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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Beängstigende Koalition:
Manhattans seltsame "Friedens-Demonstration"

Von Robert Jancu, Jerusalem Post

New York - An einem Freitag las ich in einer Zeitung, dass eine Gruppe, die sich "Friedenskoalition für den Nahen Osten" nennt, am nächsten Tag zwischen 15 und 18 Uhr eine Demonstration auf dem Union Square Park in Manhattan abhalten würde. Es war eine von vielen Straßen-Veranstaltungen aus allen möglichen politischen Richtungen, die zeitlich so terminiert waren, dass sie mit dem Kongress der Republikaner zusammenfallen würden, der für den 30. August angesetzt war.

Ich möchte, dass im Nahen Osten Frieden herrscht. Deshalb entschloss ich mich, an der Demonstration teilzunehmen. Ich hatte nie zuvor von der "Friedenkoalition für den Nahen Osten" gehört und ich dachte, dass es für mich, einen zionistischen Juden, eine gute Sache wäre, sich mit den Menschen der Koalition zu solidarisieren, die zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn Frieden haben wollen.

Ich entwarf ein handgeschriebenes Poster mit dem einfachen Slogan "Zionisten für den Frieden" und zeichnete eine israelische Fahne mit Friedenssymbolen aus den 60er Jahren.

Ich nahm an der Demonstration mit einer Freundin teil, Polina Valis. Sie ist eine Überlebende des Selbstmordterroranschlages auf die Disco Dolphinarium in Tel Aviv vom 1. Juni 2001, bei dem unter den getöteten 21 Jugendlichen fünf ihrer Freunde waren, Juden wie Christen. Sie selbst war zwei Monate im Krankenhaus gewesen, musste sich fünf Operationen unterziehen (eine weitere ist nötig), sie hat Nägel und Metallteile der Bombe in ihren Beinen, ihrem Rücken und Arm und sie hat einige Körperteile für immer eingebüßt.

Sie ist ebenfalls eine Zionistin und sie ist ebenfalls für den Frieden.

Als ich mich mit Polina durch die Menge kämpfte, um dem Sprecher der Veranstaltung näher zu kommen, dämmerte es mir, dass es sich bei dieser Friedensveranstaltung um etwas anderes handeln könnte als das, womit für sie geworben wurde. Denn ich erkannte einen Mann wieder, den ich früher einmal gesehen hatte wie er Anstecknadeln der Volksfront für die Befreiung Palästinas verkauft hatte.

Diese PFLP ist eine marxistisch-leninistische Gruppierung, die sich auf die Tötung von so vielen Zivilisten wie nur möglich spezialisiert hat. Das US-Außenministerium stuft diese deshalb auch völlig zu Recht als ausländische Terror-Organisation ein.

Der Redner der Veranstaltung sprach über das Märchen der zionistischen Verschwörung, die Amerika kontrolliert. "Wer ist für die amerikanische Außenpolitik im Nahen Osten verantwortlich, wer leitet diese? Wolfowitz, Rumsfeld, Veith, Perle, Adams, rechtsgerichtete Juden, die für die Israelis arbeiten."

Rumsfeld als Juden zu bezeichnen war noch wenig im Vergleich zu seinen späteren Ausführungen, in denen er von den "zionistischen Todeslagern" sprach.

Polina und ich konnten ihm nicht lange zuhören. Als die anderen Demonstranten mein verdächtiges Plakat sahen, fielen sie über mich her. "Zionisten hassen den Frieden", führten sie an. Einer nannte mich einen Nazi. Polina stand wie angewurzelt neben mir und versuchte, sich aus dem Gerede der aufgeregten Peaceniks einen Reim zu machen.

Umherstreifende Journalisten, die eine Geschichte rochen, notierten sich einige Teile der Gespräche und machten Fotos als sich die Friedenskoalition für den Nahen Osten zu einem Kreis um mich und Polina schloss.

Eine Frau forderte mich auf, das Poster "Zionisten für den Frieden", niederzulegen. "Aber das ist doch eine Friedensdemonstration", wendete ich ein.
"Wer hat Ihnen gesagt, dass dies eine Friedensdemonstration ist, wer nur", fragte sie. Und was mich alarmierte war ihr folgender Ausruf: "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden!"

Um mich nicht als Friedensstörer darstellen zu lassen, stotterte ich "Friedenskoalition für den Nahen Osten, ihre Ankündigung spricht vom Frieden, mein Poster spricht auch vom Frieden."

Ein Dialog unter Tauben entstand. Ich fragte, warum Juden kein Recht auf einen Staat wie jede andere Nation haben sollten, so wie sich auch die Palästinenser einen Staat wünschen. Oder wieso Zionismus Rassismus sein kann, wenn mehr als 20 Prozent der israelischen Bevölkerung Araber sind, während die Araber darauf bestehen, dass alle Juden Gaza und die Westbank verlassen, damit sie einen Staat ohne Juden haben können.

Jemand fragte, warum ich die Westbank und Gaza als Probleme anführe und nicht viel eher die "gesamte Besetzung". Dann sagte ein junger Mann, der in eine palästinensische Flagge eingehüllt war, da ganz Israel besetztes Land und Israels Bestehen ein Verbrechen gegen den Frieden sei, sei jemand wie ich als Zionist per Definition ein Eindringling und Störer in einer Veranstaltung für den Frieden. Jemand führte an, dass die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer der UN-Konferenz in Durban, Südafrika, im Jahre 2001, Zionismus mit Rassismus gleichgesetzt habe und diese deshalb eine ungesetzliche Bewegung sei. Ich stimmte mit ihnen darin überein, dass die Mehrheit der Vereinten Nationen und diese Friedenskoalition für Frieden im Nahen Osten die gleiche Einstellung gegenüber Israel hätten.

Da sich der Mann, der diese Veranstaltung offenbar leitete, schachmatt gesetzt fühlte, rief er "geh in Dein Land zurück."

Ich ging davon aus, dass er Israel meinte, obwohl ich hier in Amerika geboren und aufgewachsen bin. Aber wie sollte Israel jemals mein Land sein, wenn es dieses als Land, so seine Meinung, nicht geben dürfte?

Schließlich riefen sie die Polizei, um mich los zu werden. Ein sehr netter Polizist, sein Name war Robert Chico, kam und forderte mich auf, zu gehen. Obwohl ich dem Beamten Chico keine Probleme bereiten wollte, bestand ich darauf, die Sachlage klarzustellen: "Ein Zionist, der für den Frieden eintritt, ist ein legitimer Teilnehmer der Friedenskoalition für den Nahen Osten; diese Demonstration ist eine Friedensdemonstration; die Stadt New York hat diese Demonstration als Friedensdemonstration genehmigt und so eingestuft; entweder man entziehe den Veranstaltern die Erlaubnis, weil sie unter Vorspiegelung falscher Tatsache erteilt wurde ( ich sagte in meiner Frustration, dass man diese Erlaubnis der "Friedenskoalition für den Völkermord im Nahen Osten" hätte erteilen sollen) oder ich dürfte bleiben und diese Agitatoren gegen die Frieden müssten dazu veranlasst werden zu gehen.

Während er die Angriffe und verbalen Ausbrüche gegen mich bei unserem Gespräch zur Kenntnis nahm, sagte der Beamte Chico zu mir, dass er meine Einstellung verstehe, aber ich müsste zu meiner eigenen Sicherheit diesen Ort verlassen.

Polina Valis, die mir während der gesamten Demonstration zur Seite stand, ist eine unerschütterliche Seele von Mensch.

Im Juli war sie damit einverstanden, sich auf Vorschlag des Filmemachers Pierre Rehov mit dem Vater des Selbstmordattentäters vom Dolphinarium zu treffen. (Der Vater wollte sich hingegen nicht mit ihr treffen und Jordanien – wo er lebt – erteilte ihr kein Visa).

Sie hat zwei Diplome in Politischen Wissenschaften und Geschichte von der City Universität von New York und sie hat mit Moslems in ihren Kursen diskutiert, die für Selbstmordanschläge gegen Juden in Israel eintreten, aber sie hat dabei gleichzeitig niemals zu erkennen gegeben, dass sie selbst zum Opfer einer derartigen Grausamkeit geworden ist.

Nachdem uns der Beamte Chico vom Platz weg begleitet hatte, sagte die tapfere Polina nur, dass sie geglaubt habe, nichts könnte ihr mehr Angst einjagen. "Aber diese Friedenskoalition für den Nahen Osten hat mir Angst eingejagt."

Keren Hayesod 15-10-2004

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem