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Harvey Wolfe nahm Abschied von seinem Amt:
"Der Keren Hayesod ist eine erstaunliche Organisation – es gibt nichts Vergleichbares in der Welt"

Mit der kürzlich stattgefundenen Juni-Konferenz endete die Amtszeit von Harvey Wolfe als Vorsitzender des KH-UIA Welttreuhänder-Vorstandes. Im Rahmen einer bewegenden Feier im Susan Dallal-Zentrum in Tel Aviv (23.06.05) verabschiedete sich Harvey gegenüber den anwesenden Teilnehmern der Welt-Junikonferenz 2005 mit einer Rede. Hier der Wortlaut:

"Eines jener Dinge in Bezug auf das Leben eines jüdischen Menschen ist der Umstand, dass alles in diesem Leben süß-sauer ist – der Honig und der Stachel - Ha-dvash ve-ha-oketz – wie man sagt. Nehmen Sie als Beispiel diesen Abend. Wir haben eine schöne Zeit, wir lachen zusammen, ich bin umgeben von meinen beiden engsten Familien – dem "Wolfe-Brownstein-Goldfarb Clan" und meiner Keren Hayesod-Familie – aber ich bin mir sicher, dass Sie mich verstehen werden, wenn ich Ihnen sage, dass es mir in meinem Herzen einen kleinen Stich gibt, weil meine Amtszeit als Vorsitzender des Welttreuhändervorstandes zu Ende geht. Und dann, wieder einmal, gibt es den Honig in diesem Stachel, wenn ich auf die vergangenen vier phänomenalen Jahre als Vorsitzender dieser wundervollen Organisation – oder besser gesagt – dieser wundervollen Familie zurückblicke.

Und was für vier Jahre dies gewesen sind – für Israel, für das jüdische Volk und für den Keren Hayesod! Ich habe darüber in der letzten Zeit viel nachgedacht, als ich mir darüber Gedanken gemacht habe, was ich hier heute Abend sagen möchte. Wenn ich ein Buch über diese vier Jahre schreiben müsste, würde ich es "Eine Geschichte einer Nation" nennen. Der Beginn mag Ihnen bekannt vorkommen. Er lautet wie folgt:

Es war die schlimmste Zeit, es war die beste Zeit. Es war die Zeit, in der Israel von einer mörderischen Terror-Welle bedroht war, es war die Zeit, in der das jüdische Volk solidarisch vereint hinter dem jüdischen Staat stand. Es war die Zeit, in der die Israelis einen Punkt der Verzweiflung erreichten. Es war die Zeit, in der sich die Keren Hayesod-Familie zusammenfand und ihnen Hoffnung gab. Es war die Zeit, als die Wirtschaft Israels ein Allzeittief erreichte, es war die Zeit, als die Spenden über den Keren Hayesod ein Allzeithoch erreichten. Es war die Zeit, als die Touristen nicht mehr nach Israel kamen, es war eine Zeit, als eine nie zuvor da gewesene Zahl von Missionen nach Israel kam – davka! Es war die Zeit, als sich erneut erwachter Antisemitismus in der Welt verbreitete, es war die Zeit, als sich – trotz der Sicherheitskrise – der Staat Israel als sicherer Hafen für alle Juden erwies.

Es waren die Jahre 2001 bis 2005. Die Jahre der "2. Intifada". Die Jahre, in denen mir die größte Ehre meines Lebens zuteil wurde – als Vorsitzender des Welttreuhändervorstandes des Keren Hayesod dienen zu dürfen.

Es gibt eine wundervolle Haltung im jüdischen Volk. Wenn sich Israel in der Krise befindet, dann stehen wir gemeinsam hinter unserem Staat. Und jetzt, da Israel sich langsam aus der Krise befreit, liegt die Herausforderung für uns darin, dieses Momentum aufrecht zu erhalten, das unsere Stärke und Sicherheit für die Zukunft darstellt. Während wir in die Zukunft blicken, dürfen wir die Lektionen nicht vergessen, die wir in der Vergangenheit gelernt haben.

Eine der wichtigsten Erfahrung der letzten vier Jahre liegt darin, dass das Judentum in der Diaspora Israel braucht und Israel das Diaspora-Judentum benötigt. Wir sind ein Volk und es ist wichtig sicherzustellen, dass unsere jüngeren Generationen dies begreifen sowie die Bedeutung ihres jüdischen Erbes und Israels Stellenwert in diesem Erbe verstehen. Wir beim Keren Hayesod habe dies in praktisches Handeln umgesetzt, indem wir Jewish Agency-Programme wie Massa, Geburtsrechts und Israel-Erfahrungsprogramme unterstützen.

Aber die beste Art für sie, dies zu begreifen, liegt in dem persönlichen Vorbild, das wir ihnen geben. Einer der vielen wundervollen Menschen, dem ich kürzlich im Verlauf einer Keren Hayesod-Mission begegnete, sagte mir: "Ich habe Plaketten in meinem Namen, aber sie sind nicht für mich, sie sind für meine Enkel, auf dass sie sagen werden: Wenn mein Großvater es getan hat, dann sollte auch ich es tun."

Wenn unsere Kinder und Enkel uns sehen, wie wir die Eingliederung von Einwanderern unterstützen oder Jugendliche in Sderoth oder in Metulla oder in Jerusalem, dann werden auch sie sich dafür interessieren und Interesse wird zur Beteiligung und Beteiligung hilft nicht nur den Israelis, sie verbindet unsere Jugend. So bauen wir die Zukunft auf.

In der Tat ist es so, dass ein Umstand, der diese spezielle Veranstaltung so besonders macht, darin liegt, dass heute nicht nur meine liebe Frau sowie mein Partner und bester Freund Ros anwesend sind, sondern auch meine Töchter Wendy und Joanne, mein Sohn Michael und seine Frau Jennifer und, vielleicht am wichtigsten, fünf meiner wundervollen Enkel: Sam, Stevie, Adam, Emma und das Baby Maya. Maya ist nur 6 Monate alt. Wie Sie sich vorstellen können, ist dies ihre erste Reise nach Israel.

Sie wird sich wahrscheinlich an nichts erinnern können, aber sie wird aufwachsen und von ihren Geschwistern Geschichten über diesen Besuch hören, von ihren Eltern und ganz sicher von ihren Grosseltern. Sie wird durch ihr Leben mit Israel als eine ihrer ersten Erfahrungen gehen. Und sie wird in der Lage sein, mit Stolz sagen zu können, dass sie das erste Mal nach Israel kam – im Alter von sechs Monaten – als die Keren Hayesod Welt-Konferenz mit unserer gesamten internationalen Führung stattfand. Wenn das nicht ein Beispiel für Dor Hemshech ist, weiß ich nicht, welches ein besseres ist!!

Ros, Wendy, Joanne, Michael, Jennifer, Sam, Stevie, Adam, Emma, Maya – ich danke Euch allen, dass ihr heute und immer an meiner Seite seid. Und ich danke auch meiner Schwägerin Shirley Goldfarb sowie meinem Schwager Morty Brownstein und meiner Schwägerin Bernice Brownstein, die heute auch deshalb anwesend sind, um an diesem Abend bei uns zu sein. Ihr alle habt für mich einen großartigen Abend in einen spektakulären Abend verwandelt.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, was dies für mich bedeutet. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die nicht besonders in der Gemeinde eingebettet war, aber meine Kinder sind in der Gemeinde aufgewachsen und ich habe nicht den leisesten Zweifel daran, dass auch meine Enkel so aufwachsen werden.

Und was meine zweite Familie betrifft – meine Keren Hayesod-Familie – was kann ich darüber sagen? Ich bin seit langer Zeit im Keren Hayesod aktiv, aber diese letzten vier Jahre haben mir wirklich klargemacht, wie sehr der Keren Hayesod eine Familie darstellt. Es ist eine Sache, die Leiter und Aktivisten anderer Kampagnen hier in Israel zu treffen – dies ist eine ganz besondere Erfahrung für sich gesehen. Aber während meiner Amtszeit lernte ich die Kampagnen aus nächster Nähe kennen. Aber besonders müssen die Leiter der einzelnen Kampagnen gewürdigt werden – mit den Menschen zusammen zu treffen, die man hier nicht antrifft – die freiwilligen Mitarbeiter und hauptamtlichen Kräfte und natürlich unsere wundervolle Young Leadership – unsere Zukunft.

Der Keren Hayesod ist eine erstaunliche Organisation – es gibt nichts Vergleichbares in der Welt. Es ist etwas, das mit Worten nicht zu beschreiben ist, aber es vermittelt ein Gefühl, an dem jeder teilhaben kann, der mit dieser Organisation verbunden ist.

Ich danke Ihnen allen, meine lieben Familienfreunde im Keren Hayesod und in der Jewish Agency, die mich begleitet und mit mir zusammen gearbeitet haben über diese letzen vier Jahre hinweg, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen – die weitere Entwicklung des jüdischen Volkes und des Wohlergehen des Staates Israel. An der Seite von Partnern der Jewish Agency zu arbeiten vom Format eines Sallai Meridor, Carole Solomon, Moshe Vigdor und Shai Hermesh war eine bereichernde Erfahrung, für die ich dankbar bin.

Und nachdem ich die wundervollen Mitarbeiter des Keren Hayesod in Jerusalem kennen gelernt habe, darf ich sagen, dass der Staat Israel und das jüdische Volk auf ein derartig hingebungsvolles Team stolz sein darf, das für die Durchsetzung unserer Ziele arbeitet.

Ich danke auch allen unter Ihnen, die dazu beigetragen haben, dass dieser Abend ein so besonderer Abend für mich wurde.

Ich möchte besonders drei ganz speziellen Familienmitgliedern danken – meinem "Zwillingsbruder" Avi Pazner, meinem "Ehrensohn" Greg Masel und meiner einer lange leidenden "jiddischen Mamme" Jacky Warman, die immer auf mich aufgepasst und für meine "Sticklach" große Geduld und viel Verständnis aufgebracht hat!

Ich möchte meine Rede beenden, indem ich meinem Nachfolger Mark Leibler viel Erfolg wünsche. Ich übergebe die Führung mit einem Gefühl der Zuversicht, weil ich weiß, dass der Keren Hayesod unter der Führung von Avi, Mark und Greg in keinen besseren Händen sein könnte."

Keren Hayesod 07-07-2005