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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

30 Jahre äthiopische Einwanderung in Israel:
Neun Tage, die das Leben dieser Menschen völlig verändern

Ein ausführliches Interview mit Ori Konforti, dem Delegierten der Jewish  Agency in Äthiopien zum Thema der Falash Mura

3. und letzter Teil: Die Reise in ein neues Leben nach Israel

Mit diesem Teil beenden und vervollständigen wir unser Interview mit Ori Konforti, dem Delegierten der Jewish Agency in Äthiopien, wie auch unsere Serie von Updates zum Thema "30 Jahre äthiopische Einwanderung", mit einer besonderen Betonung auf die Rettung der Falash Mura. In diesem Abschnitt beschreibt Ori den praktischen Teil der Abreise der Falash Mura aus Äthiopien auf ihrem Weg nach Israel und, da er dejenige ist, der einen großen Anteil an diesem wundervollen historischen Prozess hat, läßt er uns an seinen persönlichen Gefühlen und Erfahrungen teilhaben.

F:  All Vorbereitungen sind beendet, der grosse Abend ist endlich angekommen. Wir haben die Ehre, Zeuge dieses bemerkenswerten „Exodus" zu sein. Lass uns etwas über dich sprechen. Ich war sehr bewegt, als ich gesehen habe, wie sehr du an diesem Prozess bis zur 11. Stunde beteiligt bist. Du bleibst bei den Menschen, bist du dich davon überzeugt hast, dass jeder von ihnen seinen Platz im Flugzeug eingenommen hat. Was geschieht mit dir auf dem Flughafen, wenn du sicher gestellt hast, dass alle eingestiegen sind und im Flugzeug sitzen? Es ist nicht der erste Flug, den du nach Israel verabschiedest.  Hast du dich daran bereits gewöhnt oder bist du immer noch jedes Mal bewegt, wenn du dich verabschiedest?

A:  Ich muss gestehen, dass ich immer das Gefühl habe, "schau Ori, du berührst  nicht nur Geschichte, du gestaltest sie auch." Neben all den Schwierigkeiten und Komplikationen ist es auch eine lebensrettende Arbeit und es ist etwas, das ich für den Staat Israel tue. Ich empfinde es als eine Ehre, Teil davon zu sein.

F:  Jeder Aspekt davon ist wirlich immer wieder anders.

A:  Einen Flug mit Olim aus Äthiopien nach Israel zu schicken ist völlig anders, als dies von Moskau oder Buenos Aires zu tun. Dort triffst du dich mit den Familien, gibst ihnen die Flugtickets und sagst ihnen: „Wir werden uns am Flughafgen zu dieser oder jener Zeit und an diesem oder jenen Ort treffen," Wenn wir daran gehen, von hier 80 oder 100 Olim nach Israel zu bringen – das tun wir jede Woche – darf uns kein Fehler unterlaufen. Man gibt diesen Menschen keine Pässe, weil sie nie zuvor in ihrem Leben einen Pass besessen haben, und sie haben auch nie zuvor einen Flughafen oder ein Terminal oder ein Flugzeug gesehen und man geht mit ihnen den Prozess ganz einfach Schritt für Schritt durch. Der Sammelpunkt, wo alle in die Busse einsteigen, von wo sie alle in einem gesicherten Konvoi zum Flughafen fahren. Sie steigen alle aus, gehen zum Einchecken, durchlaufen die Sicherheitsüberprüfungen. Eine Familie nach der anderen erhält erst jetzt ihre Pässe und Einstiegskarten.

Sie passieren alle zusammen die Grenzkontrolle, ganz altmodisch, und ich treffe sie oben auf der Treppe wieder.

F:  Weiss du, was mich am meisten erstaunt?  Zu sehen, wie diese Menschen den gesamten Prozess durchlaufen – wie du bereits ganz richtig gesagt hast, sie haben nie zuvor ein Terminal gesehen oder einen Pass besessen – so als ob sie daran gewöhnt wären, ihr ganzes Leben herumzufliegen. Sie waren ruhig und völlig entspannt, sie passierten die Röntgenkontrollen mit ihrem Gepäck und auch das Magno-Meter, so als hätten sie ihr ganzes Leben nichts anderes getan als Magno-Meter-Machinen zu passieren.

A:  Wir haben bereits festgestellt, dass in der äthiopischen Kultur die Gefühle nicht ausgedrückt werden und man weiss eigentlich nie so recht, was bei diesen Menschen im Innern vor sich geht. So ist das eben und es ist erstaunlich, weil oft Menschen sagen, „schau mal, die sehen überhaupt nicht überrascht aus."

F:  Genau. Ich sage dir, auf mich haben diese Menschen wie regelmässige Flugpassagiere gewirkt. Ori, erzähl uns etwas über das Leben deiner Familie in Addis Ababa. 

A:  Die Umgebung hier ist hart und verlangt viel von dir ab. Dies hier ist das wirklich harte Afrika. Wer immer nach Äthiopien kommt, um zu helfen, muss vor allem alles über die gewohnten Annehmlichkeiten des Westens vergessen: Einkaufszentren und Kinos und Unterhaltungsstätten. Unsere Kinder besuchen die Internationale Schule, sie ist eine amerikanische Schule, deren Lehrplan auf dem des amerikanischen Schulsystems basiert. Die Schule ist sehr gut und ohne diese Einrichtung wäre unser Leben hier unmöglich weil auch unser soziales Leben voll auf diese Schule ausgerichtet ist. Die meisten Eltern hier arbeiten im Service-Bereich, entweder für NGOs oder als Diplomaten. Deine Freizeit fällt vor allem auf den Samstag und Sonntag. Auch wenn es sehr schwierig ist in Äthiopien zu reisen, weil es keine Tourismusinfrastruktur gibt, reisen wir dennoch viel herum und es ist ein erstaunliches Land. 

Vor kurzem kamen alle Israelis hier an einem Samstagabend zu einer Purimparty zusammen, jetzt bereiten wir den Sederabend vor. Wir haben oft Gäste bei uns und besuchen auch andere Ehepaare in deren Häusern, und das tun auch die Kinder; wir versuchen über den Sport Beziehungen aufzubauen. Eine Familie hat hier viel Zeit an den Wochenenden, was in Israel nicht der Fall ist, weil in Israel jedermann permanent mit irgendetwas beschäftigt ist. Hier hat man mehr Zeit für sich und seine Familie und dies ist ein riesiger Vorteil. Aber dennoch, wann immer man nach draussen geht, wird man daran erinnert, dass man sich in einem Mikrokosmos in einer der schwierigsten Umgebungen der Welt aufhält.

F:  Glaubst du, dass du nach Israel als innerlich veränderter Mensch zurückkehren wirst, nach all dem was du in Äthiopien gesehen, erfahren und geleistet hast?

A:  Wenn du mich persönlich danach fragst, dann lautet die Antwort "ja". Aber ich glaube, dass die ganze Familie und besonders die Kinder in das israelische Paradies mit einem veränderten Verständnis der Welt zurückkehren werden. Ich werde mit etwas veränderten Ansprüchen und einer, gegenüber früher, veränderten Perspektive zum Leben zurückkehren.

F:  Ori, vielen Dank für Deine Zeit. Im Namen der gesamten Keren Hayesod-Familie wünsche ich dir weiterhin Erfolg bei der schwierigen Aufgabe, die du auf dich genommen hast. Ich verspreche dir, dass wir alles unternehmen werden, der Jewish Ageny die Mittel zukommen zu lassen, die sie benötigt, um dir dabei zu helfen, deiner Aufgabe gerecht zu werden.

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Keren Hayesod 10-04-2006

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem