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Aliyah aus Argentinien nimmt zu:
Papier für Reisepässe ist Mangelware

Von Ya’ir Sheleg, Ha’aretz 18.4.02

Tel Aviv - Am Montag letzter Woche, kurz nach 16 Uhr am Nachmittag, begann für Claudio und Sandra Zlotnick, zusammen mit ihren beiden Kindern, ihr neues Leben in Israel. Nachdem sie praktisch einen ganzen Tag lang von einem Flughafen zum anderen geflogen worden waren – von Buenos Aires über Madrid nach Tel Aviv, landeten sie in Israel, aufgeregt und unsicher. Sie waren so verwirrt, dass sie sich nicht einmal an die Telefonnummer von Claudios Eltern, Luiz und Alviar Zlotnik, erinnern konnten, die in Kfar Saba leben, wo auch sie in ihrer ersten Zeit in Israel wohnen werden. In Argentinien waren Claudio und Sandra im Goldhandel tätig gewesen, aber die ernste wirtschaftliche Krise in diesem Land veranlaßte sie nach Israel auszuwandern, auch wenn sie noch nicht wissen, was sie hier beruflich tun werden. Auf jeden Fall schreckte sie die Sicherheitslage nicht davon ab, Aliyah zu machen.

Ihre Entscheidung, nach Israel auszuwandern, wurde durch den Umstand erleichtert, dass bereits fast ihre gesamte Familie in Israel lebt: Claudios Eltern, Sandras Eltern, Sandras einziger Bruder und seine Familie sowie ein weiterer von Claudios Brüdern und dessen Familie. Nur eine von Claudios Schwestern, Fabiana, blieb im Ausland – und sie lebt in Chile, nicht in Argentinien.

Als Claudio und Sandra landeten, wartete ihre große Familie bereits in der Ankunftshalle des Ben Gurion-Flughafens. Nach dem Wiedersehen mit ihrer Familie, nahmen sie sich etwas Zeit, um die Geschichte der Aliyah der gesamten Familie an sich vorüberziehen zu lassen.

Marcelo Kirzner, Sandras Bruder, war der erste gewesen. Er und seine Frau, die auch Sandra heißt, sowie ihre vier Kinder, waren im Dezember 1997 eingewandert. Nach seinen Worten, nicht aus wirtschaftlichen Gründen, „zu jener Zeit hatten nur zionistische Gründe den Ausschlag gegeben,“ Das Ehepaar ließ sich mit der ersten Welle der „argentinischen Kolonie“ in Kiryat Bialik nieder, die sich hier in den letzten Jahren gebildet hat. Es sieht so aus, als hätten sie sich völlig in ihre israelische Umgebung eingelebt und angepaßt. Sandra nutzte zum Beispiel ihre Beziehungen am Montag in einer Eingliederungs-Halle, in der ihr Schwager und ihre Schwägerin ihre anfängliche Eingliederungs-Prozedur durchliefen, und sie konnte so jeden Schritt dieser Prozedur überwachen, während diese stattfand.

Ein Jahr nach der Aliya von Marcelo und Sandra wanderte Lalo Zlotnick, Claudios Bruder, mit seiner Frau Judith und ihren zwei Kindern ein. Sie ließen sich in Hod Hasharon nieder. Lalo, ein Steuerberater, studierte Steuer-Consulting und wurde der internationale Rechnungsprüfer für eine Leasing-Gesellschaft in Israel. Er erzählt, dass nach der Geburt ihres zweiten Kindes „wir das Gefühl hatten, dass Argentinien nicht mehr unsere Heimat war.“ Er sprach lange mit seinem Bruder und anderen Freunden, die in Argentinien geblieben waren, und versuchte sie dazu zu bewegen, auszuwandern. „Ich sagte ihnen, dass dies das einzige Land in der Welt ist, das uns seine Tore öffnet und meine Freunde antworteten mir darauf, dass mir Israel mit dem Zionismus den Kopf verdreht hat.“

Ziemlich genau zu Beginn der Intifada, im Oktober 2000, machten Sandras Eltern, Pinhas und Ana Kirzner, Aliyah und sie liessen sich in der Nähe ihres Sohnes in Kiryat Bialik nieder, im Mai 2001 wanderten auch Claudios Eltern, Luiz und Alvira, ein und zogen nach Kfar Saba. In dieser Zeit waren Claudio und Sandra fest entschlossen, in Argentinien zu bleiben, weil sie der Meinung waren, dass ihr Geschäft - der Goldhandel – ihre Zukunft sichern würde. Nur durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen und politischen Lage im Dezember änderte sich ihre Meinung und sie entschlossen sich dazu, sich ihrer Familie in Israel anzuschließen.

Als erst einmal die Entscheidung gefallen war, sagt Lalo, ließen sie sich auch von den Sicherheitsproblemen nicht mehr abschrecken. „Sie waren besorgt, aber nicht einen Augenblick lang dachten sie daran, ihre Aliyah zu verschieben, und wir erklärten ihnen, dass die Regierung hier mit den Problemen fertig wird. Argentinien hat nicht einmal eine stabile Regierung, die darauf achtet, dass du nicht an der Bargeld-Maschine vor der Bank umgebracht wirst.“

Claudio and Sandra sind zusammen mit ihren Kindern, Leonardo und Michaela, lediglich vier von 212 neuen Einwanderern, die am Montag letzter Woche mit zwei Flügen über Madrid und Rom aus Argentinien in Israel ankamen (zusätzlich zu den 55 Olim aus Rußland und 14 aus Frankreich). Grundsätzlich ist es so, dass Einwanderer-Flüge aus Argentinien am Dienstag in Israel landen, aber wegen Yom Haatzmaut und um einen festlichen Empfang zu organisieren, bei dem der Vorsitzende der Jewish Agency, Sallai Meridor, die Einwanderer vom Montag als „das schönste Unabhängigkeits-Geschenk für den Staat Israel“ bezeichnete, verlegten die Mitarbeiter die Flüge auf einen Tag vorher. Die neuen Einwanderer wurden von leitenden Mitarbeitern der Agency willkommen geheißen: Vorsitzender Meridor, Schatzmeister Chaim Chesler sowie dem Generaldirektor der Einwanderer-Abteilung, Mike Rosenberg. Die weiteren Olim stellten bei der Ankunft übereinstimmend fest, dass die Sicherheits-Probleme Israels sie nicht abgeschreckt hätten.

Rosenberg sagte, dass die Sicherheits-Probleme gegenwärtig nicht das größte Hindernis für die Aliyah darstellen würde. Obwohl kaum zu glauben, liegt das größte Hindernis gegenwärtig im Papier-Mangel in Argentinien, was es unmöglich macht, die lebenswichtigen Reisepässe auszustellen, um das Land verlassen zu können. „Deshalb sind wir unter bestimmten Umständen gezwungen, die Aliyah-Bearbeitung zu verzögern,” sagt Rosenberg. Nichtsdestoweniger, so gibt er zu, liegt langfristig der entscheidende Faktor in bezug auf die Einwanderung in Israel „im Spannungsfeld der wirtschaftlichen Krise dort und der Sicherheitsprobleme hier.”


keren-hayessod.de / 23-04-02