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Die jüdische Gemeinde an der westindischen Malabar-Küste:
Hebräisch in Chennamangalam
Von Shalva Weil
In der Nähe der alten Synagoge der Stadt Keralan im
westindischen Distrikt Chennamangalam findet sich ein alter Grabstein
mit der deutlich lesbaren Inschrift in hebräischen Buchstaben und den
Worten "Sara bat Israel" (Sara, die Tochter von Israel). Das hebräische
Datum verweist auf das Jahr 1269, und ist damit die älteste erhaltene
hebräische Inschrift in Indien. Wie kam diese alte hebräische Inschrift
in dieses stille und abgelegene Dorf in Chennamangalam im südwestlichen
Staat von Kerala?
Die Juden von Cochin haben seit Jahrhunderten an der
westindischen Küste von Malabar gesiedelt, einige sagen seit den Tagen
von König Salomon. Andere sagen, die Juden kamen im ersten Jahrhundert
nach Christus hier an, nach der Zerstörung des zweiten Tempels.

Die jüdische Gemeinde von Chennamangalam in
West-Indien vor der Synagoge im Jahre 1952.
Nach einer bekannten christlichen Überlieferung erreichte
St. Thomas die Küste von Malabar und er wurde auf eine Hochzeit der
Tochter des Königs von Cranganore eingeladen. Hier sang St. Thomas ein
hebräisches Braut-Lied, das wiederum niemand der Gäste verstand, außer
einem jungen jüdischen Flötisten. Nach der Hochzeit ging St. Thomas in
das jüdische Viertel von Cranganore, wo er sich niederließ.
Diese christliche Erzählung bestätigt die Anwesenheit von
Juden an der Malabar-Küste bis zurück in das 1. Jahrhundert. Der
mittelalterliche Geograph Ibn Battuta (1307-1377) erwähnt jüdische
Siedler in Malabar, was einen fünftägigen Fußmarsch entweder von Calicut
oder Kawlam (Quilon) über Kunja-Kari entfernt liegt. Er beschreibt
diesen Ort als einen, "der auf einem Hügel liegt, er wird von Juden
bewohnt, die einen eigenen Dorfvorsitzenden haben und Steuern an den
Sultan von Kawlam entrichten."
Die Juden von Cochin erhielten Kupferplatten von Bhaskara
Ravi Varman (962-1020), auf den ihnen 72 Privilegien eingeräumt wurden:
Das Recht eine Tageslampe zu nutzen sowie ein gemustertes Tuch, auf dem
sie gehen konnten, das Recht eine Trompete zu blasen und einen Umhang zu
tragen, sowie das Recht auf eine Steuerbefreiung und das Recht, Steuern
eintreiben zu dürfen und weitere Dinge.
Diese Privilegien wurden dem Vorstand der Juden von
Cochin, Joseph Rabban, solange eingeräumt "wie es die Welt, Sonne und
den Mond gibt".
Gotteshäuser
Im Jahre 1614, in der Zeit der portugiesischen Eroberung,
wurde die Synagoge erbaut, die bis heute in Chennamangalam erhalten
geblieben ist. Sie war von einer hohen Mauer umgeben, entweder zu ihrem
Schutz oder als Spiegelbild der Mauer, die den großen Paliyam-Palast
umgab, dem Sitz der berühmten Achan von Paliyam, die in Erbfolge als
Ministerpräsidenten des Maharadschas von Kochi Kottayil Kovilakom
dienten. Ihr Palast liegt auf einer Anhöhe, der die Gotteshäuser von
vier bedeutenden Religionen überblickt: ein Hindu-Tempel, ein islamische
Moschee, eine christliche Kirche und eine jüdische Synagoge. Die Juden
von Chennamangalam lebten über 350 Jahre lang friedlich und harmonisch
Seite an Seite mit ihren Nachbarn.
Die jüdische Gemeinde in Chennamangalam war immer eine
winzige Minderheit, auch im Verhältnis zu den sieben anderen jüdischen
Gemeinden in Cochin (drei in Cochin selbst, zwei in der Stadt Ernakulum
und andere in Mala und Parur). Im Jahre 1848 wurden 164 Juden in
Chennamangalam gezählt, von insgesamt 1,344 Cochin-Juden. Im Jahre 1950,
nach der Gründung des Staates Israel, gab es 46 Familien im Dorf, die
nach Israel auswandern wollten.
Cochins Juden identifizierten sich mit der zionistischen
Bewegung von Beginn an. Im Jahre 1949 verließ die erste jüdische Gruppe
die Malabar-Küste und enthielt auch einige Mitglieder der Gemeinde von
Chennamangalam. Im Januar 1950 besuchte Dr. Immanuel Olswanger, ein
Sprachenforscher und Gesandter des Keren Hayesod aus Israel, Cochin.
Er traf mit Juden aus diesem Gebiet zusammen, einschließlich einigen aus
Chennamangalam und überzeugte sie davon, den zionistischen Traum zu
erfüllen.
Cochins Juden verließen ihre Häuser und ihre Synagoge und
nach der Überwindung mehrerer Hindernisse wanderten die meisten von
ihnen 1954 in Israel ein. Der letzte Treuhänder der Synagoge verstarb
vor fünf Jahren.
Erfolgreich in Israel
Chennamangalams Juden integrierten sich sehr gut im neuen
Staat Israel. Zuerst lebten fast alle von ihnen in Moshavim; heute sind
einige von ihnen mit nichtindischen Juden verheiratet und einige sind in
Städte gezogen. Chennamangalams Juden sind auf landwirtschaftlichem und
wissenschaftlichem Gebiet in Israel und in der ganzen Welt erfolgreich.
Ihre Kinder studieren in Israel und arbeiten als Ärzte,
Wissenschaftlicher und Lehrer.
Im Jahre 2000 übernahm die archäologische Abteilung der
Regierung von Kerala die wichtige Aufgabe, die Synagoge von
Chennamangalam zu restaurieren ohne das alte Gebäude zu berühren; das
indische Tourismus-Ministerium stellte Mittel für die Kosten bereit. Die
restaurierte Synagoge wurde im Februar 2005 ihrer Bestimmung übergeben.
Im Februar 2006 eröffnete in der neu restaurierten
Synagoge des Ortes die Foto-Ausstellung "Die Chennamangalam-Synagoge:
Eine jüdische Gemeinde in einem Dorf in Kerala", die die Restaurierung
der Synagoge und die jüdische Gemeinde in Chennamangalam und in Israel
dokumentiert.
Zu den Kuratoren der Ausstellung gehört die Autorin
dieses Beitrages, Dr. Shalva Weil, eine Expertin über Juden in Indien,
sowie Prof. Jay Waronker, ein amerikanischer Architekt. Projekt-Direktor
ist Marian Scheuer Sofaer, die das Projekt über drei Kontinente hinweg
koordiniert. Das Projekt wird von der Koret Stiftung und der Taube
Familien-Stiftung finanziert und wird gemeinsam vom israelischen
Außenministerium, der Regierung von Kerala und dem
Tourismus-Ministerium, der israelischen Gemeinschaft Kol Mevasser (die
die Idee gemeinsam mit der Regierung von Kerala hatte), der südindischen
Gemeinschaft der Juden von Kerala und Mitgliedern der örtlichen Gemeinde
der Juden von Cochin gefördert.
Die Autorin ist ein Experte für Juden in Indien und
Herausgeber der Zeitschrift "India's Jewish Heritage: Ritual, Art and
Life Cycle" (second edition - 2004). Sie ist außerdem Gründerin der
Israel India Cultural Association, der offiziellen
Freundschaftsgemeinschaft der beiden Länder.
Keren Hayesod 21-02-2006
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