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Israel Update

Nach dem Terror-Anschlag:
Hadera im Blickpunkt

Jüdische Einwanderer aus dem Kaukasus kämpfen um ihre wirtschaftliche Existenz

Yair Shaleg, Ha’aretz 20. 01. 02

Sechs Israelis wurden getötet und 33 verwundet, als am Donnerstag, 17. Januar, ein palästinensischer Selbstmord-Attentäter blindwütig in eine Gruppe von Menschen feuerte, die eine Bar-Mitzvah in einem Festsaal in Hadera feierten. Fünf der tödlich verwundeten Opfer waren kürzlich eingewanderte russische Juden aus dem Kaukasus und das sechste Opfer stammte aus der farbigen hebräischen Gemeinde in Dimona.

Die Namen der Getöteten lauten:

  1. Avi Yazdi (24)
  2. Edward Baksheyev (47)
  3. Anatoly Baksheyev (62)
  4. Boris Melikhov (56)
  5. Dina Binayev (48)
  6. Aharon Ben Yisrael Elis (32)

Diejenigen, die über die Eingliederung von Einwanderern aus dem Kaukasus Bescheid wissen, waren davon überrascht, wie entschlossen und schnell die Einwanderer den Terroristen überwältigten, der auf sie im Fest-Saal von Hadera geschossen hatte. Dies ist eine traditionelle Gemeinde von kämpferisch eingestellten Juden, die auch bis in die heutigen Tage hinein, obwohl sie bereits zu Stadtbewohnern und eingesessenen Händlern und Kaufleuten geworden sind, nach wie vor ihre Prinzipien beibehalten, die darauf hinauslaufen, die Verteidigung ihrer Gemeinschaft gegen Anschläge ihrer moslemischen Nachbarn selbst zu organisieren.

Michal Shalman, der bis vor Kurzem der Direktor der Film-Abteilung des Eingliederungs-Ministeriums gewesen war, sagte, dass „kaukasische Juden traditionell eine kämpferische Gemeinde sind. Auf dem Vierten Zionistischen Kongress wurde ein Foto von Herzl zusammen mit den Repräsentanten aus dem Kaukasus aufgenommen, auf dem diese in ihren traditionellen Gewändern mit Banderolen zu sehen sind. In dieser Hinsicht erinnern sie etwas an die Tscherkessen, die auch aus dem Kaukasus stammen.“

Yehezkiel und Zvi Nisanov, zwei Brüder, die aus dem Kaukasus kamen, waren unter den ersten, die sich der Hashomer anschlossen (der jüdischen Selbstverteidigungsorganisation, die im Jahr 1905 gegründet wurde). Ein dritter Bruder, Yehudah, war im Kaukasus bei Auseinandersetzungen mit Moslems getötet worden. Die Gemeinde ist auch stolz auf die kaukasische Herkunft des verstorbenen Generals Yekutiel Adam, der als Kandidat für die Leitung des Mossad galt und in den ersten Tagen des Libanon-Krieges gefallen war.

Yaakov Bar Shimon, ein Beamter des Eingliederungsministeriums, der sich besonders um die Eingliederung von kaukasischen Einwanderern kümmert, machte als Kind in den 70er Jahren aus dem Kaukasus Aliyah. Er sagte, dass die Bereitschaft der Gemeinde zum Kampf besonders bei ihrer Reaktion auf den Terror-Anschlag vom vergangenen Donnerstag zum Ausdruck kam: „Als ich zusammen mit dem stellvertretenden Minister Edelstein am Haus der  Baksheyev-Familie am Freitag in Or Akiva ankam (zwei Familien-Mitglieder waren bei dem Anschlag getötet worden), sagten sie uns, noch bevor sie jene erwähnten, die getötet worden waren, dass sie Rache nehmen würden. Sie sagten uns: „Im Kaukasus wussten wir, wie wir rechtzeitig zu reagieren hatten und indem wir so handelten, verhinderten wir eine höhere Anzahl von Toten.“

Die kaukasische jüdische Gemeinschaft setzt sich aus Menschen aus Aserbeidschan und aus einigen wenigen autonomen moslemischen Regionen in Russland zusammen: Dagestan, Tschetschenien, Ingustien und anderen. Georgien ist in diesem ethnischen Gemisch nicht enthalten. Nach den Zahlen des Eingliederungs-Ministeriums leben heute etwa 90.000 Juden mit kaukasischem Ursprung in Israel. Etwa 65.000 kamen während der starken Einwanderungs-Welle in den letzten zwölf Jahren ins Land; der Rest kam vor allem in den früheren 70er Jahren, als die sowjetischen Behörden einige Jahre lang die Ausreise ermöglicht hatten.

Die kaukasische Gemeinde gilt als traditionell, aber nicht unbedingt als orthodox in ihrer religiösen Haltung. Wie andere traditionelle Gemeinden leben sie vorwiegend unter sich selbst. Aus diesem Grund finden sich die meisten der kaukasischen Einwanderer in 25 Gemeinden wieder, einschließlich Hadera, Or Akiva, Beersheva, Akko und in Krayot (Vorstädten von Haifa), Shderot und Ofakim.

Zu Beginn der Einwanderungswelle wurden die Einwanderer aus dem Kaukasus mit allen anderen Einwanderern aus der früheren Sowjet-Union in einen Topf geworfen. Später wurde deutlich, dass die Kaukasier großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Eingliederungs-Problemen ausgesetzt waren, obwohl es dafür anfangs keine Anhaltspunkte gegeben hatte. So zeigte eine Studie des Brookdale Institutes vom Jahre 1998, dass 36 % der kaukasischen Einwanderer eine Hochschule abgeschlossen hatten, und weitere 27 % hatten die volle Schulzeit einer Hochschule absolviert. Dies liegt über den Durchschnittszahlen Israels (doch niedriger als der Durchschnitt russischer Einwanderer). Von vielen von ihnen wurde auch angenommen, dass sie in ihren jeweiligen Heimatländern ziemlich erfolgreiche Kaufleute gewesen waren. Demgegenüber enthüllte die Studie, dass nur etwa die Hälfte aller Einwanderer im arbeitsfähigen Alter auch wirklich arbeitete. Ein Viertel der kaukasischen Familien leben von einem Monatseinkommen, das nur der Hälfte des durchschnittlichen israelischen Monatlohnes entspricht. Deshalb gelten die Einwanderer aus dem Kaukasus neben den äthiopischen Einwanderern als die wirtschaftlich schwächste Gemeinschaft.

Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, wurde 1996 der Beschluss gefasst, eine besondere Einwanderungs-Politik für die jüdische Gemeinschaft aus dem Kaukasus zu betreiben. Besondere Projekte wurden ins Leben gerufen, zwei davon sind sehr bekannt: Projekt Wunder – ein Nachmittags-Studienprogramm für Mittelschüler und Gymnasiasten sowie gemeinschaftliche Führungstrainings-Programme. Es gibt bisher keine systematischen Untersuchungen über die Ergebnisse, zu denen diese Aktivitäten geführt haben. Einzelne Zahlen weisen jedoch auf eine dramatische Erfolgsbilanz hin. So verweist Bar Shimon zum Beispiel darauf, dass die Zahl der Studenten an der Bagrut Abitur-Bildungseinrichtung von

30 % in den frühen 70er Jahren auf 70 % in diesem Jahr angestiegen ist. Shalman betont, dass im vergangenen akademischen Jahr (2000-2001) 89 % aller Studenten an der Bagrut-Einrichtung die Prüfungen bestanden haben.

keren-hayessod.de / 22-01-02