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Rechts-Streit zwischen Israel und Palästinensern um Sende-Frequenzen:
"Krieg der Mobilen Telefone" - Treibende Kraft für den Frieden?

Jerusalem -(DJ)- Hoch über der israelischen Siedlung Pesagot auf der West Bank befinden sich zwei große, graue Masten, die auch weit über die benachbarte palästinensische Stadt Al-Bireh ragen. Diese Bauten sind der Grund eines Konfliktes zwischen Israel und der PA, der jedoch nicht mit Waffen ausgetragen wird. Es sind Sendemasten für Mobil-Telefone und es geht darum, wer in der Westbank die Sendefrequenzen kontrollieren darf – Kurzum, es geht um sehr viel Geld der Gebührenzahler.

Das Thema ist Teil der Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern und daran sind auch weltweit tätige Telefon-Riesen beteiligt wie Hutchison Whampoa Ltd. (H.HUW) aus Hong Kong, Orange SA (F.ORA) aus Frankreich und BellSouth Corp. (BLS) aus den USA. Und im Gegensatz zu den üblichen Konfrontationen haben hier nicht die Politiker und Militärs das Sagen, sondern es sind glücklicherweise lediglich Rechtsanwälte der beteiligten Parteien, die sich am Grünen Tisch bekriegen.

Jawwal, so heißt der einzige palästinensische Netzbetreiber für Mobile Telefone, droht dem israelischen Konkurrenten Orange Israel mit einer Klage. Jawwal, 65 % davon gehören der sich im Aufbau befindlichen palästinensischen Telefongesellschaft PalTel und die restlichen Anteile liegen beim Investment Fond der PA, behauptet, dass Orange Israel illegal in von Palästinensern kontrollierten Gebieten Telefonfrequenzen unterhält. Orange Israel wiederum gehört zu 43% Hutchison Whampoa und benutzt den Orange-Markennamen im Rahmen eines Lizenzabkommens.

Hakam Kanafani, Jawwals Geschäftsführer, hat bereits eine Klage gegen zwei andere israelische Netzbetreiber eingereicht, CellCom, zu 35% im Besitz von BellSouth, and Pelephone. Darüber soll vor einem Gericht verhandelt werden. Kanafani sagt, dass die israelischen Firmen ohne jede Genehmigung und Lizenz der PA tätig seien, was gegen ein Abkommen verstoße, das wiederum Teil der Übereinkunft von Oslo sei.

Dagegen sagen Sprecher der beklagten israelischen Netzbetreiber, dass ihre Tätigkeit in den palästinensischen Gebieten legal sei. Das israelische Telekommunikations-Ministerium hält sich heraus und betrachtet diesen Vorgang als eine private und kommerzielle Angelegenheit unter Firmen. Aber eines ist bereits deutlich geworden: Beide Seite wollen eine schnelle und einvernehmliche Lösung, um das Geschäft als wirtschaftliche Konkurrenten angehen und machen zu können.

Die israelischen Netzbetreiber kontrollieren schätzungsweise 58% des Marktes in der West Bank und in Gaza. Und der Druck von seiten der Israelis, noch mehr palästinensische Kunden zu gewinnen, wird sich wahrscheinlich verstärken, da der Markt für Mobile Telefone in Israel gesättigt sei, wie Rania Masri, ein Analyst bei der jordanischen Beratungsfirma Arab Advisors sagt. In Israel hat bereits jeder ein Handy, hier liegt die Marktsättigung bei fast 100% und ist damit eine der Höchsten in der Welt. Also können die israelischen Netzbetreiber nur noch auf palästinensischer Seite wachsen, denn andere Märkte in der Region sind ihnen "vorerst noch" verschlossen.

"So wichtig wie Wasser"

Die Palästinensische Behörde hat sich wegen der Bedeutung des Themas jetzt auch direkt eingeschaltet. Azzam Al-Ahmad ist der amtierende Telekommunikationsminister bei der PA und sagt, dass dieses Thema eines der Schlüsselgebiete bei den Verhandlungen zwischen der PA und Israel darstellen werde, wann immer die Friedensgespräche wieder aufgenommen werden sollten. Denn: "Die Kontrolle über die Sendefrequenzen ist so wichtig geworden, wie die Kontrolle über das Wasser."

Der Grund ist sehr einfach: In einem Gebiet, in dem Ausgangssperren und Straßensperren zum Alltag gehören, wurden die kleinen tragbaren Telefone zu den einzig möglichen Kommunikationsbrücken. Und trotz der Tatsache, dass die Palästinenser zu den Ärmsten im Nahen Osten gehören bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von unter $ 1000, verfügen doch 16% von ihnen über Handys, das ist der höchste Anteil unter den arabischen Gruppen, die nicht über Öl verfügen. So haben zum Beispiel in Algerien, wo das Prokopf-Einkommen bei fast $ 2000 liegt, nur 2 % ein Handy. Zusammen beschäftigen die palästinensischen Netzbetreiber PalTel und Jawwal über 2,000 Mitarbeiter, 38% davon sind Frauen, und es werden nach wie vor Mitarbeiter gesucht. Als Arbeitgeber auf palästinensischer Seite werden sie damit immer wichtiger und das gilt auch für israelische Firmen, denn diese liefern die Software, mit denen die Netze betrieben werden können.

Wohlstand nur im Frieden

Diese Entwicklung trug entscheidend dazu bei, dass die palästinensischen Telekom-Direktoren die treibenden Kräfte für ein Friedensabkommen mit Israel sind. Sie wissen, dass sie nur bei einem Friedensabkommen weiterhin wachsen und gute Geschäfte machen können. Sie sagen deshalb auch ganz deutlich, dass sie nichts mehr wollen als harmonische Beziehungen zu Israel. Im vergangenen Jahr unterzeichneten Khouri und Kanafani eine Petition gegen Selbstmordattentate. Auch sind sie sich der Problematik bewusst, dass Terroristen Mobile Telefone als Zünder-Auslöser einsetzen. Sie wollen im Rahmen internationaler Abkommen mitarbeiten, um diesen Missbrauch zu unterbinden.

Vielleicht werden letzten Endes zukünftige Telekom-Partnerschaften auf internationaler Ebene den entscheidenden wirtschaftlichen Anstoß für einen Frieden in der gesamten Region des Nahen Ostens geben. Immerhin sind z. B. auch Vivendi Universal SA und France Telecom SA mit 35% an Jordaniens MobileCom beteiligt und genau dieser Netzbetreiber will sich wiederum an der palästinensischen PalTel-Gesellschaft strategisch beteiligen. Aber auch dieses Investment hängt von einer friedlichen Zukunft in der Region ab.

Keren Hayesod 01-10-2003

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