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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Neues Internet-Ausbildungprogramm des Technologie-Marktführers Cisco Systems mit KH in Israel gestartet:
Das Schließen der "digitalen Lücke"

Von Dudi Goldman, Yediot Aharonot, 5.12.03

Cisco, die größte Internet-Entwicklungsfirma der Welt, startete kürzlich in Israel ein neuartiges Projekt, das es Jugendlichen aus Randgemeinden – sogar vorzeitigen Gymnasial-Abgängern – ermöglichen wird, international anwendbare Computer-Fähigkeiten zu erlernen. "Ein Land, in dem die Lücken zu polarisiert auftreten, wird korrupt und gewalttätig", sagt John Morgridge, der Präsident von Cisco, der Israel zu diesem Anlass einen Kurz-Besuch abstattete, um damit das Projekt zu unterstützen.

"Wirtschaftliche und schulische Ausbildungslücken schmerzen alle, Reiche ebenso wie Arme, und sie sind für eine Gesellschaft gefährlich. Eine Lücke, die zu extrem wird, lässt eine Gesellschaft korrupt und gewalttätig werden." Dies sagte mir in dieser Woche nicht ein Sozialarbeiter, der gegen die Globalisierung kämpft, sondern John Morgridge, Präsident und Vorstandsvorsitzender von Cisco Systems, der größten Internet-Entwicklungs- und Produktionsfirma der Welt, ein Millionär, dessen persönlicher Reichtum auf etwa 58 Millionen Dollar geschätzt wird.

Neben seinen Aufgaben bei Cisco unterrichtet Morgridge an der Management-Schule der Stanford  Universität und widmet einen Teil seiner Zeit auch dem Ziel, die "digitale Lücke" zu schließen – der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lücke zwischen jenen Menschen, die Internetzugang haben und jenen, die darüber nicht verfügen. Offenbar vertieft das Internet, auf den ersten Blick das demokratischste und jedermann verfügbare Medium der Welt, die wirtschaftlichen und sozialen Lücken. Die amerikanische High-Tech-Industrie, die oberflächlich betrachtet, offenbar nur damit beschäftigt ist, ihre Umsätze zu erhöhen, ist sich der Gefahren, die die "digitale Lücke" darstellt, sehr genau bewusst.

Kürzlich kam Morgridge zu einem Blitzbesuch nach Israel, um das Projekt NETA ins Leben zu rufen (ein hebräisches Akronym für: Jugend, Technologie, Zukunft) – ein soziales Unterfangen, dessen Ziel darin liegt, Jugendliche aus Israels Randgebieten mit High-Tech-Themen auf höchsten Niveau vertraut zu machen, wobei gleichzeitig auch soziale Ziele verfolgt werden, vor allem der Aufbau eine Gemeindeführung, die bestmögliche Schulausbildung und die Arbeit zugunsten der Gemeinschaft. Cisco wird im Jahre 2004 für diese Initiative 8,1 Millionen Dollar aufwenden.

Dieses neue Projekt wird von vier Partnern geleitet: Die Tochterfirma Cisco Israel, die das Programm unter dem Namen "Das akademische Programm" sowohl in Israel wie in der ganzen Welt durchführt, um technologisches Wissen zu vermitteln; Keren Hayesod – Vereinigte Israel Aktion, Israels zentrale Spenden-Einrichtung, die die Aufgabe hat, das Projekt mit Spenden der weltweiten jüdischen Gemeinschaft zu finanzieren; die Jewish Agency sowie die Tapuach-Vereinigung, die Gründer der I.D.B.-Gruppe und Leon Recanati, die dafür arbeiten, die digitale Lücke zwischen der Bevölkerung von Zentral-Israel und jener, die in den Randgebieten lebt, zu überbrücken, indem in ganz Israel moderne Computer-Unterrichtsräume gebaut werden.

Das Programm besteht aus einer dreijährigen Studienzeit – von der 9. bis zur 11. Klasse, jeweils am Nachmittag.

Der Lehrstoff enthält ergänzenden englischen Unterricht, die Vorbereitung von auszubildenden Technikern auf Diplome, die in der Computer-Welt anerkannt werden, einschließlich einer Spezialausbildung für Netzwerk-Management, Computer Netzwerk-Kurse und ein fortgeschrittener Kurs in Computer-Technik. Darüber hinaus wird das Programm die Jugendlichen für ein selbständiges Studium über das Internet vorbereiten wie auch für akademische Studiengänge, während gleichzeitig darauf geachtet wird, dass die Studenten gutes Bürgerverhalten entwickeln und Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft.

Der Lehrstoff basiert auf das Akademische Programm von Cisco, das bereits seit vier Jahren in Israel wie in der ganzen Welt im Einsatz ist. In Israel wird das Programm gegenwärtig in acht Städten gelehrt: Karmiel, Ober-Nazareth, Acre, Hadera, Ramle, Kiryat Malachi, Shderot und Beersheva. Vierhundert Studenten aus allen Schichten der israelischen Gesellschaft nehmen zur Zeit an diesem Programm teil.

Eine aufregende menschliche Erfahrung

Die Repräsentantin von Morgridge in Israel und für die Palästinensische Behörde ist Zika Av-Tsuk, 46, eine Mathematikerin und leitende Managerin der Cisco Entwicklungsgruppe in Israel. Was den meisten Israelis nicht bekannt ist, Zika ist in der High-Tech-Gemeinschaft und unter hunderten von Jugendlichen in ganz Israel als "Engel" wegen des Akademischen Projektes, das sie leitet, bekannt. Zika wohnt in Ma’or Aviv, zusammen mit ihrem Mann, dem Psychiater Dr. Adam Rigel und sie ist die Mutter von drei Kindern.

Av-Tsuk, die den akademischen Grad eines Masters in Mathematischer Logik von der Yale Universität besitzt sowie den akademischen Grad eines Bachelor in Mathematik von der Tel Aviv Universität, ist, neben weiteren Dingen, die "Mutter" von 50 jüdischen und arabischen Jugendlichen, die vor kurzem ihren ersten Computer-Kurs im Laufe von zwei Jahren vollendet haben. Für die meisten von ihnen war es das erste Mal, dass Juden Gäste in arabischen Wohnungen waren und umgekehrt. "Es war eine aufregende menschliche Erfahrung und es spielte sich alles innerhalb dieses wunderbaren Prozesses ab, in dem junge jüdische und arabische Menschen, sowohl weltlich eingestellte wie religiöse, geborene Israelis und neue Einwanderer, zusammen zwei Jahre lang studierten und die internationalen Prüfungen der Firma bestanden. Jetzt haben sie einen international anerkannten Beruf, der er ihnen ermöglichen wird, sich einen würdigen Lebensunterhalt überall in der Welt zu verdienen", sagt Zika.

Sie sprechen über die digitale Lücke, als ob es lebenswichtig wäre, Anschluss an das Internet zu haben. Die Lücke liegt jedoch zuerst und vor allem im wirtschaftlichen Bereich. Es gibt jene, die nichts zu essen haben. Eine hungernde Person benötigt kein Internet. Sie benötigt Lebensmittel, einen Ofen und ein Dach über dem Kopf.

"Das hängt alles zusammen. Es beginnt mit der Schulausbildung und erstreckt sich auf andere Dinge. Heute ist der Zugang zum Internet ein wichtiger Baustein in der jeweiligen Ausbildung."

Herr Morgridge, die Hilfe, die private Firmen der Gemeinschaft zukommen lässt, geht manchmal zu Lasten der Verantwortung des Staates. Der Staat und die Legislative sehen, dass großzügige Menschen den Armen helfen, und das kann sie davon abhalten, sich mit dem Problem selbst auseinanderzusetzen. Sind Sie sich dessen bewusst?

"Ja, aber ich beteilige mich nicht an Politik. Ich komme aus der Geschäftswelt und jede amerikanische Firma und jedes geschäftliche Unternehmen weiß, dass Unterschiede zwischen Reichen und Armen schlecht für alle sind. Es ist schlecht für das Geschäft; es ist schlecht für die Menschen; es ist schlecht für das Land und letzten Endes erleidet die jeweilige Firma Schaden. Was noch wichtiger ist, es ist besser einen Schekel in eine Schule zu investieren als fünf Schekel in ein Gefängnis."

Von hier begeben Sie sich zu Gesprächen mit Finanzminister  Netanyahu und Industrie-Minister Olmert. Sie werden von ihnen ohne Zweifel nette Dinge hören. Sind Sie sich des Unterschieds zwischen den Reden der Minister und der beängstigenden Realität in Israel bewusst?

"Ich möchte nicht auf eine Weise antworten, die annehmen ließe, dass ich mich in Israels innere Angelegenheiten einmische, trotz der Tatsache, die mir so bekannt ist wie jedem Geschäftsmann: Die Geschäftswelt benötigt Stabilität. Auch Israel muss Stabilität erreichen. Aber man muss optimistisch sein und ich bin sehr optimistisch."

Av-Tsuk: "Internet und Ausbildung sollen zur Angleichung der Chancen beitragen – dies ist die zweite industrielle Revolution. Die erste Revolution benötigte Männer, um Schienen zu legen; heute werden Menschen benötigt, um die Grundlagen für das Internet zu legen, sowohl im Negev wie im Gallil. Im Rahmen des Cisco-Programmes lernen Jugendliche ein Computer-Kommunikations-Netzwerk zu planen und einzurichten und dieses wunderbare Programm kommt in 136 Ländern auf der ganzen Welt zum Einsatz und in etwa Lehrstätten und Einrichtungen in Israel. Die Jugendlichen, von denen einige aus ländlichen Gegenden kommen, erwerben einen neuen international anerkannten Beruf und sie können sich einen guten Lebensunterhalt fast überall in der Welt verdienen. Übrigens bestehen viele von ihnen das Abitur so nebenbei – das ist etwas, von dem sie in der Vergangenheit nie zu träumen wagten."

Morgridge: "Ich möchte, dass es hier auch Arbeit für Teilzeitkräfte in den Computer-Berufen gibt, ganz so wie in Indien. Man muss nicht nach Indien outsourcen. Es gibt in Israel Arbeitslosigkeit; die gesamte Computer-Arbeit sollte von israelischen Bürgern bewältigt werden – sowohl von Juden wie von Arabern. Nicht von Indern." 

Av-Tsur: "Ich möchte die Ultra-Orthodoxen zurück in die Arbeitswelt bringen. Sie werden einen Nutzen davon haben, so wie die Wirtschaft und jeder von uns. Wie dem auch sei, ich war davon schockiert, als ich entdeckte, dass Israel in Bezug auf die Unterschiede zwischen den besten und schlechtesten Schülern unter 40 Ländern auf dem 39. Platz liegt. Mit anderen Worten, die erzieherische und wirtschaftliche Lücke in Israel wird von Jahr zu Jahr größer und erreicht eine schockierende Größenordnung wie sie in den Ländern der 3. Welt vorherrscht."

Zufälligerweise wurde ein ähnliches Projekt vor zwei Jahren an der palästinensischen Bir-Zeit-Universität gestartet: Bir-Zeit-Lehrkräfte studierten mit ihren israelischen Kollegen und sie mussten örtliche Schulen hinzuziehen. Diese bilden nunmehr die Schul-Lehrer im Gebiet der palästinensischen Behörde aus. Es gibt keine direkten Beziehungen zur Universität – nur via E-Mail.

Keren Hayesod 08-01-2004

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem