|

Nach den neuesten statistischen Zahlen:
Zahl der Juden in der Diaspora ging seit 1970 um ein
Viertel zurück
Von Amikam Bareket, Haaretz
Jerusalem (KH) - Die Zahl der Juden in der Diaspora
ist seit 1970 um ein Viertel zurückgegangen. Dies wurde mit genauen
Zahlen bei einer Konferenz enthüllt, die vor einigen Tagen im "Jewish
People Policy Planning Institute" in Jerusalem stattfand.
Die Zahlen, die von Prof. Sergio Della Pergola von der Hebrew
Universität vorgestellt wurden, verweisen darauf, dass gegenwärtig
7,750,000 Juden außerhalb von Israel leben, verglichen mit etwa 10
Millionen im Jahre 1970.
Die bedeutende Zunahme der Zahl der Juden, die sich in diesem Zeitraum
in Israel niederließ, führte zu der Schlussfolgerung, dass die
Gesamtzahl der Juden in der Welt von heute nicht abgenommen hat.
Vielmehr ist eine leichte Zunahme zu verzeichnen von 12,645,000 im Jahre
1970 auf fast 13 Millionen im Jahr 2005. Jedoch hat die Weltbevölkerung
seit 1970 um über 70 % zugenommen, und somit hat sich der prozentuale
Anteil der Juden an der Weltbevölkerung um ein Drittel verringert, und
zwar von 0.35% im Jahre 1970 auf 0.21% im Jahre 2005.
Nach den Angaben von Prof. Della Pergola ist der Rückgang der Zahl der
Juden in der Diaspora auf niedrige Geburtenraten zurückzuführen sowie
auf Assimilation und Massenauswanderung nach Israel aus der früheren
Sowjet-Union in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die
Auswanderung führte zu einem Rückgang der jüdischen Bevölkerung in den
Zentren der früheren Sowjet-Union um etwa 90 Prozent. Dagegen hat sich
die Zahl Juden, die in Israel leben, verdoppelt, was auf Einwanderung
und eine positive Geburtenrate zurück zu führen ist.
Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte ist in diesem Jahr
festzustellen, dass die Zahl der Juden, die Israel lebt, der Zahl der
Juden entspricht, die in den Vereinigten Staaten von Amerika wohnt. Das
Stadtgebiet von Tel Aviv hat New York als "größte jüdische Stadt" in der
Welt abgelöst.
Aber auch andere Länder haben von der jüdischen Auswanderung aus der
früheren Sowjet-Union profitiert. Die jüdische Bevölkerung in
Deutschland hat seit 1970 einen sprunghaften Anstieg um 236% zu
verzeichnen, nachdem etwa 100 000 Juden es vorzogen, im vergangenen
Jahrzehnt in dieses Land einzuwandern. Einwanderung war auch der
wichtigste Grund für die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Kanada und
Australien. In den Vereinigten Staaten jedoch blieb die Zahl der Juden
konstant, trotz der Einwanderung von tausenden von Juden aus der
früheren Sowjet-Union und aus Israel.
Massenauswanderung hat in den letzten Jahren auch die Zahl der Juden
zurückgehen lassen, die in verarmten Ländern leben. Etwa 90 Prozent der
jüdischen Bevölkerung in der Welt leben heute in Ländern, deren
Lebensstandard vergleichbar mit Israel ist oder diesen sogar noch
übersteigt.
Prof. Della Pergola geht davon aus, dass diese Abnahme in den kommenden
Jahren weitergehen wird, was auf demographische Entwicklungen in
jüdischen Gemeinden und besonders auf niedrige Geburtenraten
zurückzuführen ist, die leider typisch sind für Gegenden mit hohem
jüdischen Bevölkerungsanteil. Im Jahre 2000 zum Beispiel gab es in ganz
Russland lediglich 613 jüdische Geburten denen 8,218 jüdische Todesfälle
gegenüberstanden. In Großbritannien wurden im Jahre 2002 2665 jüdische
Geburten registriert denen 3670 Todesfälle in der jüdischen Bevölkerung
gegenüberstanden.
Ein weiterer Faktor, der nach den Angaben von Della Pergola zur Abnahme
der Zahl der Juden beiträgt, ist die relativ hohe Zahl der
interkonfessionellen Ehen. Im Jahre 2000 waren in Russland 70% aller
jüdischen Frauen und 80% aller jüdischen Männer mit nichtjüdischen
Partnern verheiratet. In den Vereinigten Staaten liegt der prozentuale
Anteil der Mischehen bei etwa 50% und in Südamerika und Europa liegt der
Anteil zwischen 35% - 44%. Der durchschnittliche Anteil der Mischehen
unter Juden in der Diaspora liegt bei 48%.
Della Pergola fügte hinzu, dass Mischehen mehrere komplexe Probleme vom
demographischen Gesichtspunkt her verursachen. Einerseits führt dieser
Umstand zu einer Abnahme der Zahl der Kinder, die als Juden aufwachsen,
weil sich lediglich ein Drittel der Kinder, die in Mischehen geboren
werden, selbst als Juden betrachten. Andererseits führen die Mischehen
zu einer bedeutenden Zunahme der, wie er es bezeichnete, "erweiterten
jüdischen Bevölkerung", die all jene mit einschließt, die wenigstens
einen jüdischen Verwandten haben. Die erweiterte jüdische Bevölkerung in
Russland ist fast zweimal größer als die eigentliche jüdische
Bevölkerung. Die erweiterte jüdische Bevölkerung in den Vereinigten
Staaten ist um 66 Prozent größer als die eigentliche jüdische
Bevölkerung.
Meretz-Yachad Partei-Vorsitzender Yossi Beilin sagte, dass diese Zahlen
es notwendig machen, die Definition der Frage zu überdenken "Wer ist ein
Jude?” Beilin sagte: "Wir sollten das Verschwinden der Diaspora-Juden
nicht als eine feststehende Tatsache hinnehmen. Die zukünftige Zu – und
Abnahme der Zahl der Juden hängt zum großen Teil auch von uns selbst ab,
nämlich wie wir Juden definieren." Auf sein Drängen hin beschloss die
Meretz Partei, in ihr Grundsatzprogramm die Forderung aufzunehmen, das
Rückkehrergesetz entsprechend zu ändern und die darin enthaltene
Definition, wer als Jude anzusehen ist, auch auf Kinder von jüdischen
Vätern anzuwenden, die sich selbst als jüdisch ansehen und keiner
anderen Religion angehören. Nach den Worten von Beilin wird diese neue
Definition zusammen mit dem Ausbau der jüdischen Erziehung zu einer
bedeutenden Zunahme der jüdischen Bevölkerung in der Welt führen.
Auf etwa 10 Millionen Amerikaner trifft das Rückkehrergesetz
zu
An der letzten Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten war eine nie
zuvor da gewesene Zahl von Juden beteiligt: Vier der acht
Präsidentenkandidaten, die an den Vorwahlen der Demokratischen Partei
teilnahmen, hatten einen jüdischen Großelternteil und damit waren sie
entsprechend des Rückkehrergesetzes dazu berechtigt, in Israel
einzuwandern, wenn sie dies wollten.
Nach den Angaben von Prof. Della Pergola sind etwa 10 Millionen Bürger
der Vereinigten Staaten nach dem Rückkehrergesetz dazu berechtigt, in
Israel einzuwandern. Darüber hinaus wird die jüdische Identität in den
Vereinigten Staaten immer vielschichtiger und pluralistischer indem sie
immer weniger auf einen gemeinsamen Nenner von grundsätzlichen Werten
zurückzuführen ist. Die Zahl der Personen, die entsprechend der Vorgaben
der Halacha als Juden definiert werden können, nimmt allmählich ab, und
immer weniger Juden beteiligen sich an Gemeindeaktivitäten.
Andererseits ist eine beeindruckende Zunahme von zwei anderen
Bevölkerungsgruppen im jüdischen demographischen Spektrum zu
verzeichnen: Bei den orthodoxen Juden und der erweiterten jüdischen
Bevölkerung, die nichtjüdische Ehepartner mit einschließt.
Diese Situation kam sehr deutlich in einer Umfrage in der jüdischen
Gemeinschaft der Vereinigten Staaten zum Ausdruck, die im Jahre 2001 von
den Vereinigten Jüdischen Gemeinden von Nord-Amerika durchgeführt wurde.
Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass sich die eigentliche jüdische
Bevölkerung in den USA auf etwa 5,2 Millionen Personen beläuft, von
denen sich lediglich 4.4 Millionen als jüdisch definierten, während sich
der Rest, der sich als "keiner anderen Religion zugehörig” fühlte, einen
"definitiven Bezug zum Judentum” hatte, wie zum Beispiel durch jüdische
Eltern. 6,8 Millionen Amerikaner haben wenigstens einen jüdischen
Elternteil und 8,8 Millionen wuchsen in einem Haushalt mit mindestens
einem Mitglied jüdischer Herkunft auf.
Keren Hayesod 23-05-2006
|