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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Der Krieg im Norden:
Briefe von Israelis an die Presse

Yediot Aharonot, 1.08.06

Ich musste meiner Tochter gegenüber lügen

Es tut mir leid, meine kleine Noy. In dieser Woche war es das erste Mal in den vergangenen eineinhalb Jahren, dass wir dir eine Lüge erzählen mussten. Die riesigen metallischen Klumpen, die unablässig von Ramat David (der Luftwaffenbasis) in die Luft stiegen, waren keine Vögel. Wir haben dir nur gesagt, ihnen auf Wiedersehen zuzuwinken. Es war kein neues Spiel, das wir erfunden haben, als wir dich mitten in der Nacht aus deinem Bett holten und mit dir in einen anderen Raum rannten. Als wir dir erzählten, dass es Ferien waren, als wir mit dir eine Woche zuhause blieben, war auch das nicht die Wahrheit. Ferien sind etwas völlig anderes.

Als du ein großes Feuerwerk sahst statt den Luli-Kanal im Fernsehen, war auch das keine Programmänderung. Es waren unsere Pläne, die sich geändert haben. Der laute Einschlag, den du in der Nähe gehört hast, war kein Geburtstags-Luftballon und es gab für uns keinen Grund, in die Hände zu klatschen. Und die Worte, die ich auf Arabisch jedes Mal murmelte, wenn ich diesen Mann mit dem Bart und den Turban im Fernsehen sah, übersetze ich dir besser nicht.
Es tut mir leid, Noy. Wir haben gelernt, deine Windeln zu wechseln, dir das Essen vorzubereiten, das du liebst und zu erkennen, was in dir vorgeht, wenn du weinst. Wir waren jedoch einfach nicht dazu bereit und in der Lage, dir zu erklären, was Krieg bedeutet!

Eyal Paradis, Kiryat Tivon bei Haifa

 

Eine ruhelose Nacht

Die Nacht ist still in Kiryat Bialik. Die Sirenen beginnen nur am Morgen aufzuheulen. In diesen Tagen sollte ich eigentlich meine Ferien in Lubliana, Slowenien, genießen. Ich habe sie abgesagt. Das Reisebüro hat mir mitgeteilt, dass ich "den Staat für meinen Verlust" verklagen kann. Weil wir uns nicht "in einem Kriegszustand" befinden. Nein, ich werde mein Land nicht verklagen, dessen Soldaten genau in diesem Augenblick dafür kämpfen, dass keine weiteren Raketen in Kiryat Bialik einschlagen.

Ich kam hier vor 33 Jahren an. Erinnert ihr euch noch an die Fremden und "Neuen", die die Erde küssten? Ich war einer von ihnen. Es war der erste Flug für ein junges Mädchen, das sich immer noch an ihre Gefühle des Stolzes und der Aufregung erinnern kann. Aber ich habe dieses Flugzeug im Sommer 2006 nicht bestiegen. Ich konnte einfach nicht. Mein Herz ist hier und es zieht sich bei jedem Geräusch draußen zusammen, während ich dafür bete, dass keiner meiner Geliebten verletzt werden möge und dass meinem Land nichts zustoßen wird.

Ich laufe seit zwei Wochen die Stufen zum Schutzraum hinunter zusammen mit meinem Hund, der bereits weiß, dass er beim Aufheulen der Sirenen zur Türe rennen muss. Und ich laufe während ich die Raketen irgendwo draußen einschlagen höre, vielleicht wegen meines kleinen Hundes, vielleicht auch deshalb, um eines Tages die Geburt meiner Enkelkinder sehen zu können und die Zukunft meines Landes zu erleben – ohne Sirenengeheul. Ohne die Gräber von 20jährigen Toten – ein stolzes Land einer stolzen Nation.

Die Nacht in Kiryat Bialik ist ruhig. Ruhig? Es ist 5:30 am Morgen – eine Sirene heult auf.

Sonya Shenkerman, Kiryat Bialik bei Haifa

Keren Hayesod 02-08-2006

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem