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Zum 100. Todestag von Theodor Herzl – Wegbereiter und erster "Werber"
für den jüdischen Staat:
Die Gründung Israels - Ein "Marketing-Erfolg" ohne
Beispiel
Die größte Erfolg der Öffentlichkeitsarbeit in der
Geschichte Israels war das "Werben" im jüdischen Volk für den jüdischen
Staat: Es wurde von einem von uns vollbracht, trotz der Tatsache, dass
der Zustand der "Ware" jeden Marketing-Direktor zum Erbleichen gebracht
hätte.
Von Yigal Shamir - Yediot Aharonot
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Theodor Herzl: Nicht nur der Visionär und geistige
Gründer des jüdischen Staates, sondern auch sein bester "Verkäufer"
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Gegenwärtig kann man keine Zeitung öffnen, ohne darüber
zu lesen, wie Israel dabei versagt, seine Botschaft dem Ausland zu
vermitteln. Wir sind in den westlichen Medien noch nie so schändlich und
unmenschlich dargestellt worden wie heute. Manchmal scheint es so, als
sei es praktisch unmöglich, mit Hilfe von gutem Marketing und guter
Öffentlichkeitsarbeit dieses Bild zu verändern. Das ist natürlich eine
Fehleinschätzung. Wir haben es bereits in der Vergangenheit geschafft.
Es zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass der größte Marketing-Erfolg
weder von den Genies bei Nike oder Apple erzielt wurde noch in den
brillianten Köpfen entstand, die Pepsi vermarkten. Der größte
Marketing-Erfolg in der gesamten Geschichte war die Anpreisung des
Landes Israel im jüdischen Volk und es gelang einem von uns.
Stellen Sie sich einen Augenblick Herzl vor, wie sein
Wiener Büro den Zuschlag zur Vermarktung erhält. Es ist gegen Ende des
19. Jahrhunderts und der Zustand der Ware hätte jeden modernen
Marketing-Direktor zum Erbleichen gebracht:
1. Ein schlechtes Produkt. Eigentlich dürfen wir es nicht
als "schlecht" bezeichnen. Das Produkt war abscheulich. Palästina ist
ein Stück Land, dass vor Hitze glüht, es ist voller Felsen, und es liegt
auf der falschen Seite der Welt. Eine Wildniß, Sümpfe, Malaria, Beduinen
und totalitäre Türken regieren das Land wie die Gefängnisaufseher in
Midnight Express.
2. Uninteressiertes Zielpublikum. Und das ist noch eine Untertreibung.
Während es richtig ist, dass es dort in Palästina einige wenige
verrückte Bilu und Hovevei Zion-Nachfahren gibt, ziehen es die meisten
europäischen Juden mit allem Nachdruck vor, dort zu bleiben, wo sie
gerade leben. In vielen Ländern stellen die Juden die Elite des
wirtschaftlichen und kulturellen Lebens dar. Sie leben in der Nähe der
Macht. Obwohl sie bestürzt sind, da sie die Pogrome von 1881 und den
Dreyfuss-Prozess vor Augen haben, wollen die meisten von ihnen dennoch
nicht auswandern.
3. Der Wettbewerb wird immer stärker. Wenn jemand Europa verlässt, dann
zieht er es vor, nach Amerika zu gehen, eine viel stärkere Marke (die
Strassen sind mit Gold gepflastert, etc.). Daneben beginnen weitere
Konkurrenten den Markt zu überschwemmen, die magische Lösungen anbieten,
die El Arish und Uganda heissen (ein großräumiges Land, das sich in alle
vier Richtungen ausdehnt, mit bequemen Abzahlungsraten und sofort
beziehbar). Palästina ist nicht in der Lage einen grösseren Marktanteil
zu erringen, nicht einmal unter interessierten Kunden. Kurz gesagt: Es
wäre leichter, Eskimos Eis zu verkaufen.
Dennoch, diese unlösbare Aufgabe wird von keinem
Geringeren als von Herzl und seiner Werbefirma übernommen – mit weit
geöffneten Augen. Innerhalb von sieben arbeitsträchtigen Jahren gelingt
es ihm und seinen Mitarbeitern, das Schicksal des jüdischen Volkes
völlig zu verändern. Auf diesem Weg zeigen sie auf, was auf dieser Welt
durch Beeinflussung geleistet werden kann, die Werbekampagne ist Vorbild
für einen guten Werbespruch, ein gutes Motto und ein gutes Symbol.
Bereits vor über einhundert Jahren war sich Herzl einiger
erstaunlicher Dinge auf dem Gebiet des Marketings bewusst. Er war sich
bewusst, dass er sich, um eine Revolution auszulösen, an junge Menschen
wenden musste. Er wusste, dass er, um Menschen zu motivieren, einen
überzeugenden Werbespruch und Ehrlichkeit benötigte. Aber das ist nicht
alles: Seine Marke hat einen Namen ("Der Jüdische Staat"), ein Motto
("wenn Ihr es wollt, bleibt es kein Traum"); es gibt eine direkte und
grosse Werbebriefkampagne an mögliche Kunden und Meinungsmacher (Herzls
Buch Altneuland); es gibt eine anregende Vorbereitungskonferenz (der
Kongress in Basel); es gibt einen Charakter, der für die Marke das
Symbol ist (Herzls Gestalt mit Bart); es gibt eine nie zuvor dagewesene
Öffentlichkeitsarbeit (Herzl war in der Lage, Journalisten und Politiker
für seine Zwecke einzuspannen); es gibt die ersten Entwürfe eines Logos
(er schlug sieben goldene Sterne vor, aber der Auftraggeber verlangte
von ihm weitere Ideen); und später folgt das bekannte Lied, dass Naftali
Hertz Imbar sich von einem rumänischen Volkslied borgte (das Kopieren
von Ideen aus dem Ausland für die Sache der Öffentlichkeitsarbeit ist
nichts Neues).
Zwischen den Kongressen wurden Ausflüge organisiert, um
die Ware zu besichtigen, die verkauft werden soll (Herzl besuchte
Palästina, um sich ein Gefühl für das Produkt vor Ort zu erarbeiten, das
er so leidenschaftlich den Juden in Europa verkaufte).
Die Bemühungen hatten zwischen 1882 und 1904 eine
außergewöhnliche Wirkung. Die jüdische Ansiedlungen (die Yishuv) in
Palästina verdoppeln sich praktisch; die erste Einwandererwelle setzt
sich aus hoch motivierten Menschen aus Russland und anderen Ländern
zusammen. Viele von ihnen klagen, dass der jüdische Staat nicht den
Versprechen im Prospekt entspricht und sie verlangen ihr Geld zurück.
Doch jene, die bleiben, stellen die Weichen für zukünftige
Einwanderungswellen, für die Balfour – Erklärung, für die internationale
Anerkennung und schließlich für die Gründung des jüdischen Staates, den
Staat Israel.
Natürlich basiert die Gründung des Staates nicht auf
einer PR-Kampagne und natürlich haben andere Ereignisse und Faktoren in
großem Masse den weiteren Verlauf der Geschehnisse beeinflusst (vor
allem der Holocaust). Dennoch ändert dies nichts an der
außergewöhnlichen Genieleistung gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Für die meisten von uns ist Herzl ein Staatsmann, ein
politischer Visionär, der Mann auf dem Balkon in Basel. Herzl ist ein
Straßenname; er ist das Gesicht auf einer 100-Lira Banknote und der
Namensgeber von Herzliya. Für mich ist Herzl auch der Mann des
Jahrtausends auf dem Gebiet des Marketings.
Keren Hayesod 07-07-2004
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