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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

KH-Europadirektor Yankele Snir reiste in die äthiopischen Flüchtlingslager:
Jerusalem – Addis Abeba – Jerusalem: Ein Sprung über 1000 Jahre in 4 Nächten

22.8.2005

Ich fliege gemeinsam mit einer Delegation von Repräsentanten mehrerer Einrichtungen und Organisationen, die daran beteiligt sind, die Falash Mura nach Israel zu bringen. Wir landen auf dem Flughafen von Addis Abeba gegen 9 Uhr abends. Wir werden von dem Gesandten der Jewish Agency und zwei äthiopischen Mitarbeitern begrüßt und willkommen geheißen. Einer von ihnen fährt uns in seinem Toyota in unser Hotel. Auf dem Weg dort hin erzählt er uns, dass seine vier Söhne bereits seit Jahren in Israel leben und zwei von ihnen bei der Grenzpolizei gedient haben. Ich stelle Ihnen die Frage, ob es diesem Mann zusteht, nach Israel kommen zu dürfen, und meine eigene Antwort lautet – Ja!

23.8.2005

Die Delegation besucht die Botschaft Israels, wo wir über die Einstellung der der äthiopischen Regierung informiert werden. Nach den Worten des Botschafters stehen die Zeichen gut, dass die Regierung der Ausreise der 18000 Falash Mura nach Israel im Jahre 2007 zustimmen wird. Wir verlassen das Gebäude über dem Hof, wo sich all jene aufhalten, die dafür bestimmt sind, nach Israel innerhalb einer Woche ausreisen zu können. Sie studieren  Hebräisch, das Judentum und im Rahmen einer Berufsausbildung auf ihr zukünftiges Leben in Israel vorbereitet. Die meisten machen einen müden Eindruck und ihre Gesichter drücken viel Anstrengung aus. Mit der Hilfe eines Übersetzers spreche ich mit einer Frau, die einen älteren Eindruck macht. Sie hat eine Tochter in Netanya und hat seit 11 Jahren darauf gewartet, zu ihr ausreisen  und ihre Tochter wieder umarmen zu können. Wer will sie davon abhalten? Ich jedenfalls nicht!

24.8.2005

Die Delegation fliegt nach Gundar. Die meisten der äthiopischen Juden, die heute in Israel leben, stammen aus dieser Region und gegenwärtig leben auch die meisten der Falash Mura hier. Das Zentrum der Anlage der Jewish Agency beinhaltet auch eine Schule, die von 3000 Schülern besucht wird und in zwei Schichten den Unterricht betreibt! Kein Schüler verpasst auch nur einen einzigen Schultag! Dies auch deshalb, weil jeden Tag jedes Kind eine warme Mahlzeit erhält. Ohne unsere Unterstützung, die Spenden über den Keren Hayesod, würden diese Kinder hungern.

Hunderte von jungen Frauen tragen ihre Babies in Umhängen auf ihren Rücken. Sie erhalten Lebensmittelbeihilfen und sie werden fortwährend im Krankenhaus medizinisch versorgt. Drei Ärzte kümmern sich um die medizinischen Bedürfnisse von 12000 Menschen…

Wir besichtigten die Einrichtungen des Distriktkrankenhauses in Gundar. Im gleichen Augenblick, in dem wir das Gebäude betraten, verließen wir es auch wieder durch den Ausgang auf der Rückseite. Der Gestank von Krankheiten und Tod erfüllt das Gebäude. Ich habe endlich verstanden, warum jene, die in den 90er Jahren in Israel von hier einwanderten, es ablehnten, sich in israelischen Krankenhäusern behandeln zu lassen. Wenn man in Äthiopien in ein Krankenhaus eingeliefert wird, kommt dies fast einem Todesurteil gleich.

Wir nahmen an einem Ma'ariv-Gebets-Gottesdienst in der Synagoge der Anlage teil und hörten den 300 Stimmen zu, die  "Shma Yisrael" ("Höre oh Israel") sangen. Glauben Sie, dass ihre Gebete die Tore des Himmels erreichten? Ich bin mir sicher, dass dies der Fall war!

25.8.2005

Gegen Mitternacht begleiteten wir eine Gruppe von 70 Einwanderern auf ihrer Fahrt zum Flughafen und zum Flugzeug und vier Stunden später waren sie in Israel. Sie waren wie Bräute und Bräutigame zu ihrer Hochzeitsnacht gekleidet und ihren Gesichtern war ein außerordentliches Gefühl anzusehen. Außer ihrer Kleidung, die sie am Leib haben, haben sie fast kein Gepäck bei sich, außer den Büchsen und Utensilien, die sie benötigen, um "Injera" zu machen – das äthiopische Brot. Sie sind wundervolle und edle Menschen. In den nächsten vier Stunden werden sie einen Sprung von über 1000 Jahren von einer Zivilisation in eine andere machen (materiell, wenigstens)!

Möge Gott uns und ihnen die Stärke geben, Israel zu ihrer Heimat und zu ihrer beschützenden Umgebung zu machen.

Und Sie, meine Freunde überall in der Welt, werden Sie uns bei dieser Rettungsarbeit unterstützen? Ich zweifle nicht einen Augenblick daran!

Yankele Snir

Keren Hayesod 16-10-2005

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem