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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Herbst 2006 - Ein Update zur Lage der jüdischen Gemeinde im Iran:
Sie wollen von einer Bedrohung nichts sehen und hören

Zusammengestellt von Larry Derfner, - Stand: 28. September 2006

Der Laden eines Juden in der iranischen Stadt Shiraz, wo etwa ein Viertel der 25 000 Juden des Landes leben, wurde vor einigen Wochen in Brand gesteckt und brannte bis auf die Grundmauern nieder. In den vergangenen Monaten wurde der Davidstern auf den Boden an den Eingängen zur Hauptsynagoge von Teheran und auf den Boden einer der Universitäten der Hauptstadt gepinselt, so dass jeder, der dort eines der Gebäude betritt, auf das nationale Symbol von Israel mit seinen Füssen herumtritt. Ein jüdischer Professor, der es vorzog, auf seinen Weg in die Universität um den Stern herumzugehen, wurde entlassen.

In den 14 Monaten seit dem Amtsantritt von Mahmoud Ahmadinejad als Präsident des Iran, werden immer wieder Berichte über IDF-Angriffe in Gaza, der West Bank und dem Libanon im Fernsehen gezeigt, viel häufiger als in den Jahren zuvor, wie "Kamran" sagt, ein Jude, der aus dem Iran stammt und mit Dutzenden von Juden in Verbindung steht, die seit der Machtübernahme von Ahmadinejad das Land verlassen haben.

Doch trotz alarmierender Vorfälle wie diesen und trotz der Verleugnung des Holocaust durch Ahmadinejad und Drohungen, "Israel von der Landkarte zu tilgen", sagt Kamran, dass die Juden, die das Land erst kürzlich verlassen haben, nicht den Präsidenten oder irgendeine Form von neuer Verfolgung von iranischen Juden als Grund für ihre Auswanderung angeben.

"Unglücklicherweise haben scheinbar die antisemitischen Vorfälle und Ahmadinejads verbale Ausfälle keine Auswirkung auf die Juden dort, es scheint so, als ob sie davor keine Angst haben", sagt Kamran. "Sie sitzen und bleiben ruhig im Iran. Zu ruhig."

Sogar die Ausstellung mit Holocaust-Zeichnungen, die kürzlich in Teheran veröffentlicht wurde und im gesamten Westen Zorn und Entsetzen auslöste, wird von jüdischen Auswanderern der jüngsten Zeit nicht erwähnt. Offenbar hatte diese kaum oder gar keine Auswirkung auf die jüdischen Einwohner des Landes, wie eine andere frühere iranische Jüdin sagte. Sie heißt Shahnaz und steht ebenfalls mit vielen iranischen Juden in Verbindung, die seit dem Amtsantritt von Ahmadinejad als Präsident des Iran ausgewandert sind.

"Iranische Juden haben bezüglich des Holocaust kein ausgeprägtes Bewusstsein", sagt Shahnaz. "Sie sind nicht mit den Geschichten jener Zeit aufgewachsen, es ist keine Tragödie, von der sie persönlich betroffen sind, es ist kein Teil ihres Bewusstseins – ganz sicher nicht für die iranischen jüdischen Jugendlichen." Sie fügt hinzu: "Während iranische Juden Israel von ganzem Herzen lieben, scheint es sie nicht zu kümmern, was Ahmadinejad über Israel sagt."

Aus Telefon-Interviews mit Kamran, Shahnaz und weiteren früheren iranischen Juden, ergibt sich das Bild einer 2000 Jahre alten Gemeinde, die sich seit der islamischen Revolution von 1979 etwas vormacht und die Augen vor der Realität verschließt und es bisher so gut geschafft hat, sich zwischen den Regentropfen zu bewegen ohne nass zu werden, dass sie daran glaubt, sich auch durch die Ahmadinejad-Ära hinweg manövrieren zu können – was bisher zwar etwas mehr Regen über sie gebracht hat, aber letzten Endes nicht sehr viel mehr.

In der Tat ist es so, dass sich das Leben für Irans Juden, abgesehen von den wenigen kürzlich stattgefundenen antisemitischen und antizionistischen Vorfällen, die weiter oben erwähnt wurden, im wesentlichen nicht zum Schlechteren unter dem neuen Präsidenten verändert hat, auch wenn Außenstehende vermuten, dass seine Besessenheit bezüglich des Hasses auf Israel und der Verleugnung des Holocaust die jüdischen Gemeinde in Panik versetzt hat, so als ob sich eine Schlinge um ihren Hals zuziehen würde.

Shahnaz sieht sogar wirtschaftliche Anzeichen dafür, dass Irans Juden, oder besser gesagt die Juden im mittleren Alter und die alten Menschen, mit mehr Entschiedenheit als zuvor vorhaben, ihr Leben bis zum Tod im Iran zu verbringen, vielleicht auch als Ergebnis des wirtschaftlichen Wachstums im Land, das durch den astronomisch hohen Ölpreis verursacht wurde.

"In der Vergangenheit würden Juden zum Beispiel kein Geld für ein neues Auto ausgeben, weil sie sich sagten, dass sie das Land verlassen wollten. Aber nunmehr investieren sie ihr Geld im Iran, sie kaufen Wohnungen, Autos, Luxusgüter", sagt Shahnaz.

"Ahmadinejad hat den Juden bisher kein Leid zugefügt. Trotz all der Dinge, die er in den Medien über den Holocaust und Israel verbreitet, fühlen sich die Juden von keiner Seite unter Druck gesetzt und die meisten der Erwachsenen wollen im Land bleiben. Es sind die Jugendlichen, die gehen wollen", bemerkt sie abschließend.

Die Fähigkeit der iranischen Juden, die Erniedrigungen, denen sie durch die Islamisten des Landes ausgesetzt sind, zu ignorieren, ist für Juden in Israel oder im Westen schwer zu verstehen. Diese Fähigkeit wurde in einem Telefon-Gespräch mit "Farjad" deutlich. Er ist ein Universitätsstudent, der den Iran vor etwa zehn Jahren verlassen hat, kurz bevor er in die Armee eingezogen werden sollte.

Farjad hat keine Illusionen über den Iran oder über Ahmadinejad und befürchtet, dass sich die Lage für die Juden des Landes erheblich verschlechtern wird. Doch als er sich an besondere antisemitische Vorfälle persönlicher Art erinnern sollte, konnte er lediglich den Fall eines radikalen islamischen Hochschul-Beamten schildern, der seinen Antrag zum Studium abgelehnt hatte. Es war lediglich gegen Ende des einstündigen Interviews, dass sich Farjad an die morgendlichen Versammlungen in der Schule erinnerte (die ihn schließlich doch zum Studium zuließ, nachdem sich der einzige jüdische Abgeordnete im iranischen Parlament für ihn eingesetzt hatte).

Er beschrieb eine typische Schulversammlung, als ob diese nichts weiter als ein gewöhnliches tägliches Ärgernis gewesen sei, etwas, worauf er sich einzustellen gelernt hatte. Für mich klang es wie eine Szene aus "1984".

"Alle Studenten hatten sich in einer Reihe aufzustellen und dieser religiöse Leiter der Schule las uns aus dem Koran vor und schwang Tiraden gegen die "Zionisten" und erzählte uns den ganzen weiteren Mist, die Studenten begannen danach zu singen und ich nahm daran teil. Sie sangen „Tod für Israel" und auch ich sang mit, auch wenn ich natürlich mit keinem Wort mit den anderen übereinstimmte.

Die Juden des Landes lieben Israel von ganzem Herzen, aber sie können es nicht zeigen. Man muss an allem teilnehmen, man darf nicht auffallen. Es gab Studenten, die den Radikalen nicht zustimmten und es gab Studenten, die ihrer Meinung waren. Ich versuchte immer, mich so zu benehmen, dass ich es allen recht machte."

Das war Mitte der 90er Jahre. Tatsache ist, dass Ahmadinejads Drohung, "Israel von der Landkarte zu tilgen" bereits in vielfacher Hinsicht früher zum Ausdruck gebracht wurde, bei vielen anderen Gelegenheiten, und das von anderen nationalen Führern des Iran, dies geht bis auf Ayatollah Ruhollah Khomeini im Jahre 1979 zurück. Das einzig Neue an den Drohungen von Ahmadinejad ist, dass er in der Lage sein könnte, diese Drohungen in wenigen Jahren mit Atomwaffen wahr zu machen. Aber während ihn diese Drohungen vielmehr für die Außenwelt zu einer Gefahr machen, macht ihn das für die Juden des Landes zu keiner besonderen Bedrohung im Vergleich zu den meisten anderen iranischen Führern, unter denen sie bisher gelebt haben.

Iranisch-jüdische Befürworter betonen, dass ihre Gemeinde die zweitgrößte jüdische Gemeinde im Nahen Osten nach der von Israel sei und dass der Grad an offenem Judenhass mit Übergriffe auf Juden und jüdische Einrichtungen im Iran vergleichsweise um ein Vielfaches niedriger sei als in europäischen Ländern und Ländern der früheren Sowjetunion.

Während viele Außenstehende, einschließlich frühere iranische Juden, die Lage der Juden im Iran mit der Situation des europäischen Judentums in den Anfangsjahren der Nazizeit vergleichen, weisen jüdische Führer im Iran solche Vergleiche zurück. Sie stellen fest, dass zwar Ahmadinejad den Holocaust verleugnete, aber die Führer der jüdischen Gemeinde sich sicher genug fühlten, ihm Anfang des Jahres einen Protestbrief zukommen zu lassen.

"Als unser Präsident über den Holocaust sprach, betrachtete ich es als meine Pflicht als Jude, über dieses Thema zu sprechen", sagte Maurice Motamed, der den einzigen Sitz im 290-köpfigen Parlament des Iran, dem Majilis, innehat, in einem Gespräch mit der englischen Zeitung „The Guardian" in London vor etwa zwei Monaten.

"Ich sagte, dass diese Bemerkungen eine große Beleidigung für die gesamte jüdische Gemeinde im Iran und in der ganzen Welt darstellen." Motamed verwies auch auf ein iranisches Gesetz, das vor drei Jahren verabschiedet wurde und Richter nunmehr daran hindert, Juden bei Entschädigungen als Kläger zu diskriminieren. Er sah dies als ein Zeichen des Fortschrittes an und, relativ gesehen, hatte er recht.

Das Einvernehmen der iranischen Juden mit der islamischen Regierung erlaubt ihnen weitgehende Freiheit im religiösen Bereich, wenigstens so lange sie die Politik des Regimes unterstützen, einschließlich dessen Politik gegen Israel.


"Dieses Abkommen, das eine klare Trennung zwischen der Existenz als Jude und der Einstellung als Zionist zieht, geht auf die Idee der Gemeinde zurück; sie stellten sie dem Khomeini –Regime nach der Revolution vor", stellt David Menashri fest, der den Iran in vorrevolutionären Zeiten verließ und gegenwärtig das Zentrum für iranische Studien an der Tel Aviv-Universität leitet.

Motamed wurde zum Beispiel in der pro-palästinensischen Zeitung "Jerusalem Day" bei einer Demonstration im Iran zitiert, drei Monate nach dem Amtsantritt von Ahmadinejad, und sagte danach der Menge: „Echte Juden führen gemeinsam mit einigen Moslems ihren Krieg gegen Zionisten und gegen die Verbrechen von Israelis fort. Das unterdrückte Volk von Palästina, das unter der Besatzung lebt, muss das Gefühl haben, dass es von Anhängern aller Glaubensrichtungen unterstützt wird."

Was die Ausübung der Religion angeht, so gibt es etwa 20 aktive Synagogen alleine in Teheran. Es gibt auch viele jüdische Schulen. Doch es ist den Schulen nicht gestattet, am Shabbat zu schließen und sie beziehen auch jüdischen Religionsunterricht nicht im Lehrstoff mit ein, da sie lediglich die Geschichte des Judentums und des jüdischen Volkes als akademische Fächer unterrichten.

"Es gibt auch wenig Torah-Unterricht, da dies von der Regierung als "Propaganda" angesehen würde", sagt Shahnaz. "Diese Schulen gleichen nicht den Yeshivas, man studiert dort nicht die Halacha [Jüdisches Gesetz]", sagt Farjad, der im Iran eine jüdische Grundschule besuchte. Er stellte jedoch fest, dass das Regime die jüdischen Religionsbräuche respektiert. „Als mein Bruder in die Armee eingezogen wurden, wurde er in der Nähe seiner Familie stationiert und es wurde ihm gestattet, jeden Abend nach Hause zu gehen und am nächsten Morgen wieder zu kommen, damit er koschere Malzeiten zu sich nehmen konnte", sagt er.
Aber es bestehen deutliche Einschränkungen im Leben von iranischen Juden. Während jüdische Jugendliche wie alle anderen iranischen Jungen für 18 Monate in den Armeedienst eingezogen werden, können sie jedoch keine Berufssoldaten werden (was sie wahrscheinlich auch gar nicht als besonderen Nachteil empfinden), Auch können sie keine „sensible" Stelle einnehmen, die mit Sicherheit oder dem nationalen Leben zu tun hat.

Angesichts der Tatsache, dass Medien, Recht, Erziehung und der Rest der "humanitären" Gebiete des Iran voll und ganz islamisiert worden sind, konzentrieren sich Juden auf Berufe in neutralen wissenschaftlichen Gebieten wie Medizin und Ingenieurwissenschaften. Doch die überwältigende Mehrheit von ihnen geht heute ebenso wie zurzeit vor der Revolution ins Geschäftsleben und betreibt vor allem den Handel mit Textilien und Gold.

Aus Furcht vor Überwachung diskutieren sie keine Themen, die irgendetwas mit Politik zu tun haben, wenn Familienmitglieder oder Freunde anrufen oder ein Email schicken. (Sie können von Israel angerufen oder angemailt werden, können selbst aber keine Mails schicken, weil der Iran die notwendige Kommunikationsstruktur mit den jeweiligen Verbindungen nicht eingerichtet hat). Doch es ist so, dass jüdische Emigranten aus dem Iran über das iranische Volk im Allgemeinen nur das Beste zu sagen haben und ausschließlich die islamische Regierung und ihre Unterstützer in der Öffentlichkeit für den Antisemitismus verantwortlich machen.

"Die Verfolgung kommt mehr von der Regierung und nicht so sehr aus dem Volk", sagt Kamran. "Juden fühlen sich unter gewöhnlichen Iranern sicher und haben keine Probleme. Sie kommen gut miteinander aus und sie haben nichts gegeneinander."

Es gibt keine jüdischen Ghettos oder jüdische Viertel; die Juden leben als Nachbarn von Moslems. „Unsere (moslemischen) Nachbarn mochten uns wirklich", stellt Farjad fest. Aber während Irans vorwiegend schiitische Bevölkerung in der Regel mit Juden gut auskommt, gibt es Ausnahmen – und iranische Juden schützen sich vor diesen Ausnahmen. "Wir trugen nur in den Synagogen Kippas, nicht auf der Strasse, weil es hier draußen Extremisten gibt", sagt Farjad. Unter der iranischen Gesamtbevölkerung von 69 Millionen Menschen leben 14000 Juden in Teheran, weitere 6,000-7,000 in Shiraz, 2,000 in Isfahan, wobei die übrigen zwei- oder dreitausend vor allem in den Städten Kerman, Kashan, Yazd und Hamadan leben. "Die Juden fühlen sich in Teheran am wohlsten und frei; die Stadt ist kosmopolitisch und hier leben die meisten Intellektuellen, hier gibt es kaum Antisemitismus", sagt Shahnaz. Aber um es noch einmal zu sagen, es gibt Ausnahmen von der Regel. "Sogar in den Städten hängt das Leben von einem Juden davon ab, wer seine Nachbarn sind – Intellektuelle oder primitive Menschen", fügt sie hinzu. Und in den Dörfern, wo die Moslems meist wirtschaftlich arm und in Bezug auf die Ausbildung und die Religion rückständig sind, ist es ganz gewöhnlich, dass man Juden gegenüber misstrauisch ist und diese hasst, sagt Shahnaz.

Sie wuchs in einer kleineren Gemeinde und nicht in einer Stadt auf, sie besuchte eine christliche Schule und darauf eine moslemische Schule, und da sie keine nichtjüdischen Freundinnen hatte, blickt sie auf ihre Schuljahre mit Zynismus zurück. "Auf der christlichen Schule würden einige Mädchen sagen, dass ich Christus getötet habe und auf der moslemischen Schule würden einige von ihnen nicht vom gleichen Wasserbrunnen trinken wie ich. Für fundamentalistische Schiiten ist alles, was ein Jude berührt, unrein."

Um die Dinge aus der richtigen Perspektive zu sehen muss man wissen, dass nicht nur Juden sondern auch Zoroastrianer, Christen und andere Minderheiten im Iran auf unsicherem Boden leben – vor allem die Bahais, die bereits vor der Machtübernahme der Islamisten schreckliche Verfolgungen erlitten hatten. Menashri stellt fest, dass während der Revolution im Jahre 1979 12 Juden erschossen wurden, einschließlich der Führer der Gemeinde, Habib el-Kanayan, der beschuldigt wurde, ein Spion Israels zu sein. Zum Vergleich wurden über 200 Bahais ermordet.

Der beste Freund der iranischen Juden, weiterer Minderheiten und reformorientierter Schiiten war während der Revolution der Vorgänger von Ahmadinejad, Mohammad Chatami. "Chatami ist ein Mann der Renaissance", sagt Shahnaz. "Er hat einen Doktortitel, er spricht sieben oder acht Sprachen. Das Judentum blühte auf als er Präsident war [1997-2005]. Einer seiner engsten Freunde in seiner Kindheit war ein berühmter Rabbiner. Er besuchte für gewöhnlich auch Synagogen. Er gab nicht nur den Juden mehr Freiheiten, sondern auch der iranischen Jugend, die eine offenere Gesellschaft wollen. Aber wegen seiner liberalen Einstellung entmachtete ihn die radikale Führung – die Revolutionären Garden, die Mullahs."

Farjad erinnert sich daran als sie für Chatami bei den Wahlen stimmte (Iraner erhalten mit 15 Jahren das Wahlrecht), und sagt, dass der frühere Präsident „auf keinen Fall ein Antisemit ist". (Im iranischen politischen System werden der Präsident und das Parlament von der Öffentlichkeit gewählt – darunter auch von Juden und anderer Minderheiten. Aber diese unterstehen voll und ganz dem „höchsten Führer", dem Groß-Ayatollah, der auf Lebenszeit von einem Rat islamischer „Experten" ernannt wird. Deshalb kann Präsident Ahmadinejad nur das tun, was ihm der extremistische oberste Führer Ali Khamenei gestattet oder befielt.)

Am Vorabend der Revolution gab es etwa 100,000 Juden im Iran; seitdem haben drei Viertel von ihnen das Land verlassen. Und mit Eltern, die versuchen, ihre Kinder entweder vor oder nach deren Armeedienst ins Ausland zum Studieren zu schicken, schrumpft die iranische jüdische Gemeinde weiterhin. Jeder, der sich dazu entschließt auszuwandern, kann dies tun, aber nicht jeder ist dazu entschlossen; die Heimat für ein neues Land zu verlassen ist nicht einfach; besonders für jene, die alte Eltern und nicht sehr viel Geld haben.
Farjad sagt, dass er und seine Eltern für gewöhnlich diskutierten, den Iran als Familie zu verlassen, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder und seiner Schwester, aber es stellte sich ihnen immer wieder etwas in den Weg. "Einer der Gründe, warum ich alleine ging, lag darin, meine Eltern zu zwingen, mir zu folgen, sie vor vollendete Tatsachen zu stellen", sagt er. Aber seine Eltern, die jetzt in ihren 60er Jahren sind und finanzielle Schwierigkeiten haben, lehnen es nach wie vor ab, zu emigrieren, was es auch „meinem Bruder und meiner Schwester erschwert, den Iran zu verlassen", merkt er an. "Parvaneh," eine im Iran geborene jüdische Frau, die vor etwa 40 Jahren nach Israel auswanderte, sagt dass ihre alten Eltern, denen es im Iran wirtschaftlich nicht gut geht, gerne auswandern würden und bei ihr leben wollen, aber sie haben Angst davor, in die Armut abzugleiten. Sie mögen auch Recht haben; iranische Emigranten müssen schrecklich "bluten" wenn sie ihre Rials in Dollar, Euros oder Schekel wechseln.

Und wenn sie versuchen, ihr Haus zu verkaufen, bevor sie den Iran verlassen, drücken interessierte iranische Käufer den Preis, weil sie wissen, dass wenn eine gesamte Familie das Land verlässt, fällt jede Immobilie, die nicht verkauft wurde, automatisch an den Staat. Dies hält viele Iraner davon ab, das Land zu verlassen.

"Ich spreche regelmäßig mit meinen Eltern und sie sagen mir, dass alles in Ordnung ist, dass ich mir keine Sorgen machen soll", sagt Parvaneh. "Aber sie müssen ständig umziehen, weil ihre Vermieter permanent die Miete erhöhen. Sie würden nach Israel kommen, wenn sie das Geld dafür hätten, aber sie haben Angst, dass sie sich hier keine Wohnung leisten können, deshalb bleiben sie wo sie sind. „Wenn man sich die nuklearen Bestrebungen des Iran vor Augen hält, seine Drohungen Israel zu zerstören, und nunmehr Ahmadinejads Hang den Holocaust zu leugnen, dann scheint es so, wenigstens aus der Entfernung gesehen, als würden die 25,000 Juden das Unheil geradezu herausfordern. Die Juden, die das Land verlassen haben, denken sicherlich so. Sie befürchten, dass jene, die noch dort sind, sich entweder in einem zweiten Holocaust oder am falschen Ende eines Präventiv-Krieges wieder finden werden. „Es gibt dort jetzt einen zweiten Hitler, dies ist wirklich ein SOS-Signal", sagt Parvaneh.

Die Juden im Iran stellen sich solchen Drohungen, indem sie es ablehnen, diese zu akzeptieren, wenn es nach dem geht, was Shahnaz von kürzlich eingewanderten Emigranten hört. "Niemand spricht dort darüber", sagt sie. "Sie glauben, dass Ahmadinejad nur etwas radikaler ist als die anderen, aber das ist alles. Sie verhalten sich, als wäre das, worunter sie bereits gelitten haben keine Gefahr für sie oder auch das sei für sie keine Gefahr, was ihnen vielleicht noch in der Zukunft bevorsteht."

Keren Hayesod 19-10-2006

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem