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Der Vater vollendet, was seinem Kind nicht vergönnt war:
Fünf Monate Reserve-Dienst zum Andenken an seine ermordete Tochter

Kochava Polonsky z”l wurde vor etwa achtzehn Monaten bei einem Fahrerflucht-Anschlag an der Ezor-Strassenkreuzung ermordet. Sie sollte in fünf Monaten aus der Armee entlassen werden. Ihr Vater, Eli (Eliya) Polonsky, beschloss, das zu vollenden, was seiner Tochter versagt geblieben war, und so leistete er im Alter von 50 Jahren freiwillig seinen militärischen Reserve-Dienst.

In den vergangenen vier Monaten diente er drei Mal, insgesamt an 35 Tagen, und seit Beginn des Septembers ist er für weitere 24 Tage zum Dienst angetreten. Bei der Feier, an der vor zwei Wochen an Freiwillige des Reserve-Dienstes Verdienst-Urkunden verliehen wurden, erhoben sich die Zuhörer und spendeten Polonsky Beifall, als er die Bühne betrat.

von Chen Kotes-Bar, Ma’ariv, 16.8.2002

Unter denjenigen, an die bei einer Feier vor zwei Wochen Verdienst-Urkunden für die freiwillige Ableistung des Reserve-Dienstes verliehen wurden, befand sich auch Eli (Eliya) Polonsky, dessen diensttuende Tochter, Kochava z”l, bei einem Fahrerflucht-Anschlag an der Ezor-Strassenkreuzung vor etwa 18 Monaten getötet worden war. Sie hatte nur noch fünf Monate bis zum Ende ihres Militärdienstes und ihrer Entlassung aus der Armee zu leisten, und ihr Vater beschloss, das zu vollenden, was ihr versagt geblieben war. Im Alter von 50 Jahren nahm er freiwillig am Militär-Reservedienst teil und im Laufe der letzten vier Monate diente er dreimal, insgesamt an 35 Tagen, immer in den besetzten Gebieten. Der scheidende Oberkommandierende des Zentral-Kommandos, Brigadier-General Yitzhak Eitan, verlieh an den Rekruten Eli Polonsky den Rang eines Rekruten mit Auszeichnung. Die Zuhörer in der Halle erhoben sich und spendeten Beifall. Polonsky selbst wischte sich eine Träne aus dem Gesicht.

“Ich dachte an Kochava,” sagte er, Sie hatte noch fünf Monate zu dienen; es war ihr so wichtig, aber sie erhielt nie die Möglichkeit, ihren Dienst zu beenden. Deshalb leiste ich die Dienstzeit für sie ab. Es gibt jene, die die Erinnerung an ihre Kinder wachhalten, indem sie ein Denkmal errichten oder indem sie Geld spenden. Ich erhalte mir das Andenken an meine Tochter, indem ich bei den Reserveeinheiten diene. Das ist es, worum sie mich gebeten hätte. Die Leute glauben, dass ich zur Armee etwas beitrage, aber genau das Gegenteil ist der Fall – die Armee hat mir etwas gegeben. Der Reserve-Dienst hat mich gerettet. Hier fand ich wieder zu mir, wo ich wieder zu leben begann, wieder zu lachen begann, wo ich wiedergeboren wurde. Ich sehe die Soldaten und ich stelle mir Kochava unter ihnen vor. Nach der Katastrophe habe ich das Haus ein Jahr lang nicht verlassen. Jetzt, dank des Reserve-Dienstes, kann ich wieder atmen.“

Haben Sie Kochavas Grab in Uniform besucht?

“Nachdem ich begonnen hatte, in der Reserve Dienst zu tun, besuchte ich ihr Grab auf dem Friedhof von Ashkelon. Ja, in Uniform. In der ersten Reihe befinden sich fünf Soldatengräber, alle wurden am gleichen Tag getötet, beim gleichen Terror-Anschlag. Ich stand vor ihrem Grab und grüsste sie. Ich sagte zu ihr: ‘Unteroffizier Kochava, Ihr Vater.’ Ich weiss, dass sie mit dem, was ich tue, zufrieden ist. Dass ich nicht aufgegeben habe, sondern aufgestanden bin und versuche, einen Beitrag für Israel zu leisten. Ich glaube, dass sie sehr stolz auf mich wäre.”

„Wir nannten sie Kochava, den Stern Gottes”

Eli Polonsky wurde in Kishinev geboren. Im Jahre 1978 wanderte er mit seiner damaligen Frau und ihrem ältesten Sohn nach Israel ein und sie liessen sich in Ashkelon nieder. Kochava (Kochi) wurde hier geboren. Das Ehepaar hat ein weiteres Kind, einen 16jährigen Jungen.

“In der Sowjet-Union sagten sie meiner Frau, dass sie keine weiteren Kinder haben könnte,” erinnert er sich. “Wir kamen hierher; sie unterzog sich Untersuchungen und Behandlungen, und wir bekamen ein Mädchen. Wir beschlossen sie Kochava zu nennen, den Stern Gottes.”

Vor zehn Jahren, als Kochava 11 Jahre alt war, liessen sich ihre Eltern scheiden, aber sie lebten in der Nähe voneinander. “Von den drei Kindern war mir Kochava am nächsten,” sagt Eli. „Ein Vater darf derartige Dinge nicht sagen, aber ich tue es dennoch. Ich schäme mich nicht dafür. Sie war mein Sonnenschein, meine Zukunft. Sie war ein gutes, ernsthaftes Mädchen, die davon träumte, ihren Armee-Dienst zu vollenden, und danach wollte sie Computerwissenschaften studieren. Ich stand ihr so nahe. Ich bewunderte sie.”

Kochavas Einziehung in die Armee war keine glatte Sache. Die Ärzte entdeckten an ihrem Herzen einen Geburtsfehler und die Armee wollte sie nicht einziehen. Aber sie bestand darauf. „Sie war ein zionistisch-orientiertes Mädchen; sie hatte ihre Ideale,” sagt Eli.  „Seit sie ein kleines Mädchen gewesen war, hatte sie mich zum Antritt des Reserve-Dienstes begleitet. Für sie war es immer eine klare Sache gewesen, dass sie zur Armee gehen musste. Sie weinte, flehte, ging zu den Ärzten, bis sie schliesslich damit einverstanden waren, sie einzuziehen. Sie wollte einfach nicht nachgeben.”

Als die Entscheidung gefallen war, sie in die Armee einzuziehen, bat sie darum, bei einer Kampfeinheit in einem abgeschlossenen Stützpunkt Dienst tun zu können, weit weg von zuhause. Aber wegen ihrer medizinischen Probleme wurde sie einer Nachschub-Einheit in Tsrifin zugeteilt und sie konnte jeden Tag nachhause fahren. „Ich sprach mit ihr mindestens einmal am Tag am Telefon,” erinnert sich Eli. „Bei jeder Unterhaltung sagte ich ihr: ‘Kochava, pass auf dich auf, denn ich habe Angst um dich.’ Ich hatte Angst, dass ihr etwas zustossen würde, aber dabei dachte ich immer an einen Verkehrsunfall. Ich dachte nie daran, dass sie bei einem Terror-Anschlag ums Leben kommen würde.”

Am 14. Februar, vor etwa 18 Monaten, verliess Kochava Polonsky die Wohnung ihrer Mutter in Ashkelon. Sie nahm den Bus vom städtischen Buszentralbahnhof zur Ezor-Kreuzung, wo sie einen anderen Bus zu ihrer Basis in Tsrifin nehmen sollte. Als sie sich der Tsrifin-Bushaltestelle näherte, überfuhr ein Bus, der von einem Terroristen gesteuert wurde, den Randstein und überfuhr sie von hinten. Sie war sofort tot.

“Ich sass gerade zu Hause,” sagt Eli, als er die Szene rekonstruierte.  “Am Vortag hatte ich mich dazu entschlossen, meinen Arbeitsplatz aufzugeben. Ich weiss nicht, warum ich das tat. Ich hatte ein schlechtes Gefühl. Ich arbeitete als Service-Mann, als ich plötzlich das Gefühl hatte, dass ich das nicht länger machen konnte. Es war, als ob ich gewusst hätte, dass etwas Schlimmes geschehen würde. Ich stellte den Fernseher an und hörte, wie sie über einen Terror-Anschlag an der Ezor-Kreuzung berichteten. Ich wusste, dass dies die Stelle war, wo Kochava den Bus nach Tsrifin nahm; Ich kannte die Strecke.

„Ich hob den Telefonhörer auf und begann ihre Handy-Nummer zu wählen. Sie antwortete nicht. Ich rief sie immer wieder an – sie gab keine Antwort. Nichts. Ich wusste, was das bedeutete – meine Tochter war tot. Ich ging nach unten zum Lebensmittelladen und sagte dem Verkäufer: ‚Gib mir eine Flasche Wodka.’ Ich stand auf der Strasse und begann zu trinken. Er sagte zu mir: „Eli, du trinkst? Mitten am Morgen? Was ist los mit dir?“ Ich sagte ihm: ‚Du verstehst das nicht. Meine Tochter ist soeben gestorben. Es ist meine Tochter. Sie starb bei dem Anschlag bei Ezor.’ Er fragte: „Bist du benachrichtigt worden?“ Ich sagte, „ich brauche keine Benachrichtigung. Ich fühle es.“

„Danach rief mich Kochavas Mutter an. Sie hatte Kochavas Geldbörse im Fernsehen erkannt, auf den Fotos der Leichen. Sie sagte, ‘Eli, weisst du es?’ Ich antwortete, ‘Ich wusste es im gleichen Augenblick als es passierte.“

Später kam eine Abordnung des Städtischen Offiziers, um mir die schreckliche Nachricht zu überbringen. Eli zog es vor, die anfängliche siebentägige Trauerzeit in der Wohnung seiner Frau Polina zu verbringen. Kochavas Mutter sass Shiva in ihrer Wohnung, zusammen mit ihren beiden anderen Kindern.

„Ich war praktisch eine ganze Woche alleine,” erinnert er sich. „Ich fühlte mich  ohne jeglichen Boden, völlig in der Luft hängend. Ich wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Ich vergass sogar meinen eigenen Namen. Ich sass mit meiner Frau zusammen und wir waren praktisch alleine. Erst als der Oberkommandierende und der Staatspräsident kamen, um mir ihr Beileid auszusprechen, sagte ich zu ihnen: ‘Geben Sie mir einige Menschen, damit  ich einen Minyan (10köpfige Gebetsgruppe) für meine Tochter habe. Das ist alles, was ich will.’ Als Eli Yishai (Vorsitzender der Shas Partei) davon hörte, kam er selbst und stellte einen Minyan für Kochava zusammen. Ich sagte zu ihm: ‘Ich stimme bei den nächsten Wahlen für Shas.’”

„Ich versuchte zu weinen, aber ich hatte keine Tränen”

Es ist für Eli Polonsky schwer Worte zu finden. Sogar sein Hebräisch ist nicht flüssig. Ein Ei-grosser Anhänger, an dem Kochavas Bild angebracht ist, liegt um seinen Hals und er rollt ihn immer wieder in seinen Handballen hin und her.

Nach dem Tod seiner Tochter, sagt Polonsky, erlitt er einen Nervenzusammenbruch. Er arbeitete und ass nicht, er sprach nicht und verliess auch nicht das Haus. Er hörte nicht auf, um seine tote Tochter zu trauern, aber er war nicht in der Lage, eine Träne hervorzubringen. Nur krächzende Laute kamen aus seiner Kehle, sehr zum Leidwesen der Mieter in seinem Haus. 

„Mein Leben ist vorüber,” sagt er und umschreibt damit, was er in dieser Zeit durchmachte. „Fast 14 Monate ging ich nicht aus dem Haus. Ich stand am Morgen auf, öffnete den Kühlschrank, nahm eine Flasche Alkohol heraus und begann zu trinken. Ich trank etwas und ging wieder schlafen. Ich schlief stundenlang, als Flucht. Ich wollte mit der Wirklichkeit nicht fertigwerden. Ich fürchtete mich davor aufzustehen und Kochavas Bild vor mir zu sehen und zu wissen, dass sie tot war, dass sie nicht mehr zurückkommen würde.”

In der Nähe von Polonskys Wohnung wurde in dieser Zeit ein neues Café gebaut. „Jemand sagte mir, dass arabische Arbeiter auf dieser Baustelle arbeiteten,” erinnert er sich. „Das waren mehr oder weniger die einzigen Augenblicke, wo ich die Wohnung verliess. Ich wollte dorthin gehen und ihnen auflauern. Ich wollte warten. Einmal nahm ich ein Messer und wartete darauf, dass ein Araber vorbeikam. Ich wollte Araber töten, Kochavas Tod rächen. Ihnen den gleichen Schmerz zufügen, den sie meiner Tochter zugefügt hatten. Zum Glück hielten mich die Nachbarn zurück. Sie sagten mir, „Weine,  Eli, es hilft dir, den Zorn hinauszubekommen.“

„Ich versuchte zu weinen, aber da kam nichts heraus. Mein ganzer Körper schmerzte. Ich fühlte, dass ich zu den Arabern zurückgehen musste, ich musste den Tod von Kochava rächen, dass ich sie nicht gewinnen lassen durfte. Meine Frau brachte mich zu einem Arzt; sie machte sich Sorgen. Niemand konnte zu mir sprechen. Ich wurde untersucht, aber man sagte mir, dass mir nichts fehlte. Es war der Schmerz, der mich fertigmachte.“

Haben Sie den Terroristen getroffen, der Kochava ermordet hat?

„Nein. Ich war auch nicht bei der Gerichtsverhandlung. Obwohl ich wollte, aber ich war nicht eingeladen. Niemand war eingeladen. Ich wollte ihn sehen. Nur sehen; ihm nichts tun. Sie sagten mir, dass er verheiratet ist und Kinder hat. Ich verstehe das nicht. Es gab eine Zeit, wo ich daran dachte, zum Gefängnis zu gehen und mit ihm zu sprechen. Sie sagten mir, dass dies nicht möglich ist. Dann dachte ich sogar daran, etwas Schreckliches zu tun, wofür sie mich ins Gefängnis stecken würden und dann könnte ich ihn vielleicht sehen. Ich könnte ihn sehen, in seine Augen blicken und ihn fragen: „Warum, was ist geschehen?“

„Ich habe keine Erklärung für das was er tat. Wir gaben ihm Essen und ein Einkommen, und er brachte mein kleines Mädchen um, das ihm niemals etwas getan hatte. Deshalb möchte ich ihn fragen, warum; Ich möchte es verstehen. Es ist merkwürdig: Er sitzt im Gefängnis in Ashkelon. Wir sind Nachbarn. Manchmal sitze ich zuhause und denke darüber nach: Er ist in Ashkelon und das gilt auch für mich. Nur Kochava ist nicht mehr da.”

“Sag es niemanden, aber ich bin ein Vater, der ein Kind verloren hat;”

Vor etwa vier Monaten sass Eli Polonsky vor dem Fernseher an einem der Tage, die er für gewöhnlich mit Schlafen, Trinken und dumpfem Starren verbrachte. In den Nachrichten wurde gerade Oberst Betsalel Treiber interviewt, der über ein Freiwilligen Reservisten-Programm sprach.

„Sie brachten eine Telefonnummer, die man anrufen konnte und ich rief sofort an,” erinnert er sich. “Ich wusste sofort, dass mich dies retten würde, mich wiederherstellen würde, dass ich auf diese Weise vollenden konnte, was Kochava verwehrt geblieben war. Nach langer Zeit fühlte ich, dass ich wieder ein Ziel hatte, eine Zukunft, etwas, wofür es sich lohnte, zu leben. Ich wurde nicht in Israel geboren, aber ich hatte nie eine andere Heimat als Israel. Woher ich komme, wurde ich verfolgt, weil ich Jude bin. Es gab in Russland Tausende von uns, und wir alle teilten uns ein Badezimmer. Es gab keine geschlossene Kanalisation, nur Armut und Ratten. Wer machte sich um mich schon grosse Sorgen?

Hier wurde ich jedoch liebevoll empfangen. Kaum war ich angekommen, wurde mir eine Wohnung gegeben, eine Arbeit. All diese Jahre bin ich dem Staat Israel dankbar gewesen. Israel tat alles, um mir zu helfen. Nach der Tragödie saß ich monatelang zuhause, aber ich fragte mich nicht einmal: „Warum bin ich hierher gekommen?“ Ich war so glücklich, dass ich endlich etwas zu tun bekommen hatte. Ich sagte mir, ‚irgendwo anders, in einem anderen Land, würde ich auf der Strasse bettelnd stehen.’ Mir widerfuhr eine Tragödie; ich bezahlte einen Preis: ich habe dem Land meine Tochter gegeben, aber das Land hat mich nicht vergessen. Der Staat wird mir helfen, den Militärdienst meiner Tochter zu vollenden. Meine Kochava wird ihren Armeedienst beenden.”

Am 14. Apri trat Polonsky seinen ersten freiwilligen Reservedienst an. Es folgten zwei weitere Dienstabschnitte im Juni und Juli. Er lebt gegenwärtig von einer Einberufung zur anderen. Es ist die Luft, die er atmet; das ist es, was ihn entspannt.

„Sechseinhalb Jahre, nachdem ich aus dem Reservedienst aus Altersgründen ausgeschieden bin,” sagt er, „bin ich wieder im Felddienst. Zuerst hatte ich die Befürchtung, dass sie herausfinden würden, dass ich ein Vater bin, der ein Kind verloren hat, und dass sie mich deshalb nicht nehmen würden. Ich erinnerte mich später, nachdem sie mich eingezogen hatten, dass ich einen anderen trauernden Vater nach einem Hubschrauber-Unglück getroffen hatte. Wir trafen uns unter der Dusche. Er trug eine Halskette wie die meine, mit einem Anhänger und einem Bild seines Sohnes. Ich fragte ihn, was das sei und er sagte mir, ‘tue mir den Gefallen und sage niemanden, dass ich ein trauernder Vater bin, ich möchte nicht, dass das jemand weiss.’ Ich sagte ihm, dass wir uns beide im gleichen Boot befinden würden, ich sei auch ein trauernder Vater. Ich bin auch eine Freiwilliger.’

Am Ende fand mein Kommandeur es heraus, aber zu diesem Zeitpunkt war ich bereits solange bei den Reservisten gewesen, dass klar war, dass ich hier bleiben würde.”

Polonsky war zusammen mit zwei weiteren Freiwilligen in Har Gilo stationiert. Er war sogar einer regulären Fallschirmjäger-Brigade zugeteilt. An seinen freiwilligen Einberufungszeiteinheiten diente er immer mit den gleichen Soldaten der gleichen Brigade. Seine Dienstzeit lag immer in der Gegend von Bethlehem. “Uns wurde gesagt, dass wir in Har Gilo bleiben oder zum Grab von Rachel gehen könnten,” sagte er.  „Wir sagten, dass wir nicht da seien, um uns zu erholen; wir kamen, um einen Beitrag zu leisten.’ Dies fand inmitten der Operation Schutzwall statt und wir baten darum, in den schwierigsten Orten eingesetzt zu werden, die es gab. Wir wurden zum Grab von Rachel geschickt.”

Was machten Sie in der Armee?

“Alles. Alles war nur möglich war, um den Soldaten zu helfen. Ich kam, ich sah müde, erschöpfte Soldaten. Ich bereitete ihnen allen Kaffee und säuberte ihren Speisesaal. Ich würde einen Soldaten beim Wachdienst ablösen, sodass er etwas trinken oder auf die Toilette gehen konnte. Ich wischte die Böden auf. Sie standen am Morgen auf und gingen hinaus zu den Manövern,  ohne etwas zu essen. Ich wusste, dass sie die nächsten sieben oder acht Stunden nichts zu essen bekommen würden. So stand ich vor ihnen auf und bereitete ihnen belegte Brote und verteilte sie unter ihnen, bevor sie die Basis verliessen. Als ich bei ihnen war, ging ich nicht ein einziges Mal nachhause. Warum diente ich freiwillig? Um nachhause zu gehen? Wenn ich nachhause ging, würde das auf Kosten von jemanden anderen gehen. Ich kam, um zu helfen, nicht um mich umsorgen zu lassen.”

Die Beziehung zu den regulären Soldaten ist nicht nur auf den Reserve-Dienst beschränkt. Es ist praktisch eine tägliche Beziehung: Eli ruft sie an, zeigt Interesse an dem was sie tun. „Sie sind wie meine Kinder,” sagt er. “Sie sind schliesslich in Kochavas Alter. Ich treffe sie und ich will mich um sie kümmern. Ich sehe, wie sie mit einem Lächeln auf ihren Gesichtern nachhause gehen und wie sie traurig wieder zurückkommen. Deshalb ermutige ich sie. Ich erzähle ihnen Witze. Wir sprechen über alles – über das Leben, über die Liebe.”

Auch über Kochava?

“Nicht viel.”

Stellen sie Ihnen Fragen?

„Ja, das tun sie. Sie wollen zum Beispiel wissen, ob ich ein Bedürfnis nach Rache habe. Ich erkläre ihnen, dass dies nicht mehr der Fall ist. Das war der Fall, bevor ich den freiwilligen Dienst antrat. Jetzt gehört das der Vergangenheit an. Ich möchte keine Araber nur so einfach umbringen, das möge Gott verhüten. Ich stehe in Bethlehem und ich sehe Frauen und Kinder und sie tun mir leid. Das Gefühl der Rache wurde durch Mitleid ersetzt. Ich möchte nach wie vor Terroristen umbringen, aber keine unschuldigen Menschen. Ich lernte das bei den Reservisten: Ich bin kein Tier; ich bin nicht so wie der Terrorist, der meine Tochter umbrachte. Soldaten suchen mit geladenen Waffen nach Terroristen. Ich tue das nicht. Ich gehe kein Risiko ein. Töten ist so einfach, das weiss ich; sie töteten schliesslich meine Tochter. Aber ich möchte keinen Fehler machen. Ich möchte niemanden aus Zufall töten.“

Am 1. September wurde Eli Polonsky für weitere 24 Tage in den Reserve-Dienst eingezogen. Die Armee hatte Probleme, Freiwillige während der Feiertage zu finden. Deshalb waren sie froh, dass Eli dazu bereit war, für die ganze lange Zeit Dienst zu tun. „Ich bete nur dafür, dass es mir ermöglicht wird, die fünf Monate für Kochava zu vollenden,” sagt er. „Ich schulde das meinem kleinen Mädchen.”

Keren Hayesod 02.04.2008