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Für viele junge äthiopische Einwanderer die "Eintrittskarte" nach
Israel:
Eingliederung auf "natürliche" Art
Wie der Wanderclub der
Gesellschaft für den Schutz der Natur in Israel (SPNI) zur Integration
von jungen äthiopischen Juden in Israel beiträgt und sie auf den
Militärdienst in der IDF vorbereitet
BaMachane, von Stav Shapir, 17. Oktober 2005
Genau vor einem Jahr veröffentlichte die hebräische
Tageszeitung "Yedioth Acharonot" das Ergebnis einer Umfrage, die vom
Geokartografischen Institut Israels durchgeführt worden war. Nur etwa
50% der Befragten waren danach der Meinung, dass äthiopische Jungen und
Mädchen in der IDF dienen würden, Die übrigen 50 % waren anderer
Meinung. Gab es 20 Jahre nach der "Operation Moses", in der die erste
große Gruppe äthiopischer Juden nach Israel eingewandert war, in das
Land der Heimkehr aus dem Exil und in das Land der Toleranz,
irgendwelche logischen Gründe für das Ergebnis dieser Umfrage?
"Als ich die Umfrageergebnisse hörte, wollte ich mir die Uniform von
meinem Körper reißen", sagt Unteroffizier Yonatan Farada, der vor einem
Monat seinen vollen Militärdienst bei einer Fallschirmjägerbrigade
abgeleistet hat. "Das schlimmste daran ist", fügt Unteroffizier Tzachi
Azaria hinzu, ein gerade ausgemusterter Grenzpolizeisoldat, "dass sie
immer noch glauben, wir würden nicht in der Armee dienen."
Azaria hat einen Ausriss des Artikels immer bei sich, damit er immer
sofort darauf zurückgreifen kann, wenn es nötig sein sollte.
Reserveoberst Yaron Ben Nun, Direktor der Stadtverwaltung von Gedera,
meint, "wenn mich meine Erinnerung nicht im Stich lässt, dann dienen
kaum 50 % der israelischen Jugendlichen im Wehrdienstalter in der
Armee", und fügt hinzu, "wenn man diesen Umstand bei der äthiopischen
Gemeinschaft alleine nachprüft, unabhängig von den Umfrageergebnissen,
wäre das eine schlimme Sache, weil es keine Unterschiede zwischen den
ethnischen Bevölkerungsgruppen geben sollte. Eine solche Untersuchung
sollte in der gesamten Bevölkerung durchgeführt werden. Die äthiopische
Gemeinschaft lebt erst seit 20 Jahren in Israel. Man sollte ihr helfen
statt sie zu kritisieren und sie abzuwerten. Die schlechte
wirtschaftliche Lage, in der sich diese Gemeinschaft gegenwärtig
befindet, was vor allem auf unsere Unfähigkeit zurückzuführen ist, sich
damit bereits zum Zeitpunkt ihrer Einwanderung nach Israel zu befassen,
ist ein gravierendes Problem."
Ein anderes Ergebnis, das unwiderlegbar ist, verweist darauf, dass 98.4%
der Äthiopier, die Mitglieder des SPNI-Wanderklubs waren, auch den
nationalen Wehrdienst in der Armee antreten. Von diesen Rekruten
bewerben sich 32.7% um eine Ausbildung bei den Kampfeinheiten.
"Als ich vor drei Jahren aus der Armee entlassen wurde", sagt Ben Nun,
dessen letzter Armeerang der des stellvertretenden Kommandeurs des Sinai
Corps war, "las ich eine Anzeige auf der SPNI-Website, dass sie
Ausbilder für ihre Wanderklub suchten. Ich antwortete und als sie mich
anriefen, antwortete ich ihnen, dass ich ein Ausbilder beim Wanderklub
sein wollte. Als ich ihnen mein Alter nannte und darauf verwies, dass
ich soeben meinen Armeedienst von 24 Jahren beendet hatte, dauerte es
einige Zeit, bis ich sie davon überzeugt hatte, dass ich das schaffen
kann, da es sich um eine Stelle für eine Gruppe von äthiopischen Kindern
in Gedera handelte. Ich traf mich mit dem scheidenden Leiter und ich
wurde dazu eingeladen, mich mit der Gruppe zu treffen. Die "Gruppe"
bestand aus drei Kindern. Ich bin mit der äthiopischen Gruppe von der
Armee her vertraut und mir war klar, dass dies eine komplexere Aufgabe
war, als wenn man mit in Israel geborenen Kindern arbeitet. Doch aus
drei wurden schnell 13 Kinder."
Die Gruppen-Aktivitäten konzentrierten sich darauf, den Mitgliedern die
Grenzen Israels und seine Geographie zu vermitteln. Ben Nun und seine
Gruppe richteten einen Klubraum in einer verlassenen Unterkunft ein,
nachdem sie etwas Geld aufgebracht hatten und sie vollbrachten eine
tolle Leistung, diese Unterkunft selbst herauszuputzen. "Ich handelte
nach den Prinzipien des Wanderklub-Konzeptes, wonach Lernen durch
Wandern entsteht, durch Handeln und Taten und nicht so sehr durch
Diskussionen. Wenn man die dir Anvertrauten in das Grenzgebiet führt und
ihnen sowohl Erbe wie Tradition vor Augen führt, dann können sie sich
mit einigen Erzählungen aus der kampfreichen israelischen Geschichte
identifizieren. Ich wollte ihnen die IDF und das Wertesystem der Armee
so nahe wie möglich bringen. Wenn sie mit Kommandeuren und Soldaten
zusammentreffen, sie die Möglichkeit erhalten, sich in den Sitz eines
Kampfflugzeuges zu setzen oder in einem Raketenboot mitfahren und das
Funkgerät bedienen können, dann lernen sie die Dinge aus einer anderen
Perspektive zu sehen. Die Armee ist ein Element, von dem man sich nicht
abkapseln kann. Es gibt keinen Zweifel, dass der wichtigste Aspekt des
Wanderklubs darin liegt, zu motivieren."
Landung im Krieg
"Es war in der 5. Klasse, stimmt's?" fragt Azaria Farada. "Wir waren
hier im Klubhaus, in Mazkeret Batia, nach der Schule. Jemand kam zum
Klub und sagte, dass sie einen Wanderklub eröffnen wollten."
"Wir fragten, was die SPNI ist," fährt Farada fort. "Sie sind
Aschkenasis, Verrückte. Sie versprachen uns Reisen, Lager, solche Dinge.
Zu dieser Zeit taten wir nichts anderes als Fußballspielen, nur das.
Deshalb sagten wir, "warum nicht?"
Azaria wanderte im November 1990 nach Israel ein und Farada kam 1991 an.
Sie lernten sich in Mazkeret Batia in der Grundschule kennen und sind
seitdem gute Freunde geblieben. Äthiopien ist ihnen nur wegen der
dortigen Dörfer, dem vielen Wasser und dem Wunsch in Erinnerung
geblieben, in das Heilige Land auszuwandern und in den Mauern von
Jerusalem zu wandeln. Als sie ankamen, waren sie völlig überrascht. "Es
war sehr merkwürdig", sagt Farada. "Plötzlich waren wir unter sehr
vielen weißen Menschen und alles war neu für uns."
"Ich kam mitten im Golfkrieg an", erinnert sich Azaria. "Kurz nach der
Landung gaben sie mir eine Gasmaske. Ich kam mitten in diesem
Durcheinander an…."
Eingewanderte äthiopische Jugendliche haben in Israel viele Probleme,
die normalerweise auf soziale Dinge zurückgeführt werden wie sprachliche
Unterschiede und sie weisen Verhaltensstörungen auf, die mit dem
kulturellen Unterschied zu tun haben.
Was zu diesen Schwierigkeiten noch hinzukommt ist der Umstand, dass sich
junge Äthiopier zu Hause von ihren Eltern distanzieren, die es schwierig
finden, sich in ihrer neuen Umgebung zurecht zu finden. Sie entwickeln
oft ein Minderwertigkeitsgefühl wegen ihrer ethnischen Herkunft, ihrer
Hautfarbe und ihres Geburtsortes und lehnen es ab, an Äthiopien zu
denken. Während ihrer Junior High School-Zeit wandten sich
SPNI-Vertreter an den Mazkeret Batia Schülerklub und luden die Jungs
dazu ein, sich dem Wanderklub anzuschließen – "die erste äthiopische
Gruppe" wie sie stolz sagen. Aus einer Gruppe wurden 60 Gruppen und es
wird geschätzt, dass sich im kommenden Jahr 70 – 74 ähnliche
Wandergruppen um junge äthiopische Einwanderer kümmern werden.
"Der Wanderklub veränderte unser Leben", sagt Farada. "Er bewahrte viele
Kinder hier vor der Straßenkriminalität. Es sind Kinder, die andernfalls
leicht dem Alkohol und Drogen verfallen wären. Die jungen Leute wollen
Erfolg haben, aber sie sind sehr frustriert, weil sie bei
Arbeitsplätzen, in Sozialgruppen etc. auf Ablehnung stoßen. Einige
finden die Schule zu schwer und verlassen diese, weil sie zuhause keine
Möglichkeiten haben, zu lernen. Etwa 90 % haben keinen Computer oder
Internetanschluss zuhause. Und auch der Rassismus ist hier weit
verbreitet. Im Wanderklub wussten wir, dass wir sowohl dem Klub wie dem
Ausbilder verpflichtet waren und dass wir uns benehmen mussten. Im Laufe
der Jahre stärkte der Klub unsere Führungskräfte und man lernt,
Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen. Und es
funktioniert."
Wie bei allen ernsthaften Projekten hängt auch dieses von der Hingabe
eines Mannes ab. "Ich wurde 1993 aus der
Fallschirmjäger-Aufklärungseinheit ausgemustert", sagt Nitz Katz,
Gründer und Koordinator des multikulturellen Projektes, "und ein Jahr
später, wie alle anderen auch, reiste ich ins Ausland und schaute mich
nach dem billigsten Flug um, der sich als Flug nach Kenia erwies. Als
ich dort ankam, empfahl mir jemand, Äthiopien zu besuchen. Also tat ich
das. Ich verbrachte dort zwei Monate während der Regenzeit. Ich reiste
danach zu anderen Orten in Afrika und suchte weiterhin nach Plätzen, die
so schön wie Äthiopien waren mit Menschen so wundervoll wie die
Äthiopier. Ich wollte ganz einfach dorthin zurückkehren…" sagt er mit
Tränen in seinen Augen.
"Ich kehrte nach Israel zurück, sparte mir etwas Geld, lernte Amharisch
und kehrte ein Jahr später nach Äthiopien zurück. Meine Freundin und ich
kamen mit einer Kamera und einem Tonband in Quara an, eine Region in
Nordwest-Äthiopien, wo es eine jüdische Gemeinschaft gab. Wie stellten
über sie eine Dokumentation zusammen und bewiesen, dass sie in der Tat
Juden waren. Wir waren davon überzeugt, dass Israel sofort ein Flugzeug
schicken würde, um sie nach Israel zu bringen. Aber das war ganz
offenbar nicht der Fall. Niemand war daran interessiert. Es bedurfte
eines Kampfes von zwei Jahren, bevor diese Gemeinschaft nach Israel
auswandern konnte und diese 2200 Menschen mit ihren Verwandten
wiedervereinigt wurden, die hier bereits im Jahre 1992 angekommen
waren."
Es war vor allem ein wirtschaftliches Problem. Dieses wurde schließlich
durch eine große Spende gelöst, den der Friendship Fund aufbrachte und
danach gab es keine "Entschuldigungen mehr" Auch der JOINT stellte Geld
zur Verfügung und damit gab es die Mittel, um die Mitglieder des
Wanderklubs mit der notwendigen Ausrüstung für ihre Reisen auszustatten
und die meisten Ausgaben des Klubs zu finanzieren.
"Ich wuchs als volles Mitglied des Wanderklubs auf", sagt Katz. "Ich
entwickelte Führungsqualitäten und lernten Verantwortung und Initiative
zu übernehmen. Wenn man etwas will, gibt man nicht auf. Wage es,
versuche es. Quara liegt einen zweiwöchigen Fußmarsch von der nächsten
Staubroute entfernt, die selbst wiederum nur von Lastwagen befahren
werden kann. Ich möchte, dass die Mitglieder des Wanderklubs auch dies
wissen, sie sollen immer einen Schritt nach vorne machen, ohne Angst zu
haben."
Den Bruch erkennen
Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinschaft
Äthiopiens von der übrigen jüdischen Welt völlig abgeschnitten. Vor etwa
140 Jahren machten sich mehrere tausend Personen zu einer Reise ostwärts
auf, aber dieser Versuch, Israel zu erreichen, schlug wegen der Härten
auf dem Reiseweg fehl. Die Gemeinschaft erreichte letzten Endes Israel
doch im Rahmen zweier organisierter Einwanderungskampagnen.
Die erste davon war die Operation Moses im Jahre 1984, fast zehn Jahre,
nachdem sie vom Oberrabbinat in Israel als Juden anerkannt worden waren.
Die zweite, die Operation Solomon, fand im Jahre 1991 statt. Im Rahmen
der ersten Operation wanderten etwa 8000 Menschen ein, sie bewältigten
gefahrenreiche Routen oder besser gesagt, sie bewältigten jede nur
mögliche Route, die sie finden konnten. Die äthiopische Regierung
gestattete keine Direktflüge und die Einwanderer waren gezwungen, sich
über die sudanesische Grenze zu retten. Viele wurden auf dieser
schrecklichen Reise getötet, die sie zu Fuß bewältigten und viele
Familien zerfielen. Der sudanesische Präsident, der die Reaktion der
arabischen Welt fürchtete, stellte jede Hilfe ein, als öffentlich
bekannt wurde, dass der Sudan mit Israel vor den Augen der äthiopischen
Regierung zusammenarbeitete. Nach dem äthiopischen Regierungswechsel im
Jahre 1991 erlaubte die neue Regierung die Ausreise von weiteren 14000
Juden nach Israel gegen Zahlung von $40 Millionen. Die Bemühungen von
Katz, die Juden von Quara nach Israel zu bringen, hatten sich endlich
bezahlt gemacht.
Das große Familienproblem
"Ich verbrachte diese zwei Jahre von 1997 bis 1999 mit Mitgliedern der
Gemeinde," sagt er, "und ich war schockiert. Bis dahin hatte ich keine
Äthiopier in Israel gekannt. Ich dachte, dass sie eine starke
Gemeinschaft mit einem festen Familienkern seien, voller Respekt für die
Eltern, dass es keine vorzeitigen Schulabgänger und Drogenprobleme gäbe.
Plötzlich wanderte ich im Land umher und wurde Zeuge der Brüche. Ich sah
Jugendliche, die betrunken nach Hause kamen, Mädchen, die zum
wiederholten Male Abtreibungen hatten oder Babies im Alter von 15
Jahren. Wir begannen uns zu fragen, ob es das war, wofür wir gekämpft
hatten? Aber dann dachten wir zurück an Quara und an die schrecklich
hohe Sterblichkeitsrate dort. Das gab den Ausschlag für uns. Diese
Kultur musste respektiert werden und es war richtig, dass sie in Israel
waren."
Die Armee als Maßstab für den Erfolg
In den 80er Jahren gab es bereits einen Versuch, die äthiopische
Gemeinschaft in die Wanderklubs zu integrieren. "Dieser schlug fehl",
sagt Katz. "Wenn man ein ernstes Problem mit seiner Identität hat und
wenn man fünf Mal am Tag das Wort "Kushi" (schwarze Person) hört, dann
spornt das nicht gerade dazu an, sich über Vögel zu unterhalten." Es
dauerte bis 1998, bevor ethnisch einheitliche Gruppen aufgebaut wurden.
Besondere Gruppen für Äthiopier funktionierten irgendwie trotz der
Gefahr der Trennung von den anderen ethnischen Gruppen. "Wir waren
zuerst eine kleine Gruppe", sagt Farada. "Auf einer unserer ersten
Reisen konnte der Ausbilder nicht mitkommen und Nir war seine
Vertretung. Während der gesamten Reise machten wir uns über ihn auf
Amharisch lustig und lachten über diesen weißen Mann. Wir lachten über
alles, was er tat. Plötzlich fluchte er auf Amharisch und wir erkannten
…. Aua, der verstand ja jedes Wort. Dann begann er auf Amharisch über
die Blumen zu sprechen und über die Orte und er begann die Dinge, die
wir hier sahen mit jenen in Äthiopien zu vergleichen."
Azaria und Farada legten beide im Jahre 2000 die Ausbilderprüfung ab und
beteiligten sich schnell und intensiv an den Aktivitäten des
Wanderklubs. "Wir machten eine wochenlange Reise in den Sinai, " sagt
Azaria, "und ich verpasste sogar deshalb die Verlobungsparty meiner
Schwester. Aber die Reise war es wert…"
"Es gibt das Problem der Entfremdung in der äthiopischen Gemeinschaft
zwischen den Eltern und ihren Kindern", sagt Unteroffizier Avi Asankau.
"Kinder lernen schnell Hebräisch und sie gewöhnen sich schnell an die
Kultur und die Umgebung, aber die Eltern bleiben zurück." Einige Eltern
können sich an die neue Realität nicht gewöhnen, besonders nicht an
gewisse Produkte und neue Technologien. Ein Mensch, der nie zuvor ein
Abwaschbecken benützt hat oder zum ersten Mal einen Aufzug sieht,
erleidet einen Kulturschock, der lähmend sein kann. Farada und Azaria
beziehen sich darauf wie Kinder ihre Eltern zur Bank bringen und zur
Arbeit, wenn sie Arbeit haben. "Und plötzlich", fährt Asankau fort,
"diskutieren wir im Wanderklub über wilde Kaninchen, die es auch in
Äthiopien gibt. Und das Kind kommt nach Hause und fragt seine Mutter,
was Kaninchen auf Amharisch heißt. Was mich angeht, so war es so, dass
ich nach jeder Rückkehr von einer Wanderreise meiner Mutter erzählte,
was ich gesehen hatte und sie fragte, wie es in Äthiopien gewesen war."
Im Laufe der Zeit wird die Armee zum wirklichen Test, ein Spiegel der
wirklichen Integration in die israelische Gesellschaft. "Wir
betrachteten dies nicht als Ziel, sondern vielmehr als Hinweis, ein
Gradmesser für den Erfolg. Die Zahl der Rekruten steigt und gleicht
jener der Kibbuzniks in der Vergangenheit. Sie werden sich ihrer guten
Führungseigenschaften bewusst, dass ihnen vieles leichter fällt und sie
nehmen sehr schnell Führungspositionen ein."
In der Tat ist es so, dass einige Unterrichtsstunden des Wanderklubs
sich auf die Integrierung in die Armee beziehen. "Einige Ausbilder, der
früher in der Armee waren, dienen als Vorbilder", sagt Katz. Sie leiten
die Kinder an und bieten ihnen praktischen Beistand, angefangen von
gutem Schlaf in der Nacht vor dem Antritt zum ersten Dienst bis zur
Kontrolle ihrer Antworten in einem Prüfungsbogen, bevor sie diesen
abgeben."
Einer der Hauptgründe warum sich die meisten Mitglieder des Wanderklubs
freiwillig für den Dienst in Kampfeinheiten bewerben, liegt darin, "dass
sie bereits Erfahrung gesammelt haben und das in einem frühen Alter,"
sagt Gederas Ben Nun, dessen Gemeinde zu 15 % aus Äthiopiern besteht. Im
Wanderklub lernen sie Dinge, die für den Dienst in der Armee relevant
sind, wie den Bezug zu Werten und die Wahrung des Erbes neben Fitness
und Ausdauer. Ich habe nach wie vor Kontakt zu einigen der Jugendlichen
von denen einige bereits eingezogen worden sind. Sie haben durch den
Klub viel gewonnen und sie genießen die Vorteile nach wie vor." Als
erfahrener Armee-Veteran und wegen seiner Arbeit als Ausbilder im
Wanderklub hat Bin Nun selbst ernorm viel zu Reisen beigetragen, die
sich auf das Erbe und die Armee beziehen. "Ich nahm sie mit auf den
Munitionsberg," sagt er, "und neben der Wanderung zu dieser Stätte und
dem Besuch des Museums sprachen sie mit Menschen, die hier wirklich
gekämpft haben und hörten ihre Geschichten aus erster Hand. Dann
besuchen sie das Museum, berühren die Fallschirme und verstehen, wie
dies alles bei dem Kampf um Jerusalem geholfen hat. Dann besuchen sie
die Klagemauer und berühren diese. Eine Reise zur ausdrucksstärksten
Gedenkstätte, die von einer Erzählung über die Schlacht begleitet wird
und wenn man über den Krieg spricht, dann erweckt dies ein gewisses
Gefühl des Stolzes und entwickelt dieses lange bevor das Klubmitglied in
die Arme eingezogen wird."
"Ich besuchte Jerusalem in einer Lage als ich mich entscheiden musste,
was ich im nächsten Jahr tun sollte", sagt Unteroffizier Asankau. "Ich
wusste bereits, dass ich ein Jahr im Nationalen Dienst ableisten wollte
und darauf den relevanten Armeedienst, der sowohl Kampfdienst wie
Ausbildung umfasste." Er wurde Teil des SPNI-Kernteams, wonach sein
Armeedienst um ein Jahr verschoben wurde zugunsten der Führung von
Gruppen durch Jerusalem und durch das Kibbuz Tzuba durch ihn. Er trat
vor einem Jahr in die Armee ein, bewältigte einen
Paramedic-Ausbildungskurs und wird sich sehr bald anderen Jungen und
Mädchen aus seiner Gruppe zu einer besonderen Aufgabe in der Shikmim
Field-Schule in Nitzanim anschließen. Darauf wird er zur Führungsarbeit
zurückkehren, die er so liebt. "Der Wanderklub half mir sehr, besonders
während meiner Ausbildung in der Armee. Er machte mir die
Feldausbildung, bei allem Fehlen der früheren Annehmlichkeiten, viel
leichter und ich hatte viel Spaß. Darüber hinaus war die Mitgliedschaft
sehr wichtig in Bezug auf die israelische Gesellschaft im Allgemeinen.
Man ist nicht mehr eingeschüchtert wenn das Wort "Äthiopien" fällt. Man
weiß, wo das Land liegt und wie schön es ist. Man hat eine positive
Einstellung zu seiner Vergangenheit und versucht nicht mehr, diese zu
verbergen."
Heute leidet Äthiopien unter einer schweren Hungersnot. Vor kurzem wurde
in einem Bericht deutlich gemacht, dass dort drei Millionen Menschen an
Unterernährung leiden. Gleichzeitig wird über die äthiopische
Gemeinschaft in Israel permanent berichtet, meist in negativer Hinsicht.
Zu Beginn dieses Jahres verweigerte ein Busfahrer einem
Sicherheitsbeamten den Zugang zu seinen Bus mit dem Hinweis, dass "er
keine Äthiopier hineinlässt". Im April dieses Jahres beschimpfte ein
Schullehrer aus Rechovot einen Schüler, weil dieser seiner Meinung nach
"stank". Ein Produzent verwies fünf Kinder wegen ihrer ethnischen
Herkunft aus einem Kindergarten in Arad. Diese Vorfälle sind durchsetzt
mit Berichten über Selbstmorde, Straftaten und anderen Dingen. Ich frage
mich, wann wir damit beginnen, diese Gemeinschaft, die seit 20 Jahren im
Land lebt, als echte Israelis zu akzeptieren.
Keren Hayesod 04-12-2005
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