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Arafats zweite
Armee
Von Ze'ev Schiff,
Ha’aretz, 19. März
2002
Der Kern der palästinensischen Führung ist der Meinung, dass sich die
Gewalt gegen Israel bezahlt gemacht hat, und diese Ansicht hat sich
nicht geändert, seit Israel seinen, wie seine Führung es bezeichnete,
„größten jemaligen Angriff” gegen Terror-Ziele beendet hat. Dies ist die
wichtigste Schlußfolgerung nach einer Serie von Gesprächen mit
Palästinensern aus diesem Teil ihrer Führung.
Dies sind keine Hamas-Aktivisten, die immer
gesagt haben, dass sie Israel bis zum Tod bekämpfen müssen, sondern
Fatah- und Tanzim-Aktivisten, die Yasser Arafat als ihren Führer
betrachten. Sie wurden in den Territorien geboren und aufgezogen; einige
von ihnen sprechen Hebräisch und kennen Israel. Sie glauben, dass die
bisherigen Erfolge der Palästinenser bis jetzt auf die Gewalt gegen
Israel und seine Bürger zurückzuführen sind und deshalb kann noch mehr
als bisher erreicht werden, wenn sie mit der Gewalt fortfahren oder
diese sogar verstärken.
Deshalb glauben sie, dass die Palästinenser
einem Waffenstillstand nicht zustimmen sollten. Unter jenen, die diese
Meinung teilen, sind Aktivisten, die frühere Bemühungen, einen
Waffenstillstand aufrecht zu erhalten, unterliefen, und sie werden
anscheinend versuchen, ihre Aktionen zu wiederholen. Es gibt innerhalb
dieser Gruppe verschiedene Meinungen zu diesem Thema; einige sagen, dass
es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Waffenstillstand geben, während andere
der Meinung sind, dass dieser verschoben werden sollte.
Jene, die letzterer Meinung zuneigen, müssen
noch eine klare politische Haltung formulieren. Es scheint so, als wären
sie von der “Hisbollah-Theorie” beeinflußt worden – ständige
Gewaltanwendung zwang danach Israel zum einseitigen Abzug aus dem
Libanon und dies könnte auch in den Territorien funktionieren. Sie
glauben, dass diese Taktik in der West Bank und im Gaza angewendet
werden sollte, und später, mit Hilfe von israelischen Arabern, auch in
Gebieten innerhalb der Grünen Linie.
Die Tatsache, dass ein Bruch des
Waffenstillstandes schließlich zu einer israelischen Antwort führen
wird und amerikanische Bemühungen behindert, arabische Unterstützung
für einen Angriff auf den Irak zu gewinnen, ist offenbar nicht das
Wichtigste bei ihren Überlegungen.
Sie sind davon überzeugt, dass die
kürzliche Offensive der IDF mit einem Sieg der Palästinenser geendet
hat. Sie betrachten Flucht und Unterwerfung als Sieg und Erfolg und
ihren Tod als einen Akt von Heroismus. Sie sagen, dass die Truppen
der IDF Angst haben, und der Angriff der IDF die letzte Kugel im
Arsenal der Israelis war. Meine Kontakte erklärten mir nicht, warum
die arabische Welt schwieg, außer dass sie Israel wie üblich
kritisierte. Es ist zu bezweifeln, ob es Arafat wirklich
interessiert, dass der Krieg, nach dem sie trachten, den
Palästinensern viel Leid zufügen würde. Dies war auch nicht der
Fall, als er in das Bett von Saddam Hussein während des Golfkrieges
sprang, und auf diese Weise enormes Leid und Massen-Deportationen
von Palästinensern aus den Golf-Staaten verursachte.
Diese Haltung der etablierten Führung, die
glaubt, dass es zu diesem Zeitpunkt keine umfassenden Verhandlungen
mit Israel geben sollte, weil diese in eine Sackgasse führen und
deshalb eine vergebene Gelegenheit darstellen würden, hat auch
politische Auswirkungen auf die palästinensische Innenpolitik. Sie
sagen, dass Verhandlungen verschoben werden sollten, um die Rückkehr
von jenen alten Verhandlungsführern zu verhindern, die “das
Oslo-Desaster” verursacht hätten, der palästinensischen Sache
ernsten Schaden zugefügt und der Bevölkerung viel Leid zugefügt
haben. Diese Verhandlungsführer, so sagen sie, zogen persönliche
Vorteile aus der Besatzung und sie wurden korrupt. Jetzt müssen die
Palästinenser auf eine neue Generation von Verhandlungsführern
warten. Aber diese haben Angst, sich der Verhandlungs-Abordnung als
Kompromiß anzuschliessen, weil sie dann als Verräter betrachtet
werden würden.
keren-hayessod.de / 21-03-02
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