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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Sonder-Bulletin Nr. 5
03. Dezember 2002

Die irakische Bedrohung für Israel

Oberkommandeur Ya’alon reiste nach Washington
Neue Anweisungen im Falle von Raketenangriffen auf Israel
Irak weist darauf hin: Wir greifen Israel an, wenn wir angegriffen werden
Gefahr auch im Norden: Hizbollah könnte angreifen
Möglichkeit eines pan-arabischen Gegenschlages
Report: I.D.F. –Aufklärungseinheit im Westen Iraks
Deutschland wird Israel Patriot-Raketen liefern

1. Oberkommandeur Ya’alon reist nach Washington, um die Zusammenarbeit mit Washington abzustimmen

Die Amerikaner legen ihren Plan vor, Israel 72 Stunden vor einem Angriff auf den Irak zu informieren. Ein weiteres Abkommen wurde geschlossen: Israel wird Patriot-Raketen erhalten, um sein bestehendes Arsenal zu verstärken.

2. Sollten Raketen abgeschossen werden: 3 Minuten Zeit, um einen Schutzraum aufzusuchen

Das Heimatfront-Kommando der I.D.F. hat kürzlich als Reaktion auf eine erwartete amerikanischen Offensive neue Richtlinien erlassen, die einen möglichen irakischen Raketenangriff auf Israel betreffen. Eine dieser Richtlinien gibt an, dass im Falle eines Angriffes die Öffentlichkeit 3 Minuten Zeit hat, einen Schutzraum aufzusuchen. Dies steht im Gegensatz zur Richtlinie während des Golfkrieges, in der vorgeschrieben wurde, dass ein abgedichteter Raum sofort nach Auslösung eines Alarms aufgesucht werden sollte.

Die neuen Richtlinien sind vorbeugend auf Tonbändern aufgenommen worden und werden sofort gleichzeitig auf allen israelischen Kommunikationskanälen ausgestrahlt, nachdem die an- und abschwellenden Alarmsirenen etwa eine Minute zu hören waren und der Code "Eiserne Wand" ausgestrahlt wurde. Nach den Vorschriften werden sich die Anweisungen nach der Auslösung des Alarms nicht gleichen, sondern sich nach der Zeitdauer richten, die jedermann benötigt, um einen Schutzraum zu erreichen. Alle, die in einem Haus mit einem geschützten und verstärkten Schutzraum wohnen, werden dazu aufgefordert, sich dorthin zu begeben.

Sollte es nicht möglich sein, einen Schutzraum innerhalb von drei Minuten zu erreichen, und sich im Haus auch kein Schutzraum befinden, sollten sich die Personen in einen abgedichteten Raum begeben, der dafür ausgestattet wurde, die Konzentration von gefährlichen Stoffen zur vermindern, falls das Haus nicht direkt von einer Rakete mit chemischen oder biologischen Sprengköpfen getroffen wurde.

Die Richtlinien, nach denen ein Raum abgedichtet werden soll, sehen nach wie vor Plastikdecken wie im Golfkrieg vor. In jedem Fall und trotz der Tatsache, dass Schutzräume als dicht angesehen werden, wird das Heimatkommando alle Hausbewohner auffordern, Gasmasken sofort nach Ertönen des Alarms aufzusetzen. Davon sind jene Einwohner ausgenommen, die ihr Heim mit einem besonderen Luftfilterungs-System ausgestattet haben.

Nach den vom Heimatfront-Kommando ausgegebenen Verhaltensregeln wird beim ersten Angriff auf Israel ein Alarm im ganzen Land ausgelöst, und alle Einwohner werden in allen Landesteilen aufgefordert, sich in die Schutzräume zu begeben. Wenn bei einem Angriff die IDF ihre Einschätzung bestätigen kann – dass das Zielverfolgungs-System einer Arrow-Rakete das ungefähre Einschlagsgebiet der ankommenden Rakete ausmachen kann – wird bei folgenden Angriffen der Alarm höchst- wahrscheinlich nur im jeweiligen Zielgebiet ausgelöst, womit es für Einwohner in anderen Gegenden nicht mehr nötig sein wird, einen Schutzraum oder einen abgedichteten Raum aufzusuchen. Es wurde beschlossen, dass es in nicht betroffenen Gebieten den Personen erlaubt wird, die Schutzräume bereits zehn Minuten nach dem Betreten wieder zu verlassen.

Als Teil der Vorbereitungen auf einen Angriff des Irak hat der Finanzausschuß der Knesset einen Betrag über 5.2 Millionen Schekel für Ausgaben zugunsten von Not-Zivil-Ausgaben genehmigt, einschließlich für Maßnahmen zum Schutz der israelischen Bevölkerung wie für die Anschaffung von Gasmasken und Reinigungsausrüstung gegen chemische und biologische Angriffe. Auf ähnliche Weise wird die landesweite Installation von Sirenen finanziert.

3. Bericht: Israels Heimatfront-Einsatzpersonal ist auf einen nuklearen Angriff nicht vorbereitet

Israels Heimatfront-Einsatzpersonal ist auf eine nukleare Bedrohung nicht vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt, neben anderen Gruppen, ein Expertenkomitee unter Leitung von General a. D. Herzl Shafir, der frühere stellvertretende Oberkommandierende, in einem Bericht, der für die israelische Sicherheitskonferenz vorbereitet und vom interdisziplinären Zentrum in Herzliya gesponsort wurde. Die Autoren des Berichtes gehen auch davon aus, dass die arabische Bevölkerung Israels sich der Palästinensischen Behörde anschließen würde.

Der Bericht geht nicht auf die Einzelheiten einer nuklearen Bedrohung ein oder auf die bestehenden Lücken in der Vorbereitung, um ihr nach Meinung der Autoren begegnen zu können. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Bedrohungen für Israel nicht genau bestimmt oder auch nicht so definiert werden können, dass man in der Lage wäre, sich darauf vorzubereiten und im voraus Gegenmaßnahmen zu entwerfen.

Darüber hinaus kommt der Bericht zu dem Schluß, dass sich die Vorbereitungen in atomaren Einrichtungen im Anfangsstadium befinden und beendet werden müssen. Die Einrichtungen der Feuerwehr, des Red Magen David (Israels Gegenstück zum Roten Kreuz) und die israelische Polizei verfügen nicht über die Schutzausrüstung für das Personal, die für die meisten dieser Einsatzgruppen nötig ist, um ihre Aufgaben richtig bewältigen zu können, wenn sie mit Unfällen zu tun haben, die atomare Einrichtungen einschließen.

4. Der irakische stellvertretende Ministerpräsident Aziz weist darauf hin: Wenn wir angegriffen werden, schlagen wir gegen Israel zu

Am Abend der Ankunft der Waffeninspekteure in Bagdad, ließ der stellvertretende irakische Ministerpräsident Tarik Aziz eine verdeckte, aber klare Drohung verlauten, dass der Irak im Falle eines Angriffes der Amerikaner auf sein Land einen Schlag gegen Israel führen würde. In einem Interview mit dem Britischen Fernsehen sagte Aziz, dass jeder Angriff auf den Irak durch die Vereinigten Staaten und England nicht nur diese beiden Länder gefährden würde, sondern auch ihre Verbündeten in der Region. Aziz sagte gegenüber dem Interviewer: "Ich sage Ihnen, wenn die Vereinigten Staaten und England einen Krieg gegen den Irak führen, werden die Konsequenzen für sie und ihre Freunde in der Region sehr ernst sein. Wenn sie sich um ihre Freund keine Sorgen machen, dann ist das ein Beweis für ihre wahren Absichten. Es wird zerstörerisch sein, nicht nur für den Irak, sondern auch für sie. Auch die Aggressoren werden viele Verluste erleiden."

5. Hizbollah könnte den Krieg gegen den Irak dazu nutzen, gegen Israel aktiv zu werden

"Die Hizbollah könnte den amerikanischen Angriff auf den Irak für sich ausnutzen und gegen Israel vom Libanon aus aktiv werden,” meinte ein führender militärischer Sprecher im Rahmen einer Informationsrunde für Reporter in Tel Aviv.

Nach dieser Quelle hat sich die Hizbollah kürzlich mit 220 mm-Kaliber-Raketen ausgerüstet, die eine Reichweite von 25 Kilometern haben und ihnen von Syriens Präsident Bashar Assad geliefert wurden. Der militärische Sprecher fügte hinzu, dass die Hizbollah auch bald mit 303 mm-Raketen ausgerüstet wird. Insgesamt besitzt die Hizbollah Tausende von Raketen – einige davon sind an der Grenze zu Israel stationiert und einige werden in Lagerhäusern im Beka Tal gelagert. "Die Hizbollah hat Tausende von Kämpfern und verfügt über mehrere Tausend als Reservisten. Diese Zahlen sind jedoch im Ansteigen begriffen. Die Hizbollah gewinnt ständig an Kampfkraft," sagte der Offizielle.

Der leitende militärische Sprecher betonte, dass im Falle eines Hizbollah-Angriffes auf Israel "wir es uns ernsthaft überlegen müssen, in den Libanon auch mit Land-Streitkräften einzumarschieren." Er schloß die Möglichkeit nicht aus, dass die Hizbollah nichtkonventionelle Waffen einsetzen könnte. "Der Angriff auf die Twin Tower hat alle Grenzen des Erlaubten beseitigt," folgerte er.

6. Die Araber schlagen gegen Israel zurück, wenn sie von den USA erniedrigt werden

Ein Krieg gegen den Irak könnte fundamentalistische und terroristische Kräfte stärken, die danach trachten, Rache an Israel für die Erniedrigung zu nehmen, die die Araber durch die Vereinigten Staaten erlitten haben – so lautet die Warnung in einem vertraulichen Bericht, der vom Verteidigungsministerium erstellt wurde.

Der Bericht, der eine Anzahl von Diskussionen über "den Tag nach dem Angriff” enthält, und von Oberst (a. D.) Shmuel Limona verfaßt wurde, landete auf dem Tisch von Ministerpräsident Ariel Scharon. Der Bericht geht von der Annahme aus, dass eine militärische Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak unvermeidlich ist und dass eine derartige Konfrontation mit einem amerikanischen Sieg enden wird.

Die Verfasser des Berichtes gehen davon aus, dass es unvernünftig ist anzunehmen, dass im Falle eine Angriffes auf den Irak, Israel daraus unbeschädigt hervorgehen würde. Auch wenn es sich um einen relativ schnellen und einfachen Krieg handeln würde, könnte er extremistische Kräfte freisetzen, die danach trachten würden, Rache an Israel zu nehmen, da es der engste Verbündete der Vereinigten Staaten sei.

7. Vorbereitungen auf den Krieg mit dem Irak: Workshops in Tel Aviv zeigen, wie man sich darauf vorbereiten kann.

Die Stadtverwaltung von Tel Aviv hat Workshops eröffnet, die zeigen, wie man mit stressvollen Zeiten besser fertig werden kann, was als Vorbereitung für den erwarteten Krieg mit dem Irak gedacht ist.

Die Workshops, die in der vergangenen Woche abgehalten wurden, erläuterten der Stadtbevölkerung, wie man seine Wohnung auf einen Notfall vorbereitet, wie man mit Streß und Angst fertig wird, wie man die Kinder in einem abgedichteten Raum beschäftigt. Es gab auch Ausbildungskurse für Wiederbelebungsmaßnahmen. Die Stadtverwaltung von Tel Aviv berichtet, dass angesichts der hohen Zahl der Workshop-Teilnehmer beschlossen wurde, mit diesem Projekt in naher Zukunft fortzufahren. Zur gleichen Zeit wurden Aktivitäten mit Bezug auf Mutter & Baby-Kliniken und Schulen in der Stadt abgehalten.

8. Bericht: Israelische Aufklärungseinheit operiert im westlichen Irak

Das amerikanische Magazin TIME berichtete in der letzten Woche, dass Mitglieder einer besonderen israelischen Aufklärungseinheit einige Wochen lang im westlichen Irak eingesetzt waren und versucht haben, die dortigen Scud-Raketen-Abschußbasen ausfindig zu machen. Wenn es zu einem Krieg mit dem Irak kommen sollte, hat Israel darum gebeten, dass es seinen Soldaten erlaubt wird, ihre Aufklärung weiter betreiben zu können und in kleinen Gruppen weiter im Irak zu trainieren. In jedem Fall werden die meisten Patrouillen und Sucheinsätze von amerikanischen und britischen Spezialeinheiten durchgeführt.

Der Irakexperte Prof. Amatziah Bar-Am glaubt, dass Informationen wie diese vor allem dazu benützt werden, einen Krieg zu verhindern. "Es ist ein psychologischer Feldzug gegen den Krieg. Wenn israelische Einheiten aktiv beteiligt sind, wird sich der Widerstand gegen amerikanische Bemühungen verstärken. Diese Information kann richtig sein oder auch nicht, jemand legt Wert auf ihre Betonung, um den Ausbruch eines Krieges zu erschweren."

9. Deutschland stimmt der Lieferung von Patriot- Raketen an Israel zu
Bundeskanzler Schröder: "Deutschlands historische und moralischen Werte verlangen es”

Die deutsche Bundesregierung hat vor "Israel beizustehen” und stimmte ihrem Wunsch zu, das Land mit amerikanischen Patriot-Raketen zu beliefern. In einem Interview mit der Wochenzeitschrift "Die Zeit" sagte der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, dass wenn "die Regierung Israels diese zusätzliche Sicherheit benötigt, wir die Absicht haben zu helfen, wenn die Zeit dafür gekommen ist." Der Kanzler fügte in einem weiteren Interview hinzu, dass "Deutschlands historische und moralischen Werte dies erfordern. Das Patriot-System stellt eine Verteidigung gegen Raketenangriffe dar. Die Sicherheit von Israel und seiner Bürger ist sehr wichtig für Deutschland."

Keren Hayesod 04-11-02

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem