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Ein Jugendfreund von Saddam Hussein erinnert sich:
Bereits in seiner Jugend voller krimineller Energie
Von Jacky Hugui, Ma’ariv 8.12.2002
Als Kind war Saddam Hussein der Schrecken von Tachrit,
der Stadt, in der er aufwuchs: Er schoß um sich, er prügelte sich und
griff jeden an, der sich ihm in den Weg stellte, so ein Jugendfreund des
irakischen Diktators. Im Alter von 15 Jahren schoß er auf einen Lehrer,
der ihn vor der Klasse geschlagen hatte, ermordete einen Verwandten, der
seinen Onkel verleumdet hatte und verprügelte einen Kunstschmied, der
sich geweigert hatte, für ihn eine Arbeit auszuführen.
Der Lehrer Aziz wußte nicht, was ihm eigentlich geschah.
Sein jüngerer Bruder weckte ihn in der Mitte der Nacht unter dem
Eindruck eines Geräusches, das jemand durch sein Klopfen an der Haustüre
verursachte. Noch ganz verschlafen, öffnete er die Türe und wurde
erschossen. Bevor sein Bruder begriffen hatte, was geschehen war, war
der Schütze bereits geflohen. Auf seinem Pferd reitend und bewaffnet mit
einem Jagdgewehr, kehrte der Schütze nach Hause zurück und legte sich
mit einem Lächeln auf dem Gesicht schlafen. Der Schütze war niemand
anders als Saddam Hussein, der Mann, der später einmal der Präsident des
Irak werden sollte. Der Vorfall ereignete sich in den frühen 50er
Jahren, als Saddam 15 Jahre alt war. Er handelt, weil er es seinem
Lehrer heimzahlen wollte, der ihn vor anderen Schülern in der Klasse
geschlagen hatte. Der Lehrer wurde schwer verletzt, aber Saddam wurde
nie zur Rechenschaft gezogen.
Diese Geschichte wurde von einem Jugendfreund von Saddam
erzählt, Ibrahim Zibeydi, 61, der mit ihm in der Stadt Tachrit
aufgewachsen war. Zubeydi, der seit 29 Jahren in Damaskus lebt, erzählte
der Al-Hiyyat-Zeitung von Saddams Jugendzeit, die von ungezügelter
Bösartigkeit geprägt war. Wie er den Cousin seines Vaters ermordete; wie
er Menschen schlug, angriff, auf sie schoß und sie verwundete, sogar
bereits als kleiner Junge, dessen einziger Traum, nach den Worten von
Zubeydi, darin bestand, ein Jäger zu werden. "Gebt mir einen Jeep, ein
Gewehr und ein Fernglas," sagte er uns einmal, als wir ihn fragten, was
er einmal werden wollte, wenn er erwachsen geworden war," erinnert sich
Zubeydi. "Jeder von uns wollte ein Dichter, ein Doktor, ein Offizier
werden. Saddam hatte keine derartigen Ambitionen."
Sie waren eine Gruppe von 4 - 5 Jungen, im Alter von 10
bis 15 Jahren, die in Tachrit und im Nachbardorf Al-Uja wohnten. Unter
ihnen war neben Saddam Hussein besonders Adnan Hirallah bekannt, dessen
Schwester, Saraja, einmal Saddam heiraten sollte. Hirallah, ein
ausgezeichneter Offizier, wurde von Saddam zum Verteidigungsminister des
Irak ernannt, bis dieser erkannte, dass Hirallah bei der Armee sehr
beliebt war und befahl, seinen Hubschrauber ohne Spuren zu hinterlassen,
abzuschießen. Andere Freunde waren Nabil Najam, der spätere irakische
Botschafter in Kairo und Generaldirektor des Außenministeriums, sowie
Daham Talfah, Saddams Cousin mütterlicherseits.
Brutal auf seinem Heimweg zusammengeschlagen
Zubeydi war ein Dichter und Radio-Journalist, der in den
frühen 70er Jahren bei Radio Baghdad als Direktor arbeitete. Er wanderte
1974 nach Syrien aus und lebt seitdem hier. Seine Beschreibungen weisen
darauf hin, dass Saddam der Gewalttätigste der Gruppe war und sogar zu
extremen Handlungen neigte. "Von seiner Einstellung aus war Mord ein
Mittel zum Zweck," sagt Zubeyda.
Die nächtliche Rache gegen seinen Lehrer Aziz war nicht
seine erste Tat dieser Art. Zubeydi beschreibt vier weitere Vorfälle,
die am Anfang des Lebensweges von Saddam liegen, der von gewalttätigen
Ausbrüchen geprägt ist. Er nannte jeden dieser Vorfälle eine "Schlacht",
und er machte sich über den gut bekannten Spitznamen lustig, den Saddam
dem Golfkrieg verliehen hatte: "Die Mutter aller Schlachten".
Das Opfer der "ersten Schlacht" war der Repräsentant der
Elektrizitätsfirma in Tachrit, ein loyaler Angestellter, der "Abu-Ali"
hieß. Saddam, der bei seinem Onkel mütterlicherseits lebte, Hirallah
Tafah, bestahl das Elektrounternehmen mit einem illegalen Anschluß.
Abu-Ali entdeckte, was vor sich ging und schloß das Haus an einen
Elektrozähler an. Ganz der schlechte Mensch, der er war, schloß Saddam
den Zähler wieder ab. Einige Tage später erschien Abu-Ali mit der
Polizei. Gegen Saddam wurde eine Untersuchung eingeleitet.
"Mehrere anständige Menschen von Tachrit gaben Abu-Ali
den Rat, sich nicht mit ihm anzulegen, aber genau das geschah," erzählt
Zubeydi, als er den Vorfall rekonstruiert. Onkel Hirallah jedoch vergab
Abi-Ali nicht. Einige Wochen später bat er einige Familien-Mitglieder
darum, sich an diesen zu rächen. Die Persönlichkeit seines Onkels hatte
offenbar einen entscheidenden Einfluß auf die weitere gewalttätige
Entwicklung von Saddam.
Sie planten einen besonderen brutalen Anschlag: Die
jungen Männer sollten die Straßenbeleuchtung entlang des Weges vom Café,
das Abu-Ali für gewöhnlich besuchte, bis zu dessen Haus zerschlagen.
Unter dem Schutz der Dunkelheit, sollte Saddam Abu-Ali auflauern und das
tun, was er am besten konnte. "Sein Onkel forderte, dass kein
Blutstropfen vergossen werden dürfe, und das geschah auch. Abu-Ali wurde
brutal zusammengeschlagen, mußte eine Woche das Bett hüten und zog
danach aus der Stadt fort.
Augenzeugen wurden zum Schweigen gebracht
Ibrahim Zubeyda war Augenzeuge der "zweiten Schlacht".
Tante Leyla Talfah, die Frau von Hirallah, gab einem Goldschmied goldene
Einlegestücke, um daraus Schmuck zu fertigen. Sie bezahlte ihn im
voraus, aber die Arbeit wurde lange nicht fertig, und es schien so, als
würde der Goldschmied die Ware nicht liefern. "Tante Leyla forderte,
dass ich den Schmied bedrohen sollte," erzählt Zubeydi. "Als Saddam
davon hörte, versprach er mir bei seiner Ehre, dass er die Sache auf
friedliche Weise erledigen würde. Zwei Meter vor dem Geschäft rannte er
hinein, schloß von innen ab und schlug gnadenlos auf ihn ein. Danach kam
er wieder heraus mit den Einlegestücken und dem Geld."
Die "dritte Schlacht" war der nächtliche Schießüberfall
auf den Lehrer Aziz. Zubeydi erinnert sich, dass sich der Schuldirektor
so sehr vor der Rache von Saddam und Hirallahs Familie fürchtete, dass
er den Lehrer dazu veranlaßte, sich bei Saddam zu entschuldigen. Das war
ein sehr nettes pädagogisches Verhalten, aber in diesem Fall blieb es
ohne Wirkung. "Als die Polizei zum Haus des Onkels kamen, fanden sie
Saddam, wie er schlief. Einige Tage später gestand er mir, dass er ins
Dorf gegangen war, sein Pferd und ein Gewehr genommen und seinen Cousin
Dahan gerufen hatte. Nach der Schießerei gab er Dahan das Pferd und das
Gewehr und ging schlafen."
Es war nur eine Frage der Zeit, bis der gestörte Junge
aus Al-Uja einen Mord begehen würde. Saddam war damals 21 Jahre alt
gewesen und der Mord wurde nicht an irgendjemanden verübt, um diesen ins
Jenseits zu befördern. Es handelte sich dabei um einen seiner
Verwandten: Den Cousin seine Vaters, Sa’adon Nasri, der in Tachrit
wohnte. Der Vorfall ereignete sich in Bagdad, wohin Saddam mit seinem
Onkel Hirallah gezogen war, der zum Leiter der regionalen
Kulturverwaltung von Bagdad ernannt worden war. Dies war nach der
Revolution vom Juli 1958 gewesen, in der die irakische Monarchie
zugunsten des brutalen Regimes unter dem General Abd Al-Karim Kassam
abgeschafft worden war.
Sa’adon Nasri diente als Vorsitzender der regionalen
Kommunistischen Partei. Sein Verbrechen bestand darin, dass er der
Partei davon berichtete, dass Saddams beliebter Onkel Meinungen äußerte,
die im Gegensatz zur Haltung der Partei standen. Als Resultat wurde
Hirallah gefeuert und ihm seine Pension aberkannt.
Zubeydi erinnert sich daran, wie er an einem Tag im
Oktober 1958 in Begleitung von Saddam in einem Café auf Sa’adon Nasri
traf. "Sie begrüßten sich herzlich, denn Sa’adon war der Cousin von
Saddam’s Vater. Wir saßen zusammen; Saddam lieh sich zwei Dinar von
Sa’adon. Danach gingen wir und Sa’adon blieb. Wir kehrten nach Bagdad
zurück und gingen schlafen. Gegen 5 Uhr morgens klopften Polizeibeamte
an meiner Türe und sagten mir: 'Sa'adon ist ermordet worden. Bevor er
starb, nannte er den Namen von Saddam Hussein."
Nach dem Mord wurden Saddam, sein Onkel Hirallah und
weitere Familien-Mitglieder verhaftet. Saddam schrie aus dem
Zeugenstand, dass die "Gerechtigkeit siegen und die Lügen ein Ende
finden werden!" Zubeydi erinnert sich, dass Saddams Verteidiger, Abd
Al-Muhassan Dori, die Zeugen einschüchterte und sie immer zur richtigen
Zeit zum Schweigen brachte. Saddam wurde aus Mangel an Beweisen
freigesprochen.
Mordanschlag auf das Leben des Ministerpräsidenten
"Dieser Vorfall ließ Saddam Hussein groß werden," sagte
Zubeydi. " Seitdem begannen die Kommunisten in ihren Zeitungen über ihn
zu schreiben. Sie waren sicher, dass er ein Mörder war, und dass es eine
richterliche Verschwörung gegen die Kommunisten gab; sie nannten ihn
einen "Kriminellen". Aber sein Ruhm nahm immer mehr zu und er gelangte
bei den Anti-Kommunisten zu Erfolgen.
Dank einer Verleumdungskampagne der Kommunisten, wurden
die Ba’ath-Aktivisten auf den jungen Saddam Hussein aufmerksam und
hießen ihn in ihren Reihen willkommen. Innerhalb weniger Wochen nahm
Hussein an einem Mordanschlag gegen Ministerpräsident Kassam teil.
Saddam wurde am Bein verletzt; er floh nach Syrien und danach nach
Ägypten. Danach kehrte er nach Bagdad zurück, wo sein kometenhafter
Aufstieg in der Ba’ath Partei bis zur Präsidentschaft des Irak begann.
Der Ministerpräsident wurde bei dem Anschlag schwer verletzt, überlebte
und nahm nach seiner Genesung seine Amtsgeschäfte wieder auf.
Heute geht Zubeydi davon aus, dass es keine Macht gibt,
die den 65jährigen irakischen Präsidenten dazu bringen könnte, sich den
Amerikanern zu ergeben. "Er wird seine Macht nie abgeben, nicht einmal
an seinen Sohn Kossay. Er wird abwarten was geschieht und bis zu seinem
letzten Atemzug kämpfen, auch wenn er unter dem Schutt begraben wird. So
ist er. Er ist ein Spieler, und er kommt nie aus der Tür heraus, durch
die er hineingegangen ist."
Keren Hayesod 13-01-2003
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