israel-tourismus.de / nahost-politik.de / zionismus.info / hagalil.com
Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Auszüge einer Rede von Efrayim Halevy, dem früheren Leiter des Mossad:
"Der Versuch ein Flugzeug in Kenia abzuschießen, war ein Akt des Mega-Terrors"

"Ein Akt des Mega-Terrors gegen Israel verändert die Spielregeln und eröffnet Szenerien, die bisher für die öffentliche Meinung inakzeptabel waren. Angesichts einer derartigen Bedrohung hat Israel eine breite und vielfältige Auswahl an Möglichkeiten zur Reaktion, die besser im voraus nicht enthüllt werden sollten. Für den Welt-Jihad ist der gesamte Globus zur Arena geworden. Es gibt keinen Platz für Kompromisse."

von Ariela Ringel-Hoffman, Yediot Aharonot, 4.12.2002

Unter dem sehr allgemein gehalten Titel "Bericht zur Nationalen Sicherheit" führt Efrayim Halevy, bis vor kurzem Leiter des Mossad und gegenwärtig Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates, Israels Prioritäten für das kommende Jahr auf, mindestens für diesen Zeitraum jedenfalls – und vielleicht auch für lange Zeit danach.

Halevy – als Mossad-Mitarbeiter, als Mitarbeiter des Außenministeriums und in seiner gegenwärtigen Funktion – ist zur wichtigsten Figur in einer sehr kurzen Liste von Politik- und Sicherheitsstrategen in Israel geworden. Er eröffnete die Dritte Herzliya-Konferenz mit den Worten, dass das, was in Mombassa geschah – wenn man sich mehr mit der Absicht als mit dem Ergebnis auseinandersetzt – nichts weniger darstellt, als einen Akt des Megaterrors und unter diesem Gesichtspunkt müssen die Spielregeln geändert werden. Auch wenn er sich sehr undeutlich in bezug auf eine angemessene Antwort ausdrückte, so ließ Halevy keinen Zweifel daran, dass er einen Prozeß in die Wege leiten will, der darauf abzielt, die öffentliche Meinung in Israel auf diese Veränderungen und ihre Konsequenzen vorzubereiten.

Im Rahmen einer der faszinierendsten Reden in den letzten beiden Tagen führte Halevy nicht nur die Themen auf, auf die sich die öffentliche Meinung konzentrieren sollte, sondern auch die Ziele, die sich davon ableiten lassen. Er tat dies bereits in zwei früheren Reden: Auf der letztjährigen Herzliya-Konferenz, als er über die ersten Anzeichen der Öffnung des Iran sprach, und bei der Konferenz, die im Strategischen Planungszentrum (SSC) an der Bar Ilan-Universität stattfand, wo er den generellen Mangel an Ermittlungsarbeit im Westen und besonders in Israel nach dem Terroranschlag vom 9. September 2001 in New York kritisierte.

Halevys Rede, in der er auf die neue Qualität des Terrors einging, stieß auf großes Interesse, auch bei Israels Botschaften und den militärischen Gesandtschaften. CNN zum Beispiel widmete diesem Thema einen besonderen Nachrichtenreport. Nachfolgend die wichtigsten Punkte der Rede von Halevy:

Über die politische Macht

"Israel hat die anständigste Regierung in der Region"

Wie die beiden vorausgegangenen Konferenzen stand auch die Planung für diese Konferenz unter dem Zeichen der Ungewißheit. Keiner der verantwortlichen Planer konnte sich vorstellen, wie sich die Realität im Dezember 2002 darstellen würde. Und sicherlich konnte sich niemand vorstellen, dass sich Israel zu diesem Zeitpunkt mitten in vier verschiedenen Situationen befinden würde, in denen wir leben und mit denen wir fertig werden müssen.
1. Im Inneren befinden wir uns im Wahlkampf, der dem Land plötzlich und ohne Vorwarnung aufgezwungen wurde.
2. Im Krieg gegen den weltweiten Terror sind nur wenige Tage vergangen, seit dem mißglückten Versuch, ein Flugzeug mit Hunderten von Passagieren abzuschießen. Dieser Vorfall stellt einen bedeutenden und wichtigen Zeitpunkt in bezug auf die neue Qualität des Terrors dar und sollte nicht nachlässig behandelt werden.
3. Der Kampf gegen die internationale Bedrohung, den Massenvernichtungswaffen darstellen, befindet sich in seiner Countdown-Phase gegen den Irak unter seinem Führer Saddam Hussein.
4. Und der vierte Vorgang stellt die grundlegenden Prozesse dar, die sich innerhalb der palästinensischen Gesellschaft und der palästinensischen Behörde abspielen – Prozesse, die vielleicht erste Anzeichen dafür sind, dass die palästinensische Öffentlichkeit vom Alptraum des individuellen und nationalen Selbstmordes erwacht.

Zwei Vorgänge auf internationaler Ebene, zwei auf örtlicher und regionaler Ebene. Alle vier stoßen oft zusammen und entfernen sich wieder voneinander, wenn sie auf uns treffen und sich auf unser Leben auswirken – auf unser tägliches Leben und auf unser langfristiges nationales Leben.

In solchen Zeiten stellt die Vorlage des nationalen Sicherheitsberichtes keinen normalen regelmäßigen Vorgang dar, der in festen Abständen in einer geplanten und festgelegten Form vor sich gehen kann – jährlich oder zweimal im Jahr. Wir müssen den nationalen Sicherheitsbericht als einen fortwährenden und anhaltenden Vorgang betrachten und versuchen, ihn immer wieder auf seine Richtigkeit zu überprüfen, wann immer sich Vorfälle ereignen, die das innenpolitische oder ausländische Szenario strategisch verändern. Dies stellt eine sehr schwierige Aufgabe dar, die sowohl erstklassiges Personal wie der Aufmerksamkeit von politischer Seite bedarf.

Viel ist über die Komponenten der nationalen Macht geschrieben und gesprochen worden. Ich werde meine eigene persönliche Meinung vorlegen. Viereinhalb Jahre lang diente ich als Leiter des Mossad – unter drei Ministerpräsidenten und vier Verteidigungsminister. In dieser ganzen Zeit gab es eine ständige Regierungsgewalt, unter der Entscheidungen gefällt werden und alle Bereiche der Sicherheitseinrichtungen handeln konnten, ohne dass es Probleme oder Behinderungen gab. Zu keinem Zeitpunkt waren die Kommunikationseinrichtungen zwischen Israel und der Außenwelt unterbrochen – was darunter auch immer zu verstehen ist.

Israels Fähigkeit, Regierungsstabilität beizubehalten und diese zu stärken, ist ein erstklassiges nationales Guthaben und ist auch international von Bedeutung. Das Wort, dass Israel die einzige unter den Demokratien im Nahen Osten ist, wird durch die Aussage ersetzt, dass Israel die stabilste und anständigste Regierung in der Region hat.

Im Gegensatz zur Fähigkeit Israels und der Regierungen des Landes, auf der Sicherheitsebene eine verläßliches und wirkungsvolles Regierungssystem aufzubauen und beizubehalten, sind wir nicht klug genug gewesen, parallel dazu eine Zivileinrichtung zu bilden, um mit den wirtschaftlichen und sozialen Problemen mit ähnlichem Erfolg fertig werden zu können.

Die Fähigkeit der Regierungen und der Befehlshaber, gleichzeitig mit verschiedenen Krisen von außen und von innen fertig werden zu können, ist nicht von unendlicher Dauer, und unter diesen Umständen ist die gegenwärtige wirtschaftliche Krise im Bereich der Arbeitslosigkeit kritisch, da sie, neben anderen Bereichen, auch die nationale Sicherheit berührt.

 

Über den versuchten Anschlag auf das Flugzeug
"Die öffentliche Meinung wird auf internationaler Ebene die Spielregeln verändern"

Und jetzt zum Vorfall in Mombassa und seinen Platz im Kampf gegen den Weltterror. Vom internationalen Standpunkt aus gesehen wäre es richtig, sich so zu verhalten, als wenn er zu einer Katastrophe geführt hätte, und die neue Realität aus dieser Perspektive zu betrachten. Die Durchführung eines Mega-Terror-Anschlages gegen Israel durch den Welt-Jihad oder durch irgendeine andere Terrororganisation, verändert die Spielregeln, ändert die nationale Stimmung und schafft eine internationale Dynamik, die Möglichkeiten eröffnet, die bisher für die öffentliche Meinung inakzeptabel waren.

Ein Mega-Terror-Anschlag, wie der Anschlag auf die Twin Towers in New York oder auf den Pentagon in Washington führte sowohl innerhalb der Vereinigten Staaten wie in bezug auf das Verhalten der USA bei internationalen Vorfällen zu einer Kettenreaktion. Innerhalb eines Jahres handelten die Vereinigten Staaten in Afghanistan und führten einen unnachgiebigen Krieg gegen die Taliban und Al-Quaida, und eröffneten gleichzeitig ein Kriegsszenario gegen den Irak – worin wir uns in den letzten Monaten der Vorbereitungen befinden. Die Regeln haben sich geändert: Besondere Gerichte wurden eingerichtet; in dieser Woche unterschrieb Präsident Bush ein Dokument, mit dem eine Behörde für Heimatsicherheit gegründet werden soll, die über 150 Mitarbeiter aufweisen wird.

Wer auch immer versucht hat, Israels nationalen Sicherheitsbericht zu überprüfen, muß von der Arbeitsgrundlage ausgehen, dass ein erfolgreicher Mega-Terror-Vorfall sofort eine ganze Reihe von Verhaltensregeln ändern wird. Die Grundlage dieser vor uns stehenden Bedrohung kommt einem Völkermord gleich – die Zerstörung eines Staates und seiner Grundlagen. Angesichts einer derartigen Bedrohung hat Israel eine breite und vielfältige Auswahl an Möglichkeiten, die besser nicht im Voraus enthüllt werden. Die internationale öffentliche Meinung wird vielleicht die Veränderung der Spielregeln und die Art, wie es gespielt wird, verstehen, akzeptieren und auf eine internationale Ebene stellen.

Über die Vereinigten Staaten

"Israel hat ein übergeordnetes Interesse daran, dass die Vereinigten Staaten aus dieser Auseinandersetzung siegreich hervorgehen"

Aus Sicht der Vereinigten Staaten steht das Land an der Spitze einer internationalen Front im Kampf für die Wahrung der Grundrechte aller freiheitsliebenden und demokratischen Länder in der ganzen Welt. In dieser Hinsicht würden es die Vereinigten Staaten, ebenso wie sie selbst dazu bereit sind, Saddam Husseins Regime zu bekämpfen, gerne sehen, wenn die islamischen Länder gegen die extremistischen und fundamentalistischen Kräfte in ihren eigenen Grenzen vorgehen.

Israel hat ein übergeordnetes Interesse daran, dass die Vereinigten Staaten siegreich aus dieser Auseinandersetzung hervorgehen – ein Interesse, das nicht danach ausgerichtet ist, von der Welt mit Beifall überschüttet zu werden, sondern vielmehr das Eigeninteresse im Auge hat, da sich Israel mitten im Herzen der Region befindet, in der dieser Kampf gegen den islamischen Terror stattfindet. Die Möglichkeiten und Pläne der Vereinigten Staaten werden zu Teilen der israelischen nationalen Sicherheitsplanungen.

Nie zuvor haben sich die Interessen von Israel und der Vereinigten Staaten derartig gedeckt. Deshalb ist es für Israel nicht nötig gewesen, seine eigene internationale Politik zu überprüfen, wenn es die Bedürfnisse und Interessen der USA berücksichtigte. Wenn die Vereinigten Staaten siegreich sein sollten, was viele von uns hoffen, wird es im Nahen Osten grundlegende Veränderungen geben. Zwei der drei Länder, die der US-Präsident als die Achse des Bösen bezeichnete – Iran und Irak – befinden sich nicht nur in der Region, sondern sie produzieren Massenvernichtungswaffen, die ausdrücklich gegen Israel gerichtet sind.

 

Über die Europäischen Staaten:
"Israel hat keinen Grund, ihre Hilfe abzulehnen"

Über Dutzende von Jahren hinweg waren wir daran gewöhnt, die Sowjetunion als wichtigsten Verbündeten unserer Feinde zu betrachten. In drei großen und blutigen Kriegen kämpften wir gegen die besten sowjetischen Waffen zu Land, zur See und in der Luft. Die UdSSR hat mehrere Generationen lang unsere arabischen Feinde massiv militärisch unterstützt.

Heute hat sich das Bild grundlegend geändert. Heute unterstützt Rußland zum Beispiel zwar immer noch militärisch Syrien. Es ist im Irak involviert und das, was dort geschieht und es hat seine Unterstützung für den Iran auf dem Gebiet der nichtkonventionellen Waffen nach wie vor nicht eingestellt. Dennoch hat sich Rußland mit den Vereinigten Staaten im Krieg gegen den Welt-Jihad verbündet und unterstützt die kürzliche Resolution des Sicherheitsrates, die den Irak zwingen soll, die genaue Inspektion innerhalb seiner Grenzen zu gestatten.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist zu erkennen, dass es Gebiete gibt, auf denen Rußland und Israel ähnliche – wenn nicht sogar identische – Interessen haben. Die Änderung in der Haltung Rußlands bietet eine breite Grundlage für positives israelisches Verhalten. Israel will von der russischen Hilfe auf jenen Gebieten einen Nutzen ziehen, wo ein solcher Beistand sowohl möglich wie erwünscht ist, und handeln, um die Bedrohung gegenüber Israel zu minimieren, indem es die Hilfe von Rußland auf vielen Gebieten in Anspruch nimmt, besonders im Bereich der Sicherheit. Was einstmals als ein erfundenes und unvorstellbares Szenario erschien, ist heute sowohl möglich wie Realität, und dient den Sicherheitsinteressen von Israel.

Was Europa und seine Auswirkung auf Israels Sicherheitsgleichgewicht angeht, so muß man deutlich zwischen Europas gemeinsamer Stimme und der praktischen Politik von Schlüsselländern gegenüber Israel unterscheiden.
Während die gemeinsame Stimme Israel angreift und sein Vorgehen kritisiert und diese gleichzeitig den Palästinensern uneingeschränkte Unterstützung zukommen läßt, verhalten sich wichtige europäische Länder wie Großbritannien, Deutschland und Spanien anders und sie handeln auch anders, und Israel hat keinen Grund ihre Hilfe abzulehnen.

 

Über die Palästinenser
"Ihre Führungskrise könnte eine Reihe von qualitativ anderen Führungspersönlichkeiten hervorbringen"

Die Art des Kampfes, vom Standpunkt des Welt-Jihad aus gesehen, wird davon bestimmt, dass es keine festen Grenzen gibt, keine klar definierten Landmassen, keine regulären Kräfte; alle bisher gekannten Formen der Kriegführung sind null und nichtig. Deshalb ist die ganze Welt zu einer einzigen Arena geworden. Wer auch immer ein Stück Land kontrolliert, muß davon ausgehen, dass sein Gebiet für terroristische Aktivitäten genutzt werden kann – von einzelnen Selbstmordattentätern und von Massenterroristen. Es gibt keine Kompromißhaltungen mehr. Wer sich auch immer für neutral hält – ist nicht neutral. Wer auch immer Terroristen hilft – identifiziert sich mit dem Terror.

Es ist möglich, dass aus zeitlichen Gründen oder wegen anderer Prioritäten, nicht alle gleichzeitig bekämpft werden können, die den Terror unterstützen. Es kann sehr gut sein, dass diese oder jene Person einen Aufschub erhält. Aber letzten Endes wird jeder, der seine Einstellung nicht eindeutig hier und jetzt zum Ausdruck bringt und diese Einstellung nicht mit praktischen Taten untermauert, ganz offensichtlich als Förderer des Terrors gilt und dafür voll bezahlen muß.

Die immer lauter werdenden Stimmen gegen die Palästinenser, die sich gegen die Intifada und weitere Selbstmordattentate aussprechen, sind nicht jene von unehrlichen Maklern. Sie sind die Stimmen von anständigen Menschen, die wissen, wie man die politische, regionale und internationale Landkarte lesen muß und die fürchten, dass wenn die Palästinenser ihre Terroranschläge fortsetzen, die echte Gefahr besteht, dass die nationale palästinensische Bewegung untergehen wird.

Die palästinensischen Persönlichkeiten, die heute ihr Haupt erheben, egal ob zögernd oder mit Selbstvertrauen, tragen nicht zu Israels Sicherheitsbedürfnis aus Sympathie für den Zionismus oder für seine Ziele bei. Sie nehmen ihre Haltung ein, weil sie in der Tat über das Schicksal der Palästinenser auf regionaler und internationaler Ebene besorgt sind, angesichts der Realität, die sich vor ihren Augen entfaltet.

Israel hat während der Intifada einen hohen Preis an Menschenleben bezahlt und tut dies nach wie vor. Wenn nur diese Intifada nicht weiter durch die Unterstützung und Ermutigung von seiten der palästinensischen Behörde an Stärke gewinnen würde, die nicht damit aufhört, die Selbstmörder – die Shuhadah – seit Wochen und Monaten zu preisen.

Es gibt keinen Trost für den Tod all jener, die mit nie zuvor dagewesener Roheit getötet und ermordet worden sind. Jedoch, bei allen Gefühlen der Wut und des Verlustes, ist es wichtig festzustellen, dass es am Ende dieses über zweijährigen Prozesses voller Blutvergießen erste Anzeichen dafür gibt, dass die Palästinenser erkennen, dass der Preis, den sie für ihre ungerechten Handlungen bezahlen und bezahlt haben, zu hoch sein wird, falls sie ihre Richtung nicht schnell ändern. Diese entstehende Erkenntnis ist nicht von sich aus entstanden, sondern ist ein Thema für einen anderen Vortrag.

In Israels nationalem Sicherheitsbericht für den Dezember 2002 kann auf der Habenseite die grundlegende Krise vermerkt werden, die sich in der palästinensischen Führung entwickelt – eine Krise, die eine Reihe von neuen Führern hervorbringen könnte, die anständiger, pragmatischer und verläßlicher sein wird.

Keren Hayesod 25-12-2002

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem