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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Jewish Agency und Stadtverwaltung von Eilat helfen Single-Parents-Familien:
Kampf ums Überleben in der Stadt der Erholung

Von Kobi Ben-Simhon – Haaretz – Englische Ausgabe

A. (Name der Redaktion bekannt) ist 42 Jahre alt, aber sie sieht etwas älter aus: Sie ist mager, müde und sie ist eine erschöpfte Frau. Vor sechs Jahren, nach ihrer Scheidung, nahm sie ihre fünf Kinder und zog von Be'er Sheva nach Eilat. Sie dachte, dass sich die Dinge für sie hier regeln würden. Jetzt hat sie nicht einmal Zeit, um sich an den Strand zu legen.

"Ich kämpfe mit all meiner Kraft darum, dass meine Kinder am Morgen ein Käsebrot zum Frühstück bekommen, und darum, dass sie ein warmes Mittagessen erhalten", sagt sie. "Es gelingt mir auch, aber nur mit größter Mühe. Ich stehe um fünf Uhr morgens auf, langsam bereite ich mich auf den kommenden Tag vor. Wenn die Kinder aufwachen, bin ich bereits fertig. Sie sehen nicht, wie ich zusammenbreche. Sie gehen davon aus, dass Mama immer alles bezahlen wird, Mama wird immer einer Lösung finden. Mama verzweifelt niemals."

Die Familie von A. ist eine von über 2000 alleine erziehenden Familien, die in Eilat leben, einer Stadt, die die höchste Zahl derartiger Familien im gesamten Land aufweist: Nach den Angaben der Stadtverwaltung von Eilat weisen 20 Prozent der Haushalte hier nur einen Elternteil auf, im Vergleich hierzu liegt der Durchschnitt im Land bei 6,4 Prozent (Quelle: Statistisches Büro Israels, 2004).

Um den ihr zustehenden Einkommens- und Lebensmittelzuschuss vom nationalen Sozialamt nicht zu verlieren, arbeitet A. auch "schwarz".

"Wenn ich einen Gehaltszettel hätte, würde man mir den Wohlfahrtszuschuss von monatlich NIS 2500 im Monat streichen. Zuhause haben wir eine Bahrschachtel mit Geld darin. War auch immer etwas verdient, tut es da hinein", sagt sie.

Ihr Sohn, ein Soldat, arbeitet an den Wochenenden als Barmann in einem Hotel, und auch ihre beiden anderen Kinder im Gymnasialalter helfen aus. A. arbeitet nachts als Putzfrau, um den jährlichen Klassenausflug bezahlen zu können und um sicherzustellen, dass ihre Familie Zahnpasta hat.

Eilat, die Stadt der Erholung und der Entspannung, wo der Sommer nie endet, verfault im Grunde von innen her. Nach den Zahlen des städtischen Sozialamtes, leben die meisten der allein erziehenden Familien von der Sozialfürsorge. Und nicht deshalb etwa weil sie arbeitslos sind - die Arbeitslosenrate liegt in Eilat lediglich bei etwa 6 Prozent – vielmehr ist es so, dass die Jobs des Elternteiles einfach nicht genug einbringen, um davon leben zu können – und wenn ja, dann reicht das Einkommen gerade so.

Stadt der Zuflucht

Um örtlichen allein erziehenden Familien etwas mehr soziale Unterstützung zukommen lassen zu können, hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Jewish Agency das Yahdav (Gemeinsam) Zentrum gegründet, das ausschließlich allein erziehenden Familien kulturelle und soziale Aktivitäten anbietet. Das Zentrum wurde vor etwa 10 Jahren eröffnet und betreut gegenwärtig etwa 70 Familien, so die Koordinatorin von Yahdav, Aviva Kalifa.

"Auch wegen der räumlichen Entfernung leben die meisten der allein erziehenden Familien in Eilat recht isoliert. 60 Prozent der 70 Familien im Zentrum zogen von außerhalb nach Eilat, weil sie möglichst weit weg wollten von den Ehemännern und den Orten, wo sie bisher gewohnt hatten", sagt Kalifa.

Eilat wird als Ort der Erholung angesehen, als ein Platz, an dem man ein neues Leben beginnen kann. Deshalb kommen auch so viele allein erziehende Familien hierher, sagt Kalifa weiter.
Yael Cohen, 35, zog vor 10 Jahren aus dem Norden des Landes nach Eilat, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hatte. Sie hatte das Angebot erhalten, einen Bekleidungsladen zu leiten, und eine kurze Zeit lang sah es so aus, als ob sich ihr Leben zum besseren wenden würde. Aber innerhalb von sechs Monaten schloss das Geschäft und damit begannen für sie die Probleme.

"Ich hatte eine zweijährige Tochter und ich fühlte, wie sich mein Leben in einem Abwärtsstrudel bewegte", sagt sie. "Dennoch", fügt sie an, "werde ich Eilat nicht verlassen. Ich liebe diese Stadt, das Meer und die Atmosphäre, die es so nirgendwo sonst in Israel gibt. Das größte Problem liegt für mich darin, eine Arbeit zu finden, die mir liegt und die es mir erlaubt, auch mit meiner Tochter zusammen zu sein. Um nachts zu arbeiten, benötige ich einen Babysitter, der mich NIS 15 pro Stunde kosten würde, während ich NIS 17.50 pro Stunde verdienen könnte. Deshalb lohnt es sich für mich nicht zu arbeiten", sagt sie.

Um aus dem Haus heraus zu kommen und der Einsamkeit zu entkommen, besucht sie mit Freunden das Yahdav-Zentrum und feiert dort die Freizeiten und die Geburtstage der Kinder. Um 3:30 nachmittags kommen die ersten Mütter mit ihren Kindern im Zentrum an, das in der Los Angeles-Strasse der Stadt liegt. Innerhalb von Minuten ist der Ort voller Aktivitäten: Kinder rennen in Räumen umher, die farbige Wände aufweisen, die mit Bildern von Bären und einer riesigen Sonne bedeckt sind. Am Montag und Mittwoch jeder Woche gibt es gemeinsame Mahlzeiten, die von den Müttern vorbereitet werden; am Dienstag kommt ein Lehrer, der den Kindern bei den Hausaufgaben hilft; und einmal pro Woche gibt es außergewöhnliche Aktivitäten. Manchmal gehen sie auf einen Ausflug (den das Zentrum bezahlt) und an jedem Tag der Woche dient das Zentrum auch als Unterstützungsgruppe für Mütter, die Kinderkleidung austauschen sowie Vorschläge für Schulen und Jobs diskutieren.

Die hohe Zahl der allein erziehenden Familien wirkt sich auf fast alle städtischen Dienstleistungen aus. Nach den Angaben des Bürgermeisters von Eilat, Meir Yitzhak-Halevy, entstammen 20 Prozent der Kinder an den Schulen allein erziehenden Familien und 40 Prozent der eingewanderten Kinder an den örtlichen Gymnasien kommen aus ähnlichen Familiensituationen. Die Stadtverwaltung von Eilat, sagt Yitzhak-Halevy, kann mit diesem Problem alleine nicht fertig werden.

"Es ist unmöglich, nationale Aufgabe örtlichen Behörden aufzubürden. Wir eröffnen Tageserziehungsstätten an Kindergärten für gefährdete Jugendliche, wir fördern Tagesstätten und gewähren Rabat auf städtische Steuern, aber es ist unmöglich, wir benötigen Hilfe", sagt er.
Das Beschäftigungs-Programm des Industrieministeriums für allein erziehende Eltern wird als Ausweg für die Stadt angesehen. In den letzten Monaten ist dieses Ministerium und das Finanzministerium mit Vertretern der Stadtverwaltung in Kontakt gewesen, um für ein Programm zu werben, das darauf abzielt, die Berufsaussichten von allein erziehenden Müttern durch Fortbildungsprogramme zu verbessern.

In der Zwischenzeit heißt es für die Betroffenen warten. Miri Vaknin, eine Angestellte des Zentrums, ist selbst eine allein erziehende Mutter.
"Ich kann den Vater meiner Tochter nicht auf die Zahlung von Vaterschafts-Beiträgen verklagen, weil er ein Drogenabhängiger ist", sagt sie, "und ich kann auch die nationale Wohlfahrtstelle nicht auf Zahlung von Lebensmittelzuschüssen verklagen, weil ich arbeite. Also muss ich meine drei Kinder mit einem Mindestgehalt von monatlich NIS 3,200 versorgen."

Als ob das noch nicht genug wäre, wird ihr als arbeitende Mutter lediglich ein Steuerrabatt von 20 Prozent von der Stadtverwaltung gewährt, während arbeitslosen Müttern 70 Prozent gewährt werden.
"Es fehlt hier am grundsätzlichen Verständnis", sagt Vaknin. "Niemand hier will, dass die eigene Familie von der Wohlfahrt abhängt; alle wollen ihre Kinder mit Würde unterstützen. Aber auch wenn wir arbeiten, müssen wir am Ende jedes Monats abwägen, was wir zuerst bezahlen sollen: Die Stromrechnung oder die Miete, oder sollen wir uns zuerst einige warme Kleidungsstücke anschaffen?"

Sylvie Eshel, eine erfahrene freiwillige Mitarbeiterin des Yahdav Zentrums, deren Tochter eine allein erziehende Mutter ist, blickt sich traurig um: "Dies sind junge Frauen", sagt sie besorgt und wir leben abgelegen. Es ist sehr schwierig, einen neuen Partner zu finden, sich ein Gehalt zu verdienen ist schwierig, alles ist sehr schwierig."
Nach ihren Worten lebt ihre Tochter, wie auch andere Frauen, im Schatten der Angst vor dem Sozialamt.

"Sie haben Angst davor, dass wenn sie eingestehen, keine Lebensmittel zu haben, ihnen ihre Kinder weggenommen werden und wenn sie etwas Nagellack auftragen, wirft man ihnen vor, Geld zu haben und deshalb werde man ihnen die Zuschüsse kürzen. Prüfer des Wohlfahrtsamtes kommen in ihre Wohnungen und schnüffeln in ihren Kleiderschränken herum – auf der Suche nach einem eventuellen Mann, der sie unterstützt."

Keren Hayesod 05-02-2006

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem