israel-tourismus.de / nahost-politik.de / zionismus.info / hagalil.com
Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Das israelisch-arabische Fußballteam Sakhnin gewann das israelische Pokalfinale:
Co-Existenz durch den Sport – Eine Hoffnung für die Zukunft

"Wir sind das wirkliche Beispiel des friedlichen Zusammenlebens"

Ichud Bnei Sakhnin, der Club, der vor kurzem das nationale Fußball-Cup-Finale gewonnen hat, feiert auch heute noch. Auch die jüdischen Fans des Clubs sind voller Stolz. "Die politischen Meinungen sind unwichtig", sagt der Spieler Tomer Eliyahu, "Was zählt, ist der Zusammenhalt, den wir hier füreinander zum Ausdruck bringen. Nirgendwo sonst habe ich ein derartiges Gefühl des Teamgeistes und des Zusammenhalts gefühlt."

Nach einem Artikel von Avinoam Porat und Assar Talhami, Yedihot Aharonot, 09.05.04


Sakhnin-Kapitän Abbas Suan hält den Israelischen Pokal nach dem 4 : 1 - Sieg über Hapoel Haifa FC im National-Stadion von Ramat Gan jubelnd in die Höhe
©Getty Images

Tel Aviv – Ein großer Teil der Danan-Familie aus Beit Shean, die neun Brüder und ihren Vater umfassen und deren Hauptinteresse mehr in der Religion als im Fußball liegt, sind aktive Anhänger von Shas (Israels sephardische religiöse Partei). Shimon, der älteste Bruder, war der Star von Hapoel Beit Shean als der Fußballclub in den 90er Jahren um sein Überleben kämpfte, und er beendete seine aktive Fußballer-Laufbahn im Alter von 31 Jahren als er ein religiöses Leben zu führen begann.

Sein jüngerer Bruder Avi, 29, trägt in der zweiten Saison das Trikot von Ichud Bnei Sakhnin. "An den Freitagen besuchen Mannschaftskapitän Abbas Suan und die anderen moslemischen Spieler die örtliche Moschee für ihre Nachmittagsgebete und ich besuche in Beit Shean die Synagoge an den Freitagabenden. Wir sind alle sehr gläubig, nur in verschiedenen Religionen. Letzten Endes, egal ob in der Synagoge oder in der Moschee, denken wir alle nur an das eine – an den Erfolg von Sakhnin", sagt Avi Danan.

Die Stadt Sakhnin wird auch weiterhin noch mehrere Tage den Erfolg ihres Teams feiern. Da kam die Hochzeit einer der Spieler, Samar Miari, gerade recht, die sich in eine jubelnde Feier verwandelte. Hunderte von Gästen kamen, um ihren Idolen ganz nahe zu sein, da Augenblicke wie diese nicht nur nicht versäumt werden dürfen, sondern auch für die Nachwelt auf Film festgehalten werden müssen, um diese Bilder eines Tages zukünftigen Generationen zeigen zu können.

"Wir, die arabischen Bürger, haben nicht allzu viele Gründe zum Feiern", sagt der Fan Mohamed Ghnaim, als er den Grund für den Freudenausbruch zu erklären versucht. "Alles, worauf wir hoffen können, sind einige Erfolge im Fußball, der unseren Lebensinhalt darstellt."

El-Jazeera überträgt das Finale

Am Freitag, 7. Mai, veröffentlichte die einflussreiche in London erscheinende arabische Tageszeitung Al-Hayat die erstaunliche Geschichte von Ichud Bnei Sakhnin aus Israel und das sogar auf der Seite 1. Das libanesische Fernsehen hat Sakhnin bereits Sendezeit eingeräumt, eine Stadt im Norden von Israel mit einer Bevölkerung von 27,000, einer Arbeitslosenquote von 17% und einem Fußballteam, das Geschichte geschrieben hat. Die arabische TV-Station Al-Jazeera hat vor, eine geschichtsträchtige Sendung zu übertragen – das erste israelische Fußballcup-Finale mit einer Mannschaft aus dem arabischen Sektor. Und das ist erst der Anfang, sagen die Bewohner der Stadt, die dem Spiel völlig verfallen sind.

Aus welchem Blickwinkel man dies auch sehen will, die Geschichte von Ichud Bnei Sakhnin ist ein ungewöhnlich. Als erstes hat diese Mannschaft nie zuvor dagewesene Erfolge für ein Team aus dem Sektor erreicht. Zweitens ist  Sakhnin der Ort, wo die Land-Unruhen im Jahre 1976 ausbrachen, bei denen zwei Einwohner der Stadt ums Leben kamen. Zwei weitere Einwohner wurden auch bei den Unruhen im Oktober 2000 getötet und darauf wurde zu ihrem Gedenken Kikar Hashuhada (Martyrer-Platz) in der Stadt gebaut, nicht weit entfernt vom Haus des Team-Bosses Mazen Ghnaim, der in israelischen Fußball-Kreisen als Symbol der Co-Existenz angesehen wird.   

Ob nun symbolisch oder durch Zufall, Sakhnins arabische und jüdische Anhänger feierten den Aufstieg in die Premiere League am Ende der letztjährigen Fußballsaison auf diesem Platz. Und so Gott will – wie sowohl Juden wie Araber zu sagen pflegen – wird dieser Platz der wahrscheinliche Ort der Feiern sein, wenn das Team den Nationalpokal aus den Händen von Israels Staatspräsident Moshe Katzav erhalten sollte. Damit dies geschieht muss die Mannschaft das Team von Hapoel Haifa im Finale schlagen, was für sich gesehen bereits ein Grund für eine Überraschung wäre.  

"Die Tatsache, dass wir am Kikar Shuhada feiern, hat nichts mit Politik zu tun, jedenfalls was uns betrifft. Sakhnin ist mein zweites zuhause und das sage ich nicht nur so daher. Frage jeden jüdischen Fußballspieler einmal danach, wie er in dieser Stadt willkommen geheißen wird", sagt  Danan, der alle möglichen Interessenkonflikte zurückweist, so wie dies jeder gute Verteidiger auf dem Spielfeld tun würde.

Danan sagt, dass er bereits in den Häusern der meisten Anhänger des Teams als Gast gewesen ist. Es ist einfach unmöglich, eine Einladung abzulehnen. "Sie bereiten uns ein Festmahl, erdrücken uns fast mit ihrer Zuneigung und hassen es, wenn wir gehen müssen. Wir gehören zu ihnen. Warum sollten wir also Politik ins Spiel bringen?"

Haben die Sakhnin-Spieler bereits Ihr Haus in Beit Shean besucht?

Einige haben dies bereits getan und sie zeigen sich immer interessiert. Als wir die Brit Mila (Beschneidung) meines Sohnes Hilai feierten, fragten sie uns über die Vorgänge der Feier aus, über das Wie und Warum."

Seine Verteidigungspartner, der 29jährige Tomer Eliahu, der jeden Tag die vierstündige Reise von Ramat Gan nach Sakhnin macht, will seine politischen Ansichten nicht preisgeben. "Sie sind nicht wichtig, weder in professioneller Hinsicht noch in Bezug auf die Zuneigung, mit der wir aufgenommen werden. Ich habe für Hapoel Tel Aviv und Hapoel Rishon Lezion gespielt und nirgendwo sonst habe ich das Gefühl der Einheit unter den Spieler so gefühlt wie hier. Und die Mannschaft setzt sich aus Juden, Moslems und Christen zusammen. Sie sind bis zum Wahnsinn ehrgeizig und darauf aus zu gewinnen – erfüllt mit einer Art von feinem Irrsinn."

Aber in einem Land, das unter fortwährenden Terroranschlägen leidet, ist es doch schwierig der Realität zu entkommen.

"Am Anfang waren wir uns nicht sicher, wie wir diese Sache hier behandeln sollten. Nach jedem Anschlag sah ich in ihre Gesichter und erkannte, wie unangenehm sie sich fühlten und wie sehr auch sie sich davon betroffen fühlten. Wir haben einen Zustand erreicht, wo die Beziehung zwischen jüdischen und arabischen Mannschaftsspielern derjenigen von Brüdern gleicht."

Viele der jüdischen Nachbarn der Stadt sind ebenfalls treue Anhänger und versäumen nicht einen der historischen Augenblicke der Mannschaft. Der größte Fan der Mannschaft ist Adi Gross aus dem Kibbuz Lotem, der voller Stolz fast platzt. "Es ist einfach phantastisch!" sagt er.

Der Boss blieb cool

Die Geschichte von Sakhnin ist großartig, das Außergewöhnliche wurde aus dem Nichts geschaffen. Wir sprechen nicht über eine gut geölte Sportorganisation. Bis vor kurzem, also bis 1994 spielte das Team noch in der Nationwide League, mit anderen Worten, in der fünften Liga! Der Boss des Teams, Mazen Ghnaim, war bereits damals an dem Team beteiligt. Genau vor einem Jahr, in der Endrunde der National League, schlug Sakhnin die Mannschaft von Kiryat Gat und stieg entgegen aller Erwartungen in die Premiere League auf.

Ghnaim erinnert sich daran wie er, als Spieler and Fans die Leistungen des Teams feierten, sehr zurückhaltend und reflektierend blieb. "Ich wurde gefragt, warum ich mich den Feiern nicht anschloss und ich antwortete darauf: "Ich plane bereits für die Zukunft, wie wir ein Team für die nächste Spielzeit   aufbauen und vorbereiten können, um an der Spitze zu bleiben und den Club ehrenvoll zu repräsentieren. Viele Mannschaften haben die Premiere League in der Vergangenheit erreicht und sind dann auseinander gebrochen. Wenn wir in der Liga bleiben wollen, dann wollen wir das richtig tun."

Am nächsten Tag saßen wir 24 Stunden zusammen und planten eine völlige Reorganisation des Clubs für die nächste Saison, die der Premiere League gewachsen war. Jetzt, da wir das Cup-Finale erreicht haben, und es fast sicher ist, dass wir in der Premiere League bleiben, kann ich diese Augenblicke des Glücks in Kiryat Kat heute und am folgenden Tag erneut erleben."

Das größte Problem des Clubs war die Tatsache, dass der Fußballplatz von  Sakhnin den Anforderungen der Premiereship nicht genügte. Jedes Team betrachtet sein eigenes Stadion als seine Burg. Sakhnin war jedoch dazu gezwungen, zu reisen und seine Rivalen in Haifa zu empfangen. Das war keine einfache Sache für ein arabisches Team. Ein Spiel gegen Ashdod, das in Kiryat Eliezer angesetzt war, musste einige Stunden nach dem mörderischen Anschlag auf das 'Maxim'-Restaurant in Haifa abgesagt werden. Es war wirklich ein schwarzer Samstag.

Es ist schon schlimm genug, dass Sakhnin kein eigenes Stadion hat, aber das Team hat nicht einmal einen Trainingsplatz zuhause. Glücklicherweise hat ein Einwohner von Sakhnin einen privaten (!) Fußballplatz gebaut und diesen seinem Lieblingsteam zur Verfügung gestellt. Während der regnerischen Jahreszeit im Winter verschlechterten sich die Bedingungen derartig, dass das Team dazu gezwungen war, sich jede Woche einen anderen Fußballplatz suchen zu müssen.

Ghnaim Traum ist es jedoch, die Eröffnung des neuen Stadions von Sakhnin erleben zu können. Das einzige Problem liegt darin, dass die Erfüllung des Traumes NIS 10 Millionen kostet.  Mazen wandte sich an Minister und Einrichtungen und wurde nicht müde, herumzubetteln. Nur eine Person, Arik Sharon, stellte sich der Herausforderung. "Arik versprach NIS 3 Millionen und schickte einen Scheck. Wir sind ihm sehr dankbar. Der Bau wurde jedoch im Zustand der Entwässerung gestoppt, weil die Stadt in ernste finanzielle Schwierigkeiten geriet und auch weitere Mittel von anderen Quellen nicht eintrafen. Die Pläne sehen den Bau eines Stadions vor, das 65.000 Besuchern Platz bieten soll."

Falls und wenn der Europäische Traum wahr werden sollte, so spricht Mazen Ghnaim nicht nur über die Geschichte eines arabischen Teams, das in Europa spielt. Er will auch darüber sprechen, an was es mangelt. "Jeder in Europa wird wissen, dass das Team, das Israel repräsentiert, nicht einmal über eigene Trainingseinrichtungen verfügt. Es ist eine absolute Schande."

Die ganze Region wird repräsentiert

"Es stimmt", sagt Mazen Ghnaim, "dass wir stolz darauf sind, unsere Region vertreten zu dürfen. Aber wir machen viel mehr als das. Wissen Sie eigentlich, wie viele jüdische Anhänger wir in dieser Region haben? Alle im gesamten Segev-Gebiet sind unsere Anhänger und haben uns ihre Häuser geöffnet. Wir repräsentieren das anliegende Karmiel und Nahariya. Wir sind das Team der Region und die Co-Existenz bezieht sich nicht nur auf die Spieler. Wir sind das wirkliche Beispiel einer Co-Existenz."

Chairman Ghnaim erstaunte alle als er den Trainer des Clubs ernannte. Er wählte den 38-jährigen Eyal Lachman aus Hod Hasharon, einen Fußball-Philosophen. "Die Co-Existenz zwischen Arabern und acht Juden ist nicht auf mich zurückzuführen. Es ist der einzigartige Charakter der Spieler, die das erreicht haben", sagt er.

Lachmans größte berufliche Leistung lag in der Auswahl der auswärtigen Spieler. Da Sakhnin eine Menge von heimischen relativ billigen Spielern hervorbringt, war er dazu in der Lage, einen großen Teil des Budgets des Clubs für den Kauf von ausländischen Spielern zur Verstärkung des Teams auszugeben. Gavriel Lima aus Brasilien, der im letzten Jahr kam, blieb bei dem Team. Er fügte darauf den polnischen 'Dynamo" Dariusz Jaskewicz hinzu, der permanent läuft und auch seine Haartracht ständig ändert, es kam der ausgezeichnete Verteidiger aus Kameroon, Ernst Etchi und Komoko Camara, der Torwart der Nationalmannschaft von Äquatorial Guinea, zum Team.

Er ist ein besonderer Charakter, dieser Camara. Es ist in Sakhnin zu einem derartigen Hit geworden, dass die örtliche Kabel-Station sich dazu entschloss, alle seine Spiele im Team von Giunea live zu übertragen. Er ist auch der einzige Moslem unter den importierten Spielern und besucht manchmal den Gottesdienst in der örtlichen Moschee. Seine Mitspieler rufen ihn "Abu-Mohamed".

Ein Star nach israelischen Verhältnissen ist Lior Assoulin, einer der schnellsten Spieler des Landes. Er stammt aus Ra'anana und ist ziemlich verwöhnt, er beschloss, dass es eine gute Idee sein könnte mit Lachman zusammenzuarbeiten und er zog Sakhnin den Mannschaften im Zentrum des Landes vor. Zuerst mietete er eine Wohnung in Haifa, aber er fühlte sich von seinen Freunden abgeschnitten. Jetzt fährt er täglich gemeinsam mit  Lachman, Tomer Eliahu und dem Ersatztorhüter Sagy Strauss hin und her.

Nidal Shalata, der 29jährige rechte Verteidiger und Turnlehrer in der örtlichen Sakhnin-Schule, wurde kürzlich gefragt, ob die arabischen Spieler der National-Hymne ihren Respekt erweisen würden. Er war von der Frage fast beleidigt. "Natürlich singen wir die 'Hatikvah". Sind wir nicht alle Israelis?! Wir vertreten sowohl den Sektor wie Israel. Wir werden Europa zeigen, was echte Co-Existenz in Israel wirklich bedeutet."

Keren Hayesod 04-06-2004

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem