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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem


Auch Soldaten aller drei Waffengattungen der IDF, Infanterie, Marine und Luftwaffe, waren beim Marsch der Überlebenden am 21. April 2004 im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz in Polen anwesend, an dem über 6000 Menschen, Juden wie Christen, aus der ganzen Welt teilnahmen.
(Foto: bru)

Der Tod des Soldaten Amit ließ Sami nach Israel auswandern:
Zwischen Jenin und Sao Paulo

Sami (24), ist in Brasilien geboren und aufgewachsen. Er hat seinen Cousin Amit aus Bat Yam nie persönlich kennen gelernt.* Aber der Tod von Amit bei den Kämpfen in Jenin vor nunmehr zwei Jahren hat sein Leben völlig verändert: Er entschloss sich, nach Israel auszuwandern.* "Amits Tod war wie ein Signal für mich", sagt er. "Ich hatte das Gefühl, nach Israel kommen und in die IDF eintreten zu müssen."

Von Yossi Yehoshua, Raubi Weiss, Yediot Aharonot, 13.4.2004

Tel Aviv - Unteroffizier Amit (22) sel. A. fiel vor genau zwei Jahren im Dienst. Acht Monate zuvor war er von seinem Armee-Dienst in der Givati-Brigade entlassen worden und hatte sich in die Universität eingeschrieben, um Jura zu studieren. Nach dem Bombenanschlag am Seder-Abend im Park-Hotel in Netanya war er im Rahmen einer Not-Einberufung eingezogen worden, um an der Operation Verteidigungsschild teilzunehmen. Die Einberufung erreichte ihn um 23 Uhr nachts und er hatte nicht einmal Zeit sich von seinen Eltern zu verabschieden. Am 9. April 2002 fiel Amit zusammen mit 12 weiteren Reservisten bei den blutigen Kämpfen in Jenin.

Hier in Israel hinterließ der Tod von Amit eine schreckliche große Lücke in den Herzen seiner Eltern, Brüder und Schwester. Nichtsdestoweniger war es genau auf der anderen Seite der Welt, im weitentfernten Brasilien, dass die schreckliche menschliche Tragödie eine entscheidende Veränderung im Leben eines jungen Mannes verursachte, der Amit nie persönlich kennen gelernt hatte.

Sami (22), aus Brasilien und Amit aus Bat Yam waren Cousinen zweiten Grades. Amit war nur drei Monate jünger als Sami. Obwohl sie sich nie begegnet waren, veranlasste der Tod von Amit im Kampf Sami dazu, Brasilien zu verlassen, nach Israel einzuwandern und in die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) einzutreten.

"Es ist dein Blut"

Sami war in Brasilien geboren worden. Sein Vater war im Alter von 14 Jahren aus Israel mit seinen Eltern in dieses Land ausgewandert. Seine Mutter ist deutsch-amerikanischer Abstammung und eine geborene Brasilianerin. Sami wuchs in Sao Paulo auf, studierte an der hiesigen Universität Internationale Beziehungen und arbeitete für eine Geschäftsberatungs-Firma.

Im Januar 2001 besuchte er zum ersten Mal Israel. "Ich kam im Rahmen des Geburtsrechtsprogrammes der Jewish Agency hierher", erzählt er. "Ich blieb etwa zwei Wochen hier. Ich habe Amit nicht getroffen, weil er zu dieser Zeit noch in der Armee war, aber ich traf mit seinen Grosseltern zusammen, die uns auch in Brasilien besucht hatten."

Israel machte auf Sami einen sehr positiven Eindruck, aber kehrte zum Studieren nach Brasilien zurück. Jedoch der Wunsch, hierher zu kommen und hier in Israel zu leben, hatte bereits erste Wurzeln geschlagen. "Im Laufe meines Studiums begann ich, mich sehr für Politik zu interessieren", erzählt er. "Brasilianische Politik interessierte mich nicht und ich sagte mir, wenn ich auf diesem Gebiet einmal arbeiten sollte, dann würde ich es vorziehen, in Israel zu arbeiten. Ich begann ein starkes Gefühl für den Zionismus zu entwickeln."

Und dann kam der Seder-Abend mit dem schrecklichen Terror-Anschlag auf das Park-Hotel. "Mein Chef bei der Arbeit war ein Israeli", erklärte Sami. "Natürlich informierten sich alle Israelis zu diesem Zeitpunkt regelmäßig über das Internet, was in Israel vor sich ging. Eines Morgens, wir saßen im Büro und mein Manager surfte im Internet, als mich plötzlich fragte: "Sag einmal Sami, hast du eigentlich noch Verwandte in Israel?" Als ich ihm antwortete, dass dies der Fall sei, fuhr er fort mich zu fragen: "Haben sie den gleichen Nachnamen wie du?" Als ich erneut antwortete, dass dies der Fall sei, sagte er: "Ich glaube, es wäre besser, wenn du zuhause anrufst. Es ist da von einem Soldaten aus Bat Yam die Rede, der den gleichen Familiennamen wie du hast und der in Jenin getötet wurde." Ich rief meine Großmutter an, die mir mit tränenerstickter Stimme antwortete: "Es ist der Enkel meiner Bruders."

Bis auf den heutigen Tag fällt es Sami schwer zu beschreiben, was er in jenen Tagen fühlte. "Es war, als wärst du es selbst gewesen, der verletzt worden ist. Es war Dein eigenes Blut. Ich konnte mich einige Tage lang nicht konzentrieren. Meine Großmutter war gebrochen; sie sprach in dieser Woche tausende Male mit ihrem Bruder."

Gleichzeitig erreichte während der Operation Verteidigungsschild die palästinensische Propaganda auch Brasilien. "Plötzlich begannen Menschen von einer Abschlachtung in Jenin zu sprechen, das von der israelischen Armee angegriffen worden war", erinnert sich Sami verärgert.

Die jüdische Gemeinde in Sao Paulo, die sich auf etwa 10 000 Menschen beläuft, blieb angesichts der palästinensischen Propaganda nicht still, sondern hielt eine Demonstration zur Unterstützung der IDF und von Israel ab. "An der Demonstration nahmen viele Menschen teil, die Bilder der 13 getöteten israelischen Soldaten in Jenin mit sich führten und diese hochhielten", erzählt Sami.

"Plötzlich sah ich ein großes Bild von Amit darunter. Es war wie ein Zeichen für mich; das gab mir den entscheidenden Anstoß. Ich fühlte, dass ich nach Israel kommen und in die IDF eintreten musste."

Seine Freundin hat sich von Brasilien entfremdet

Seine Freunde in Brasilien waren von seiner Entscheidung schockiert. "Sie fragten mich: "Bist du verrückt? Nicht nur, dass du in einem gefährlichen Land wie Israel leben willst, aber du willst dort auch noch in die Armee eintreten?"

Aber Samis Entschluss stand fest. Er kam in Israel an, lernte an einem Ulpan für Akademiker in Ashkelon fünf Monate lang Hebräisch und trat in die IDF ein. Und angesichts der Tatsache, wie die Dinge nun einmal in der IDF laufen, dauerte es eine ganze Weile, bis sie erkannten, was für eine Perle ihnen da zugelaufen war. Und so kam es, dass dieser junge intelligente Akademiker, der fließend Portugiesisch, Spanisch, Englisch, Französisch, Deutsch und Hebräisch spricht, zum Dienst einer Einheit des Heimatschutzkommandos als Traktor-Fahrer zugeteilt wurde. Nur nach zahllosen Bitten, flehentlichen Schreiben, Treffen und Briefen wurde Sami als internationaler Kommunikations-Unteroffizier dem Büro des Armee-Sprechers zugeteilt.

"Dies ist nicht nur Armee-Dienst für mich”, sagt er, "es ist viel mehr als das. Ich bin davon überzeugt, dass das, was ich tue, wichtig ist. Ich sehe es als eine Mission an. Es ist sehr schwierig, mit ausländischem Kommunikationspersonal zusammenzuarbeiten. Viele der ausländischen Journalisten kommen mit vorgefertigten Meinungen über das, was in Israel geschieht, hierher und ich habe einfach nicht genügend Zeit, mir zu überlegen, wie ich der Welt über sie zeigen kann, dass wir im Recht sind."

Sami wohnt in Tel Aviv und steht mit Amits Familie in Bat Yam in enger Beziehung. "Von dem Augenblick an, an dem ich Aliyah machte, rückten wir sehr eng zusammen. Wir telefonieren mehrere Mal in der Woche und ich besuche sie wenigstens einmal in der Woche." Er verbrachte mit ihnen in diesem Jahr sogar den Seder-Abend.

Und was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

"Gegenwärtig gehe ich davon aus, auch weiterhin in Israel zu leben, trotz der Tatsache, dass viele Leute meine "Verrücktheit” nicht verstehen können. Soldaten, die ich treffe, fragen mich, wo ich geboren wurde. Wenn ich Ihnen sage, dass ich aus Brasilien stamme, sagen sie: "Wie schön für dich, warum bist du hierher gekommen?" Sogar meine brasilianische Freundin, die ich hier in Israel kennen lernte, fühlt sich von Brasilien entfremdet. Ich glaube daran, dass ich hierher gehöre und hier bleiben muss. Ich möchte auch weiterhin in der IDF dienen und letzten Endes im Verteidigungsministerium, im Außenministerium oder im Kommunikationsbereich arbeiten, überall wo ich Israel helfen kann."

Keren Hayesod 04-05-2004

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem