiwilligen, die nach Terror-Anschlägen zum Einsatz kommen)
beschlossen, einen Bus, der bei einem Terror-Anschlag in Jerusalem
zerstört wurde, nach Den Haag zu bringen. Sie wurden zu diesem Schritt
durch das Exponat angeregt, das der frühere Israeli Dror Feiler bei
einer Kunstausstellung in Stockholm gezeigt hatte. Bis der Bus
angekommen und aufgebaut worden war, war ein weiterer in Jerusalem
explodiert.
Das Gerüst des Busses wird gegenwärtig auf dem kleinen
Platz vor dem "Justizpalast" in Den Haag aufgestellt, im dem der
Internationale Gerichtshof tagt. Es wird viel Aufregung geben und auch
die Ältesten in der Stadt können sich nicht daran erinnern, dass es hier
etwas derartiges bereits gegeben hat.
In ähnlichen Konflikten in der Vergangenheit hat Israel
immer die intelektuelle Seite eingenommen, während die Palästinenser die
emotionelle Seite besetzt hatten. Wir erklärten und sie klagten. Dieses
Mal scheint es so, als wären die Rollen vertauscht. Die Palästinenser
schlagen auf den Tisch und die Israelis und die Juden weinen. Was einen
verlorenen Kampf über die dumme Route des Grenzzaunes und einer
überflüssigen Besetzung gleichkommt, wurde zu einer aufgeladenen
Kampagne über ein einziges Thema –Terrorismus.
Für viele Israelis ist der Gerichtshof in Den Haag,
wenigstens für einen Tag, zu einem Europäischen Pokalfinale geworden, in
dessen Spiel Maccabi Tel Aviv versucht, den Pokal zu gewinnen. Die
Verpflichtung besteht darin, die Fahne zu unterstützen, nicht so sehr
die Mannschaft. Und wir müssen gewinnen. Was wirklich der Kern des
Konfliktes ist, darüber muss der Gerichtshof in Den Haag befinden. Die
PR-Leute des Außenministeriums haben es geschafft, die heutigen Vorgänge
von der Politik zu trennen. Es gibt keine Minister, keine
Knesset-Abgeordneten, keine Rücksichten auf die Außenpolitik. Auch wenn
die arabischen Demonstranten nicht von Tausenden von Israelis überstimmt
werden sollten, so stellt das alles doch einen Erfolg dar.
Es gab im Vorfeld einen seltenen emotionalen Augenblick,
als trauernde Familienmitglieder sich dem riesigen Plakat näherten, auf
dem die mehr als 900 israelischen Terroropfer abgebildet waren, die in
den letzten drei Jahren ermordet worden waren, und darauf nach
Abbildungen ihrer Lieben suchten. Einige weinten bitterlich. Dann teilte
der israelische Botschafter in Holland, Eitan Margalit, mit, dass dem
jüngsten Terror-Anschlag in Jerusalem der Schwager des Handelsattaches
der Botschaft zum Opfer gefallen war.
Aber Tränen beiseite – der Gerichtshof ist eine andere
Sache. Um 10 Uhr morgens nahmen 15 honorige Richter ihre Plätze ein und
der Vorsitzende Richter, ein Rechtsexperte aus China, gewährte den
Vertretern der Palästinenser das Rederecht. Drei Stunden lang legten die
Palästinenser dar, warum aus ihrer Sicht die Mauer ein Unrecht
darstellt. Es war so langweilig wie eine Rede bei der UNO. Darauf
folgten Redner aus Süd Afrika, Algerien, Saudi Arabien und Bangladesch.
Nicht ein einziges Wort wurde zugunsten von Israel
gesprochen. Etwas Trost spendet die lächerliche Zusammensetzung der
Anklagebank, da nur 11 Staaten zugestimmt haben, sich an der Verhandlung
zu beteiligen. Neben Süd Afrika und Belize kommen die Richter aus
Ländern, die traditionellen Feinde Israels sind. Zwei Länder, die
ursprünglich teilnehmen sollten, Türkei und Pakistan, verweigerten ihre
Teilnahme im letzten Augenblick, entweder aus Furcht vor den rechtlichen
Folgen oder wegen Druck der USA oder weil sie den anderen Klägern
einfach nicht zustimmten. Das ist ein großer Schritt zugunsten von
Israel.
Der Internationale Gerichtshof in Den Haag ist nicht
Israels Oberster Gerichtshof und seine Richter sind Dalia Dorner oder
Misha Cheshin. Er versteckt sich hinter seiner Stummheit. Es gibt keinen
Dialog. Fragen werden, wenn überhaupt, nur am Schluss gestellt. Die
wirkliche Entscheidung hat er zwischen der amerikanischen/europäischen
Haltung zu fällen, die beide meinen, dass dieser Gerichtshof keine
Autorität hat, sich mit einer politischen Angelegenheit wie der
Grenzmauer zu befassen, und der Haltung, die von der Mehrheit der
UNO-Generalversammlung eingenommen wird, die ursächlich die Anrufung des
Gerichtshofes beantragte. Nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit, wird
er entscheiden, dass er nicht über die Autorität verfügt, sich mit
diesem Thema zu befassen. Das ist es, was Gerichtshöfe für gewöhnlich
tun.
Daniel Taub, der Leiter der Rechtsabteilung des
Außenministeriums, ist im Gerichtssaal anwesend. Er wird seinen Mund
nicht aufmachen. Das 130 Seiten umfassende Dokument, das Israel dem
Gerichtshof vorlegte, bezweifelt dessen Zuständigkeit und beleuchtet
Israels Erfahrung mit dem Terrorismus. Es enthält kein einziges Wort
über die Grenzmauer.
Keren Hayesod 24-02-2004
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