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Gedenk-Feiern in Israel für die 21 Opfer
des Terror-Anschlages am Dolphinarium:
Trauer an der Gräbern der Kinder
Von Natasha Mozgovya
Yediot Aharonot 23.5.2002
Teddy-Bären, Luftballons, Puppen und
kleine Delphin-Abbildungen wurden in der letzten Woche am 22. Mai auf
Grabsteinen in Friedhöfen überall in Israel bei Gedenk-Feiern angebracht,
die anlässlich des ersten Jahrestages (nach dem hebräischen Kalender) des
Terror-Anschlages auf des Dolphinarium in Tel Aviv abgehalten wurden, bei
dem 21 Jugendliche getötet und 70 weitere verwundet worden waren.
Die fröhlichen Farben der Ballons verstärkten
nur den schockierenden Eindruck, lächelnde Gesichter von Jungen und Mädchen
im Teenager-Alter zu sehen, die auf Marmor-Grabsteinen eingemeißelt waren.
Das vergangene Jahr seit dem mörderischen Anschlag am Eingang der Diskothek,
der 21 jungen Menschen das Leben kostete, hat den Schmerz nicht gemildert.
Achtzehn Rosen wurden auf das Grab von Marina Barkovsky sel. A. im
Yarkon-Friedhof gelegt, sie hätte in diesen Tagen ihren 18. Geburtstag
gefeiert. Farbige Ballons stiegen über dem Grab von Anya Kotchov sel. A.
(15) in den Himmel. Zwei junge Mädchen standen an zwei anderen Gräbern und
weinten voller Schmerz über den Tod ihrer Freunde Ilya Gutman und Roman
Janshvili sel. A.
Dutzende von Schülern der Shevah Mofet Schule, die sieben ihrer Schüler bei
dem Terror-Anschlag verloren hatte, besuchten die Gräber ihrer früheren
Schulkameraden. Die jüngeren Geschwister von denjenigen, die getötet worden
waren und die diese Schule noch besuchen, stellen eine schmerzvolle lebende
Verbindung zur Tragödie jenes Tages dar. Sasha Kotchkov, 12, lernt an der
gleichen Schule, die seine Schwester Anya besuchte. "Zuhause ist es
langweilig geworden," sagte er am Tag der Gedenkfeiern am Grab seiner
Schwester. "Wir haben alles gemeinsam gemacht, wir spielten am Computer, wir
räumten unsere Zimmer auf. Es war sehr schwer für mich, dieses Jahr zu
überstehen."
"Nichts bewegt sich jetzt mehr," erzählt Ilya Gutmans sel. A. (19) Mutter,
der er früher half, ihren jüngeren Sohn Misha aufzuziehen, der an
Gehirn-Lähmung leidet. "Ich machte mir um Mishas Zukunft keine Sorgen, denn
ich wusste, dass Ilusha immer bei ihm sein würde. Jetzt haben wir keine
Zukunft mehr. Wir tun alles, um unseren zweiten Sohn großzuziehen, aber die
Hälfte meines Herzens ist zerstört worden."
"Dieser Schmerz wird nie vergehen," sagt Misha Gutman, Ilyas jüngerer
Bruder. "Alles hat sich seit seinem Tod verändert. Ich bin einsam und
abhängiger von der Hilfe von fremden Menschen geworden. Er war
unvergleichbar, sowohl als Bruder wie als Mensch. Seine Brillen und seine
Armbanduhr sind noch zuhause, wo er sie zurückgelassen hat. Seine Freunde
kommen immer wieder zu Besuch, aber die Zeit hat den Schmerz nicht heilen
lassen."
Die trauernden Eltern, Verwandte und Freunde standen an den Gräbern der
Kinder. Faina Dorfman, deren einzige Tochter, Yevgenia, ihren Verletzungen
19 Tage nach dem Anschlag erlag, sagt voller Schmerz: "Ich bin gekommen, um
sie alle zu besuchen. Als meine Tochter im Krankenhaus um ihr Leben rang,
versuchte ich den Gedanken zu verdrängen, dass jene Kinder, die gestorben
waren, gerade beerdigt wurden. Erst jetzt sehe ich all diese Gräber und kann
das Ausmaß der Tragödie ermessen - und dass es nicht nur meine Tragödie ist.
Es war ein schockierendes Blutbad. Was mich besorgt macht ist der Umstand,
dass die Menschen uns nach einem Jahr vergessen könnten, es ist schrecklich
schwer, alleine zu sein."
Die Gedenkfeier für Diaz (Dani) Normanov sel. A. (21) fand auf dem
Militär-Friedhof in Kiryat Shaul statt. Seine Mutter hielt auch eine
Gedenkfeier für ihn in einem Restaurant in Bat Yam ab, wo ein Lied über sein
Leben gesungen wurde. Diaz war alleine nach Israel eingewandert und hatte
seine Mutter angefleht, ihn zu besuchen, aber er sollte sie vor seinem Tod
nie wieder sehen. Sein älterer Bruder Simion, der ein Oberst in der
russischen Armee war, machte kürzlich Aliyah und er bestand darauf, in die
Armee eingezogen zu werden, genauso wie sein Bruder, der sich in Israel
verliebt hatte.
Faina Nelimov stand an einem der Gräber und trauerte um ihre beiden
Enkeltöchter, Yelena (18) und Yulia (16). “Ihr habt uns in Israel alle Türen
geöffnet. Wegen euch kennt uns jeder, aber jeder Tag bringt uns neuen
Schmerz."
Glück von Trauer getrübt:
Die Mutter der 14jährigen Masha sel. A. ist schwanger
Olga Tagiltzev, die ihre einzige Tochter Masha sel. A. (14) bei dem
Terror-Anschlag verlor, konnte der Gedenkfeier auf dem Natanya-Friedhof
nicht beiwohnen.
Olga ist im siebten Monat schwanger und erwartet einen Sohn. Ihre Ärzte
haben es ihr untersagt, das Bett zu verlassen, weil kürzlich Wehen
eingesetzt haben. "Das hat mit meinem nervlichen Zustand zu tun," sagte sie
am Gedenktag bei sich zuhause. "Mir geht es schrecklich. Ich bin dieses
ganze Jahr über zuhause geblieben. Meine Wehen begannen kurz nach dem
Terror-Anschlag auf dem Markt in Natanyah und jetzt darf ich das Bett nicht
mehr verlassen. Heute abend wird ein Garten an Natanyas Ort-Schule dem
Gedenken meiner Tochter und ihrer Freundin gewidmet, und ich werde auch
diesem Festakt nicht beiwohnen können."
Aus Besorgnis um ihre zerbrechliche Verfassung hat die SELA-Organisation
(die Einwanderern in kritischen Lagen beisteht) vor, Olga einen Privat-Arzt
zur Verfügung zu stellen, der ihr die Entbindung erleichtern soll.
Keren Hayesod
02.04.2008
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