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Frankreichs Juden verstärken ihre
Beziehungen zu Israel:
Immobilienmarkt
erlebt durch Nachfrage französischer Einwanderer einen Aufschwung
Von Jessica Steinberg
Seit
Frankreichs Oberrabbiner die Juden im Lande davor warnte, angesichts der
jüngsten Welle antisemitischer Gewalttaten Kippot zu tragen, machten sich
die französischen Juden Gedanken über ihre Möglichkeiten für die Zukunft.
Und für viele von ihnen könnte die Zukunft darin liegen, sich in Israel
niederzulassen.
"Ich würde es keine
Panik nennen", sagt Emmanuel Turk, ein französischer Einwanderer, dessen
Familie die Firma ICUBE Ltd. betreibt, eine israelische Firma, die bereits
mehrere Dutzend Immobilienmessen in französisch-sprachigen Ländern seit 1989
organisiert hat. "Französische Juden erwarben immer Wohnungen in Jerusalem
und am Meer. Jetzt betrachten sie dies weniger als eine Anlage, sondern mehr
als einen möglichen Ort zum Leben."
Die jüngste
ICUBE-Messe fand im vergangenen November statt, etwa eine Woche nachdem
Brandstifter einen Anbau der Mercaz Hatorah – Schule in einem nördlich
gelegenen Pariser Vorort angezündet hatten. Während der zweitägigen
Immobilien-Ausstellung besuchten 6,000 Menschen die Messe und 64 Wohnungen
wurden verkauft. In den vergangenen Jahren hatten etwa 3,000 bis 4,000
Menschen die Ausstellung besucht.
"Wir haben geglaubt,
dass wir überhaupt nichts verkaufen würden", sagte Menachem Weiss, ein
Verkaufsdirektor der Firma Ambassador Real Estate, die Wohnungen im Meltzit
Sheinkin –Komplex anbot, einem Wohnungsbauvorhaben im obersten Preisbereich
im Zentrum von Tel Aviv. Zur großen Überraschung von Weiss verkaufte
er zwei Wohnungen in dem Komplex, der an der Ecke der Sheinkin und
Meltzit-Strasse errichtet wird.
Der Sheinkin-Komplex
gefiel nicht allen französischen Käufern, was verständlich ist, da er
inmitten einer modernen und verkehrsstarken Strasse liegt und da die
Wohnungen sehr teuer sind.
Ein 50 qm-Appartement
mit zwei Zimmern kostet zwischen $200,000 und $220,000, während größere
Vierzimmer- und Fünfzimmer-Penthouse-Appartements sich in einem Preisrahmen
von $450,000 bis $650,000 bewegen oder sogar bis $1.3 Millionen kosten.
Aber zwei französische
Ehepaare erwarben Wohnungen und zwei weitere Käufer drückten ihr ernsthaftes
Interesse an Wohnungen in dem siebenstöckigen Komplex mit 99 Wohnungen aus,
dessen Fassade im Bauhausstil entworfen wurde, um damit dem Architektur-Stil
gerecht zu werden, der in Tel Aviv meist zu finden ist.
Das Bauvorhaben, das
auf dem früheren Standort von Beit Davar, dem einstmaligen Gebäude der
Histadrut-Zeitung errichtet wird, soll im Mai 2005 fertig gestellt werden.
Die Tatsache, dass der
Komplex erst in mehr als 18 Monaten fertig gestellt wird, schreckte Käufer
nach den Worten von Dror Toren, dem Marketing-Manager für America Israel
Investments, die Teil des Meltzit Sheinkin-Bauunternehmens sind, nicht ab.
"Sie planen
langfristig“, sagte Toren. "Sie sehen, was sich in der Welt abspielt und sie
überlegen, dass sie eventuell nicht mehr länger in Frankreich bleiben
wollen“. Gleichzeitig machte Toren jedoch auch deutlich, dass er nicht
glaubte, dass französische Juden daran interessiert seien, in einer Wohnung
in Tel Aviv zu leben.
"Dies ist nicht
Jerusalem oder la mer", merkte er an, wobei er sich darauf bezog,
dass die Franzosen es vorziehen, israelische Wohnungen in der heiligen Stadt
oder am Meer zu erwerben. „Aber die Menschen suchten nach Wohnungen, in
denen sie leben konnten, nicht nur Ferienwohnungen.“
Turk sagt, dass
französische Juden viel ernsthafter als früher daran interessiert sind, in
Israel zu leben, im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo sie eine israelische
Wohnung mehr als Ferienwohnung oder als reine finanzielle Anlage
betrachteten.
"Sie sehen sich
ernsthaft überall im Land um“, sagt er. "Sie besuchen Ra'anana, Rishon
Lezion, Petah Tikva, Orte nahe im Zentrum des Landes, wo sie Arbeit finden
können und wo sie Freunde und Verwandte haben."
In einer kürzlich
abgehaltenen Umfrage, die von der Hypothekenbank Adanim in Auftrag gegeben
worden war und in der die gemeinsamen Charakteristika der französischen
Wohnungskäufer untersucht worden waren, wurden 600 Personen im Alter
zwischen 32 und 65 Jahren befragt, die an Wohnungen zwischen $150,000 bis
$250,000 interessiert waren, vorwiegend in den Städten Ashdod, Ashkelon,
Netanya, Nahariya und Jerusalem. Etwa 65% der Käufer hatten vor, zwei
Drittel des Kaufpreises als Anzahlung zu leisten und sie waren an einer
Hypothek mit 20 Jahren Laufzeit interessiert.
"Die französische
Aliyah ist von einer starken religiösen Bindung geprägt, sie sind Zionisten
sowie erfolgreiche Menschen, die an einen hohen Lebensstandard gewohnt
sind", sagt Jean Guggenheim, der bei Adanim das Marketing für französische
Kunden leitet. „Die gegenwärtigen französischen Olim kaufen sofort nach
ihrer Ankunft in Israel Wohnungen, sie beantragen Hypotheken und sie suchen
Wohnungen in Städten, die für ihre Familien am besten geeignet sind.“
Angesichts des
steigenden Interesses verstärkt ICUBE ihre Aktivitäten und veranstaltet
zusätzliche Messen für Pariser Juden sowie Ausstellung in Brüssel und
Marseilles ab, wo die zweitgrößte jüdische Gemeinde Frankreichs lebt und die
Firma überlegt auch, ihre Aktivitäten bis nach Montreal auszudehnen.
Die Firma hält
grundsätzlich getrennte Ausstellung für religiöse und nichtreligiöse Juden
ab und geht so auf die verschiedenen Interessen der zwei Gruppen ein.
Nach Angaben der
Jewish Agency haben im Jahre 2002 2,035 französische Juden Aliyah gemacht,
was einem Anstieg von über 100% gegenüber der Zahl von 1,007 im Vorjahr
entspricht. Gegen Ende des Jahres 2003 wird von einer Zahl von etwa 2,000
ausgegangen.
Kürzlich kamen 500
Hochschul-Studenten im Rahmen von Programmen in Israel an, die von ihren
Eltern geschickt wurden und die damit zeigen, dass „Menschen nach
Möglichkeiten suchen, um in Israel zu leben", sagte Michael Jankelowitz, ein
Sprecher der Jewish Agency. "Sie schauen sich auch in den USA und in
Montreal um. Aber die französische jüdische Gemeinde befindet sich im
Aufbruch.“
Frankreich ist Heimat
von etwa 800,000 Juden – der größten jüdischen Gemeinde in der Welt nach
Israel und den Vereinigten Staaten. Nach Schätzungen liegt die Zahl von
Moslems arabischer Herkunft in Frankreich zehnmal höher, die größte
ethnische Minderheit dieser Herkunft in Europa.
Nach der Brandstiftung
an der Mercaz Hatorah Schule hat sich die französische Regierung dazu
entschlossen, alle religiösen Symbole an Schulen zu verbieten.
Aber wenn auch
französische Juden ihre Regierung dafür gelobt haben, dass diese so schnell
gehandelt hat, so sind doch einige unter ihnen nicht völlig davon überzeugt,
dass Frankreich für sie ein sicherer Ort ist.
"Es gibt viel
Verfolgungsangst", sagt Turk. "Die Menschen fühlen sich sicherer hier,
umgeben von anderen Juden."
Keren Hayesod 13-02-2004
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