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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

KH-Spende von Fawek und Elizabeth Ostrowiecki machte es möglich:
Ein Kindergarten für Schchunat Hatikvah

Tel Aviv (KH) - Fawek Ostrowiecki kommt aus einer orthodoxen, zionistischen Familie aus Lodz. Seine Großmutter hatte 9 Kinder und 61 Enkelkinder. Ein Sohn und 10 Enkel haben die Shoah überlebt, einer davon ist Fawek. Seinen ersten Aufenthalt als Tourist in Israel wird Fawek nie vergessen. Damals kam er mit dem Schiff und wurde von seiner Schwester Rosa im Hafen von Haifa abgeholt. Als er am Freitag vom Balkon ihrer Wohnung aus auf die kleine Allee blickte, spielte dort ein Mann auf einem Akkordeon und Kinder tanzten und sangen dazu. Fawek konnte seine Tränen nicht zurückhalten. Auf die Frage, warum er weine, antwortete er seiner Schwester: "Schau mal, jüdische Kinder singen und tanzen, sie sind freie Menschen." Es waren Freudentränen.

Kinder liegen Fawek, er ist u. a. auch langjähriges Präsidiumsmitglied des Keren Hayesod Deutschland, seit jeher am Herzen. Zu sehen, daß jüdische Kinder leiden, daß sie wenig Chancen haben, sich zu entwickeln, daß manche von ihnen hungern, weil sie arm sind, tut ihm weh. Und so hat er sich einen Traum erfüllt. Mit Hilfe einer großzügigen Spende von Fawek und Elizabeth Ostrowiecki wurde Ende Dezember 2004 in Schchunat Hatikvah, einem südlichen Stadtteil von Tel Aviv, ein ganz besonderer Kindergarten eingeweiht. Auf einem gemeinsamen Gelände mit vielen Spielgeräten, Sandkästen und Ecken für Gruppenaktivitäten haben in einem einstöckiges Haus zwei Gruppen Platz gefunden. In der einen werden 36 Kinder im Alter von 3-5 Jahren aus der Umgebung betreut und auf die Schule vorbereitet, in der anderen erhalten 12 unterschiedlich behinderte Kinder die Möglichkeit, durch individuelle Förderung ihrer Fähigkeiten ihren Weg in die Gesellschaft zu finden.

Beide Erziehungsbereiche haben ihre eigenen Einheiten mit getrennten Eingängen, Gruppenräumen, Spiel-, Lese- und Computerecken. Durch eine Verbindungstür können aber beide Erziehungsbereiche zusammengelegt werden. Die Erziehungsteams wollen möglichst viele Aktivitäten mit den Kindern gemeinsam durchführen und so einerseits Sozialverhalten und Rücksichtnahme auf Schwächere üben, andererseits stärkere Anreize zum kognitiven Lernen durch die Beispiele altersentsprechend entwickelter Kinder fördern. Integrative Einrichtungen dieser Art sind auch in Israel selten.

Schchunat Hatikvah gehört zu den eher armen Stadtteilen im Süden Tel Avivs. Geprägt von Einwanderern in den 50er und 60er Jahren aus dem Irak, dem Jemen und Nordafrika leben dort heute viele junge Familien. Viele von ihnen kamen in den letzten Jahren aus Äthiopien oder den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Besonders seit Beginn der wirtschaftlichen Rezession vor über vier Jahren fehlen in Israel dringend benötigte Finanzmittel, um soziale, kulturelle und pädagogische Einrichtungen zu bauen und zu erhalten. Menschen aus sozial schwachen Gesellschaftsschichten sind aber stärker auf öffentliche Hilfe angewiesen, weil sie sonst keine Chance haben, den Teufelskreis der Armut kaum durchbrechen können.

Bei der Eröffnungszeremonie stellte deshalb auch Ron Huldai, Bürgermeister der Stadt Tel Aviv, die besondere Bedeutung dieser Einrichtung für einen Stadtteil wie Schchunat Hatikvah heraus. Die Bewohner der südlichen Stadtteile hätten immer den Eindruck, daß sie bei der Stadtplanung benachteiligt würden. Der "Ostrowiecki Kindergarten" hätte deshalb eine ganz besondere Relevanz für die Stadt Tel Aviv. Botschafter Avi Pazner, Weltvorsitzender des Keren Hayesod wies in seiner Dankesrede darauf hin, daß dieser Kindergarten wie viele andere Projekte in Israel ein lebendiges Zeichen für die Solidarität des jüdischen Volkes und die Bedeutung der Unerstützung Israels durch die Diaspora sei.

Für Fawek Ostrowiecki war dieser Tag nach eigenen Worten ein Feiertag. Nach den Schrecken der Shoah, in der der größte Teil seiner Familie ermordet wurde, wären die Kinder der größte Schatz. Sie sind die Zukunft des jüdischen Volkes, für sie müssen wir sorgen. Die Kinder aus Schchunat Hatikvah dankten ihm mit Liedern und Danksagungen in Ivrith, Englisch und Deutsch für sein Engagement und den schönen Kindergarten.

Für Fawek war es von besonderer Bedeutung, daß neben seiner Schwester und anderen Angehörigen auch seine beiden Kinder Ilan und Nili teilnehmen konnten. Auf der Tafel am Eingang des Kindergartens wird seiner von den Nazis ermordeten Eltern Uziel und Hanna Rifka Ostrowiecki gedacht.


Blumen für die Gäste gab es aus den Händen der dankbaren Kinder:
Elisabeth und Fawek Ostrowiecki freuten sich sichtlich darüber.


Eine Ehre und Freude zugleich: Die Mesusa brachte der Spender Fawek
Ostrowiecki persönlich an.


Auch er dankte den Spendern aus Deutschland:
Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai bei seiner
Ansprache.


Die Kindergruppe war mindestens ebenso stolz auf ihren neuen Kindergarten
wie die erwachsenen Gäste: Elisabeth und Fawek Ostrowiecki mit dem
Bürgermeister von Tel Aviv Ron Huldai und Erzieherinnen.


Die Kinder des Kindergartens bedankten sich bei den Spendern, v. l. stehend
neben Fawek Ostrowiecki Botschafter Avi Pazner, Weltvorsitzender des Keren
Hayesod sowie Ron Huldai.
(Alle Fotos: Staszewski)

Keren Hayesod 19-01-2005

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem