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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Gedanken aus Jerusalem
von Yankele Snir, KH-UIA Europa-Direktor

Liebe Freunde

Jonathan Vlasjuk z"l

Am Morgen des 23. Juli trauerten zwei Frauen um den gefallenen Soldaten Jonathan Vlasjuk. Seine leibliche Mutter in der Ukraine und die Mutter, die ihn im Kibbuz Lahav adoptiert hatte, Dalia Gal.

Jonathan kam alleine im Alter von 16 Jahren als neuer Einwanderer im Rahmen des Naaleh 16-Programmes der JAFI nach Israel. Dalia, die Mutter einer kleinen Tochter (10) adoptierte ihn sofort. Er war ein wundervoller junger Mann, wie sie sagt, der sich so gut an sein neues Leben in Israel gewöhnt hatte.

Weil er entschlossen war, seinem Land zu dienen, trat er freiwillig in eine Elite-Kampfeinheit ein. Im Kampf um Avivim wurde seinem jungen Leben ein plötzliches Ende gesetzt.

Viele tausend Studenten kamen seit 1990 im Ramen des Naaleh-Programmes nach Israel. Die meisten von ihnen wählten Israel als ihre neue Heimat, einige mussten ihren Entschluss mit dem höchsten Preis bezahlen. Wie vor Generation König David, so weinen wir heute um unseren Bruder Jonathan.

"Keshet Eylon"

Am Dienstag abend besuchte ich ein Konzert in Tel Aviv. Keshet Eylon befindet sich im Kibbuz Eylon genau an der Grenze zum Libanon. Es ist weltbekannt für seine Violin-Seminare (zwei mal im Jahr), die von den besten und talentiertesten Violinisten aus der ganzen Welt besucht werden. Die KH Schweiz und Holland haben für Keshet in den vergangenen Jahren viele Beiträge geleistet. Zwischen den pfeifenden Raketen und der aufbrüllenden Artillerie erschien es mir an der Zeit, einem anderen Ton zu lauschen, einem sehr jüdischen Ton: Dem Klang von Violinen.

Das Seminar war eilends verlegt worden, und zwar von Eylon, das jeden Tag mit Katuscha-Raketen angegriffen wird, nach Ra’anana.

Keshet bedeutet "Bogen" auf Hebräisch (Violinbogen, Regenbogen), aber es bedeutet auch "Pfeilbogen", wie er von Bogenschützen verwendet wird! An diesem Abend schickten die jungen Künstler Pfeile voller Liebe und Hoffnung genau in die Herzen des Publikums, das ihnen zuhörte. Ihr Charme und ihre Leidenschaft für die Musik führten uns weit weg von den gefährlichen Zedern des Libanon.

Wieder im Auto auf dem Weg nach Hause, hörte ich im Radio vom Tod von 3 Soldaten, die bei den Kämpfen am Morgen gefallen waren. Möge die andere Musik die Oberhand behalten!

"Hadassah Neuriem"

Erneut ein Besuch im JAFI-Jugenddorf bei Natanjah. Dieses Mal mit einer Solidaritäts-Mission aus Holland. 250 Kinder aus dem Norden, alle aus Äthiopien, verbringen ein Sommerlager , das sie niemals vergessen werden. Etwa 40 freiwillige "Madrichim" (Berater) helfen jeden Tag aus bei der Durchführung der verschiedenen Programme für die Kinder. Wie es Tradition ist, sind die meisten Aktivitäten für die Mädchen und Jungen getrennt.

Nach einer gewissen Zeit stelle ich fest, dass die Mädchengruppen von jungen äthiopischen Frauen im Alter von 17 – 19 Jahren geleitet werden, von denen die meisten bereits mehr als 10 Jahre in Israel leben. Sie erscheinen sicher in ihrem Auftreten, klug, sehr fähig bei der Führung der Mädchen in ihren Gruppen und darüber hinaus sind sie auch so hübsch!

Was für ein Unterschied zu den Äthiopiern, die wir in Addis oder Gondar antreffen. Was für ein Unterschied zu der harten Realität der Eingliederung in Israel, wo es die Jugendlichen aus Äthiopien, die erst vor kurzem eingewandert sind, ziemlich oft sehr schwer haben und sich entwurzelt und verloren vorkommen. Was für einen Unterschied 10 Jahre ausmachen können!

Mikel Levine (22) z"l

Am frühen Morgen des Mittwoch fiel Michel im Kampf bei Zarit. Er war ein Oleh Chadash aus den USA, der ohne seine Eltern in Israel eingewandert war und deshalb bei der IDF den Status eines "alleine lebenden Soldaten hatte". Er hatte darum gebeten, seine Einberufung etwas vorzuverlegen, um sich das Geld für die Miete sparen zu können.

Tausende von alleine lebenden Soldaten, die meisten von ihnen sind neue Einwanderer, dienen in der IDF. Vor zwei Jahren startete die Jewish Agency ein Programm unter dem Namen "Babait Beyachad" (ein gemeinsames Zuhause), in dessen Rahmen eingesessene Israelis dazu aufgefordert wurden, alleine im Land lebende Soldaten zu "adoptieren". Die Reaktion war bemerkenswert.

Meine Familie "adoptierte" ebenfalls zwei Soldaten: Shmuel und Alex wurden unsere Soldaten.
Als der Krieg im Libanon ausbrach, eilte ich ans Telefon, um sie anzurufen und hörte zu meiner grossen Erleichterung, dass beide gerade ihre Familien in der Ukraine besuchten.

Shaar Hanegev

Shaar Hanegev grenzt an Sderoth im Osten und an den Gaza-Streifen im Westen. Im heutigen Sprachgebrauch heisst das Gebiet "Kassamland". Einige KH-Kampagnen sind hier seit Jahren tätig: Holland, Lausanne, Genf, Italien, Deutschland.

Am vergangenen Freitag besuchte ich das Gebiet. Allon Schuster, der unermüdliche Bürgermeister, fuhr uns zur Grundschule, um uns die Schäden zu zeigen, die einschlagende Raketen verursacht hatten. Als wir die Schule erreichten, wurde Allon von seinem Beeper kontakiert. Die Botschaft lautete: Kibbutz Zikim-(einige Kilometer weiter im Norden) Kindergarten, direkt getroffen, 2 Kinder verwundet.

"Also, was machst du"? fragte ich den Bürgermeister. Statt einer direkten Antwort erzählte er mir von einer Diskussion mit einem führenden Politiker der Arbeiter-Partei. Schuster drängte ihn, endlich die Mittel von $ 350 Millionen bereitzustellen, die offenbar für die Entwicklung von Abwehrwaffen gegen die Kassam-Raketen nötig sind. Nach einem Augenblick des Schweigens antwortete der Politiker: "Ich nehme die $ 350 Millionen und bekomme den gleichen Betrag von den USA sowie weiterhin den gleichen Betrag von der EU und investiere über eine $ Milliarde in den Aufbau der Wirtschaft im Gazastreifen, ergäbe das nicht eine weitaus länger anhaltende Lösung gegen Kassam-Raketen?..."
Wir dürfen diesen Gedankengang niemals aus den Augen verlieren.

Schalom an Sie alle aus Jerusalem, unsere Gebete sind bei den Soldaten in den Panzern, bei den Piloten in ihren Flugzeugen, den Tausenden, die in den Bunkern zusammengedrängt ausharren und den Verwundeten, die in ihren Betten leiden.

Mit den besten Grüssen

Yankele

Keren Hayesod 04-08-2006

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem