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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Eingewanderte Soldaten in Israel benötigen Unterstützung:
Ein einsames Leben weit weg von Zuhause

Nach einem Bericht von Natasha Mosgovia
Yediot Acharonot - 23. Mai 2004

Sie kamen alleine nach Israel, beendeten hier ihre Hochschulausbildung und wurden in die Armee eingezogen, viele von ihnen schlossen sich Kampfeinheiten an ● In einigen Fällen erfuhren Eltern von eingewanderten Soldaten vom Armee-Dienst ihrer Söhne in den besetzten Gebieten erst, als sie davon unterrichtet wurden, dass diese im Dienst verwundet wurden oder gefallen waren ● "Ich hege in mir keinen Zorn gegen Israel", sagt der Vater von Unteroffizier Alexei Hayat sel. A., der kürzlich im Dienst entlang der Philadelphia Route getötet worden war. "Ich bin stolz auf meinen Sohn, dass er seine Pflicht erfüllt hat."

Sie wanderten alleine in Israel ein, um sich hier eine bessere Zukunft aufzubauen. Viele von ihnen ließen sich in Kampfeinheiten der IDF einziehen. Einige der eingewanderten IDF-Soldaten sagten ihren Eltern, die sie zuhause zurückgelassen hatten, nichts davon, dass sie in den besetzten Gebieten Dienst taten. Die Eltern einiger dieser Soldaten erfuhren erst dann davon, wenn sie offiziell unterrichtet wurden, dass ihr Sohn verwundet wurde oder im Kampf gefallen war. Andere informierten sich aus den Nachrichten darüber und beteten für die Sicherheit ihrer Kinder. Genauso wie die Eltern in Israel, nur aus einer Entfernung von Tausenden von Kilometern und in den meisten Fällen nicht einmal der Sprache mächtig, in der ihre Kinder Befehle ihrer Kommandeure entgegennehmen.

Kürzlich begleitete der 23jährige Korporal Alexei Rabikovitch seine Mutter Nadia zum Flughafen. Dies war ihr erster Besuch bei ihrem Sohn gewesen, seit er vor vier Jahren in Israel eingewandert war. Sie flog nach Weißrussland zurück und er blieb in Israel zurück, um hier weiterhin in der Luftwaffe zu dienen. Sein Vater war vor 12 Jahren gestorben und er ist das einzige Kind.

Alexei zählte die 1300 Tage, bis ihn seine Mutter endlich das erste Mal besuchen konnte, was ihr im Rahmen des "Keshet"-Programmes der Jewish Agency ermöglicht wurde. Jetzt zählt er die Tage bis zu ihrem nächsten Besuch. Alexei kann nicht einmal mit seiner Mutter über das Telefon kommunizieren, weil sie seit ihrer Geburt taubstumm ist.

"Sie war 28 Tage da und die Zeit ist viel zu schnell vergangen", sagt Alexei. "Es war wundervoll, besonders nach so vielen Jahren, in denen wir nur mit Briefen ein- oder zweimal im Monat in Verbindung treten konnten. Wenn wir kein Papier und keine Bleistifte gehabt hätten, wäre es uns nicht möglich gewesen, den Kontakt aufrechtzuerhalten."

"Es ist schwer für mich, aber für meine Mutter ist es noch viel schwerer. Sie hat niemanden dort außer meiner Großmutter und sie wird verrückt vor Angst. Ich weiß immer noch nicht, woher sie den Mut aufbrachte, mir zu erlauben, nach Israel auszuwandern. Sie kann nicht einwandern, weil sie ihre Großmutter nicht zurücklassen will und sie hat nicht das Geld, um mich regelmäßig zu besuchen. Wenn es mir gelingt, etwas Geld zu sparen, dann schicke ich es ihr. Es ist sehr schwer, mit einer so langen Trennung fertig zu werden, aber hier liegt meine Zukunft."

Eltern folgen ihren Kindern

Die IDF, die Jewish Agency, verschiedene Organisationen und Adoptiv-Familien versuchen gemeinsam so gut zu helfen wie sie können. Diese Hilfe beinhaltet auch die Aufgabe, Eltern nach Israel zu bringen, damit sie ihre Kinder besuchen können, jungen Einwanderern bei der Entscheidung zu helfen, was sie nach dem Militärdienst tun sollen, Geburtstagsfeiern zu organisieren, etc.

Es wurde kürzlich vorgeschlagen, dass sie nicht mehr als "alleine lebende Soldaten" bezeichnet werden sollen, da doch "ganz Israel ihre Familie" sei. Doch ist bei allem Respekt vor den Leistungen der Adoptivfamilien ein Pessach-Sederabend mit dem Oberkommandierenden der Armee nicht das gleiche wie ein Abendessen zu Hause im Kreise der Eltern und der eigenen Familie und auch die "Beit Hachayal" (Hostel für Soldaten) sind kein Ersatz für das eigene Heim.

Eine Umfrage, die kürzlich unter Eltern von alleine lebenden Soldaten abgehalten wurde, ergab, dass es 86% von ihnen in Betracht ziehen, Aliyah zu machen und damit in die Fußtapfen ihrer Kinder zu treten. Soldaten, denen es gelungen ist, ihre Eltern dazu zu überreden, diesen Schritt zu tun, helfen ihnen ebenfalls dabei, sich hier im Land zu integrieren. Einige Eltern werden jedoch durch schreckliche Umständen dazu gezwungen, sich schnell zu integrieren, wenn sie gleichzeitig mit den Einwanderungspapieren auch die offizielle Nachricht von der Verwundung oder dem Tod ihres Sohnes erhalten.

Die Eltern von Vadim Kachlov, einem alleine lebenden Soldaten, der an der Geha-Kreuzung bei einem Terroranschlag im Dezember 2003 verwundet worden war, saßen einen ganzen Monat lang am Bett ihres Sohnes, bevor sie nach Sibirien zurückkehrten. Die Eltern des 24jährigen Sergei Moshin jedoch, die tagelang an seinem Bett saßen, bevor sie überhaupt wussten, was das Wort "Fallschirmjäger" bedeutet, entschieden sich dafür, in Israel zu bleiben.

Sergei wanderte aus der Ukraine nach Israel im Jahre 1977 im Rahmen des Sela-Programmes der Jewish Agency ein (Sela ist das hebräische Akronym für den Begriff "Studenten vor den Eltern"). Er wurde durch palästinensische Heckenschützen in Hebron im Oktober 2001 schwer verwundet. Sein jüngerer Bruder, der ihm nach Israel nachgefolgt war, dient ebenfalls in der IDF. Als sich dieser der Golani-Brigade anschloss, beschlossen seine Eltern, dass es Zeit war, näher bei ihren Söhnen zu leben.

Bevor seine Eltern nach Israel auswanderten, sagten ihnen die beiden Brüder nicht, dass sie in den besetzten Gebieten Dienst taten. "Wir wollten ihnen nicht unnötig Angst machen", sagt Sergei, der gegenwärtig am Ariel College studiert. "Sie waren über die Vorgänge in Israel nicht auf dem Laufenden und wir dachten, dass es besser sei, sie darüber nicht zu informieren. Mutter machte sich über uns große Sorgen, aber sie zogen es niemals auch nur in Betracht, uns zu sagen, dass sie es lieber sähen, wenn wir nicht in der IDF dienen würden."

Schließlich und endlich schickt niemand seine Kinder in ein anderes Land, um in der Armee zu dienen. Sie schicken ihre Kinder nach Israel, um hier zur Schule zu gehen und hier zu leben, nicht um hier zu sterben. Sie denken nicht immer daran, dass sie nach dem Ende der Schule eingezogen werden.

"Es war für uns sehr schwer, als unsere Eltern nicht hier lebten. Wir gewöhnten uns daran, den Shabbat mit Freunden oder im Beit Hachayal zu verbringen. Wir beneideten manchmal die Jungs, die immer mir ihren Eltern über ihre Mobiles sprechen konnten, während wir damit zufrieden sein mussten, mit unseren Eltern nur ein oder zweimal im Monat sprechen zu können. Ich bin froh darüber, dass sie endlich nach Israel eingewandert sind."

Alexei Naikov sel. A. wanderte alleine im September 1996 aus der Ukraine nach Israel im Rahmen des Sela-Programmes ein. Seine Eltern hofften darauf, dass er nach Beendigung der Schulzeit in die Ukraine zurückkehren würde. Alexei gelang es jedoch, seine Eltern dazu zu überreden, nach Israel auszuwandern, er mietete ihnen eine Wohnung in Haifa und half ihnen bei dem gesamten Eingliederungsprozess. Er wurde im Februar 1998 in die Armee eingezogen und diente in einer Kampfeinheit der Pioniere. Acht Monate später fiel er in Kfar Darom.

Leutnant Anatoly Kressik, der stellvertretende Kommandeur der Givati-Einheit "Orev", eine besondere Einsatzkampfgruppe, wurde im Juni 2002 bei einem Gefecht mit Terroristen in Nord-Gaza schwer verletzt. Er erlag einer Woche später seinen Verwundungen. Er hatte erfolgreich seine Familie drei Monate vor seinem Tod dazu überredet, nach Israel auszuwandern.

"Ich bin stolz auf meinen Sohn"

Zwei weitere allein eingewanderte Soldaten wurden getötet, als sie nach dem Ende ihres Militärdienstes als Sicherheits-Beamte arbeiteten. Kyril Shremko sel. A. der im Jahre 2002 eingewandert war, wurde im Mai 2003 bei seinem ersten Diensttag als Sicherheitsbeamter bei einem Terror-Anschlag auf den Zugbahnhof in Afula getötet.

Alexander Kostiyuk sel. A diente in der Grenzwachen-Einheit und wurde im April 2003 bei einem Anschlag auf den Eingang des neuen Kvar Saba Zugbahnhofes getötet, als er versuchte, einen Terroristen daran zu hindern, das Gebäude zu betreten. Zuerst baten seine Eltern darum, ihn in seinem Geburtsland zu beerdigen, aber schließlich stimmten sie zu, sein Begräbnis in Israel abzuhalten.

Vor kurzem erhielten zwei weitere Familien von alleine im Land lebenden Soldaten die schreckliche Nachricht vom Tod ihrer Söhne. Unteroffizier Yaakov (Zelko) Marvitza aus Jugoslawien und Unteroffizier Alexei Hayat aus Russland wurden beide in Gaza getötet. Yaakovs Mutter Rozitza bat darum ihren Sohn in seiner Heimatstadt Novi Sad zu begraben. Alexeis Vater Leonid bat darum seinen Sohn in Israel zu begraben.

"Ich wollte, dass er nach Israel auswanderte", sagte Leonid nach dem Begräbnis seines Sohnes. "Dieses Land akzeptierte ihn und er akzeptierte das Land und er wollte es verteidigen. Er sagte mir, dass er in einer Kampfeinheit diente, aber ich wusste nicht, dass er in Gaza stationiert war. Aus dem Ton seiner Stimme schloss ich, dass er sich an einem gefährlichen Ort befand und er nicht weiter auf Einzelheiten eingehen wollte."

"Ich hege kein Gefühl des Zornes in mir gegen Israel. Ich bin stolz auf meinen Jungen, dass er seine Pflicht erfüllt hat. Aber der Schmerz ist unerträglich. Nur einen Monat nachdem ich ihn besucht hatte, kehrte ich zurück, um ihn zu beerdigen. Ich hoffe, dass wenn ich eines Tages alle meine Verpflichtungen in Russland erfüllt habe, hierher kommen werde, um meine Tochter zu unterstützen und am Grab meines Sohnes zu weinen."

Sergei Moshin, der vor kurzem durch palästinensisches Heckenschützenfeuer in Hebron verletzt worden war: Mein Bruder und ich haben unseren Eltern nie gesagt, dass wir in den besetzten Gebieten stationiert sind. Wir zogen es vor, ihnen diese Information zu ersparen. Wir hatten keinen Grund, sie zu ängstigen."

Korporal Alexei Rabikovich: "Ich weiß immer noch nicht, woher sie den Mut fand, mir zu erlauben, nach Israel auszuwandern. Sie lebt in Weißrussland und wird verrückt vor Angst. Aber hier sehe ich meine Zukunft."

Zweitausendfünfhundert junge eingewanderte Menschen in Israel, die in Israel ohne ihre Familien leben, sind Soldaten.

Gemeinsam mit der IDF wird die neue Stiftung der Jewish Agency unter dem Vorsitz des früheren Richters Eliyahu Vinograd direkte und sofortige Beihilfe offerieren, ganz nach dem Vorbild der bereits sehr effektiven Stiftung zur Hilfe von Terroropfer. 100% der Stiftung kommen direkt jungen Soldaten zugute. Die Stiftung wird sich ernorm auf das Leben dieser jungen Menschen auswirken.

Die Hilfe für Soldaten sieht wie folgt aus:

_ Beihilfe in den Wohnheimen während ihres Militärdienstes
_ Beihilfe für Soldaten, die ihren Militärdienst teilweise oder völlig hinter sich
gebracht haben
_ Finanzielle Beihilfe für die Miete nach der Entlassung aus dem Militärdienst
_ Finanzielle Beihilfe für besondere Bedürfnisse
_ Unterstützung innerhalb des Projektes Bayit Beyachad (gemeinsames
Zuhause)
_ Vorbereitung neuer Rekruten auf den Militärdienst
_ Workshops, in denen sich Soldaten auf das Zivilleben nach dem Ende ihres Militärdienstes vorbereiten können
_ Jede weitere Beihilfe, die das Stiftungskomitee als angebracht erachtet

Keren Hayesod 24-06-2004

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem