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"Spendensammeln unter Frauen erbringt 10% der gesamten Einnahmen des Keren Hayesod"

Bei Mifgash 2005: Frankfurts WD-Vorsitzende Noemi Staszewski ausgezeichnet

Interview mit der neuen Weltpräsidentin der Keren Hayesod Women's Divisions, Laurence Borot

Oben: Laurence Borot

Rechts: Auszeichnung für Frankfurts WD-Vorsitzende Noemi Staszewski
"Jerusalem Post", 10.11.05

Q:  Laurence Borot, wir begrüßen Sie und vor allem Gratulation zur Wahl als Präsidentin der Keren Hayesod International Women’s Divisions und viel Glück für die Zukunft. Die erste Frage, die sich stellt, lautet: Wo sehen Sie Ihre Hauptaufgabe des Amtes für die kommenden Jahre?

A:  Danke für ihre guten Wünsche. Ich trete die Nachfolge von Joy Cohen an und ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, ihre Arbeit zu würdigen. Sie war eine effektive Präsidentin, voller Ideen und gleichzeitig immer ein guter Freund mit einem sehr britischen Anflug von Humor. Es ist schade, dass sie bei der letzten Mifgash nicht anwesend sein konnte. Wir wünschen ihr eine schnelle Genesung und dass sie schnell wieder bei uns sein möge. Wie ich mein Amt sehe? Vor allem möchte ich eng mit allen Women’s Divisions zusammenarbeiten – ich möchte genau wissen, was bei ihnen vorgeht, wo sie Hilfe benötigen, um ihnen bei den Kampagnen helfen zu können. Das Ziel nach meiner Wahl liegt darin, die Spendeneinnahmen zu erhöhen, neue Women’s Divisions in Orten zu eröffnen, wo sie, wie in vielen Ländern, bisher nicht existieren. 

Q:  Dann lassen Sie uns etwas über das Spendensammeln sprechen, weil wir in der Tat manchmal Leute hören, die fragen, "warum ist es notwendig oder wünschenswert, eine Women’s Division zu haben? Warum wollen Frauen eine eigene Arbeitsorganisation haben? Warum fügen sie sich nicht in die grundsätzliche Kampagnenarbeit ein?"

A:  Frauen mögen es, in der Gesellschaft von anderen Frauen zu sein. Sie wollen eine Einrichtung, die nicht getrennt ist, sondern parallel arbeitet, sich ergänzt, nebeneinander, um frei zu sein, die Dinge so zu machen, wie sie es wollen und es zusätzlich zu allem anderen zu machen. Das Spendensammeln der Frauen findet über und zusätzlich zum allgemeinen Spendensammeln hinaus statt. Auf diese Weise spenden Frauen, die eigentlich nicht daran denken würden zu spenden, weil ihre Ehemänner dies bereits tun, aus ihrer eigenen Tasche. Frauen kontrollieren den Haushalt, weil sie entweder selbst arbeiten und ihnen das Geld selbst gehört oder weil sie den Familienhaushalt führen. Egal wie, sie können in jedem Fall eigene Spender sein. Es ist nicht genügend bekannt, dass das Spendensammeln unter Frauen 10% der gesamten Spendeneinnahmen des Keren Hayesod beträgt.

Q:  Wenn man auf die Landkarte der Women’s Divisions schaut, dann erkennt man, dass sie besonders stark in Südamerika vertreten sind, während es in Europa zum Beispiel relativ wenige Women’s Divisions gibt. Haben Sie vor, in diesem Bereich ihre Präsenz zu verstärken, diese Länder zu besuchen und hier das Beispiel der Women’s League in Frankreich vorzustellen, die Coopération Féminine, der sie bis Ende dieses Jahres als Präsidentin vorstehen und die sehr erfolgreiche Zahlen vorzuweisen hat?

A:  Das ist genau die erste Sache, die ich tun werde: Ich möchte diese Frauen in Ländern wie Schweiz, Belgien und Holland treffen, die keine Women’s Divisions haben während Spanien, Italien, Frankreich, England und Deutschland diese bereits vorweisen können. Dies ist beeindruckend, aber es ist nicht genug! Und das wird meine erste Aufgabe sein.

Q:  Welchen internationalen Ereignissen dürfen wir im Kalender der Women’s Divisions entgegen sehen?

A:  Im Jahre 2007 wird es eine europäische Konferenz geben, die in Saloniki geplant ist. Es wird auch eine südamerikanische Konferenz geben. Alle drei Jahre organisieren wir eine Mifgash in Israel.  Wir gehen auch davon aus, eine Konferenz für englischsprachige Länder zu organisieren, da wir England, Australien und Kanada bei der letzten Mifgash als Teilnehmer dabei hatten und sie beschlossen haben, sich zusammen zu schließen und diese Konferenz sehr bald abzuhalten. Es wird eine große Premiere sein, denn eine Konferenz der englischsprachigen Women’s Divisions hat es bisher noch nicht gegeben.

Q:  Sie haben die Mifgash 2005 erwähnt, wie schätzen Sie die Ergebnisse der Konferenz ein? Wie bewerten Sie die Treffen, die in Safed und in Jerusalem stattgefunden haben?

A:  Jede Mifgash ist eine Chance für Frauen aus der ganzen Welt sich zu treffen angesichts unserer gemeinsamen Werte – die Liebe für Israel, die Liebe für das jüdische Volk. In diesem Jahr hatten wir Frauen aus Südamerika, Europa, Australien, Kanada und Großbritannien dabei. Australien und Kanada hatten eine gewisse Zeit an der Mifgash  nicht teilgenommen. Sie waren zum Beispiel bei der letzten in Eilat nicht anwesend gewesen. Deshalb was es uns eine um so größere Freude, sie dieses Mal dabei gehabt zu haben. Und wir machten ihnen klar, wie sehr wir auf sie bei unseren zukünftigen Treffen zählen.  ...  Ich glaube, dass diese Mifgash erfolgreich war.  Sie war aus verschiedenen Gründen erfolgreich: Wegen der freundschaftlichen Umgebung, der Solidarität, der guten Stimmung als man sich wieder sah, und für einige auch, weil sie zum ersten Mal an die Öffentlichkeit getreten sind. Auf diese Weise konnten wir Ideen und Erfahrungen austauschen und wir erreichen mehr. Wir trennten uns, nachdem wir verschiedene Ideen ausgetauscht hatten, und in unseren Kampagnen erreichen wir viel mehr weil wir mit neuen Ideen nach Hause zurückkehren. Wir haben gute Ideen von anderen übernommen.

Q:  Noemi Staszewski, die Vorsitzende der Women’s Division in Frankfurt in Deutschland, erhielt gemeinsam mit  der dortigen gesamten Kampagne, den Women’s Divisions’ Prize of Excellence.  Sie kennen sich gut.

A:  Ich traf Noemi während der ersten europäischen Konferenz der Women’s Divisions in Paris.  Sie ist eine besonders energische Frau, besonders engagiert, sie arbeitet hart und sie leistet eine beeindruckende Arbeit. Sie ist ein liebenswürdiger Freund, und sie verdient diese Auszeichnung absolut. Es war in der Tat so, dass ich keinen Augenblick zögerte, was die Wahl betraf. Mir fiel sofort ihr Name ein.

Q:  Zusammenfassend, wie lautet ihre Botschaft an unsere Leser in einer Zeit, in der –angesichts des wundervollen Sonnenscheins in Israel, angesichts der Rückkehr der Touristen und angesichts des beeindruckenden Kampfes gegen den Terrorismus – alle von einer gewissen Euphorie befallen sind und alle glauben, dass es Israel nunmehr gut geht und "dass sie uns nicht mehr benötigen"?

A:  Ich würde sagen, dass gerade jetzt, nach dem Überstehen solch harter Jahre, eine Entfremdung eingesetzt hat zwischen dem Bereich in der Gesellschaft Israels, der erfolgreich ist und dem Bereich, der keinesfalls erfolgreich ist und unsere Hilfe benötigt. Hier ist eine Gesellschaft mit einer großen sozialen Lücke und jene, die unsere Hilfe benötigen, sind jene, die keine Arbeit haben – denn trotz des Wiedererstarkens der Wirtschaft herrscht nach wie vor große Arbeitslosigkeit, es gibt nach wie vor viel Armut im Land und es ist einfach unsere Pflicht, unseren Brüdern und Schwestern zu helfen und ihnen beizustehen. Wenn ein Bruder am Boden liegt, dann kommt man ihm zu Hilfe. Man fragt nicht nach Erklärungen, man hilft einfach. Deshalb müssen wir den neuen Einwanderern helfen, wir müssen die Einwanderung immer unterstützen, aber wir müssen auch jenen neuen Einwanderern helfen, damit sie sich in diese Gesellschaft integrieren können. Aber für ihre Eingliederung benötigen sie einen Arbeitsplatz.  Sie müssen sich sicher sein, dass sich ihre Kinder in der der israelischen Gesellschaft wohlfühlen werden: Davon hängt viel ab und ich glaube, dass Frauen besonders gut in der Lage sind, diese Dinge in die richtige Richtung zu lenken. Ich glaube, dass Frauen besonders dazu in der Lage sind zu begreifen, was wichtig im täglichen Leben ist, weil Frauen mit dem Alltag konfrontiert und mit den praktischen Dingen befasst sind. Sie organisieren, es gelingt ihnen besser, diese Art von Problemen zu bewältigen und mit diesen Herausforderungen fertig zu werden. Ich glaube, dass Frauen die Welt verändern können. 

Q:  Vielen Dank Laurence Borot und erneut viel Glück!

Keren Hayesod 26-11-2005