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Reisegruppe mit KH-Freunden aus Deutschland besuchte Israel:
"Wirklich keine alltägliche Touristentour"
Tel Aviv - Mit vielen Eindrücken kehrte die Keren
Hayesod- Reisegruppe aus dem Lahn- Dillgebiet aus Israel zurück. Noch
intensiv ist die Erinnerung an diese wirklich nicht alltägliche
Studienreise. Pünktlich rollte die EL-AL Maschine auf die Startbahn des
Frankfurter Flughafens mit Ziel Tel Aviv. Unter den 200 Passagieren auch
unsere 35 Personen starke Reisegruppe.
Die Reise in Zusammenarbeit mit dem ERF Wetzlar, und
Keren Hayesod wurde von Werner Manderbach, Haiger Dillbrecht, und
Manfred Rosenkranz aus dem benachbarten Daadener Land organisiert. Neben
den vielen üblichen touristischen Höhepunkten bot das Programm eine
Menge Begegnungen außerhalb der Touristenpfade.
Die Reise zeigte deutlich, wie stark hier Vergangenheit,
Gegenwort und Zukunft mit allen Hoffnungen aber auch gespannten
Erwartungen und Ängsten zusammen liegen.
Besonders eindrücklich war der erste Tag in Jerusalem.
Der Knessethabgeordnete Dr. Stern empfing die deutschen Gäste im
Parlamentsgebäude zu einem intensiver Dialog, wobei auch die aktuelle
politische Entwicklung zur Sprache kam. Dr. Stern leitet die dortige
Parlamentariergruppe, die besonders die Verbindung zu christlichen
Organisationen pflegt.
Es schloss sich ein Empfang im Außenministerium an, bei
dem in einem ebenso interessanten wie regen Austausch der Sprecher des
Außenministerium die politische Entwicklung beschrieb. Naturgemäß wurde
auch eingehend über die Israel derzeit sehr bewegende Räumung von
Siedlungen im Gazastreifen gesprochen. Einmal Gelegenheit vor Ort mit
Verantwortlichen zusammenzutreffen und ihre Sorgen und Hoffnungen zu
hören. Beeindruckend bei beiden Besuchen war die Offenheit des Dialoges
und die Herzlichkeit des Empfangs. Für diese Möglichkeit nahm die Gruppe
auch gerne die besonderen Sicherheitskontrollen auf sich, die für diesen
sehr sensiblen Regierungsbereich gelten.
Der Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem
war nicht nur Pflichtprogramm, sondern ein starkes und erschütterndes
Erleben in der Rückschau auf ein solch unfassbares Verbrechen an
jüdischen Menschen. Besonderen Stellenwert hatte dieses Erleben auch mit
Blick auf die Erinnerung an das Kriegsende vor 60 Jahren und die
Befreiung der KZ, wahrlich solche Schreckenrealität macht immer wieder
neu betroffen und erschrocken zugleich. Tiefe Betroffenheit auch
darüber, dass man hier Erinnerungen an die jüdischen Gemeinden in
Herborn, Weilburg, Hademar und das Bild von der brennenden Siegener
Synagoge findet. Selbstverständlich folgte ein Rundgang durch die
Jerusalemer Altstadt mit ihrem besonderen Flair. Der Besuch in Bethlehem
dagegen bot in österlicher Zeit durchaus auch die Möglichkeit, an das
Weihnachtsgeschehen erinnert zu werden.
In Jerusalem befindet sich auch das Zentrum der weltweit
tätigen jüdischen Hilfsorganisation Keren Hayesod, die wesentliche
Impulse bei der Reise gab. Micha Limor, der Delegierte für die
Zusammenarbeit von Keren Hayesod und christlichen Organisationen,
stellte die weltweiten Bemühungen von Keren Hayesod vor, die zum Ziel
haben, soziale Projekte im Land, aber auch die Rückführung von Juden,
insbesondere aus Krisenregionen, zu fördern.
Pastor Udo Vach gelang es immer wieder, in den Vorträgen
die Verbindung vom jeweiligen historischen Geschehen zu der für uns
heute geistlichen Aussage zu legen und die Botschaft der Bibel in den
Lebensbezug heute zu stellen. So gehören Vergangenheit und die Gegenwart
mit all ihren Facetten hier besonders eng zusammen.
Auf der Fahrt in der zum Einzugsbereich von Tel Aviv
gelegenen Siedlergemeinde Zuvym ging es an der Stadt Kalkila vorbei, die
Gemeinde liegt außerhalb des Sicherheitszaunes. So hatte die Gruppe
Gelegenheit, den Sicherheitszaun aus nächster Nähe zu sehen und auch mit
dem Bürgermeister dieser Gemeinde über die besondere Situation und
Herausforderung für das alltägliche Leben zu sprechen. Zeichen der
Entspannung sind sichtbar, aber nach wie vor müssen die Kinder dieser
Gemeinde in die nahe gelegne Schule mit gepanzerten Bussen gebracht
werden. Die Westerwaldgemeinde Mauden pflegt eine intensive
Partnerschaft. Insofern war es fast selbstverständlich, dass Manfred
Rosenkranz als Bürgermeister der Gemeinde Mauden einen Besuch
arrangierte.
Den nächsten längeren Aufenthalt hatte die ERF Gruppe in
Tiberias am See Genezareth (Galiläa). Schließlich führte diese Etappe
noch in die Hafenstadt Haifa mit ihrem pulsierenden Leben und in die
alte Kreuzfahrerstadt Akko. Die ERF / Keren Hayesod-Gruppe wurde bei
ihrer Fahrt zur Grenze zum Libanon von einem Major der israelischen
Armee begleitet, der in sehr ausgewogener und sachlicher aber auch sehr
informativer Form die Grenzlage zum Libanon und Syrien erläuterte. Von
dem Aussichtspunkt konnte man deutlich die Stellungen der Hisbollah
sehen und sich damit auch ein Bild von der für die Bevölkerung in diesem
Bereich kritischen Sicherheitslage machen. Schließlich führte die Fahrt
über den Golan und vermittelte einen Eindruck von der großen Bedeutung
dieses Gebietes für die Sicherheit Israels.
Mit vielen Eindrücken vollgepackt ging es auf die 3.
Etappe der Reise, die nach Qumran, Masada und Jericho vorbei nach Eilat
führte. Auf dieser Reise wurden wir noch einmal so richtig in die
geschichtlichen Ereignisse des Landes eingebunden.
In diesen Tagen kamen auch die Erholung nicht zu kurz.
Baden im Toten und im Roten Meer, Besuch der Korallenwelt tief unter dem
Wasserspiegel und andere schöne Erlebnisse ließen doch noch den Eindruck
einer Ferienreise aufkommen.
An dem Abschiedsabend nahm unser israelischer Freund uns
durch seine Lebensgeschichte mit in eine Zeitreise, von der Kindheit in
Polen, der Flucht vor den Nazis über die Lagerzeit und Entbehrung in
Sibirien bis zur Heimkehr nach Israel bereits im Jahre 1942 als eines
der Teherankinder, die seinerzeit vor den Nazis gerettet werden konnten
und dann in Israel eine neue Heimat fanden. Unser Freund berichtete von
den Geburtswehen der Staatsgründung, den verschiedenen Kriegen, die
Israel um seine Existenz führen musste und die er als Soldat und
Offizier miterlebt hatte ebenso wie seine heutige Lebenssituation. Er
und seine Familie sehen sich in der Aufgabe eingebunden. Brücken der
Freundschaft zu bauen und zu pflegen. Sein Zitat: "Eine Hand, die sich
mir entgegenstreckt, werde ich nicht zurückweisen."
Ein tolles Erlebnis war dann die Fahrt von Eilat durch
den Negev nach Tel Aviv zurück. Wo vor 50 Jahren noch Wüste war, da ist
heute Leben, da sind Städte entstanden und da blüht und gedeiht die
Natur in all ihrer Pracht.
Zum Abschluß der Besichtigungen gab es einen Besuch in
Sde Boker an den Gräbern von David Ben Gurion und seiner Frau. Dies auch
in aktueller Verbindung zur Erinnerung an 40 Jahre israelisch – deutsche
diplomatische Beziehungen. Durch die mutigen Schritte von Ben Gurion und
Konrad Adenauer konnte der schwierige Weg des Neuanfangs bis zur
heutigen Freundschaft der beiden Staaten begonnen werden.
Für die meisten aus der Reisegruppe war es der erste
Besuch in Israel gewesen, die sie voller Erwartungen angetreten hatten.
So war es wirklich keine alltägliche Pilgerreise, sondern Gelegenheit
beides zu erleben: die Begegnung mit der Vergangenheit auf Schritt und
Tritt aber auch das moderne Israel mit seiner besonderen Herausforderung
in der Gegenwart.
Wie sagte doch eine Reiseteilnehmerin abschließend: Ich spare jetzt für
die nächste Reise nach Israel.
W.M.

Ein Sprecher der IDF erläutert der Gruppe den sensiblen
Grenzbereich zum Libanon.

Die Gruppe aus Deutschland am Grab von Ben Gurion, was insbesondere im
Blick auf 40 Jahre diplomatische Beziehungen ein ehrendes Gedenken an
Ben Gurion und Konrad Adenauer bedeutete.
Keren Hayesod 04-05-2005
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