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Französische Aliyah im Stil des Jahres 2002:
Fast so als ob man Wohnungen verkauft
Von
Zvi Aloush, Paris, Yediot Aharonot 4.4.2002
Sogar in
kriegerischen Zeiten gibt es jüdische Menschen, die Aliyah machen
wollen: Bürgermeister aus Israel, die an der Aliyah-Ausstellung in Paris
teilnahmen, um Israel zu „vermarkten“, zeigten sich von der hohen Zahl
der interessierten Besucher überrascht. Potentielle Einwanderer, die
Israel dem antisemitischen Frankreich vorziehen, interessieren sich mehr
für die Wohnungs-Situation und den Arbeitsmarkt als für die
Sicherheits-Lage:
Zionismus im Stil
des Jahres 2002.
Hana Ben-Simchon wohnt in einem Pariser
Vorort, sie ergriff den Anzug-Kragen von Carmiels Bürgermeister Adi
Eldar und flehte ihn an: “Ich bitte Sie um Ihren Rat. Ich habe eine
Wohnung in Israel und ich will nächste Woche dorthin auswandern. Freunde
haben mir dazu geraten, meine Aliyah um wenigstens einen Monat zu
verschieben, weil sich meine Wohnung an der Gad Machness-Strasse in
Netanya befindet, wo kürzlich der Terror-Anschlag verübt wurde. Was
raten Sie mir - verschieben oder sofort auswandern?”
Es fiel Eldar schwer, seine Verblüffung
zu verbergen. Er dachte einen Moment nach und erwiderte dann der jungen
Frau, die vergeblich versuchte, ihre drei umhertollenden Kinder unter
Kontrolle zu halten: “Wenn Sie so mehr Sicherheit empfinden und es Sie
beruhigt, dann verschieben Sie Ihre Aliyah um einen Monat. Das ist nicht
so schlimm. Wir werden auf Sie warten, egal was passieren wird.“
Dieser Vorfall ereignete sich am letzten
Tag einer riesigen Ausstellung, die kürzlich von der Jewish Agency in
einer der elegantesten Strassen von Paris, nicht weit vom Champs
Elysées, veranstaltet worden war. Eldar war völlig erschöpft und glich
einem Vertreter, der bei einer Messe 8 bis 9 Stunden lang Wohnungen
verkauft hatte.
Das war es auch genau, was Eldar den
ganzen Tag über getan hatte: Er hatte mit hunderten von neugierigen
jüdischen Menschen Gespräche geführt und versucht, ihnen Carmiel zu
“verkaufen”.
Auf den benachbarten Ausstellungsständen
in der gleichen Halle versuchten auch seine Kollegen, die Bürgermeister
von Ashkelon (Benny Vaknin), Ashdod (Zvi Tsikler), Kiryat Gat (Albert
Erez) and Beit Arieh (Mark Assia), ihre Städte und Gemeinden zu
“verkaufen”. Jerusalem und Haifa hatten auch Repräsentanten entsandt.
Die Einwanderung nach Israel, im Stil
des Jahres 2002, gleicht fast dem Verkaufen von Wohnungen. Jeder
Ausstellungsstand präsentierte seinen Bürgermeister und französisch
sprechende Helfer, einen Fernseh-Schirm, auf dem die Vorzüge der
jeweiligen Stadt mit einem Video vorgestellt wurden, sowie einen Haufen
von gut gemachten Werbesprüchen, die in allen Farben Berge, Hügel und
vor allem viel Meer versprachen. Denn das ist es, was die Pariser mehr
als alles andere interessiert: Jerusalem und das Meer. Deshalb zogen die
Stände von Jerusalem und von Ashdod die meisten Besucher an. Darauf
folgten Ashkelon und Haifa.
Über 2500 Juden besuchten an diesem
einen Tag die Ausstellung: Die meisten waren religiös, einige sogar
ultra-orthodox; nur eine Minderheit war weltlich eingestellt.
Einige kamen mit präzisen Fragen. Sie wollten genau wissen, wie das
Hilfspaket aussieht, das die Jewish Agency und das
Eingliederungs-Ministerium anbietet; sie wollten Informationen bezüglich
des Wohnungsmarktes und der Arbeitsplatz-Möglichkeiten in der Stadt
ihrer Wahl; einige wollten sogar wissen, welche Schule in der Nähe der
Gegend vorhanden ist, in der ihnen eine Wohnung angeboten worden war.
Die Bürgermeister waren überrascht
davon, dass die Einwanderer nicht besonders an Israels sensibler
Sicherheitslage interessiert waren.
Was veranlaßt französische Juden, gerade
in dieser Zeit, sich für die Möglichkeit der Einwanderung nach Israel zu
interessieren? Nach den Worten von Moshe Almoznino, dem Direktor der
Jewish Agency-Mission in Paris, leben 600 000 Juden in Frankreich, und
obwohl sie sich immer sicher gefühlt haben in ihrer Existenz in diesem
Land, fühlen sie sich gegenwärtig weniger wohl hier.
Der erstaunliche Anstieg an ernsten
Zwischenfällen mit antisemitischem Charakter – über 400 seit Oktober
2000 – ruft bei ihnen ernsthaftes Unbehagen hervor. In Frankreich leben
heute etwa sechs Millionen Moslems, deren Zahl stetig zunimmt. Juden
fürchten sich bereits, heute auf die Strassen von Paris mit einer Kippa
zu gehen.
Die neue Welle des Antisemitismus in
Frankreich unterscheidet sich von der früheren, für die die politische
Ultra-Rechte verantwortlich war. Dieses Mal stecken hinter den Untaten
die Kinder von arabischen Einwanderern, die von radikalen linken
Bewegungen und den Grünen unterstützt werden.
Sami Gozlin, der Sicherheits-Direktor
der jüdischen Gemeinde, erzählt, dass bei vielen anti-israelischen
Demonstrationen arabische Anführer der linken Bewegungen an den
Strassenrändern stehen. “Bei diesen Demonstrationen rufen Menschen
‚Juden sind Mörder’ und ‚Tod den Juden’, sagt Gozlin. “Es ist in der Tat
so, dass diese Demonstrationen die Menschen dazu legitimieren, uns
anzugreifen.”
Das Ergebnis: In den ersten drei Monaten
des Jahres 2001 waren es 428 Juden gewesen, die sich mit ausdrücklichem
Interesse an der Aliyah an die Jewish Agency gewandt hatten, in den
ersten Monaten des Jahres 2002 ist diese Zahl auf 1250 gestiegen. Dazu
sagt Almoznino: “Wir wollen von dieser Welle profitieren, von dieser
Zunahme des Interesses. Deshalb haben wir die Bürgermeister hierher
gebracht; wir wollen, dass sich jene, die interessiert sind, mit den
höchsten städtischen Repräsentanten an einen Tisch setzen und ihnen ihre
Fragen stellen. Auch die Bürgermeister sollen ihren Anteil zur
Eingliederung von Einwanderern beitragen.“
Im letzten Jahr wanderten etwa 1200
Menschen von Frankreich nach Israel ein.
Moshe Almozninos Ziel liegt in diesem
Jahr darin, diese Zahl mindestens zu verdoppeln. Das ist keine leichte
Aufgabe: Die israelische Bürokratie macht es französischen Einwanderern
nicht leicht. Wie im Fall von Ärzten. Um in Israel seine Zulassung zu
erhalten, muß ein jüdischer Arzt aus Frankreich eine schwierige Prüfung
bestehen, unabhängig seiner medizinischen Kenntnisse und davon, ob er
vielleicht bereits seit über 20 Jahren seinen medizinischen Beruf
ausgeübt hat.
“Die Prüfung ist entmutigend,” erklärt
Loron Cohen, ein junger Zahnarzt aus Paris, verheiratet und Vater von
vier Kindern, der sich eine Wohnung in Ashkelon gekauft hat, aber
zögert, nach Israel auszuwandern. „Ich hatte meine Praxis fast verkauft,
aber wegen der Prüfung habe ich dies dann doch nicht getan. Fragen Sie
irgendeinen eingesessenen israelischen Arzt, ob er dazu bereit wäre,
eine Prüfung in Frankreich über Fächer abzulegen, die er vor 15 Jahren
studiert hat. Wir haben den Eindruck, dass Israel mit Ärzten
überschwemmt ist und keinen Bedarf an französischen Ärzten hat. So
empfinden wir die Sitation.“
„Ich habe einen Freund, der Kardiologe
ist und zu dem israelische Patienten zur Behandlung kommen. Er empfindet
es als eine Beleidigung, dass von ihm erwartet wird, eine Prüfung
abzulegen. Israel mag es für nötig erachten, die eingewanderten Ärzte
aus osteuropäischen Ländern auf ihre Qualifikation zu überprüfen, aber
was hat das mit uns zu tun?“
Neben Cohen traf ich auf Zvika Voltoch,
40, der die Ausstellung mit seiner Frau Carinne und ihren drei Kindern
besuchte. Zvika arbeitet für die Pariser Stadtverwaltung. Er entwickelt
besondere Studien-Auftritte mit Schlaginstrumenten für Schulkinder.
Carinne hilft ihm in den Bereichen der Technik und der Logistik. Sie ist
Französin, er stammt aus Israel. Beide sprechen Hebräisch. Jetzt haben
sie sich dazu entschlossen, nach Israel auszuwandern.
Ich traf sie nach ihrem Besuch des
Standes von Jerusalem. Sie hatten sich auf Jerusalem festgelegt, aber
nach dem Besuch des Standes von Ashkelon waren sie bereits unsicher
geworden. Es gelang sogar Albert Erez aus Kiryat Gat, sie davon zu
überzeugen, sich auf eine eher südliche Richtung zu konzentrieren.
Voltoch: “Uns geht es hier
wirtschaftlich gut, aber wir vermissen die menschliche Wärme, den Charme
und die „Chuzpe“ (Unverschämtheit) der Israelis. Die Sicherheits-Lage in
Israel ist bedenklich. Nicht so sehr für uns, sondern für unsere Kinder.
Aber das ist der Preis der Aliyah. Man muß sowohl das Positive wie das
Negative in Kauf nehmen.“
Die interessierten Einwanderer wanderten
von einem Stand zum nächsten, als wenn sie sich auf einem Fließband
bewegen würden. Den Bürgermeistern brach der Schweiß aus, denn aus
Sicherheitsgründen durften die Fenster nicht geöffnet werden. „Und in
den Medien heißt es dann, dass wir verreisen würden, um Spaß zu haben,“
beklagt Tsilker, der um ein Sandwich und eine lauwarme Dose Cola bat.
Brigade-General (der Reserve) Giora Rom,
der General-Direktor der Jewish Agency, faßte die Messe wie folgt
zusammen: “Das Problem der französischen Juden liegt nicht darin, sie
zur Aliyah zu bewegen, sondern eher darin, sie in Israel zu integrieren.
Dies sind wohlhabende Menschen, die sich zur Aliya innerhalb weniger
Stunden entscheiden können – mit 300 Dollar und einem vierstündigen
Flug. Deshalb haben wir die Bürgermeister hierher gebracht. Sie müssen
den Hauptanteil dieser Aufgabe bewältigen.”
In Zusammenarbeit mit Bo’az Bismut,
Paris
Aliyah Während der Intifada
keren-hayessod.de / 22-04-02
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