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Magbit-Eröffnung des Keren Hayesod in Frankfurt:
Amos Gilad: "Arafat hat Frieden versprochen, Terror gebracht"

FRANKFURT/MAIN (inn) - "Jasser Arafat hatte in seiner Amtszeit das Ziel, in der gesamten Nahost-Region mehr Araber und Palästinenser anzusiedeln als dort Juden leben, um so den Staat Israel zu vernichten - er hat in Verhandlungen Frieden versprochen, stattdessen aber Blut und Mord gebracht." Diese Bilanz zog der Berater im israelischen Verteidigungsministerium, Amos Gilad, bei seiner Rede, die er als Ehrengast der Magbiteröffnung des Keren Hayesod in Frankfurt vor etwa 100 Gästen hielt, die am 6. Dezember stattfand.

Amos Gilad ist ehemaliger stellvertretender Leiter des israelischen Militärgeheimdienstes und derzeit persönlicher Berater von Israels Verteidigungsminister Schaul Mofas. Er war in seiner Laufbahn an zahlreichen Verhandlungen zwischen Israel und palästinensischen Vertretern maßgeblich beteiligt. Als einer der führenden Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums ist Gilad derzeit in den Gesprächen um die Räumung von israelischen Siedlungen im Gazastreifen involviert.

"Waffenschmuggel mit 'Karine A' war Wendepunkt"

Er habe Arafat in seiner Laufbahn Dutzende Male getroffen und immer wieder habe er erlebt, wie der PLO-Chef auf dem Rückkehrrecht aller palästinensischen Flüchtlinge in die Gebiete des Westjordanlandes beharrt habe. Auch in den Verhandlungen mit dem früheren israelischen Premierminister Ehud Barak und US-Präsident Bill Clinton im Jahr 2000 in Camp David habe Arafat auf dieser Forderung beharrt, um das Land mit Hunderttausenden Palästinensern zu bevölkern. "Nachdem Arafat mit der Durchsetzung seiner Forderung gescheitert war, hat er Israel mit Terror bekämpft", so Amos Gilad.

Unmittelbar nach dem versuchten Schmuggel von Waffen mit dem Schiff "Karine A", das Israel im Januar 2002 im Roten Meer aufgebracht hatte, habe sich auch in den USA die Erkenntnis durchgesetzt, dass Arafat in Verhandlungen Frieden verspreche, aber hinter dem Rücken der Welt die Fortsetzung des Terrors betreibe. "Auf dem Schiff haben wir damals Waffen im Wert von acht Millionen US-Dollar entdeckt, die in die palästinensischen Gebiete geschmuggelt werden sollten. Seit diesem Vorfall war Arafat kein Partner mehr für Frieden", sagte Gilad.

In seinem fortwährenden Kampf gegen Israel habe Arafat Dutzende Gefangene der Hamas-Terrorgruppe aus palästinensischen Gefängnissen entlassen, die Fatah-Partei Arafats habe den jetzt inhaftierten Marwan Barghuti als Terrorführer angeworben. Dem israelischen Verteidigungsministerium blieb keine Wahl, als gegen den Terror zu kämpfen: "Beinahe jeden Tag geht ein Terrorist aus dem Haus, um einen Anschlag gegen Israelis zu verüben", sagte Gilad. "Dem israelischen Geheimdienst gelingt es, von der Öffentlichkeit unbemerkt, viele dieser Terroristen zu stoppen und damit Attentate zu verhindern."

Noemi Staszewski: "Keren Hayesod engagiert sich für Israel"

Der Keren Hayesod (deutsch: Gründungs-Fond) wurde 1920 als Reaktion auf die Londoner Balfour-Erklärung gegründet, die dem jüdischen Volk eine "Heimstatt in Palästina" zuerkannte. Er sollte die Einwanderung von Juden vor allem aus Osteuropa finanzieren, die vor den dort wütenden antisemitischen Pogromen fliehen mussten.

Heute, fast 85 Jahre nach seiner Gründung und 57 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung des jüdischen Staates, ist Israel mit seinen mehr als fünf Millionen jüdischen Bürgern, sowie rund 1,5 Millionen Arabern, eine politische und wirtschaftliche Realität. Keren Hayesod unterstützt bis heute die Integration von jüdischen Einwanderern aus bislang über 90 Ländern der Welt, fördert die Bildung und Erziehung junger Menschen und engagiert sich in sozialen Bereichen in Israel. Zudem begleitet die Organisation Hilfsaktionen für Terror-Opfer in Israel.
Noemi Staszewski, Vorsitzende des Keren Hayesod in Frankfurt am Main, sagte, dass Israel "immer und dringend Hilfe und Unterstützung braucht". Solidarität mit Israel gelte es, in der Öffentlichkeit zu zeigen: "Israels Existenz ist wichtig und diese gilt es, zu verteidigen."

KH-Vorsitzender Friedman: "Deutschland kann von Israel viel lernen"

Deutschland und andere europäische Staaten kritisierten Israel wegen der Terror-Bekämpfung, ohne selbst wirklich mit Terror konfrontiert zu sein - stattdessen könne Deutschland viel von Israel lernen. Dies sagte Michel Friedman, der neu gewählte Vorsitzende des Keren Hayesod Deutschland, bei der Magbit-Eröffnung des KH.

Er empörte sich über die Verurteilung der israelischen Politik in Europa. "Ich wüsste gerne, wie Deutschland reagieren würde, wenn es prozentual hochgerechnet 70.000 Terror-Tote zu beklagen hätte". Während Europa die Terror-Bekämpfung in den USA, England, Frankreich, oder in Tschetschenien akzeptiere, spreche man Israel offenbar das Recht ab, sich gegen Terror zu wehren, so Friedman. Er verurteilte dies als "Heuchelei und Doppelmoral" in Brüssel und Berlin. "Ich verlange von Gerhard Schröder Verständnis für Israels Terror-Bekämpfung", fügte er hinzu.

Friedman verwies auf die Erfolge Israels auf den Gebieten Wissenschaft und Forschung: "Israel ist auf diesen Gebieten so erfolgreich wie kaum ein anderes Land", und daher sei er "stolz auf ein solch wunderbares Land". Angesichts des durch die PISA-Studie aufgeworfenen Bildungsproblems in Deutschland sagte Friedman: "Israel nimmt im Gegensatz zu Deutschland in Schul- und Bildungsfragen immer einen Spitzenplatz ein".

Auch die hierzulande viel diskutierte "multikulturelle Gesellschaft" sei in Israel nie ein Problem gewesen. Dort lebten Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen zusammen. "Demokratie war schon immer ein fester Bestandteil des Alltags in Israel", so Friedman. Daher ziehe er das Fazit: "Deutschland kann viel von Israel lernen".

In Bezug auf die Juden in der Diaspora sagte der Vorsitzende: "Juden, die in Deutschland leben, verdienen denselben Respekt wie israelische Juden". Jeder müsse selbst entscheiden, wo er leben wolle. In den vergangenen zwölf Jahren sei in Deutschland die drittgrößte jüdische Gemeinde Westeuropas entstanden, so Friedman, dies sei eine "Erfolgsstory".

Keinesfalls sollten sich Juden außerhalb Israels der Assimilation hingeben: "Die Aufgabe der Identität hat noch nie dazu geführt, dass die Menschen respektiert wurden. Sondern zum Gegenteil." Die jüdische Identität basiere auf zwei Dingen: auf dem jüdischen Glauben und auf der Existenz Israels, so Friedman. Daher gebe es "keine Zukunft ohne Israel".

"Ich kann die Frage nicht mehr hören: 'darf man Israel kritisieren?'", so Friedman. Leider verstecke sich jedoch in dieser "Kritik" oft Antisemitismus.

Der israelische Premierminister Ariel Scharon werde von vielen europäischen Ländern "zum Sündenbock" gemacht, kritisierte Friedman. Dabei sei es gerade Scharon, "der Erfinder der Siedlungspolitik", der nun Siedlungen abbaue.


Ehrengast Amos Gilad bei seiner Rede vor den Gästen bei der Frankfurter
Magbit-Eröffnung.


KH-Europadirektor Jakob Snir (stehend) begrüßte die Gäste, rechts am Tisch
KH-Vorsitzender Michel Friedman.


Ein Blick auf die zahlreichen Gäste des Frankfurter Festabends des Keren Hayesod.

Keren Hayesod 09-12-2004