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Immer mehr französische Juden zieht es nach Israel
Städte werben um Einwanderer
Die "Jagd" auf französische Olim
Eilat ist eine der Städte in Israel,
die sich ganz besonders um potentielle französische Einwanderer bemüht. Das
Dilemma: Die südlichste Stadt des Landes hat zwar viel Meer und Sonne zu
bieten, aber es fehlt an Arbeitsplätzen.
von Kobi Ben Simhon
Eilat –
Während der heißen Sommermonate sind die Strassen von Eilat voller Menschen,
die Schlange der Autos, die aus der Stadt den ganzen Tag über herausfahren
und in sie hineinfahren, ist endlos. Jetzt haben sich einige hundert
französische Fahnen während der Hochsaison dazugesellt, sie wehen im
Wüstenwind und verstärken den Ferieneindruck während des nationalen
Feiertages. Aber Eilat muss eine schwere Aufgabe bewältigen: Hinter dem
Eindruck des pulsierenden Lebens und weit ab vom üblichen Tagesablauf im
übrigen Israel kämpft die südlichste Stadt des Landes um ihr Überleben
angesichts des riesigen Haushaltsdefizits, das über ihr hängt.
Im zweiten Stock des Rathauses von Eilat
genießt der Bürgermeister die Klimaanlage und wartet auf einen erfrischenden
Luftzug. Der Monat August ist der traditionelle Hauptmonat, an dem die
französischen Touristen ankommen und die Stadtverwaltung hat eine Kampagne
ins Leben gerufen, um die jüdischen Touristen dazu zu veranlassen, sich hier
als Einwohner niederzulassen. Die möglichen Olim (neue Einwanderer)
sind sich dieses Vorhabens, das in aller Heimlichkeit abläuft, nicht
bewusst. Was sie interessiert: Sie sind lediglich hierher gekommen, um unter
der Sonne des Roten Meeres wie üblich Ferien zu machen. Aber die
Stadtverwaltung hat beschlossen, in jedem jüdischen Touristen aus Frankreich
einen möglichen Einwanderer zu sehen und hat für jeden von ihnen einen
besonderen Empfang organisiert.
Es begann mit der Landung der ersten
Flugzeuge der Reiseunternehmer – den Direktflügen von Paris auf dem
Flughafen von Ovda, der 50 Kilometer nordwestlich von Eilat liegt. In dieser
Mondlandschaft, nahe der ägyptischen Grenze, landeten zwei Maschinen von EL
AL, und mehr als 300 Touristen – praktisch alle von ihnen waren Juden –
unterbrachen für einige Stunden die Ruhe, die sonst über diesem Ort liegt.
Im Laufe des Monats August landeten hier Dutzende von weiteren Maschinen.
Bürgermeister Meir Yitzak Halevy, Eilats neues Stadtoberhaupt, wollte die
5000 potentiellen Einwanderer mit einem besonderen Empfang beeindrucken und
ihnen die Möglichkeiten seiner Stadt vor Augen führen. Wie viele ihm ins
Netz gegangen sind, ist nicht bekannt.
Die Liebesbeziehung zwischen Eilat und
den französischen Juden ist nichts Neues. Jedes Jahr kommen Tausende von
jüdischen Touristen aus Frankreich in diese Stadt. Während der Sommermonate
und zu Pessach ist in den Strassen der Stadt permanent Französisch zu hören,
als ob die Stadt von einer fremden Macht besetzt worden wäre. In den
vergangenen beiden Jahren, so der Bürgermeister, sind 90 Prozent der
ausländischen Touristen in Eilat Juden aus Frankreich gewesen. Die
Immobilienmakler in Eilat haben die Geschäftsmöglichkeiten, die darin
liegen, bereits erkannt und halten am Ende jeder Sommersaison Verkaufsmessen
ab. Französische Juden haben hier in den vergangenen beiden Jahren mehr als
50 Wohnungen gekauft, und viele von ihnen betrachten Eilat als ihren
bevorzugten Ferienort während des Sommers. Aber in diesem Jahr liegt die
Sache etwas anders: Eilat will die Beziehungen vertiefen, es will eine
Verbindung aufbauen, die das ganze Jahr über anhält.
Seit Beginn dieses Jahres haben sich 10
Familien aus Frankreich in Eilat niedergelassen, sie schlossen sich 30
Familien an, die im vergangenen Jahr hierher kamen (seit 1993 haben 400
Familien aus Frankreich ihren Wohnsitz nach Eilat verlegt). „Als ich die
Energie der französischen Juden, ihre Möglichkeiten“, sagt der Bürgermeister
in seinem luxuriösen Büro, „leitete ich Schritte ein, mit denen wir uns
darauf konzentrieren wollten, dass es eine gute Idee wäre, diese Touristen
als mögliche Einwanderer zu betrachten. Hier handelt es sich um einen hoch
stehenden Bevölkerungsanteil, der sozial und wirtschaftlich sehr gut
gestellt ist. Die Franzosen haben gute selbständige Berufe und sie
sind Geschäftsleute und sie kommen mit enormen finanziellen Möglichkeiten
hierher.“
Im vergangenen Jahr organisierte die
Stadt Festivals für die Besucher, bei denen Sänger wie Eyal Golan und Zehava
Ben auftraten, und in diesem Jahr wurde die Qualität der Kampagne, mit der
sie angezogen werden sollen, noch um eine Stufe angehoben. Und alles wird
ausdrücklich und speziell auf die Wünsche der Franzosen abgestellt: Es gibt
weder Versuche die jüdischen Touristen aus den Vereinigten Staaten zur
Einwanderung zu überreden noch weht der Union Jack von Großbritannien in den
Strassen der Stadt. Mit den „Anglo-Sachsen“ wird vor allem über Spenden
gesprochen. Aber wenn man auf den „Onkel aus Paris“ zu sprechen kommt, dann
versuchen die Stadtväter diesen auch dazu zu überreden, sich hier eine
Wohnung zu kaufen und sich hier niederzulassen.
Im Juli dieses Jahres veranstaltete das
Eingliederungsministerium gemeinsam mit der Jewish Agency
Einwanderungsmessen in Paris und Amsterdam ab und die Leiter von örtlichen
Behörden in Israel waren dazu eingeladen, sich mit den Interessenten für
Aliyah (Einwanderung) zu treffen. Bürgermeister Yitzhak Halevy war ebenfalls
anwesend. Aber das Projekt der Gemeinde-Aliyah ist lediglich für vier Städte
bestimmt – Jerusalem, Netanyah, Ashkelon und Ashdod – sowie für eine Reihe
von örtlichen Gemeinderäten. „Wir kommen selbst zurecht und vertreten unsere
Interessen“, sagt Yitzhak Halevy. „Dies alles hier ist Teil der
Verhandlungen zwischen der Regierung und den örtlichen Verwaltungen; ich
gehe davon aus, dass die örtlichen Verwaltungen die Oberhand behalten
werden.“
Es ist nicht nur der Bürgermeister von
Eilat, wie er betont. „Gehen Sie nach Ashkelon und zum dortigen
Bürgermeister Roni Mahatzri, sehen sie selbst, wie hart er dafür arbeitet,
um unter den französischen Juden für diese Sache zu werben, ebenso wie der
Bürgermeister von Netanya und der Bürgermeister von Ashdod. Sogar der
Bürgermeister von Tel Aviv, Ron Huldai, hat erkannt, welches Potential hier
liegt“. – Die Stadtverwaltung von Tel Aviv teilte auf Anfrage mit,
dass Huldai gegenwärtig in Frankreich ist. „Heute sagen die Vertreter der
örtlichen Gemeindeverwaltungen ganz deutlich: „Wenn wir uns nicht selbst
helfen, wird uns niemand helfen. Schließlich kommt es darauf an, dass ein
guter Bürgermeister Dinge anschiebt und jeder von uns will, dass sich
französische Juden in der jeweiligen Stadt niederlassen“, sagt Yitzhak
Halevy.
Nach statistischen Angaben der Jewish
Agency lassen sich 65 % der französischen Juden über „direkte
Eingliederungs-Maßnahmen“ hier nieder, als Ergebnis der Anstrengungen der
jeweiligen Bürgermeister, womit die Olim auch nicht die Verwaltungswege der
Regierung durchlaufen müssen. „Jeder arbeitet auf seine eigene Weise“,
erklärte Yitzhak Halevy. „Es gibt keinen Krieg, es kommt nur darauf an, wer
am Schluss ganz vorne liegt. So gründete Ron Huldai zum Beispiel ein Team,
das viel Zeit auf der Paris –Tel Aviv-Achse verbringt und ich darf Sie
darüber informieren, dass der Bürgermeister von Ashkelon eine sehr schöne
Broschüre in französischer Sprache verteilte, in der er seine Stadt
vorstellte. Was sie dazu veranlasst, zu mir zu kommen? Ich verleite sie
dazu.“
Yitzhak Halevy ist seit acht Monaten der
Bürgermeister von Eilat. Er hatte sich um das Amt als unabhängiger Kandidat
beworben, nachdem er das Eilat College geleitet hatte. Er hat sich vor 25
Jahren in der Stadt niedergelassen, um hier das städtische Jugendabteilung
aufzubauen, nachdem er eine Zeitlang als Jugendgruppenbetreuer in Jerusalem
gearbeitet hatte. Er sagt, dass er in der Stadt ein aufgelaufenes Defizit
von NIS 198 Millionen vorgefunden habe, ein weiteres Defizit belaufe sich
auf NIS 240 Millionen an Schulden gegenüber Banken und Lieferanten, was ein
Ergebnis von „falscher Verwaltung“ sei (der frühere Bürgermeister, Gabi
Kadesh, sagt, dass er lediglich ein Defizit über NIS 83 Millionen
hinterlassen habe). Und in der Tat, wenn man die Einnahmen überprüft, dann
sollte sich Eilats Situation als wesentlich besser darstellen. Einnahmen von
jährlich über NIS 300 Millionen (vor allem aus Grundsteuern der Hotels) für
eine Stadt von 25 000 Einwohnern sollten mehr als ausreichend sein.
Zusätzlich zum Rehabilitationsprogramm,
das vor kurzem genehmigt wurde, und das dafür sorgen soll, dass Eilat im
kommenden Jahr einen ausgeglichen Haushalt vorlegen kann, ist der
Bürgermeister nicht so sehr an den Juden Frankreichs interessiert, sondern
an ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten. Für das französische Projekt wurde
ein System eingeführt, das Yitzhak Halevy „Eingliederung und Beistand“
nennt. Im August wurde ein Eingliederungszelt in Eilat aufgebaut, das all
jene ansprechen soll, die hier im Handel und in Unternehmen Geld investieren
wollen. Es wird auch mehrere Grundstücks- und Unternehmermessen geben, was
über die Arbeit einer Gruppe von Freiwilligen hinausgeht, die regelmäßige
Kontakte mit den französischen Urlaubern in der Stadt unterhalten. Mein Ziel
liegt darin, dass jeder französische Urlauber, der als Tourist nach Eilat
kommt, mit dem Einwanderungsmöglichkeiten vertraut gemacht wird, er soll
über die Arbeitsplatzmöglichkeiten informiert werden sowie über die Schulen
und Studienmöglichkeiten und über den Wohnungsmarkt, „über alles, was ihn
dazu veranlassen könnte, sich hier niederzulassen.“
Die Vorbereitung hierzu beginnt bereits
in Frankreich, erklärt er. „Ich war am vergangenen Unabhängigkeitstag
Israels dort und sprach zu über 6000 französischen Juden. Am folgenden Tag
traf ich mit Geschäftsleuten zusammen, zu denen ich engen Kontakt
unterhalte. Ich habe dort Gesandte, die über Eilat informieren. Wir haben
auch vor, die Eilat-Stiftung in Paris zu gründen, die Mittel aufbringen wird
und für einen regelmäßigen Dialog mit den französischen Juden sorgen soll.
Ich möchte hier in Eilat französische Ärzte, Freiberufler, Psychologen
sehen. Jeder Tourist, der hier landet, erhält einen Satz Postkarten mit
einem persönlichen Brief von mir, der die Botschaft enthält: „Sie werden
hier gebraucht, wir lieben Sie, bleiben Sie bei uns.“ In einer anderen Woche
haben wir einen Spendenabend abgehalten, eine Veranstaltung, die in
Frankreich geplant wurde, um Geld für das Eilat College zu sammeln. Die
Franzosen spenden die ganze Zeit über und sehr viel. Übrigens verursachen
ihre Spenden auch bei ihnen ein gutes Gefühl, nicht nur bei uns.“
Im kommenden Jahr
Um 13 Uhr Ortszeit landet die erste
Maschine aus Paris auf dem Flughafen von Ovda. Die Ankommenden, die aus der
Maschine aussteigen und in den Terminal eilen, der über eine Klimaanlage
verfügt, haben keine Ahnung, welche Erwartungen mit ihrer Ankunft verbunden
sind. Am Eingang werden sie von Gesandten des Tourismus-Ministeriums
erwartet und an sie werden Kopfbedeckungen und die Postkarten des
Bürgermeisters verteilt, aber die Touristen freuen sich lediglich auf die
Ferien und viel Sonnenbaden, sie erwarten keine Aliyah-Messe. Dies ist auch
Teil der Strategie – keinen Druck auszuüben. Auf dem Parkplatz des
Flughafens warten drei neue Busse und Taxi-Fahrer, die Schilder auf
Französisch hochhalten, rufen „Taxi, s’il vous plait.“
Draußen vor der Ankunftshalle warten
bereits Gerard und Georgine Zeitoun, die vor einer Woche in Eilat angekommen
sind. Ihr Sohn und dessen Familie waren in der Maschine, die eben gelandet
ist. Georgine, eine Großmutter mit gefärbten blonden Haaren, eilt von einem
Enkel zum anderen und gibt jedem einen langen Kuss. Ihre Schultern und das
Gesicht sind bereits sonnenverbrannt und sie will noch mehr Sonne, sie kann
gar nicht genug davon bekommen. „40 Jahre lang sind wir hierher nach Eilat
gekommen, um hier Urlaub zu machen, wir sind hier wegen der Sonne“, sagt sie
hinter dicken Sonnenbrillen. „Schreiben Sie, dass wir wegen
(Ministerpräsident) Sharon gekommen sind“, sagt sie, und lacht fast
hysterisch. „Er bat uns zu kommen, also kamen wir deshalb – sonst wären wir
in Paris geblieben. Was sollen wir in Eilat tun?“
Georgine liebt ihre Ferien in der Hitze
und obwohl sie über den Ministerpräsidenten Witze macht, gibt es für den
Bürgermeister von Eilat allen Grund, optimistisch zu sein. „In Paris
betreibt unsere Familie ein Geschäft, einen Stoffladen“, erklärt sie auf
Hebräisch, nachdem sie sich etwas beruhigt hat. „Ich fühle mich wie ein
Zionist – dies ist unser Land, nicht wahr? In den 50er Jahren lebte ich mit
meinen Eltern in Jerusalem und wir verließen das Land, weil mein Vater in
finanzielle Schwierigkeiten geriet. Wenn ich jetzt ein Geschäft in Eilat
finden kann, werde ich bleiben – ich werde nicht nach Frankreich
zurückfliegen. Wir haben bereits in Stadt Wurzeln geschlagen, wir haben uns
ein Haus gekauft."
Vor der Ankunft der zweiten Maschine
gegen 17 Uhr Ortszeit, gelingt es zwei Musikanten, die vom
Tourismus-Ministerium geschickt wurden, sich auf die Startbahn aufzustellen
und die Besuchter mit alten hebräischen Liedern zu empfangen, die sie leicht
gefärbt mit russischem Akzent vortragen. Während die Violine und das
Akkordeon „Aveinu Shalom Alechem“ anstimmen, nehmen Dutzende von Touristen
ihre Pässe, beeilen sich Formulare auszufüllen und stellen sich an der
Passkontrolle an. Sie wurden ein etwas unter Druck gesetzt. Einem jungen
Mann, der in seinem Rucksack nach einem Stift suchte, fielen seinen Tefillin
auf den Boden. In einer anderen Ecke betete ein alter Mann mit seiner
schwarzen Kippa, aber er wendete sich nach Westen (nicht in Richtung von
Jerusalem, wie es der Brauch ist). Zwei junge Mädchen mit nacktem Mittelteil
und Europäisch aussehend, hatten sich bereits ihre ersten Koffer abgeholt.
Lizzie Baruch kam mit 30 Freunden nach
Eilat. „In Eilat sind es richtige Ferien“, erklärt sie auf Hebräisch. „Es
ist hier für die Kinder am besten, besser als in Netanya oder in Tel Aviv,
hier sind es wirkliche Ferien. Wir mögen es hier, weil es hier auch sicherer
ist, es gibt keine Bombenanschläge. Darum, wegen der Ruhe, kommen viele
Franzosen gerne nach Eilat. Aber hier bleiben? Warum hier bleiben? Schaffen
Sie Arbeitsplätze, dann können wir darüber reden. In Frankreich arbeite ich
für eine High-Tech-Firma, mein Mann hat eine Firma in China. Jetzt ist es
für uns nicht die richtige Zeit, nach Israel zu kommen. Aber mit Gottes
Hilfe, wenn die Zeit gekommen ist, werden wir kommen. In diesem Jahr wollen
wir uns hier eine Wohnung kaufen. Mit Gottes Hilfe werden wir uns eine
kaufen.“
Avi Zana, der Direktor der französischen
Abteilung für Einwanderung und Eingliederung bei der Jewish Agency,
bestätigt den Eindruck, den man auf dem Ovda-Flughafen erhält. In einem
Gespräch aus Paris per Telefon, mit den Zuggeräuschen im Hintergrund, sagt
er, dass das Interesse der französischen Juden an Eilat gerade in den
vergangenen beiden Jahren zugenommen hat. Nach seinen Zahlen ist Eilat seit
dem Ausbruch der Intifada zum Hauptferienziel für französische Juden in
Israel geworden, obwohl Jerusalem, Netanya und Ra’anana mehr neue
Einwanderer verzeichnen und eingliedern.
Wie sie sich zusammensetzen
Ein Profil nach Angaben der Jewish
Agency von jenen 2000 Einwanderern, die seit Anfang dieses Jahres aus
Frankreich nach Israel gekommen sind:
- Personenstand:
Paare und Familien – 39 Prozent; Einzelpersonen – 61 Prozent.
- Religiöse Einstellung:
67 Prozent orthodox, 29 Prozent traditionell, 1 Prozent konservativ, 3
Prozent nicht religiös.
- Ausbildungsstand:
Grundschule – 10 Prozent; Hochschule – 30 Prozent; Abitur – 28 Prozent;
Universitätsausbildung (Bachelor’s und Master’s Diplom sowie
Ingenieursausbildung) – 32 Prozent.
- Berufe und Beschäftigung:
Studenten – 44 Prozent; Pensionäre – 16 Prozent; Geschäftsleute – 13
Prozent; Mediziner – 8 Prozent; Büroangestellte – 8 Prozent; High-Tech –
6 Prozent; Arbeite4 – 5 Prozent.
- Geburtsland:
Frankreich – 60 Prozent; Algerien – 10 Prozent; Marokko – 10 Prozent;
Tunesien – 10 Prozent; andere Länder – 10 Prozent.
(Kobi Ben Simhon)
Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Wenn sie sich an die Blumen erinnert,
dann ist sie für einen Augenblick traurig. Es ist nicht einfach für sie,
obwohl sie oft lächelt. Trotz der großen Anstrengungen, die in Eilat
unternommen werden, um die Einwanderer einzugliedern, ist es nicht sicher,
dass es hier für sie alle einen Platz und eine Zukunft gibt. Yael Zuritz
besaß eine Kette von Blumenläden in Paris. Sie ließ sich vor 18 Monaten
gemeinsam mit ihrem Mann Philippe in Eilat nieder, der Importeur ist, sowie
mit ihren drei Kindern. Die Kinder sprechen nach wie vor Französisch, sie
passen sich nur sehr langsam an. Philippe, der in Be’er Sheva geboren wurde,
wollte hierher zurückkommen und die Tatsache, dass seine Kinder in
Frankreich einer unsicheren Zukunft entgegensahen, gab schließlich den
Ausschlag, nach Israel auszuwandern.
In der städtischen Bücherei, von der man
auf das azurblaue Meer blicken kann, sagt Yael Zuritz, dass sich ihre
Erwartungen nicht erfüllt haben. „Manchmal bin ich wirklich enttäuscht“,
sagt sie auf Französisch mit einem Seufzer. „Alles hier fällt einem schwer,
besonders wenn es um einen Arbeitsplatz geht, genauso wenn es darum geht,
den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.“
Claudine Launtzer, ein Pensionär und der
Präsident des Clubs der französischen Juden in Eilat, der 110 Mitglieder
hat, hört Zuritz mit einem ernsten Gesichtsausdruck zu. Sie sprechen beide
schnell auf Französisch und sie sehen beide aus, als kämen sie nicht von
hier. Sie hatte sich beide dafür entschieden, nicht das Ulpan zu besuchen
(Intensiv-Kurse für die hebräische Sprache), aber jetzt wissen sie, dass
dies ein Fehler gewesen war. Launtzers Kinder sind noch in Frankreich und
betreiben das Juwelengeschäft der Familie.
„Mein Mann überlebte den Holocaust“,
sagt sie. „Uns wurde gesagt, dass wir uns auf die Franzosen nicht wirklich
verlassen konnten. Grundsätzlich gesehen ist es besser, dass wir hier sind;
mein Schwiegersohn wartet darauf, bis seine Eltern nach Israel kommen und
dann wird auch seine gesamte Familie kommen. Unser Hauptproblem in Eilat
liegt darin, einen Arbeitsplatz zu finden. Der Bürgermeister kann von
Einwanderern aus Frankreich träumen, aber niemand wird hierher kommen, um
Hotelzimmer zu säubern.“ Wegen der Sprachschwierigkeiten haben viele der
neuen Einwanderer in Eilat lediglich zeitlich begrenzte Aushilfsarbeiten
gefunden, aber fast alle gründeten ihre eigenen Geschäfte sobald sie sich
dazu in der Lage sahen.
Alex Shtendal, 30 Jahre alt, ist ein
Projekt-Koordinator der Jewish Agency in Eilat. Es ist ein völlig neuer
Arbeitsbereich, der bis vor zwei Jahren nicht existierte und der durch die
Bedürfnisse des Stroms der neuen Einwanderer entstand. Jetzt lebt Shtendal
mit seiner Frau in Eilat und ist zu einem Teil der örtlichen Szene geworden.
Er kennt bereits fast jedes Mitglied des französischen Einwanderer-Clubs in
Eilat und er beschreibt die Mitglieder als ganz besondere Menschen. Er kommt
zu ihren Treffen mit Flaschen besten Weines, es macht keinen Sinn hier
Kompromisse einzugehen. „Bei all ihren Treffen sind sie wegen des Weines
sehr genau, das ist das wichtigste überhaupt“, sagt Shtendal und lacht
dabei. „Sie sagen immer zu mir, dass sie ohne Wein nicht beginnen werden.“
Für gewöhnlich, wenn ich eine Veranstaltung für andere Olim habe, dann
reicht ein Flasche völlig aus. Für die Veranstaltungen mit den Franzosen
muss ich eine ganze Kiste mitbringen.“
Dies mag nur eine Anekdote sein, aber es
sagt sicher viel über die französischen Einwanderer in Eilat aus. Viele von
ihnen sind sehr reich, Leute, die es sich leisten können, für ein Penthaus
bar zu bezahlen. In Eilat gibt es das Phänomen nicht, dass Juden aus
Frankreich hierher kommen, nur um Vorteile aus der Einwandererunterstützung
zu ziehen, um anschließend in ihr Herkunftsland zurückzukehren. Aber viele
Juden sind mit dem zeitlich begrenzten Aufenthalt zufrieden. „Sie kaufen
sich eine Wohnung, damit sie drei Monate im Jahr in Eilat verbringen
können“, sagt Shtendal. „Das restliche Jahr leben sie in Paris. Für
gewöhnlich behalten sie ihre Geschäfte in Paris bei, sie lösen diese nicht
auf und gehen für immer. In der gegenwärtigen Einwandererwelle in Eilat sehe
ich mehr junge Menschen und weniger Pensionäre wie in der Vergangenheit.“
Die Franzosen haben den Charakter der
Stadt verändert und sie sind ein Teil von ihr geworden, sagt er. „Jeden
Pessach sagen wir, die Franzosen kommen“. Sie lieben Eilat, sie lieben die
Landschaft, sie sehen es als eine Stadt an der Riviera an, eine Stadt an der
Küste. Für sie ist es ein kleiner, angenehmer Ort.“
Aber nicht alle stimmen diesem Bild zu
und akzeptieren es als die Realität. Dr. Avi Baranes vom Institut für
Meeresbiologie in Eilat, arbeitet ehrenhalber als französischer Berater
hier. Im Jahre 1952 wurde seine Familie aus Ägypten des Landes verwiesen und
ließ sich in Frankreich nieder. In den 70er Jahren wanderte er nach Israel
ein und erwarb seinen Master’s Diplom und seinen Doktor in Meeresbiologie.
Er ist auf Haie spezialisiert. Er sagt, dass nicht alle Olim aus Frankreich,
die sich in Eilat niederlassen, zu den oberen wirtschaftlichen Schichten
gehören.
„Ich meine, dass jemand, dem es gut
geht, nicht hierher einwandert“, sagt er. „Er kommt für einen Monat, kauft
sich eine Wohnung, gibt eine Spende, um sein Gewissen zu beruhigen, aber er
gibt nicht Paris auf. Diejenigen, die für gewöhnlich hierher kommen, um zu
bleiben, sind Pensionäre, die eine hohe Pension aus Frankreich erhalten und
sie kommen hierher, um sich in der Sonne auszuruhen. Eine ganze Reihe der
Olim, und ich möchte nicht rassistisch oder ähnlich klingen – verfügen über
keine französische Kultur. Sie besitzen die französische Staatsbürgerschaft,
aber sie stammen aus Nordafrika. Als ich ein französisches Filmfestival
organisieren wollte, kamen sechs Personen. Das sagt eigentlich alles. Seien
wir ehrlich, die meisten von ihnen haben noch nie von Baudelaire gehört,
aber sie kennen sicher den Sänger Enrico Macias.“
Baramas sagt, dass er die Bemühungen des
Bürgermeisters bewundert, „aber ich würde gerne eine mehr positive
Einwanderung sehen, nicht eine unkontrollierte Einwanderung von Olim. Wir
müssen nicht alle aufnehmen, nur weil sie verfügbar sind. Ich sehe keinen
Grund, Menschen mit wenigen Fähigkeiten dazu zu ermutigen, nach Eilat zu
kommen. Ich will über die französischen Einwanderer nicht urteilen, aber ich
hoffe, dass sie die freie Atmosphäre der Stadt nicht verändern werden. Ich
war davon überrascht, wie religiös sie sind. In Frankreich waren wir nicht
so. Dieser religiöse Druck, sollte er zunehmen, könnte für die Stadt eine
wirtschaftliche Katastrophe bedeuten und nicht jene wirtschaftlichen
Aufschwung bringen, den sie für uns planen.“
Im Stadtrat von Eilat stellt Shas
gegenwärtig zwei Stadträte (von insgesamt 17), Shinui und Meretz beteiligten
sich an den Wahlen, aber sie konnten nicht einen einzigen gewählten Stadtrat
stellen. Darüber hinaus stellte der Bürgermeister durchaus in Aussicht, eine
Jeshiva für junge Franzosen in Eilat einrichten zu lassen.
Ein französischer Sommer
Der Exodus der französischen Juden, in
Israel Ferien zu machen, hat seine Höhen und Tiefen. Einige ziehen einen
Vorteil aus dem Umstand, während ihres Aufenthaltes in Israel, bei
Verwandten wohnen zu können, die hier leben. Fast alle Juden
nordafrikanischer Herkunft haben Verwandte in Israel. Im Laufe der Jahre
wurden Netanya zur inoffiziellen Hauptstadt der jüdischen Touristen aus
Frankreich. Es erinnert sie sehr stark an Deauville, einer Ferienstadt an
der Küste der Normandy, die von französischen Juden regelrecht erobert
wurde.
In Deauville fühlten sie sich wie zu
Hause. Sie kauften sich hier Häuser, kauften Land, spielten Tennis, speisten
in koscheren Restaurants, gingen am Freitagabend in die Synagoge und lebten
ein erfülltes Gemeindeleben. In Netanya entdeckten sie eine israelische
Ausgabe von Deauville. Die Sommersonne, saubere und gut gepflegte Strände,
Französisch-Sprechende Einwohner, eine jüdische Atmosphäre und israelischer
Stolz. Hier konnten sie mit einer großen Kippa spazieren gehen und sich
sicher fühlen.
Während der zweiten Intifada verblieben
die französischen Juden in ihrem Heimatland. Die Selbstmordattentäter
flimmerten über die Bildschirme und Bilder voller Zerstörung wurden zum
Markenzeichen des Lebens in Israel. Die Reiseagenturen verringerten ihre
Preise so tief wie es nur ging, aber die Flugzeuge von Paris nach Israel
füllten sich nicht. Netanya wurde wirtschaftlich schwer getroffen und so
ging es auch Ashkelon und Ashdod.
Während hier der Touristenstrom aus
Frankreich austrocknete, konnte Eilat einen gewissen jüdischen
Touristenstrom verzeichnen, was natürlich auf die Entfernung zu den
Anschlagsorten zurückzuführen war. Die jüdischen Touristen flogen von Paris
ab und landeten in Eilat. Sie verbrachten ihre Sommerferien hier und sie
kamen auch hierher, nur um hier eine Hochzeit oder eine Bar Mitzwah
abzuhalten. Auf diese Weise behielten sie ihre Verbindung zu Israel
aufrecht, ohne ihr eigenes Leben in Gefahr zu bringen.
Im letzten Jahr gab es die große
Veränderung. Zahlreiche französische Juden kamen nach Israel zurück, was vor
allem auf den erheblichen Rückgang der Zahl der Anschläge zurückzuführen
war. Und nicht nur das. Französische Juden fühlen sich in ihrem Land als
unwillkommen, ebenso wie in Belgien, der Schweiz und in anderen Ländern. Sie
führen das anti-israelische Klima in Europa auf die grundsätzliche Abneigung
gegenüber Juden zurück. Deshalb ist Israel wieder zum bevorzugten
Urlaubsziel für französische Juden geworden. Während der vergangenen Monate
ist es schwer gewesen, einen freien Platz auf einem Flug von Frankreich nach
Israel zu finden. Sie kommen massenweise, von Senioren bis zu Babies, um
hier ihre Ferien zu verbringen und ihre Liebe für Israel zum Ausdruck zu
bringen.
Dieses Mal liegt jedoch ein neuer Zug in
ihren Besuchen. Viele Juden kaufen Wohnungen und Häuser in Tel Aviv, Ashdod,
Netanya, Ashkelon, Herzliya und in Jerusalem, um darauf vorbereitet zu sein,
wenn sich in ihrem Heimatland die Lage verändern sollte. Während sich die
diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Frankreich verschlechtert
haben, sind die Beziehungen zwischen den französischen Juden und Israel
enger denn je zuvor geworden.
(Daniel Ben Simon)
Keren Hayesod 01-09-2004
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