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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Immer mehr französische Juden zieht es nach Israel
Städte werben um Einwanderer

Die "Jagd" auf französische Olim

Eilat ist eine der Städte in Israel, die sich ganz besonders um potentielle französische Einwanderer bemüht. Das Dilemma: Die südlichste Stadt des Landes hat zwar viel Meer und Sonne zu bieten, aber es fehlt an Arbeitsplätzen.

von Kobi Ben Simhon

Eilat – Während der heißen Sommermonate sind die Strassen von Eilat voller Menschen, die Schlange der Autos, die aus der Stadt den ganzen Tag über herausfahren und in sie hineinfahren, ist endlos. Jetzt haben sich einige hundert französische Fahnen während der Hochsaison dazugesellt, sie wehen im Wüstenwind und verstärken den Ferieneindruck während des nationalen Feiertages. Aber Eilat muss eine schwere Aufgabe bewältigen: Hinter dem Eindruck des pulsierenden Lebens und weit ab vom üblichen Tagesablauf im übrigen Israel kämpft die südlichste Stadt des Landes um ihr Überleben angesichts des riesigen Haushaltsdefizits, das über ihr hängt.

Im zweiten Stock des Rathauses von Eilat genießt der Bürgermeister die Klimaanlage und wartet auf einen erfrischenden Luftzug. Der Monat August ist der traditionelle Hauptmonat, an dem die französischen Touristen ankommen und die Stadtverwaltung hat eine Kampagne ins Leben gerufen, um die jüdischen Touristen dazu zu veranlassen, sich hier als Einwohner niederzulassen. Die möglichen Olim (neue Einwanderer) sind sich dieses Vorhabens, das in aller Heimlichkeit abläuft,  nicht bewusst. Was sie interessiert: Sie sind lediglich hierher gekommen, um unter der Sonne des Roten Meeres wie üblich Ferien zu machen. Aber die Stadtverwaltung hat beschlossen, in jedem jüdischen Touristen aus Frankreich einen möglichen Einwanderer zu sehen und hat für jeden von ihnen einen besonderen Empfang organisiert.

Es begann mit der Landung der ersten Flugzeuge der Reiseunternehmer – den Direktflügen von Paris auf dem Flughafen von Ovda, der 50 Kilometer nordwestlich von Eilat liegt. In dieser Mondlandschaft, nahe der ägyptischen Grenze, landeten zwei Maschinen von EL AL, und mehr als 300 Touristen – praktisch alle von ihnen waren Juden – unterbrachen für einige Stunden die Ruhe, die sonst über diesem Ort liegt. Im Laufe des Monats August landeten hier Dutzende von weiteren Maschinen. Bürgermeister Meir Yitzak Halevy, Eilats neues Stadtoberhaupt, wollte die 5000 potentiellen Einwanderer mit einem besonderen Empfang beeindrucken und ihnen die Möglichkeiten seiner Stadt vor Augen führen. Wie viele ihm ins Netz gegangen sind, ist nicht bekannt.

Die Liebesbeziehung zwischen Eilat und den französischen Juden ist nichts Neues. Jedes Jahr kommen Tausende von jüdischen Touristen aus Frankreich in diese Stadt. Während der Sommermonate und zu Pessach ist in den Strassen der Stadt permanent Französisch zu hören, als ob die Stadt von einer fremden Macht besetzt worden wäre. In den vergangenen beiden Jahren, so der Bürgermeister, sind 90 Prozent der ausländischen Touristen in Eilat Juden aus Frankreich gewesen. Die Immobilienmakler in Eilat haben die Geschäftsmöglichkeiten, die darin liegen, bereits erkannt und halten am Ende jeder Sommersaison Verkaufsmessen ab. Französische Juden haben hier in den vergangenen beiden Jahren mehr als 50 Wohnungen gekauft, und viele von ihnen betrachten Eilat als ihren bevorzugten Ferienort während des Sommers. Aber in diesem Jahr liegt die Sache etwas anders: Eilat will die Beziehungen vertiefen, es will eine Verbindung aufbauen, die das ganze Jahr über anhält.

Seit Beginn dieses Jahres haben sich 10 Familien aus Frankreich in Eilat niedergelassen, sie schlossen sich 30 Familien an, die im vergangenen Jahr hierher kamen (seit 1993 haben 400 Familien aus Frankreich ihren Wohnsitz nach Eilat verlegt). „Als ich die Energie der französischen Juden, ihre Möglichkeiten“, sagt der Bürgermeister in seinem luxuriösen Büro, „leitete ich Schritte ein, mit denen wir uns darauf konzentrieren wollten, dass es eine gute Idee wäre, diese Touristen als mögliche Einwanderer zu betrachten. Hier handelt es sich um einen hoch stehenden Bevölkerungsanteil, der sozial und wirtschaftlich sehr gut gestellt ist. Die Franzosen haben gute selbständige Berufe  und sie sind Geschäftsleute und sie kommen mit enormen finanziellen Möglichkeiten hierher.“

Im vergangenen Jahr organisierte die Stadt Festivals für die Besucher, bei denen Sänger wie Eyal Golan und Zehava Ben auftraten, und in diesem Jahr wurde die Qualität der Kampagne, mit der sie angezogen werden sollen, noch um eine Stufe angehoben. Und alles wird ausdrücklich und speziell auf die Wünsche der Franzosen abgestellt: Es gibt weder Versuche die jüdischen Touristen aus den Vereinigten Staaten zur Einwanderung zu überreden noch weht der Union Jack von Großbritannien in den Strassen der Stadt. Mit den „Anglo-Sachsen“ wird vor allem über Spenden gesprochen. Aber wenn man auf den „Onkel aus Paris“ zu sprechen kommt, dann versuchen die Stadtväter diesen auch dazu zu überreden, sich hier eine Wohnung zu kaufen und sich hier niederzulassen.

Im Juli dieses Jahres veranstaltete das Eingliederungsministerium gemeinsam mit der Jewish Agency Einwanderungsmessen in Paris und Amsterdam ab und die Leiter von örtlichen Behörden in Israel waren dazu eingeladen, sich mit den Interessenten für Aliyah (Einwanderung) zu treffen. Bürgermeister Yitzhak Halevy war ebenfalls anwesend. Aber das Projekt der Gemeinde-Aliyah ist lediglich für vier Städte bestimmt – Jerusalem, Netanyah, Ashkelon und Ashdod – sowie für eine Reihe von örtlichen Gemeinderäten. „Wir kommen selbst zurecht und vertreten unsere Interessen“, sagt Yitzhak Halevy. „Dies alles hier ist Teil der Verhandlungen zwischen der Regierung und den örtlichen Verwaltungen; ich gehe davon aus, dass die örtlichen Verwaltungen die Oberhand behalten werden.“

Es ist nicht nur der Bürgermeister von Eilat, wie er betont. „Gehen Sie nach Ashkelon und zum dortigen Bürgermeister Roni Mahatzri, sehen sie selbst, wie hart er dafür arbeitet, um unter den französischen Juden für diese Sache zu werben, ebenso wie der Bürgermeister von Netanya und der Bürgermeister von Ashdod. Sogar der Bürgermeister von Tel Aviv, Ron Huldai, hat erkannt, welches Potential hier liegt“.  – Die Stadtverwaltung von Tel Aviv teilte auf Anfrage mit, dass Huldai gegenwärtig in Frankreich ist. „Heute sagen die Vertreter der örtlichen Gemeindeverwaltungen ganz deutlich: „Wenn wir uns nicht selbst helfen, wird uns niemand helfen. Schließlich kommt es darauf an, dass ein guter Bürgermeister Dinge anschiebt und jeder von uns will, dass sich französische Juden in der jeweiligen Stadt niederlassen“, sagt Yitzhak Halevy.

Nach statistischen Angaben der Jewish Agency lassen sich 65 % der französischen Juden über „direkte Eingliederungs-Maßnahmen“ hier nieder, als Ergebnis der Anstrengungen der jeweiligen Bürgermeister, womit die Olim auch nicht die Verwaltungswege der Regierung durchlaufen müssen. „Jeder arbeitet auf seine eigene Weise“, erklärte Yitzhak Halevy. „Es gibt keinen Krieg, es kommt nur darauf an, wer am Schluss ganz vorne liegt. So gründete Ron Huldai zum Beispiel ein Team, das viel Zeit auf der Paris –Tel Aviv-Achse verbringt und ich darf Sie darüber informieren, dass der Bürgermeister von Ashkelon eine sehr schöne Broschüre in französischer Sprache verteilte, in der er seine Stadt vorstellte. Was sie dazu veranlasst, zu mir zu kommen? Ich verleite sie dazu.“

Yitzhak Halevy ist seit acht Monaten der Bürgermeister von Eilat. Er hatte sich um das Amt als unabhängiger Kandidat beworben, nachdem er das Eilat College geleitet hatte. Er hat sich vor 25 Jahren in der Stadt niedergelassen, um hier das städtische Jugendabteilung aufzubauen, nachdem er eine Zeitlang als Jugendgruppenbetreuer in Jerusalem gearbeitet hatte. Er sagt, dass er in der Stadt ein aufgelaufenes Defizit von NIS 198 Millionen vorgefunden habe, ein weiteres Defizit belaufe sich auf NIS 240 Millionen an Schulden gegenüber Banken und Lieferanten, was ein Ergebnis von „falscher Verwaltung“ sei (der frühere Bürgermeister, Gabi Kadesh, sagt, dass er lediglich ein Defizit über NIS 83 Millionen hinterlassen habe). Und in der Tat, wenn man die Einnahmen überprüft, dann sollte sich Eilats Situation als wesentlich besser darstellen. Einnahmen von jährlich über NIS 300 Millionen (vor allem aus Grundsteuern der Hotels) für eine Stadt von 25 000 Einwohnern sollten mehr als ausreichend sein.

Zusätzlich zum Rehabilitationsprogramm, das vor kurzem genehmigt wurde, und das dafür sorgen soll, dass Eilat im kommenden Jahr einen ausgeglichen Haushalt vorlegen kann, ist der Bürgermeister nicht so sehr an den Juden Frankreichs interessiert, sondern an ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten. Für das französische Projekt wurde ein System eingeführt, das Yitzhak Halevy „Eingliederung und Beistand“ nennt. Im August wurde ein Eingliederungszelt in Eilat aufgebaut, das all jene ansprechen soll, die hier im Handel und in Unternehmen Geld investieren wollen. Es wird auch mehrere Grundstücks- und Unternehmermessen geben, was über die Arbeit einer Gruppe von Freiwilligen hinausgeht, die regelmäßige Kontakte mit den französischen Urlaubern in der Stadt unterhalten. Mein Ziel liegt darin, dass jeder französische Urlauber, der als Tourist nach Eilat kommt, mit dem Einwanderungsmöglichkeiten vertraut gemacht wird, er soll über die Arbeitsplatzmöglichkeiten informiert werden sowie über die Schulen und Studienmöglichkeiten und über den Wohnungsmarkt, „über alles, was ihn dazu veranlassen könnte, sich hier niederzulassen.“

Die Vorbereitung hierzu beginnt bereits in Frankreich, erklärt er. „Ich war am vergangenen Unabhängigkeitstag Israels dort und sprach zu über 6000 französischen Juden. Am folgenden Tag traf ich mit Geschäftsleuten zusammen, zu denen ich engen Kontakt unterhalte. Ich habe dort Gesandte, die über Eilat informieren. Wir haben auch vor, die Eilat-Stiftung in Paris zu gründen, die Mittel aufbringen wird und für einen regelmäßigen Dialog mit den französischen Juden sorgen soll. Ich möchte hier in Eilat französische Ärzte, Freiberufler, Psychologen sehen. Jeder Tourist, der hier landet, erhält einen Satz Postkarten mit einem persönlichen Brief von mir, der die Botschaft enthält: „Sie werden hier gebraucht, wir lieben Sie, bleiben Sie bei uns.“ In einer anderen Woche haben wir einen Spendenabend abgehalten, eine Veranstaltung, die in Frankreich geplant wurde, um Geld für das Eilat College zu sammeln. Die Franzosen spenden die ganze Zeit über und sehr viel. Übrigens verursachen ihre Spenden auch bei ihnen ein gutes Gefühl, nicht nur bei uns.“

Im kommenden Jahr

Um 13 Uhr Ortszeit landet die erste Maschine aus Paris auf dem Flughafen von Ovda. Die Ankommenden, die aus der Maschine aussteigen und in den Terminal eilen, der über eine Klimaanlage verfügt, haben keine Ahnung, welche Erwartungen mit ihrer Ankunft verbunden sind. Am Eingang werden sie von Gesandten des Tourismus-Ministeriums erwartet und an sie werden Kopfbedeckungen und die Postkarten des Bürgermeisters verteilt, aber die Touristen freuen sich lediglich auf die Ferien und viel Sonnenbaden, sie erwarten keine Aliyah-Messe. Dies ist auch Teil der Strategie – keinen Druck auszuüben. Auf dem Parkplatz des Flughafens warten drei neue Busse und Taxi-Fahrer, die Schilder auf Französisch hochhalten, rufen „Taxi, s’il vous plait.“

Draußen vor der Ankunftshalle warten bereits Gerard und Georgine Zeitoun, die vor einer Woche in Eilat angekommen sind. Ihr Sohn und dessen Familie waren in der Maschine, die eben gelandet ist. Georgine, eine Großmutter mit gefärbten blonden Haaren, eilt von einem Enkel zum anderen und gibt jedem einen langen Kuss. Ihre Schultern und das Gesicht sind bereits sonnenverbrannt und sie will noch mehr Sonne, sie kann gar nicht genug davon bekommen. „40 Jahre lang sind wir hierher nach Eilat gekommen, um hier Urlaub zu machen, wir sind hier wegen der Sonne“, sagt sie hinter dicken Sonnenbrillen. „Schreiben Sie, dass wir wegen (Ministerpräsident) Sharon gekommen sind“, sagt sie, und lacht fast hysterisch. „Er bat uns zu kommen, also kamen wir deshalb – sonst wären wir in Paris geblieben. Was sollen wir in Eilat tun?“

Georgine liebt ihre Ferien in der Hitze und obwohl sie über den Ministerpräsidenten Witze macht, gibt es für den Bürgermeister von Eilat allen Grund, optimistisch zu sein. „In Paris betreibt unsere Familie ein Geschäft, einen Stoffladen“, erklärt sie auf Hebräisch, nachdem sie sich etwas beruhigt hat. „Ich fühle mich wie ein Zionist – dies ist unser Land, nicht wahr? In den 50er Jahren lebte ich mit meinen Eltern in Jerusalem und wir verließen das Land, weil mein Vater in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Wenn ich jetzt ein Geschäft in Eilat finden kann, werde ich bleiben – ich werde nicht nach Frankreich zurückfliegen. Wir haben bereits in Stadt Wurzeln geschlagen, wir haben uns ein Haus gekauft."

Vor der Ankunft der zweiten Maschine gegen 17 Uhr Ortszeit, gelingt es zwei Musikanten, die vom Tourismus-Ministerium geschickt wurden, sich auf die Startbahn aufzustellen und die Besuchter mit alten hebräischen Liedern zu empfangen, die sie leicht gefärbt mit russischem Akzent vortragen. Während die Violine und das Akkordeon „Aveinu Shalom Alechem“ anstimmen, nehmen Dutzende von Touristen ihre Pässe, beeilen sich Formulare auszufüllen und stellen sich an der Passkontrolle an. Sie wurden ein etwas unter Druck gesetzt. Einem jungen Mann, der in seinem Rucksack nach einem Stift suchte, fielen seinen Tefillin auf den Boden. In einer anderen Ecke betete ein alter Mann mit seiner schwarzen Kippa, aber er wendete sich nach Westen (nicht in Richtung von Jerusalem, wie es der Brauch ist). Zwei junge Mädchen mit nacktem Mittelteil und Europäisch aussehend, hatten sich bereits ihre ersten Koffer abgeholt.

Lizzie Baruch kam mit 30 Freunden nach Eilat. „In Eilat sind es richtige Ferien“, erklärt sie auf Hebräisch. „Es ist hier für die Kinder am besten, besser als in Netanya oder in Tel Aviv, hier sind es wirkliche Ferien. Wir mögen es hier, weil es hier auch sicherer ist, es gibt keine Bombenanschläge. Darum, wegen der Ruhe, kommen viele Franzosen gerne nach Eilat. Aber hier bleiben? Warum hier bleiben? Schaffen Sie Arbeitsplätze, dann können wir darüber reden. In Frankreich arbeite ich für eine High-Tech-Firma, mein Mann hat eine Firma in China. Jetzt ist es für uns nicht die richtige Zeit, nach Israel zu kommen. Aber mit Gottes Hilfe, wenn die Zeit gekommen ist, werden wir kommen. In diesem Jahr wollen wir uns hier eine Wohnung kaufen. Mit Gottes Hilfe werden wir uns eine kaufen.“

Avi Zana, der Direktor der französischen Abteilung für Einwanderung und Eingliederung bei der Jewish Agency, bestätigt den Eindruck, den man auf dem Ovda-Flughafen erhält. In einem Gespräch aus Paris per Telefon, mit den Zuggeräuschen im Hintergrund, sagt er, dass das Interesse der französischen Juden an Eilat gerade in den vergangenen beiden Jahren zugenommen hat. Nach seinen Zahlen ist Eilat seit dem Ausbruch der Intifada zum Hauptferienziel für französische Juden in Israel geworden, obwohl Jerusalem, Netanya und Ra’anana mehr neue Einwanderer verzeichnen und eingliedern.

Wie sie sich zusammensetzen

Ein Profil nach Angaben der Jewish Agency von jenen 2000 Einwanderern, die seit Anfang dieses Jahres aus Frankreich nach Israel gekommen sind:

  1. Personenstand: Paare und Familien – 39 Prozent; Einzelpersonen – 61 Prozent.
  2. Religiöse Einstellung: 67 Prozent orthodox, 29 Prozent traditionell, 1 Prozent konservativ, 3 Prozent nicht religiös.
  3. Ausbildungsstand: Grundschule – 10 Prozent; Hochschule – 30 Prozent; Abitur – 28 Prozent; Universitätsausbildung (Bachelor’s und Master’s Diplom sowie Ingenieursausbildung) – 32 Prozent.
  4. Berufe und Beschäftigung: Studenten – 44 Prozent; Pensionäre – 16 Prozent; Geschäftsleute – 13 Prozent; Mediziner – 8 Prozent; Büroangestellte – 8 Prozent; High-Tech – 6 Prozent; Arbeite4 – 5 Prozent.
  5. Geburtsland: Frankreich – 60 Prozent; Algerien – 10 Prozent; Marokko – 10 Prozent; Tunesien – 10 Prozent; andere Länder – 10 Prozent.

(Kobi Ben Simhon)

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Wenn sie sich an die Blumen erinnert, dann ist sie für einen Augenblick traurig. Es ist nicht einfach für sie, obwohl sie oft lächelt. Trotz der großen Anstrengungen, die in Eilat unternommen werden, um die Einwanderer einzugliedern, ist es nicht sicher, dass es hier für sie alle einen Platz und eine Zukunft gibt. Yael Zuritz besaß eine Kette von Blumenläden in Paris. Sie ließ sich vor 18 Monaten gemeinsam mit ihrem Mann Philippe in Eilat nieder, der Importeur ist, sowie mit ihren drei Kindern. Die Kinder sprechen nach wie vor Französisch, sie passen sich nur sehr langsam an. Philippe, der in Be’er Sheva geboren wurde, wollte hierher zurückkommen und die Tatsache, dass seine Kinder in Frankreich einer unsicheren Zukunft entgegensahen, gab schließlich den Ausschlag, nach Israel auszuwandern.

In der städtischen Bücherei, von der man auf das azurblaue Meer blicken kann, sagt Yael Zuritz, dass sich ihre Erwartungen nicht erfüllt haben. „Manchmal bin ich wirklich enttäuscht“, sagt sie auf Französisch mit einem Seufzer. „Alles hier fällt einem schwer, besonders wenn es um einen Arbeitsplatz geht, genauso wenn es darum geht, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.“

Claudine Launtzer, ein Pensionär und der Präsident des Clubs der französischen Juden in Eilat, der 110 Mitglieder hat, hört Zuritz mit einem ernsten Gesichtsausdruck zu. Sie sprechen beide schnell auf Französisch und sie sehen beide aus, als kämen sie nicht von hier. Sie hatte sich beide dafür entschieden, nicht das Ulpan zu besuchen (Intensiv-Kurse für die hebräische Sprache), aber jetzt wissen sie, dass dies ein Fehler gewesen war. Launtzers Kinder sind noch in Frankreich und betreiben das Juwelengeschäft der Familie.

„Mein Mann überlebte den Holocaust“, sagt sie. „Uns wurde gesagt, dass wir uns auf die Franzosen nicht wirklich verlassen konnten. Grundsätzlich gesehen ist es besser, dass wir hier sind; mein Schwiegersohn wartet darauf, bis seine Eltern nach Israel kommen und dann wird auch seine gesamte Familie kommen. Unser Hauptproblem in Eilat liegt darin, einen Arbeitsplatz zu finden. Der Bürgermeister kann von Einwanderern aus Frankreich träumen, aber niemand wird hierher kommen, um Hotelzimmer zu säubern.“ Wegen der Sprachschwierigkeiten haben viele der neuen Einwanderer in Eilat lediglich zeitlich begrenzte Aushilfsarbeiten gefunden, aber fast alle gründeten ihre eigenen Geschäfte sobald sie sich dazu in der Lage sahen.

Alex Shtendal, 30 Jahre alt, ist ein Projekt-Koordinator der Jewish Agency in Eilat. Es ist ein völlig neuer Arbeitsbereich, der bis vor zwei Jahren nicht existierte und der durch die Bedürfnisse des Stroms der neuen Einwanderer entstand. Jetzt lebt Shtendal mit seiner Frau in Eilat und ist zu einem Teil der örtlichen Szene geworden. Er kennt bereits fast jedes Mitglied des französischen Einwanderer-Clubs in Eilat und er beschreibt die Mitglieder als ganz besondere Menschen. Er kommt zu ihren Treffen mit Flaschen besten Weines, es macht keinen Sinn hier Kompromisse einzugehen. „Bei all ihren Treffen sind sie wegen des Weines sehr genau, das ist das wichtigste überhaupt“, sagt Shtendal und lacht dabei. „Sie sagen immer zu mir, dass sie ohne Wein nicht beginnen werden.“ Für gewöhnlich, wenn ich eine Veranstaltung für andere Olim habe, dann reicht ein Flasche völlig aus. Für die Veranstaltungen mit den Franzosen muss ich eine ganze Kiste mitbringen.“

Dies mag nur eine Anekdote sein, aber es sagt sicher viel über die französischen Einwanderer in Eilat aus. Viele von ihnen sind sehr reich, Leute, die es sich leisten können, für ein Penthaus bar zu bezahlen. In Eilat gibt es das Phänomen nicht, dass Juden aus Frankreich hierher kommen, nur um Vorteile aus der Einwandererunterstützung zu ziehen, um anschließend in ihr Herkunftsland zurückzukehren. Aber viele Juden sind mit dem zeitlich begrenzten Aufenthalt zufrieden. „Sie kaufen sich eine Wohnung, damit sie drei Monate im Jahr in Eilat verbringen können“, sagt Shtendal. „Das restliche Jahr leben sie in Paris. Für gewöhnlich behalten sie ihre Geschäfte in Paris bei, sie lösen diese nicht auf und gehen für immer. In der gegenwärtigen Einwandererwelle in Eilat sehe ich mehr junge Menschen und weniger Pensionäre wie in der Vergangenheit.“

Die Franzosen haben den Charakter der Stadt verändert und sie sind ein Teil von ihr geworden, sagt er. „Jeden Pessach sagen wir, die Franzosen kommen“. Sie lieben Eilat, sie lieben die Landschaft, sie sehen es als eine Stadt an der Riviera an, eine Stadt an der Küste. Für sie ist es ein kleiner, angenehmer Ort.“

Aber nicht alle stimmen diesem Bild zu und akzeptieren es als die Realität. Dr. Avi Baranes vom Institut für Meeresbiologie in Eilat, arbeitet ehrenhalber als französischer Berater hier. Im Jahre 1952 wurde seine Familie aus Ägypten des Landes verwiesen und ließ sich in Frankreich nieder. In den 70er Jahren wanderte er nach Israel ein und erwarb seinen Master’s Diplom und seinen Doktor in Meeresbiologie. Er ist auf Haie spezialisiert. Er sagt, dass nicht alle Olim aus Frankreich, die sich in Eilat niederlassen, zu den oberen wirtschaftlichen Schichten gehören.

„Ich meine, dass jemand, dem es gut geht, nicht hierher einwandert“, sagt er. „Er kommt für einen Monat, kauft sich eine Wohnung, gibt eine Spende, um sein Gewissen zu beruhigen, aber er gibt nicht Paris auf. Diejenigen, die für gewöhnlich hierher kommen, um zu bleiben, sind Pensionäre, die eine hohe Pension aus Frankreich erhalten und sie kommen hierher, um sich in der Sonne auszuruhen. Eine ganze Reihe der Olim, und ich möchte nicht rassistisch oder ähnlich klingen – verfügen über keine französische Kultur. Sie besitzen die französische Staatsbürgerschaft, aber sie stammen aus Nordafrika. Als ich ein französisches Filmfestival organisieren wollte, kamen sechs Personen. Das sagt eigentlich alles. Seien wir ehrlich, die meisten von ihnen haben noch nie von Baudelaire gehört, aber sie kennen sicher den Sänger Enrico Macias.“

Baramas sagt, dass er die Bemühungen des Bürgermeisters bewundert, „aber ich würde gerne eine mehr positive Einwanderung sehen, nicht eine unkontrollierte Einwanderung von Olim. Wir müssen nicht alle aufnehmen, nur weil sie verfügbar sind. Ich sehe keinen Grund, Menschen mit wenigen Fähigkeiten dazu zu ermutigen, nach Eilat zu kommen. Ich will über die französischen Einwanderer nicht urteilen, aber ich hoffe, dass sie die freie Atmosphäre der Stadt nicht verändern werden. Ich war davon überrascht, wie religiös sie sind. In Frankreich waren wir nicht so. Dieser religiöse Druck, sollte er zunehmen, könnte für die Stadt eine wirtschaftliche Katastrophe bedeuten und nicht jene wirtschaftlichen Aufschwung bringen, den sie für uns planen.“

Im Stadtrat von Eilat stellt Shas gegenwärtig zwei Stadträte (von insgesamt 17), Shinui und Meretz beteiligten sich an den Wahlen, aber sie konnten nicht einen einzigen gewählten Stadtrat stellen. Darüber hinaus stellte der Bürgermeister durchaus in Aussicht, eine Jeshiva für junge Franzosen in Eilat einrichten zu lassen.

Ein französischer Sommer

Der Exodus der französischen Juden, in Israel Ferien zu machen, hat seine Höhen und Tiefen. Einige ziehen einen Vorteil aus dem Umstand, während ihres Aufenthaltes in Israel, bei Verwandten wohnen zu können, die hier leben. Fast alle Juden nordafrikanischer Herkunft haben Verwandte in Israel. Im Laufe der Jahre wurden Netanya zur inoffiziellen Hauptstadt der jüdischen Touristen aus Frankreich. Es erinnert sie sehr stark an Deauville, einer Ferienstadt an der Küste der Normandy, die von französischen Juden regelrecht erobert wurde.

In Deauville fühlten sie sich wie zu Hause. Sie kauften sich hier Häuser, kauften Land, spielten Tennis, speisten in koscheren Restaurants, gingen am Freitagabend in die Synagoge und lebten ein erfülltes Gemeindeleben. In Netanya entdeckten sie eine israelische Ausgabe von Deauville. Die Sommersonne, saubere und gut gepflegte Strände, Französisch-Sprechende Einwohner, eine jüdische Atmosphäre und israelischer Stolz. Hier konnten sie mit einer großen Kippa spazieren gehen und sich sicher fühlen.

Während der zweiten Intifada verblieben die französischen Juden in ihrem Heimatland. Die Selbstmordattentäter flimmerten über die Bildschirme und Bilder voller Zerstörung wurden zum Markenzeichen des Lebens in Israel. Die Reiseagenturen verringerten ihre Preise so tief wie es nur ging, aber die Flugzeuge von Paris nach Israel füllten sich nicht. Netanya wurde wirtschaftlich schwer getroffen und so ging es auch Ashkelon und Ashdod.

Während hier der Touristenstrom aus Frankreich austrocknete, konnte Eilat einen gewissen jüdischen Touristenstrom verzeichnen, was natürlich auf die Entfernung zu den Anschlagsorten zurückzuführen war. Die jüdischen Touristen flogen von Paris ab und landeten in Eilat. Sie verbrachten ihre Sommerferien hier und sie kamen auch hierher, nur um hier eine Hochzeit oder eine Bar Mitzwah abzuhalten. Auf diese Weise behielten sie ihre Verbindung zu Israel aufrecht, ohne ihr eigenes Leben in Gefahr zu bringen.

Im letzten Jahr gab es die große Veränderung. Zahlreiche französische Juden kamen nach Israel zurück, was vor allem auf den erheblichen Rückgang der Zahl der Anschläge zurückzuführen war. Und nicht nur das. Französische Juden fühlen sich in ihrem Land als unwillkommen, ebenso wie in Belgien, der Schweiz und in anderen Ländern. Sie führen das anti-israelische Klima in Europa auf die grundsätzliche Abneigung gegenüber Juden zurück. Deshalb ist Israel wieder zum bevorzugten Urlaubsziel für französische Juden geworden. Während der vergangenen Monate ist es schwer gewesen, einen freien Platz auf einem Flug von Frankreich nach Israel zu finden. Sie kommen massenweise, von Senioren bis zu Babies, um hier ihre Ferien zu verbringen und ihre Liebe für Israel zum Ausdruck zu bringen.

Dieses Mal liegt jedoch ein neuer Zug in ihren Besuchen. Viele Juden kaufen Wohnungen und Häuser in Tel Aviv, Ashdod, Netanya, Ashkelon, Herzliya und in Jerusalem, um darauf vorbereitet zu sein, wenn sich in ihrem Heimatland die Lage verändern sollte. Während sich die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Frankreich verschlechtert haben, sind die Beziehungen zwischen den französischen Juden und Israel enger denn je zuvor geworden.

(Daniel Ben Simon)

Keren Hayesod 01-09-2004

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem