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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Russische Einwanderer:
Perestroika im Land der Sabras

Nach einem Artikel von Eli Bradenstein – Maariv-Ferienbeilage vom 22.9.06

Es gibt in allen Bereichen der Gesellschaft Israels Erfolgsgeschichten ● Vor allem russische Einwanderer machen in ihrer neuen Heimat Karriere ● Acht Beispiele

Es wird wahrscheinlich noch 20 – 30 Jahre dauern, bevor wir wirklich die Auswirkungen der Gorbatschov-Perestroika begreifen werden. Sie öffnete die Tore des Eisernen Vorhanges, durch die ein Strom von Hunderttausenden von Menschen mit einer zerstörten oder nur teilweise vorhandenen jüdischen Identität strömten, direkt hinein in die ländlichen Strassen von

Bat Yam, Haifa und Jerusalem. Dieser Strom bestand aus Juden mit heller und dunkler Hautfarbe, Juden von verschiedener Nationalität, Atheisten und der Strom enthielt sogar einen kleinen prozentualen Anteil von Christen. Sie bestanden aus hoch gebildeten und kaum gebildeten Menschen, sie kamen aus kulturellen Zentren wie Moskau, St. Petersburg und Riga, aber auch aus jenen Menschen, die in Provinznestern und Städten wie Belaya-Tserkov, Zolotonosha und Andijan geboren worden waren. Sie alle wurden am Tag ihrer Ankunft zu israelischen Bürgern.

Wer sind sie? Sind sie zu Israelis geworden? Haben sie ihre russische Kultur beibehalten? Und da dies eine riesige Menschengruppe ist, ist sich diese ihrer eigenen Macht bewusst, sprechen wir über eine neue soziale und kulturelle Kraft und Ordnung, die es bisher in dieser Region nicht gegeben hat?

Juden sind schon immer tief verwurzelte Anhänger einer verfluchten kosmopolitischen Einstellung und Lebensart gewesen, sogar nachdem sie in grünen Tälern der Ukraine erschossen wurden oder in den ländlichen Städten des eroberten Polens erhängt wurden. Aber die Geschichte hat ihre eigenen Gesetze, und eine Million neue Einwanderer aus der früheren Sowjet-Union sind in Israel seit Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrzehnts eingewandert. Die Zeiten haben sich verändert und trennen diese Menschen nicht mehr von uns. Sie sind zu einem Teil von uns geworden, genauso wie wir zu einem Teil von ihnen geworden sind. So wie sie sich in dieses raue Land eingliedern, so absorbieren sie auch uns. So wie sie sich ändern, müssen auch wir uns ändern. Sie leben hier im Land und nicht in einem parallelen israelischen Universum. Und sie gehören auch keiner seltenen oder fremden Art oder Lebensform an. Sie essen und trinken, lachen und weinen, arbeiten in drei Berufen gleichzeitig oder manchmal auch nur in zwei, einschließlich an Samstagabenden, und sie wollen in Würde leben und ihren Kindern eine Zukunft bieten. Genauso wie der durchschnittliche Sabra (*im Land geborene Israeli). 

Prof. Larissa Remennick, 45, Leiterin der Soziologie-Abteilung an der Bar Ilan Universität

Wie ein Fisch im Wasser auf den Strassen Israels

Prof. Remennick wanderte im Jahre 1991 mit ihrer Tochter aus Moskau in Israel ein. Sie leitete die Soziologie-und Anthropologie-Abteilung an der Bar Ilan-Universität von 2002-2004 und wird ihre Stelle nach zweijähriger Unterbrechung in diesem Jahr wieder einnehmen.

Eine Russin in Israel

"Jeder, der aus der sowjetisch-russischen Kultur hier herkommt, erfährt einen Kulturschock nach der Ankunft in Israel. Bei all den Farben, Geräuschen, Gerüchen, der Straßenkultur und den verschiedenen Sprachen benötigte ich eine ganze Zeit, mich an die neue Lebensart zu gewöhnen und an die berühmte levantinische Art des Landes. Aber die Eingewöhnung fiel mir im Vergleich zu vielen anderen sehr leicht, da ich sehr schnell Arbeit in meinem Beruf fand. Heute fühle ich mich auf den Strassen Israels wie ein Fisch im Wasser.

Die Glas-Decke

"Ich war erfolgreich, weil ich bereits in meiner Jugend wusste, dass ich die UdSSR verlassen würde. Deshalb schuf ich mir das Image eines westlichen Wissenschaftlers und begann noch in Moskau Artikel in Englisch zu veröffentlichen.  Aber viele Einwanderer meiner Generation werden die besten Stellen nie erhalten, einfach weil sie hier nicht aufgewachsen sind. Um bis an die berufliche Spitze zu gelangen, benötigt man Verbindungen, die bis auf die Kindheit zurückgehen. In Israel helfen sich jene Leute gegenseitig, die sich bereits lange Zeit kennen, eine gute Stelle zu finden, und dies stellt ein wirkliches Hindernis für neue Einwanderer dar, denen es auch an Sprachkenntnissen fehlt.  Doch wir dürfen nicht vergessen, dass wir Einwanderer sind, und ich bin mir ganz sicher, dass die zweite Generation, diejenige, die nunmehr hier aufwächst, sehr erfolgreich sein wird und zu einem integrierten Teil der Elite Israels werden wird."

Traum

"Ich möchte meine Tochter glücklich und erfolgreich sehen und das ist nicht einfach. Alles ist ihr noch etwas fremd, aber ihr stehen alle Möglichkeiten offen."
 

Amir Kremer MD, 50, Leitender Herzchirurg am Ichilov Hospital

Sein Ehrgeiz: Sabra-Enkelkinder

Als Dr. Amir Kremer im Jahre 1990 aus Moskau in Israel einwanderte, hieß er noch Vladimir und nach seiner Ankunft wählte sein Sohn den Namen „Amir" für ihn. Heute ist Dr. Kremer leitender Herzchirurg in der Thorax & Herzchirurgie-Abteilung am  Ichilov Hospital.

Ein Russe in Israel

"Als wir nach Israel kamen, fühlten wir uns gar nicht einmal so fremd hier. Wir verbrachten die ersten beiden Wochen bei Verwandten im Kibbuz Beit Hashita. Wir zogen dann nach Jerusalem, weil dort die Studiengänge für Mediziner abgehalten wurden. Wir wohnten in Ramat Sharett, einer  wohlhabenden Wohngegend, die ausschließlich Israelis vorbehalten war und die Kinder passten sich schnell an die Kultur und die Sprache an. Wir hatten in jenen Jahren viel zu tun und irgendwie haben wir die russische Erziehung der Kinder vernachlässigt. Heute sind unsere Kinder nur noch etwa 5 % Russen und sie sprechen auch die Sprache kaum noch. Sie ziehen israelisches Essen vor und hassen "unser Ashkenazi-Essen" – wie sie den Borscht und Silodka (Hering) bezeichnen, die wir zubereiten.

Ich habe das Gefühl, dass ich zu allem gehöre, was hier geschieht, besonders nach all den Kriegen, die wir überstanden haben und dem Libanon-Krieg, in dem mein Sohn kämpfte. Er ist bei den bewaffneten Fahreinheiten. Heute fühle ich mich kaum noch wie ein Einwanderer. Eine Sache werde ich nie vergessen: Als die Kinder klein waren und wir in Tel Aviv oder in Jerusalem spazieren gingen, baten sie uns darum, kein Russisch in der Öffentlichkeit zu sprechen."

Die Glas-Decke

"Es gibt eine natürliche Glas-Decke und das hat damit zu tun, weil die meisten Menschen, die einwandern, dies in einem relativ fortgeschrittenen Alter machen und sie brauchen viel Zeit, um sich hier einzuleben und Fortschritte zu machen, auch beruflich. Ich erinnere mich daran, als ich am Ichilov-Hospital begann, gab es nur wenig russisch-sprechendes Personal. Heute ist das Krankenhaus voller ehemaliger Einwanderer, die leitende Stellen in allen Abteilungen innehaben. Meine Frau bestand ihre Medizin-Examen in einem späteren Alter und heute ist sie die einzige weibliche Managerin in der Clalit-Gesundheitsfürsorge. Mein Bruder leitet die Chirurgie-Abteilung am Lin-Hospital in Haifa. Es gibt viele derartige Beispiele."

Traum

"Ich träume immer wieder davon, echte Sabra-Enkelkinder zu haben."
 

Oberst Shlomo (Sanya) Dagan, 41, IDF-Militär-Attaché an der israelischen Botschaft in Moskau

In Moskau mit der israelischen Flagge

Shlomo Dagan war 8 Jahre alt, als er 1973 aus Kishinev, damals Teil der UdSSR, mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Israel einwanderte. Er stieg schnell innerhalb der Kommando-Struktur der IDF auf und diente als ein Regiments-Kommandeur der Givati-Brigade wie auch als Kommandeur der Süd-Brigade in Gaza. Shlomo dient gegenwärtig als IDF-Militär- Attaché an der israelischen Botschaft in Moskau.

Ein Russe in Israel

"Ich erinnere mich an meinem ersten Schultag in Israel. Sie stellten mich den anderen Schülern vor und erzählten der Lehrerin, dass ich kein Hebräisch verstand. Sie sagten ihr auch, dass wenn ich während des Unterrichts meine Hand hob, dies lediglich ein Zeichen dafür war, dass ich das Klassenzimmer verlassen wollte. Eines Tages nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, überwand meine Scheu und erhob meine Hand, um eine Frage zu beantworten. Statt mich reden zu lassen, erlaubte mir die Lehrerin, das Klassenzimmer zu verlassen. Aber die Dinge richteten sich bald ein.

Mein Vater, der von Stalin für 20 Jahren mit seiner Familie nach Sibirien verbannt worden war, kämpfte darum, nach Israel auswandern zu dürfen, und das gegen den Wunsch meiner Mutter. Es konnte es fast nicht mehr aushalten, in der UdSSR zu leben.

Ich hatte immer das Gefühl, das ich reservierter als im Land geborene Israelis bin, weniger laut und scheuer. Eines meiner Integrationsprobleme war mein Akzent, den ich auch heute noch habe. Er stellt dich sofort in eine besondere Ecke. Ich wollte mein Russisch nach meiner Ankunft gleich vergessen, aber meine Mutter zwang mich, aus einem Buch Geschichten von Hans Christian Andersen auf Russisch zu lesen und jeden Tag eine weitere Seite daraus auswendig zu lernen. Sie sagte, dass eine Sprache eine Anlage sei und heute weiß ich, dass sie Recht hatte.

Meine Arbeit als IDF- Attaché an der israelischen Botschaft in Moskau stellt für mich das Schließen eines Kreises dar. Ich verließ das Land vor über 30 Jahren und ich kehrte zurück und reise als IDF-Oberst umher, mit der Fahne von Israel auf meiner Uniform, es ist erstaunlich."

Die Glas-Decke

Ich glaube, dass es etwas Derartiges nicht gibt. Letzten Endes liegt es an jedem einzelnen selbst, seine Ziele zu erreichen."

Traum

Mein Traum ist es, meine Arbeit so gut zu verrichten wie ich nur kann, und die Interessen der IDF, des Verteidigungsministeriums und von Israel hier in Russland zu vertreten. Was als nächstes folgt? Das hängt davon ab, ob mich die IDF weiterhin benötigt oder nicht. Ich weise auch nicht die Möglichkeit zurück, gemeinsam mit Menschen hier Russland etwas zu entwickeln.
 

Alex Averbuch, 32, Europameister im Stabhochspringen 2006

Im Stadion wurde nur Russisch gesprochen

Alex Averbuch wanderte 1999 aus Irkutsk, Russland, gemeinsam mit seiner Frau und Tochter in Israel ein. Seine zweite Tochter wurde in Israel geboren.

Ein Russe in Israel

"Es gibt hier Probleme, aber ich liebe Israel und wir werden mit den Problemen fertig. Vor allem muss man ein anständiger Mensch sein, egal wo man lebt. Bei mir zuhause gibt es Familienregeln und erst dann folgen die Regeln der Strasse. Wir müssen uns manchmal gegen das wehren, was unsere Kinder auf der Strasse lernen. Ich würde es begrüßen, wenn Lehrer daran teilnehmen würden, unseren Kindern gutes Benehmen beizubringen. 

Wir sprechen mit den Kindern Russisch, um die Sprache zu bewahren und weil ihnen ihre Sprachkenntnisse in der Zukunft nützen könnten. Ich spreche zuhause und auf Reisen nur Russisch, aber ich versuche Hebräisch zu sprechen und es zu verbessern. Man kann hier ganz gut auch ohne Hebräischkenntnisse leben, besonders wenn dein Bankkonto gut genug gefüllt ist. Aber wenn man hier leben will, wenn man weiterkommen und Menschen treffen möchte, dann ist es notwendig, Hebräisch sprechen zu können.

Die Glas-Decke

"Alle wissen hier, dass es eine Glas-Decke gibt, die man nicht überwinden kann. Andererseits gibt es hier immer eine hilfreiche Hand, die verhindert, dass du fällst. Es ist schwer, bis an die Spitze zu gelangen, da wir Russen erst vor kurzem nach Israel gekommen sind, und jene, die hier aufgewachsen sind, haben ihre eigenen Ideen und verfolgen ihre eigenen Ziele. So habe ich zum Beispiel nach wie vor keinen Sponsor hier, außer dass ich von verschiedenen Seiten unterstützt werde. Wäre ich ein Sportler, der von hier stammt, ginge es mir besser. Dies ist ein kleines Land, wo alles von persönlichen Beziehungen abhängt und davon, die richtigen Leute zu treffen."

Traum

"Ich möchte Hebräisch lernen, weil ich viel zu sagen habe und mein Hebräisch nicht gut genug ist. Wenn ich Hebräisch sprechen kann, werde ich viele interessante Dinge zu sagen haben."
 

Anna Azari (Edelstein), 46, Israels nächste Botschafterin in Moskau

"Ich ärgerte auf Hebräisch meine Lehrer sehr"

Anna wanderte im Jahre 1972 aus Litauen nach Israel ein. Sie war damals etwas über 12 Jahre alt und sie begann ihre Laufbahn im Außenministerium im Jahre 1983. Sie diente später in der Osteuropa-Abteilung und arbeitete auch als israelischer Konsul in San Francisco. Sie wurde 1995 nach Moskau geschickt, wo sie als Gesandte arbeitete und wurde 1999 zum israelischen Botschafter in Kiew ernannt. In den letzten beiden Jahren war sie für die Euro-Asien-Abteilung des Außenministeriums zuständig und sie wird bald ihre Stelle als israelischer Botschafter in Moskau antreten. Sie ist mit Rabbiner Meir Azari verheiratet und sie haben zwei Kinder.

Eine Russin in Israel

"Man darf nicht vergessen, dass ich zionistische Aliyah machte und ich ging ganz darin auf. Ich war nicht traurig, die UdSSR zu verlassen und es fiel mir nicht schwer, mich in Israel zu integrieren. Ich war ein extrovertiertes, rebellisches Kind und ich begann mich mit den Lehrern zu streiten, sobald ich genug Hebräisch gelernt hatte, was sehr schnell ging. Ich entstamme einer intellektuellen Familie mit einem Vater, der die russische Lyrik und Literatur liebte und Musik für russische Gedichte komponierte. Also war ich sowohl eine 100%ige Israelin während ich gleichzeitig der russischen Kultur ausgesetzt war, die unser Heim bestimmte.

Im Außenministerium hatte ich die Wahl, mich auf andere Gebiete zu konzentrieren, aber ich zog es vor, mich auf Russland zu konzentrieren. Es scheint so, als ob ich mich prüfe, was mit mir geschehen wird, wenn ich wieder der russischen Kultur ausgesetzt bin, in der ich sowieso völlig aufgegangen wäre, wenn ich dort geblieben wäre. Ich wäre wahrscheinlich eine Pianolehrerin geworden."

Die Glas-Decke

"Zu dem Zeitpunkt als ich als Erwachsener Teil der israelischen Gesellschaft wurde, wurde ich nicht mehr als Russin angesehen. Es war vielmehr so, dass das Büro in den Jahren 1994-1995 verzweifelt einen Gesandten für Moskau suchte und niemand wusste dort, dass ich russisch sprach. Jemand informierte sie und erst dann kamen sie auf mich zu. Also war die Glasdecke kein  Problem für mich. Was interessant ist: heute ist es eines unserer größten Probleme, in einem Land mit einer Million russischer Einwanderer, russisch-sprechende Anwärter für den diplomatischen Dienst zu finden und sie anzuwerben.

Traum

"Alle meine Träume haben damit zu tun, in meiner neuen Position Erfolg zu haben."
 

Nekuda Zinger, 46, Künstler und Schriftsteller; Gali-Dana Zinger, Dichterin und Übersetzerin

Kulturschock und Eingewöhnung

Gali-Dana Zinger ist eine Dichterin, Redakteurin und Übersetzerin und ihr Ehemann Nekuda Zinger ist ein Schriftsteller und Übersetzer für Hebräisch und Russisch. Sie sind Mitherausgeber der hebräisch-russischen Publikation "Nekudotaim" (auf Hebräisch: Doppelpunkt). Nekuda Zinger wurde 1960 in Novosibirsk, Russland, geboren und kam 1988 nach Israel. Er nahm an über 30 Gruppenausstellungen in Israel und im Ausland teil und hat 11 Einzelausstellungen gehabt. Sein Buch "Karten an der Theaterkasse" wurde in diesem Jahr veröffentlicht. Gali-Dana Zinger wurde in St. Petersburg geboren und auch sie kam 1988 nach Israel. In den vergangenen Jahren hat sie ein russisch-sprachiges Literatur-Journal herausgegeben, veröffentlichte drei Gedichtbände und erhielt den 2000 Dichter-Preis beim Dichter-Festival in Metula.

Ein Russe in Israel

Gali-Dana: Als wir nach Israel kamen, war alles ganz anders als wir es uns vorgestellt hatten. Ich fand viel weniger Ideologie vor und es war mehr östlich ausgerichtet, aber am Ende wandte sich alles zum Guten. Es war zuerst der Fall eines totalen Kulturschocks, besonders auf visueller Ebene. Es war alles ganz anders und nichts entsprach dem, was in unserer Vorstellung existierte."

Nekuda: Israel bietet uns viele Vorteile. Keiner meiner Freunde, die in andere Länder auswanderten, fühlen sich in Frankreich, Holland oder Deutschland zuhause. Hier fühlen wir uns jedoch zuhause, wir fühlen, dass wir zu dem Ort gehören, in dem wir leben und zur Gesellschaft, die hier lebt. Wir denken nicht völlig wie ein Israeli, aber wir fühlen uns als Juden zuhause, in einem jüdischen Land und in einer jüdischen Gesellschaft."

Die Glas-Decke

Gali-Dana: Ich hatte viele Probleme, bis ich merkte, dass ich viele Dinge ignorieren konnte und das tun durfte, was ich wollte. Diese Erkenntnis war ein Zeichen der Reife."

Nekuda: Für uns geschah der Reifeprozess noch in Russland, bevor wir das Land verließen. Auch dort standen wir vor der Wahl kommerziell zu werden oder zuhause zu bleiben und zu arbeiten, etwas zu schaffen, nicht notwendigerweise, um etwas zu verdienen. Doch das ist die Natur der Welt.

Traum

Gali-Dana: Ich selbst zu bleiben. Nicht zu einem Opfer der Welt zu werden.

Nekuda: Ich habe mehrere Ideen, die ich in die Realität umsetzen möchte und ich hoffe, dass diesen Ideen weitere folgen werden, die es zu realisieren gilt.
 

Ronnie Vinikov, 32, leitender Jewish Agency-Berater für russisch-sprachige Einwanderer

Man muss durchsetzungsfähig und frech sein

Ronnie Vinikov wurde in Chernigov, Ukraine, geboren und wanderte 1990 mit seinen Eltern und seinem Bruder nach Israel ein. In den vergangenen Jahren diente er als stellvertretender Sprecher der Jewish Agency für Russisch und als leitender Gesandter für die russisch-sprechende Gemeinde in den Vereinigten Staaten.

Ein Russe in Israel

"Ich litt unter ernstem Antisemitismus in der Ukraine und es fiel mir schwer, Freunde zu finden. Meine Eltern entschieden sich widerstrebend dazu, unseren Namen Frantzman in den Namen meines Großvaters, Vinikov, zu ändern, was weniger jüdisch klang. Zum ersten Mal empfand ich mich im Jahre 1989 als gewöhnliches menschliches Wesen, ich schloss Freundschaften und hatte sogar eine Freundin, ich empfand mich als gleicher unter gleichen.

Aber dann kündigten meine Eltern plötzlich an, dass sie nach Israel auswandern würden. In Israel verstand ich zum ersten Mal was ich eigentlich als Jude empfand, ohne verlegen zu werden oder meine wahre Identität verbergen zu müssen. Andererseits war nicht alles rosig. Ich werde nie vergessen, wie während unseres ersten Jahres hier, sich unsere marokkanischen Nachbarn in Bat Yam darüber beschwerten, dass wir ihnen ihre Wohnungen und Autos wegnehmen würden und sie uns anschrieen und uns bespuckten. Das war teilweise auf unsere schlechte wirtschaftliche Lage zurückzuführen. Im Supermarkt sah ich immer wieder eingesessene Israelis mit vollen Einkaufswagen, während ich mir kaum zwei Scheiben Pastrami und Ersatzbrot leisten konnte. Ich habe mir oft die 17 Schekel, die mir meine Mutter immer für die Busfahrt gab, gespart und bin mit einem wackeligen Fahrrad zur Schule gefahren, damit ich ein Mädchen ins Kino einladen konnte."

Die Glas-Decke

"Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Man muss durchsetzungsfähig und frech sein. Die Gesetze im Kapitalismus sind so, dass ein Erwachsener ohne die Sprache und ohne die richtigen Qualifikationen keine Arbeit findet. Meine Eltern, beide Akademiker, sind bis auf den heutigen Tag arbeitslos. Was mich zum Teil treibt ist der Wille ihnen zu beweisen, dass ihre Opfer, die sie auf sich genommen haben, nicht umsonst gewesen sind."

Traum

"Dem Land zu dienen, das mich und meine Eltern so gut aufgenommen hat wie es nur möglich war und an den Prozessen beteiligt zu sein, die Israel formen."
 

Michael Mirkin, 59, Merhav-Gruppe, Vize-Präsident für CIS und Zentral-Asien

Russische Kultur von Geburt an

Michael Mirkin wanderte 1990 nach Israel ein. Er stammt aus Mogilov, Weißrussland, wo er als Lastwagen-Mechaniker und Ausbilder arbeitete. Nach seiner Ankunft in Israel arbeitete er in mehreren Berufen, die seinen Qualifikationen nicht entsprachen und er begann nach zwei Jahren für die Merhav-Gruppe zu arbeiten, die von Yossi Maimon geleitet wurde, als Repräsentant  der Gruppe für die CIS-Staaten. Er war in den vergangenen fünf Jahren der Vize-Präsident der Firma und seit 2003 ist er auch als Honorarkonsul für Turkmenistan in Israel tätig.

Ein Russe in Israel

"Es gibt zwischen mir und den eingesessenen Israelis einen Graben, wenn auch keinen sehr tiefen. Ich glaube auch nicht, dass er etwas Negatives darstellt. Es hat einfach damit zu tun, dass ich mit der russischen Kultur und Sprache wie mit der Muttermilch groß gezogen wurde, und dies ist schon seit 43 Jahren so.  Ich fühle mich jedoch nicht fremd hier und das geht auch meiner Familie so. Wir haben keine Einwanderungskrise erlebt und haben unsere Einwanderung nach Israel nie als Fehler aufgefasst. Wenn man Kikar Hamedina (angesehenes Einkaufszentrum) besucht, dann trifft man dort mehr Russen als irgendeine andere Bevölkerungsgruppe. Das heißt, dass es den Leuten gut geht."

Die Glas-Decke

"Nach Israel im Alter über 40 Jahren einzuwandern ist sehr schwer und man muss ganz von vorne beginnen. Jene, die es nicht schaffen, suchen immer nach Entschuldigungen und in den meisten Fällen vermeiden es die Menschen, die Fehler bei sich selbst zu suchen und sie suchen diese woanders.  Es gibt in Israel keinen Antisemitismus, den man für seinen Misserfolg verantwortlich machen kann, wie es der Fall in den CIS-Ländern war. Jene, die keinen Erfolg haben, machen oft die neuen Einwanderer für die negative Einstellung verantwortlich. Ich glaube nicht, dass es in Israel eine Glasdecke gibt. Es gibt natürlich Vorfälle, wo neue Einwanderer nicht gut behandelt werden, aber im Allgemeinen hat Israel gegenüber neuen Einwanderern eine sehr positive Einstellung."

Traum

"Ich träume vom Frieden für Israel. Alles andere hat das Land bereits."

Keren Hayesod 28-10-2006

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem