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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Ein Fünftel der Einwohner des Kibbuz Hazorea sind Absolventen des örtlichen Ulpan:
Neue Einwanderer "verjüngen" das Kibbuz

Von Eli Ashkenazi - Haaretz, 1. November 2004

Jerusalem - 15 Teenager aus England, Kanada, Belgien, Mexiko, den USA, Holland und Dänemark diskutierten mit ihrem Lehrer über das Bild, das vor ihnen lag. Es war eines jener Bilder, das sowohl eine hübsche junge Frau wie eine ältere Dame zeigte, je nachdem, aus welchem Blickwinkekel man darauf sah. "Vor der Ehe" und "Nach der Ehe" steht auf beiden Seiten geschrieben.

Vierundvierzig junge jüdische Menschen nahmen am 95. Ulpan-Hebräisch-Kurs des Kibbuz teil, sie sind alle im Alter bevor man heiratet und dabei haben sie sich in das Kibbuz und in Israel verliebt. Sogar die drückende Hitze des Tales und die kärglichen 30 Jahre alten Zimmer, in denen sie leben, stören sie nicht.

"Ja, es klingt wie die Beschreibung des Lebens aus den späten 60er und frühen 70er Jahren", sagt Aliza Dvir, die vor kurzem aus ihrem Amt als Direktorin des Ulpan der Jewish Agency im Kibbuz Hazorea geschieden ist, das sie 16 Jahre lang bekleidet hatte. Von den 4,000 Studenten, die am Ulpan die Sprache gelernt haben, entschieden sich 80 von ihnen im Kibbuz zu bleiben. Eine interne Umfrage, die im Kibbuz abgehalten wurde, zeigte auf, dass diese 80 Absolventen fast ein Fünftel der gegenwärtigen Einwohnerzahl des Kibbuz entsprechen.

Ulpan-Studenten leben fünf Monate lang im Kibbuz, in denen sie die Hälfte der Woche dafür verwenden, Hebräisch zu lernen, zu reisen und Seminare zu besuchen, die andere Hälfte der Woche arbeiten sie auf dem Kibbuz. "Mitglieder von Hazorea erkennen nach wie vor den Wert der Einwanderer-Eingliederung und des Zionismus an", sagt Dvir. "Das Bestehen von 'Adoptiv-Familien' zum Beispiel, verweist darauf, dass Mitglieder hier noch dazu bereit sind, Ulpan-Studenten auf eine Tasse Kaffee am Nachmittag einzuladen. Adoptiv-Familien konnten für alle Studenten der gegenwärtigen Ulpan-Klasse gefunden werden."

Dvir selbst kam im Ulpan aus Washington während der euphorischen Periode im Jahre 1968 an. Sie heiratete ein Kibbuzmitglied und blieb hier. Sie wird nun das Wilfred Israel Museum leiten, aber sie leistet nach wie vor Unterstützung für die jungen Menschen aus dem Ausland und sie ist nach wie vor für adoptierte Soldaten verantwortlich - Ulpan –Absolventen, die sich zum Eintritt in die IDF entschlossen haben und im Kibbuz als "alleine lebende Soldaten" blieben (weil deren Eltern nicht in Israel leben).

Der Erfolg der Entwicklung von Hazorea ist einzigartig. Nach Unterlagen der Jewish Agency haben viele Ulpanim von Kibbuzim in den letzten Jahren ihre Tore geschlossen, was auf den Privatisierungsprozess zurückzuführen ist, der in vielen Kibbuzim an Bedeutung gewinnt. Obwohl die Jewish Agency und das Erziehungsministerium finanzielle Mittel für Ulpan-Aktivitäten bereitstellt, müssen die Studenten im jeweiligen Kibbuz nach wie vor arbeiten, um einen Teil ihrer Ulpan-Studienzeit zu finanzieren. Der Rückgang an verfügbaren Plätzen in Kibbuzim wirkte sich für die meisten Ulpanim negativ aus.

Gleichzeitig macht das Ulpan in Hazorea mit seinen Aktivitäten weiter und dient als Quelle für neue Kibbuz-Kandidaten. "So wurden ein Mädchen aus Usbekistan und ein Junge aus Frankreich ein Paar, das sich im Kibbuz niederlassen will. Ein anderer Junge, ein Absolvent der Berkeley Universität, ist gerade in die Armee eingetreten", sagt Dvir voller Stolz. Auch in der gegenwärtigen Klasse gibt es einige Studenten, die im Kibbuz bleiben wollen. So kam zum Beispiel der 22jährige Joseph Goldstein im Ulpan an, nachdem er in den USA an der Harvard Universität seinen Abschluss in Geschichte und Philosophie gemacht hatte. "Es ist kein Zufall, dass ich in das Kibbuz kam", sagt er. "Ich habe mich auf Arbeits- und Sozialstudien spezialisiert und ich bin Jude, also was kann da natürlicher sein als in ein Kibbuz einzutreten?".

Ilan Rosenberg ist 20 Jahre alt und kommt aus Deutschland. Er beschloss, dass dies das richtige Alter war, um "neu anzufangen, etwas beizutragen und Israel zu helfen." Wenn er das Ulpan beendet hat, will sich Ilan der Armee anschließen und danach will er Medizin studieren. Er hat vor, in Israel zu bleiben und das Kibbuz ist für ihn eine interessante Alternative.

Dvirs Nachfolger als Direktor des Ulpan ist Hillel Yaron, der Sohn eines Ulpan-Absolventen, der aus Kanada stammt und ein Kibbuz-Mitglied heiratete. "Ich habe das mit der Muttermilch zuhause eingeflösst bekommen", sagt Yaron. "Ich wuchs damit auf und nachdem ich im benachbarten Kibbuz Megiddo-Ulpan im Sommer unterrichtet hatte, bewarb ich mich hier um die Stelle."

Keren Hayesod 23-11-2004

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem