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Israel Update

„Wütend über die Medien-Berichte zum Nah-Ostkonflikt"

In einem Leserbrief an die Frankfurter Rundschau und das ARD, dem ersten Kanal des Deutschen Fernsehens, zeigt sich Noemi Staszewski wütend und aufgebracht über die Berichterstattung der deutschen Medien zum gegenwärtigen Konflikt in und um Israel und den Palästinensern. Sie ist Vorsitzende der Frankfurter Women’s Division, einer Organisation des Keren Hayesod, und mit ihrer Zustimmung veröffentlichen wir nachfolgenden Leserbrief .


Eine Aufforderung und Bitte an ebenso wütende Beobachter: Schreiben Sie an die Medien und lassen Sie uns ihre Briefe zukommen. Soweit möglich, werden wir auch diese auf unsere Website und in den deutschen Publikationen des Keren Hayesod veröffentlichen.

„17 jähriger Siedler erschossen"

Diese lapidare Meldung, in Tageszeitungen, Fernsehnachrichten und im Internet vor einigen Wochen fast gleichlautend zu finden, hat mich wütend gemacht. Wütend über die Art der Berichterstattung des Nahostkonfliktes in den deutschen Medien.

Der Begriff des Siedlers suggeriert hier immer den Eindruck eines Besatzers, der mit Gewehr und Kippah auf dem Kopf die Palästinenser von ihrem rechtmäßigen Land vertreiben will. Dieser Jugendliche saß mit seiner Familie im Auto auf dem Weg von einem Vorort Jerusalems nach Modi’in, einer Stadt auf der Straße nach Tel Aviv, im sogenannten israelischen Kernland. Aus einem vorbeifahrenden Auto hatten Palästinenser auf das Fahrzeug der Familie geschossen und dabei den 17jähigen in den Kopf getroffen, nachdem sie vorher auf eine Gruppe spielender Jugendlicher geschossen hatten, allerdings ohne jemanden zu verletzen.

Zur Klarstellung: In den Vororten Jerusalems leben in der Regel Familien, die sich in den letzten 25 Jahren dort vor allem deshalb Wohnungen gekauft haben, weil ihr Einkommen nicht ausreicht, um eine Wohnung in Tel Aviv oder Haifa zu finanzieren. Sind sie deshalb Siedler? Wird hier nicht einfach ungeprüft eine Position weitergegeben, die vielleicht einem vom Konflikt direkt betroffenen palästinensischen Berichterstatter zustehen könnte, aber nicht einem „neutralen" Außenstehenden?

Wer in diesen Konflikt involviert ist, ob Palästinenser oder jüdischer Israeli, nimmt Partei, denn er hat persönliche Interessen, Überlebensinteressen. Der Vorteil eines unbeteiligten Berichterstatters ist es, nicht Partei ergreifen zu müssen und die Ereignisse aus der Distanz beobachten zu können. Der Berichterstatter dieses Mordes hat durch seine Sprachwahl Partei ergriffen. Ich werde das Gefühl nicht los, hätte es sich bei dem Erschossenen um einen Palästinenser gehandelt, wäre die gleiche Meldung unter der Überschrift gelaufen: „Palästinensisches Kind von Israelis erschossen".

Noemi Staszewski
noemista@t-online.de