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Die Mutter, die ihre einzige Tochter bei dem Terror-Anschlag
am Dolphinarium in Tel Aviv verlor, brachte einen Jungen zur Welt:
Ich werde in Zukunft wieder “Mutter” gerufen
Von Natasha Mozgovia,
Yedihot aharonot, 28.07.02
Der Schmerz über den Verlust ihrer Tochter Mascha (14)
verursachte bei Olga Tagiltsav eine Fehlgeburt. Nach wiederholten Versuchen
wurde sie wieder schwanger. Heute wiegt sie einen neugeborenen Jungen in den
Schlaf; in ihre Trauer hat sich ein Hauch von Freude gemischt.
„Ich hoffe, dass ich noch weitere Kinder haben kann; sonst
wäre mein Leben vorbei,” schluchzte Olga Tagiltsav (35) nach dem
Terror-Anschlag auf das Dolphinarium in Tel Aviv im Juni des Vorjahres, bei
dem ihre einzige Tochter Mascha (14) getötet worden war. Sogar in den frühen
Stunden des Freitagmorgens dieser Woche hatte sie Tränen in den Augen - aber
dieses Mal waren es Freudentränen, denn sie hatte gerade ihren Sohn zur Welt
gebracht und seine winzige Hand hielt ihren Finger fest umschlungen.
„Ich bin so glücklich,” sagt Olga mit zitternder Stimme.
„Es ist wunderbar, dieses Geschenk des Himmels, nach diesen schwierigen 14
Monaten, in denen mich niemand “Mutter” rief. Die Friedhofs-Stille, die in
mein Haus eingedrungen war seit dem Tag des Anschlages, war unerträglich
gewesen. Es schmerzt mich, dass Mascha nicht unter uns ist, aber ich bin
voller Freude. Mein Herz ist zerrissen zwischen Schmerz und Glück. Ich
wollte ein Mädchen, aber ich hatte Angst, dass ich jedes Mal, wenn ich sie
ansehe, Mascha darin sehen würde. Ich bin froh, dass es ein Junge ist, und
dass nach so langer Zeit endlich wieder jemand da ist, der mich “Mutter”
rufen wird.
„Monate nach dem Dolphinarium-Anschlag dachte ich, dass
ich verrückt werde,” erinnert sie sich. „Jedes Mädchen auf der Strasse
erinnerte mich an meine Tochter. Es schmerzte mich, wenn ich Kinder sah, die
den Anschlag überlebt hatten. Nur nachdem ich ihre Augenzeugenberichte
gelesen hatte, verstand ich, was sie durchgemacht hatten.“ Einige Monate
nach dem Anschlag und nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen, schwanger zu
werden, entschloss sich Olga dazu, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
„Ich habe in Wirklichkeit zwei Kinder bei dem Anschlag verloren, denn ich
war gerade schwanger geworden als es geschah und ich hatte eine Fehlgeburt,“
sagt sie, als sie sich die Ereignisse wieder vor Augen führt. „Als ich
versuchte, nach der Katastrophe wieder schwanger zu werden, suchte ich einen
Arzt auf und plötzlich sagte er zu mir: Sie benötigen keine Behandlung; Sie
sind bereits schwanger.“ Das war das erste Mal nach dem Anschlag, dass ich
wieder lächeln konnte.“
Nach einem der Terror-Anschläge in Netanya stellten sich
bei Olga Früh-Wehen ein; deshalb was sie in den letzten Monaten ihrer
Schwangerschaft zur Bettruhe gezwungen gewesen. Doch trotz aller Ängste von
ihrer Seite, wurde das Baby gesund, ganz - und als süßes Kind geboren.
„3,600 Gramm reine Freude,” sagt sie lachend. Hin und wieder kitzelt sie das
schlafende Kind - das noch keinen Namen hat - und fragt voller Angst: ‘Hei
du, bist du am Leben?“
Heute soll sie aus dem Krankenhaus entlassen werden, aber
ihr Herz ist unruhig. „Ich fürchte mich davor, in die Zukunft zu blicken,”
gibt sie traurig zu. „Niemand in Israel ist sicher und es ist unmöglich,
irgendwelche Pläne zu machen. Als wir nach Israel auswanderten, träumte ich
davon, eine Großmutter zu werden, und jetzt bin ich in einer Situation, in
der ich selbst wieder von vorne beginnen muss. Ich fürchte mich davor, daran
zu denken, wie mein Kind aufwachsen wird.”
Alle zwei Wochen geht sie zum Grab ihrer Tochter auf dem
Friedhof von Netanya. „Bis jetzt habe ich mich nicht damit abfinden können,
dass sie nicht mehr unter uns ist. Ich spreche mit ihr jede Nacht, bevor ich
einschlafe. Wenn mein Sohn etwas älter sein wird, werde ich ihm erzählen,
dass er eine Schwester gehabt hat und wie sehr sie ihn geliebt hätte. Ich
möchte ein weiteres Kind haben - ein Mädchen. Ich werde ihr einen ähnlichen
Namen wie Mascha geben - Michelle.”
Keren Hayesod
02.04.2008
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