|

Friedensmission erreicht ihr Ziel:
"Wie ein Stein, der ins Rollen kommt"
SPIEGEL ONLINE - 16. Januar 2004
Nach einer langen Reise von ihrer Heimat von Nahost in
die Antarktis haben sie ihr gemeinsames Ziel erreicht: Die acht Israelis
und Palästinenser der Extremexpedition tauften den Gipfel eines bisher
unbestiegenen Berges als Symbol der Hoffnung auf Frieden zwischen ihren
Völkern.
"Wir haben ihn 'Berg der israelisch-palästinensischen
Freundschaft' genannt", meldete Expeditionsleiter Heskel Nathaniel
am Donnerstag per Satellitentelefon nach Santiago. "Indem wir den Gipfel
erreicht haben, haben wir bewiesen, dass Palästinenser und Israelis in
gegenseitigem Respekt und Vertrauen zusammenarbeiten können", las er aus
einer von den jeweils vier israelischen und palästinensischen
Teilnehmern vereinbarten Erklärung vor.
Der Gipfelsieg auf dem 997 Meter hohen Berges im ewigen
Eis der Antarktis ist der Höhepunkt der Reise der acht Männer und
Frauen. Vor 16 Tagen, am Neujahrstag, stachen sie mit der "Pelagic
Australis" vom chilenischen Hafen Puerto Williams aus in See. Die fast
1000 Kilometer lange Fahrt zur Antarktis ging durch eines der
gefährlichsten Gewässer der Welt, in dem das Team einen schweren Sturm
überstehen musste. Zu Fuß ging es dann zum "Berg der
israelisch-palästinensischen Freundschaft" weiter.
Am Donnerstagmorgen noch war wegen heftiger Winde und
Schneefall fraglich, ob Expedition die letzte Etappe zum Berg wagen
konnte. Doch am Abend des vierten Tages ihrer Trekkingtour über das Eis
erreichte das Team "ihren" Gipfel. Ihren Erfolg feierten die Teilnehmer
auf ihre eigene Art: Während die Israelis eine Flasche Champagner
köpften, knieten die drei palästinensischen Männer zum Gebet nach Mekka
nieder. Der Palästinenser Ziad Darwish war zu Tränen gerührt und erzählt
im Tagebuch bei SPIEGEL ONLINE: "Dieser Moment ist so wunderschön: zu
sehen, dass Israelis und Palästinenser dieses gemeinsam geschafft haben.
Und zu Hause tun wir uns gegenseitig all diese schrecklichen Dinge an."
Der israelische Bergführer Doron Erel ist
erleichtert, dass die Mitglieder des Projekts so gut miteinander
ausgekommen sind: "Keiner glaubt, dass wir durch Bergsteigen Frieden
bringen, doch jeder sollte wissen, was Israelis und Palästinenser
schaffen, wenn sie es nur wollen." Und dieses Signal will die
Friedensmission ins Eis in die Welt senden: Wie das Bergsteigen benötigt
auch Frieden ein großes Engagement.
Die Mitglieder der Expedition sind keineswegs typische
"Friedensengel": Zwei der palästinensischen Teilnehmer waren zuvor in
israelischen Gefängnissen inhaftiert - einer wegen Angriffs auf einen
Polizisten und einer wegen Terrorismus. Ein anderer Palästinenser ist
ein Vetter des größten Dichters der Palästinenser, Mahmud Darwisch,
Verfasser der palästinensischen "Unabhängigkeitserklärung". Zwei
Israelis gehörten ehemals zu einer Eliteeinheit der Streitkräfte.
"Ihr Leben wird nie wieder so sein wie zuvor", ist sich
Organisator Nathaniel über die Teammitglieder im Klaren. "Ich glaube an
die Macht der Symbolik", sagte er. Natürlich gebe es kleingläubige
Zyniker, die an der Möglichkeit von Veränderungen zweifelten. Nathaniel
ist jedoch "sicher, dass unser Beispiel andere Menschen inspirieren
wird". Es sei "wie ein Stein, der ins Rollen kommt".
Organisiert wurde die Expedition von der Gruppe Extreme
Peace Missions, unterstützt vom israelischen Peres-Zentrum für Frieden
und nach Angaben der Veranstalter auch vom palästinensischen Präsidenten
Jassir Arafat, Uno-Generalsekretär Kofi Annan sowie den
Friedensnobelpreisträgern Dalai Lama und Michail Gorbatschow.
Deklaration der "Breaking the
Ice"-Expedition:
"Wir, die Mitglieder von "Breaking the Ice', der
israelisch-palästinensischen Expedition in die Antarktis, haben das Ziel
unser langen Reise über Land und See von unser Heimat in Nahost zu der
südlichsten Gegend der Welt erreicht und stehen jetzt auf diesem
unbenannten Berg.
Indem wir den Gipfel erreicht haben, haben wir bewiesen, dass
Palästinenser und Israelis respektvoll und vertrauensvoll
zusammenarbeiten können. Trotz der großen Differenzen, die zwischen uns
bestehen, haben wir gezeigt, dass wir einen ernsthaften und bedeutsamen
Dialog führen können.
Wir sind uns einig in der Ablehnung der Gewalt als Lösung unserer
Probleme und erklären hiermit, dass unsere Völker in Frieden und
Freundschaft zusammenleben können und es verdienen. Als Ausdruck dieses
Glaubens und Wunsches taufen wir diesen Berg auf: 'Berg der
israelisch-palästinensischen Freundschaft'." |
© SPIEGEL
ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Keren Hayesod 16-01-2004
|