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Dr. Stefan M. Grüll, Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen:
"Jeder Anschlag in Israel ist ein Anschlag auf unsere Wertegemeinschaft"

Köln (KH) – Der Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Grüll (Bild rechts) war Gast der Magbit-Eröffnung in Köln (siehe auch unseren Bericht). Dazu sein Kommentar in einem Mail an die KH-Journal-Redaktion:

"Ihren Bericht über die KH-Veranstaltung in Köln kann ich nur unterstreichen.
Meine Frau und ich hatten einen wunderbaren Abend."

Gleichzeitig verfasste er nachfolgenden Beitrag, den die KH-Online-Redaktion abdruckt.

"Unverständnis und Kritik beherrscht das Bild der veröffentlichten Meinung in Deutschland, wenn es um die gezielte Bekämpfung exponierter Repräsentanten der Terrororganisationen geht. Übersehen wird dabei, dass Führer von Hamas und Dschihad unverändert die Vernichtung des Staates Israel propagieren und Verantwortung tragen für die Selbstmordattentate, denen Woche für Woche unschuldige Menschen in Israel zum Opfer fallen.

Wer etwa weiß, dass die Führer der Hamas nicht davor zurückschrecken, kleine Kinder als Selbstmordattentäter auf die Straßen israelischer Städte zu schicken, deren Schulranzen mit Sprengstoff gefüllt sind, muss Verständnis haben für Stimmen, die eine andere Wahrnehmung der Situation Israels auch durch die Medien fordern. Mit Bildern wird Politik gemacht. Dieser Macht sind sich die Verantwortlichen in den Redaktionen der Fernsehanstalten durchaus bewusst, wenn sie nach einem Terroranschlag in Israel lediglich einen ausgebrannten Linienbus zeigen, bei einer militärischen Gegenmaßnahme Israels aber heulende Frauen und Kinder in Großaufnahme auf deutsche Fernsehschirme senden. Wir wundern uns über fehlendes Verständnis für die Ängste der Menschen in Israel?

Was können wir tun?

Rhetorische Formeln des Bedauerns, die regelmäßig nach terroristischen Anschlägen in Israel, von offizieller bundesdeutscher Seite artikuliert werden, reichen nicht mehr aus. Sie bleiben eine , wenn auch hilflose, so doch gut gemeinte, aber zunehmend als ritualisiert empfundene Reaktion der Politik. Die Menschen in Deutschland und in Israel erreichen wir damit nicht. Es ist an der Zeit, dass gerade auch aus den Reihen der Abgeordneten im Deutschen Bundestag und in den Landtagen Stimmen hörbar werden, die jenseits der Bulletins unbequeme Fragen stellen, um deren Beantwortung sich unsere freiheitliche Gesellschaft nicht länger drücken darf.

Spätestens seit den Attentaten von Madrid am 11. März 2004 versagen die ohnehin unzutreffenden Erklärungsmuster, Israel trage eine wesentliche Schuld an dem gegen den jüdischen Staat gerichteten Terror. Madrid hat den Terror nach Europa gebracht und damit deutlich gemacht, dass es nicht um eine Friedensordnung im Nahen Osten geht, sondern um den Angriff auf die zentralen Werte, für die unsere Demokratie ebenso steht, wie die Israels: Freiheit, Toleranz und Menschenwürde!

Vor diesem Hintergrund der Verteidigung der westlichen Wertegemeinschaft hat unsere Solidarität mit Israel nicht „nur“ eine historische Dimension. Diese Solidarität hat auch eine Komponente des Schutzes vor den Feinden dieser Werte in Deutschland und Europa.

Im Interesse unserer Freiheit werden wir uns eines Tages entscheiden müssen, ob wir fundamentalistischen Kräften Spielräume geben, die sie nutzen, um auch auf unserem Terrain den Kampf gegen unsere Werte zu führen. Diese Entscheidung ist untrennbar verbunden mit der Abwägung, welche Abwehrmaßnahmen im Kampf gegen den Terrorismus wir als noch zulässig akzeptieren. Dies ist schwierig und schmerzlich. In letzter Konsequenz muss meines Erachtens ausschlaggebend sein, dass unser Gegner nicht vor dem Massenmord unschuldiger Zivilisten zurückschrecken und sich dabei fanatisierter Menschen jeglichen Alters, auch kleiner Kinder, bedienen. Was wäre die aus Sicht der Israel-Kritiker politisch "korrekte Alternative" zu der gezielten Bekämpfung dieser Hass und Tod verbreitenden Wortführer? Ein Krieg, bei dem Menschen verletzt und getötet werden, die jenseits religiöser und politischer Fragen die tiefe Sehnsucht nach Frieden haben, die auch Sie und mich verbindet.

Keine wirkliche Alternative! Ich jedenfalls habe vor diesem Hintergrund Verständnis für das Vorgehen Israels, einem Staat der sich seit seiner Gründung in einem dauerhaften Existenzkampf befindet. Unsere Solidarität mit dem jüdischen Staat ist gefordert, auch im eigenen Interesse der westlichen Demokratien. Wir sind eine Wertegemeinschaft, die diese Werte nur gemeinsam erfolgreich verteidigen kann! Auch deshalb unterstütze ich aus tiefer Überzeugung die wichtige Arbeit des Keren Hayesod."

MdL Dr. Stefan M. Grüll

Keren Hayesod 10-12-2004