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In den Tagen der Verhandlung über Israels Grenzmauer:
"Sie sitzen zu Gericht und ich beerdige meinen
Ehemann"
Aufruf von Fanny Haim, Witwe des Terror-Opfers Yehuda Haim, an die
Richter in Den Haag
Yediot Ha'haronot - 23. 02. 04
In diesen Tagen werden Sie in Den Haag zu Gericht
sitzen. Zur gleichen Zeit beerdige ich meinen Mann, mein Herz, das in
Stücke zerrissen wurde.
Ich bin keine Politikerin. Ich wende mich an Sie als eine
Frau, die ihren Ehemann verloren hat, als jemand, deren Herz aufgehört
hat zu schlagen, als ein Mensch, dessen Tragödie hätte verhindert werden
können, wenn es nur eine Trenn-Wand gegeben hätte.

Selbstmordanschlag im Bus Nr. 14 in Jerusalem, 22.02.2004
©2004 Reuters/Reinhard Krause,
Ministry of Foreign Affairs Israel
Ich war mit Yehuda 21 Jahre verheiratet. Er war meine
Jugendliebe als ich 15 Jahre alt war. Yehudas Schwester ist die Ehefrau
des israelischen Wirtschaftsattaches in Den Haag.
Auch sie arbeitet an der Botschaft. Seit Monaten hat sie,
ihr Mann, und das Personal der Botschaft versucht, die Augen der Welt zu
öffnen. Seit Monaten haben sie für die Rechte des Staates Israel
gekämpft. Was mich betrifft, was hätte ich schon verlangen dürfen? Nur
mein kleines Recht darauf, einen Ehemann zu haben, das Recht mit ihm
zusammen unsere Kinder heranwachsen zu sehen, wie sie sich entwickeln,
wie sie studieren und wie sie in der Armee dienen.
Dieses Recht wurde mir nunmehr genommen. Aber es steht in
diesen Tagen in Ihrer Macht, darüber zu entscheiden, dass andere
Familien in Israel dazu in der Lage sind, ihre Grundrechte zu genießen –
ein glückliches Familienleben zu haben – am Morgen aufzuwachen ohne
trauern zu müssen, ohne Grabsteine und ohne Friedhöfe. In diesen Tagen,
wenn Sie über die großen Themen zu beraten beginnen, dann halten Sie
einen Sekunde inne und denken Sie an das goldene Herz meines Mannes,
oder über seinen jungen Sohn Avner, er ist nur zehn Jahre alt, und warum
er in Gottes Namen keinen Vater mehr hat.
Ihr Gerichtssaal wird heute Gaststätte von Menschen sein,
die gekommen sind, um zu sprechen, anzuklagen. Mein Heim wird heute von
jenen besucht werden, die kommen, um mir ihr Beileid auszudrücken. Ich
werde das alles nicht begreifen können, und ich werde ganz sicher nicht
getröstet werden. Sie werden heute abend alle in Ihre Wohnungen
zurückkehren, ihren Ehepartner küssen und ihre Kinder umarmen. Und ich
werde alleine sein.
Es ist wahr, dass ich mit Politik nichts zu tun habe.
Jetzt jedoch, wenn die Trauer mich umhüllt, fühle ich, dass ich mir das
Recht verdient habe, mit meinen Tränen dafür bezahlt habe, mich mit
folgenden Worten an Sie zu wenden: Wenn die Mauer entlang der ganzen
Länge von Israel bereits vollendet gewesen wäre, vielleicht hätte auch
ich heute abend meinen Ehegatten küssen können. Verurteilen Sie mein
Land nicht. Halten Sie es nicht davon ab, weitere Tragödien zu
verhindern. Ich beerdige heute meinen Ehemann. Und ich rufe Sie dazu auf
– beerdigen Sie nicht die Gerechtigkeit.
Keren Hayesod 24-02-2004
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