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Er ist der ganze Stolz seines Dorfes:
Der erste israelische Diplomat beduinischer Abstammung

Er wurde in einem Dorf geboren, das auf keiner Landkarte verzeichnet ist und weder über fließendes Wasser noch über Elektrizität verfügt ● Er bereiste alleine die Welt im Rahmen einer persönlichen PR-Kampagne, in der er in Vorträgen darüber berichtete, was es heißt, als Beduine in Israel aufzuwachsen ● Kürzlich bestand Ishmael Khaldi die Aufnahmeprüfung für einen angesehenen Lehrgang des israelischen Außenministerums und wurde damit zum ersten israelischen Diplomaten beduinischer Abstammung.

Von Ilil Shachar und Jalal Bana, Ma'ariv 25.8.04

Die meisten Einwohner des beduinischen Dorfes von Khawalid wussten nichts davon, dass einer ihrer Mitbewohner, der 34jährige Ishmael Khaldi, für einen Ausbildungslehrgang des israelischen Außenministeriums für Diplomaten zugelassen worden war, was diesen damit zum ersten Beduinen machte, der in den diplomatischen Dienst des israelischen Außenministeriums aufgenommen wurde. Khaldi, Inhaber eines Master-Diploms für internationale Beziehungen, ist eines von vielen Kindern seines Dorfes, aber einer der wenigen Bewohner hier, der eine höhere Schulausbildung vorweisen kann.

Khadli wurde unter 2,000 Bewerbern ausgewählt, nachdem er eine Reihe von Vorprüfungen in allgemeinem Wissen, Englisch und weiteren Fächern erfolgreich bewältigt hatte. Wenn der Kurs in einem Jahr beendet sein wird, werden Khaldi und die 23 weiteren Teilnehmer als anerkannte Diplomaten in den Dienst des israelischen Außenministeriums eintreten.

"Es gibt Zorn und Verbitterung gegenüber den örtlichen städtischen Behörden und gegenüber einzelnen städtischen Angestellten, die uns Beduinen diejenigen Dinge vorenthalten, auf die wir einen Anspruch haben. Aber der Staat Israel ist mein Land und auch meine Großmutter baute vor 60 Jahren dieses Land auf. Ich möchte jungen Beduinen zeigen, dass jene, die das Dorf verlassen wollen, dies auch können und es bis zu angesehenen und ausgezeichneten Berufen bringen können, wie den Dienst beim israelischen Außenministerium."

Drei Kilometer bis zum Bus

Bis zum Jahr 1993 war das Dorf Khawalid, in der Nähe von Kiryat Tivon, von den Behörden als solches nicht offiziell erfasst gewesen, und alle Versuche, das Land zu erschließen, schlugen wegen der Entschlossenheit und der Standhaftigkeit seiner Bewohner fehl. Die 600 Einwohner des Dorfes sind vor allem Gelegenheitsarbeiter mit keinem festen Arbeitsplatz und der Prozentsatz jener mit einem akademischen Abschluss liegt praktisch bei Null. "Es gab nichts in unserem Dorf. Kein fließendes Wasser, kein Telefon, nicht einmal eine Schule", sagt Khaldi. "Ich möchte jungen Beduinen zeigen, dass jene, die dies wollen, das Dorf verlassen können und es sogar zu angesehenen und ausgezeichneten Berufen wie im Außenministerium bringen können. Alles was sie dazu benötigen ist persönlicher Einsatz."

Die staubige Strasse, die ins Dorf führt, muss dringend ausgebaut werden und stellt auch für ein Allradfahrzeug eine Herausforderung dar. Die Kanalisation funktioniert nur manchmal und nur wenige abgelegene Häuser verfügen über elektrischen Strom. Weil es zum Dorf keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, müssen die Kinder drei Kilometer weit gehen, um die nächste Bushaltestelle auf der Hauptstrasse zu erreichen.

"Ishmael ist wirklich der Stolz des gesamten Dorfes", sagt Khaldis früherer Lehrer der Schule, Muchamed Kazali, Mitglied des Zvulun Regional-Rates. "Er ist ein vorbildlicher Sohn. Er war immer klug und strengte sich immer an, und seine Noten waren immer mit die besten auf der Schule. Aber was an ihm so einzigartig ist, ist nicht der Umstand, dass er ein Beduine ist, sondern seine Entschlossenheit und sein Wille, es zu etwas zu bringen und seine Wünsche zu realisieren, trotz der bestehenden Schwierigkeiten und der harten Umgebung, in der er aufgewachsen ist."

Bedeutender Öffentlichkeits-Vorteil

Khaldi wurde bereits vor seinem Eintritt in den außenpolitischen Dienst öffentlich tätig. Während eines privaten Besuches in den Vereinigten Staaten wurde er dazu eingeladen, einen Vortrag über seine Erfahrungen als israelischer Beduine an einer der Universitäten zu halten. Sein Vortrag wurde schnell bekannt und er wurde von Studentenorganisationen und jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt eingeladen. Vor kurzem kehrte Khaldi von einer Reihe von Vorträgen zurück, die er in Australien gehalten hatte. Trotz seine Gefühles, dass sein Dorf vernachlässigt wird und nicht genügend Sozialunterstützung erhält, hegt er gegen die Regierung von Israel keinen Groll. "Es gibt Zorn und Verbitterung gegenüber den örtlichen städtischen Behörden und gegenüber einzelnen städtischen Angestellten, die uns Beduinen vorenthalten, wozu wir berechtigt sind", sagte er kürzlich und fügte hinzu: "Aber der Staat Israel ist mein Land und auch meine Großmutter baute dieses Land vor 60 Jahren auf."

Es gibt im diplomatischen Dienst des Außenministeriums 4 Drusen und 2 Araber, aber bisher hat es in diesem Bereich noch nie einen beduinischen Diplomaten gegeben. Der Dienst begann vor über einem Jahrzehnt damit, als Moshe Arens Außenminister war, Araber einzustellen. Sprecher des Außenministeriums betonen, dass nichtjüdische Diplomaten einen ganz besonderen Vorteil in der Öffentlichkeit haben. "Wenn ein arabischer Diplomat die israelische Regierung lobt oder diese angesichts einer palästinensischen Diffamierung verteidigt, dann ist dies von ganz besonderer Bedeutung", wie dieser Sprecher des Außenministeriums sagt. Nach seinen Worten "hinterlässt es einen tiefen Eindruck, wenn arabische Diplomaten erklären, dass sie in Israel als gleichberechtigte Bürger leben und dass das Gericht in Nazareth den einzigen weiblichen moslemischen Richter in der ganzen Welt aufweist."

Auszeichnung für das Außenministerium

"Wir sind daran interessiert, in unseren Dienst Mitarbeiter aus allen gesellschaftlichen Bereichen aufzunehmen", sagt der Leiter der Ausbildungsabteilung des Außenministeriums, Boaz Modai. "Wir wollen nicht, dass unsere Mitarbeiter alle aus dem gleichen Bereich kommen. Wir ziehen eine Mischung aus allen sozioökonomischen Gesellschaftsschichten und Bereichen vor. Wir suchen kreative Menschen, die etwas in Bewegung setzen können und über Initiative verfügen, und Ishmael erfüllt diese Voraussetzungen". Nach den Worten von Modai "ist der Kurs ganz besonders intensive. Wir nehmen die Teilnehmer auf Reisen durch das ganze Land mit und sie müssen an verschiedenen Arbeitskreisen teilnehmen. Sie verbringen auch einen ganzen Shabbat damit, in dem sie über das Judentum Informationen sammeln, da wir feststellen mussten, dass viele Personen, die in den diplomatischen Außendienst eintreten, kaum eine Ahnung vom Judentum haben." Unter den Kursteilnehmern sind vier Frauen und zwei IDF-Offiziere, die zum ersten Mal dabei sind. Dies ist der erste derartige Kurs in zwei Jahren, was auf die Kürzungen im Haushalt des Außenministeriums zurückzuführen ist. "Diese Kadetten sind hoch motiviert, weil sie auf diesen Kurs seit langem gewartet haben. Dies ist auch ein Hinweis darauf, dass wir es dieses Mal mit ganz besonders fähigen Teilnehmern zu tun haben werden", fügt Modai hinzu.

Außenminister Silvan Shalom sagte kürzlich, "ich bin glücklich, dass in meiner Amtszeit der erste beduinische Kadett in diesen Kurs aufgenommen wurde. So sollte es auf allen Gebieten sein und ich lege Wert darauf, dass sich das israelische Außenministerium an so vielen Bereichen wie nur möglich, besonders an arabischen Bereichen, beteiligt. Es stellt eine Auszeichnung nicht nur für das Außenministerium sondern für ganz Israel dar, wenn der diplomatische Dienst des Landes die gesamte Vielfalt und Breite der israelischen Gesellschaft repräsentiert."

Keren Hayesod 15-10-2004

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