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Yom Haatzmauth-Gruß des Botschafters und des Zentralrates
Chaverim, liebe Freunde!
In wenigen Tagen werden
wir den 54. Yom Ha'atzma'ut des Staates Israel begehen. Leider konnten
wir in diesem Jahr unserem größten Wunsch, dem Frieden, nicht
näherkommen. Stattdessen stehen wir vor der nie dagewesenen
Herausforderung, sich dem Selbstmordterrorismus zu widersetzen. Kaum ein
anderer Staat der Welt ist solcher Gefahr ausgesetzt. Mehr als 420
Israelis, darunter mehr Zivilisten als Soldaten, sind seit dem Ausbruch
des palästinensischen Amoklaufes zum Opfer gefallen. Diese Terrorwelle
macht keinen Unterschied zwischen Männern, Frauen und Kindern. Allein im
Monat März wurden 126 Israelis bei Terroranschlägen ermordet, darunter
25 Frauen und 6 Kinder unter 18 Jahren. Wir werden die Gefallenen in
unserem Gedächtnis bewahren. Ebenso auch das Andenken an die Opfer des
Pessach-Massakers, bei dem im Hotel von Netanya 27 Zivilisten umgebracht
wurden, die zusammen mit ihren Familien den Beginn des Festes feiern
wollten. Wir werden auch die elf Jugendlichen nicht vergessen, die von
ihrem Treffen im Jerusalemer Café „Moment“ nicht nach Hause
zurückkehrten. Unsere Gedanken sind außerdem bei den 16 Zivilisten,
darunter zwei Familien, die im Restaurant „Matza“ in Haifa während eines
Essens getötet wurden.
Diese schrecklichen
Bilder scheinen nicht bis in jeden Haushalt in Europa und in die ganze
Welt vorgedrungen zu sein, ebenso haben wir Demonstrationen gegen den
palästinensischen Terror in Europa vermißt. Wir haben in den Zeitungen
keine mahnenden Briefe von Politikern gelesen und keine Welle von
Feindschaft gegenüber Arafat verspürt, dem Friedensnobelpreisträger, der
für die Blutbäder die Verantwortung zeichnet. Während Israel einen
legitimen Kampf gegen den Terror führt, hören wir von vielen Seiten
Stimmen, die Israel verurteilen.
Wie kann ein vernünftiger
Mensch eine Operation, in der israelische Soldaten Haus für Haus
durchsuchen, um Terroristen aufzuspüren, die Kleinkinder und Frauen
ermordeten, mit dem schrecklichen Namen „Vernichtungskrieg“ bezeichnen?
Kann das deutsche Gewissen ihn nicht daran hindern, solche unsinnigen
Dinge zu formulieren? Sind die Mörder der Hamas, des Islamic Dschihad,
der Tanzim und der Al Aksa-Brigaden, die über Hunderte von Zivilisten
auf ihrem Gewissen haben und sich in der Kasba von Nablus und den
Flüchtlingslagern von Jenin verstecken, wirklich unantastbar? Soll man
sie weiter morden lassen? Was würden andere Regierungen unternehmen,
wenn ihre Bürger jeden Tag zu Dutzenden durch Terroristen ermordet
würden?
Dokumente, die Israel in
Ramallah und anderen Orten aufdecken konnte, haben bestätigt, was jedem
Israeli ohnehin schon seit langem bekannt ist: Arafat ist persönlich in
die Terroraktivitäten involviert. Nicht nur, daß er mit seiner eigenen
Stimme in den palästinensischen Fernsehsendern zur Gewalt aufruft, nicht
nur, daß er „Millionen Märtyrer zum Marsch nach Jerusalem“ auffordert
und sich selbst wünscht „Allah, laß mich Märtyrer werden“. Arafat
finanziert die Bombenanschläge und Selbstmordattentäter mit dem Budget
der Palästinensischen Autonomiebehörde, die wird durch externe
Fördergelder mitfinanziert. So werden Frauen und Kinder in die Luft
gesprengt, und Arafat trägt die finanziellen Kosten. „Pro Woche müssen
wir neun Bomben garantieren, 500 Schekel der Sprengsatz“, so lautet der
Antrag der Al Aksa-Brigaden an Arafat. Sie sprengen Frauen und Kinder in
Caféhäusern in die Luft, bei Bat-Mitzwa-Feiern oder an Bushaltestellen.
Und der Friedensnobelpreisträger unterschreibt: „Mit der Bitte um
Genehmigung der finanziellen Kosten für Raid Carmi und Mahmud
Daas“. Das sind abscheuliche Mörder und Mitglieder der
Tanzim-Organisation, die Arafat untersteht.
Mit Erstaunen haben wir
die mißbilligenden Äußerungen des portugiesischen Schriftstellers
Saramago gelesen, der Ramallah mit Auschwitz vergleicht. Talent zum
Schreiben allein genügt eben nicht, wenn das Herz nicht am richtigen
Fleck ist. Mit Erschütterung haben wir die Bemerkungen dreier von
insgesamt fünf Mitgliedern der Richtervereinigung in Oslo zur Kenntnis
genommen, die ihr Bedauern zum Ausdruck brachten, daß Shimon Peres
Friedensnobelpreisträger ist.
Sie meinten Peres und
nicht etwa Arafat! Solche Dinge muß man mehrmals lesen, um begreifen zu
können, wie weit bei manchen Menschen das Urteilsvermögen angeschlagen
ist.
Liebe Freunde,
mehr als je zuvor sind
wir auf die Solidarität der jüdischen Gemeinden mit dem Staat Israel
angewiesen. Es genügt nicht, Eure Fassungslosigkeit und Bestürzung im
stillen Kämmerlein auszudrücken. Die schweigende Masse muß ihre Stimme
gegen den Terror, gegen die Gewalt und gegen die unglaubliche Front der
Lügen und der Desinformation, die innerhalb der deutschen Öffentlichkeit
gegen den Staat Israel verbreitet wird, endlich erheben.
Wieder muß der Staat
Israel in diesen Tagen um seine Existenz kämpfen, um einen Staat, damit
Israel die Sicherheit seiner Bürger wiederherstellen kann. Es ist
unerträglich, daß sich Juden auf den Straßen Europas bedroht fühlen und
die Synagogen 57 Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges erneut brennen.
Wo Haß und Terror gegen Israel gepredigt wird, ebnet man den Weg zur
Verbrennung von Thorarollen und zu Ausschreitungen gegen Juden.
Liebe Freunde, wir haben
ein gemeinsames Schicksal. Wir haben schon viele schwere Krisen
überstanden und auch diese werden wir bewältigen. Nicht die „Besatzung“
hat den palästinensischen Terror erzeugt, wie es die Palästinenser in
ihrer Propaganda verbreiten und es vielen in den deutschen Medien und
insbesondere in intellektuellen Kreisen glaubhaft machen wollen. Viele
möchten es nicht wahrhaben, daß der wahre Grund für Gewalt und Terror in
der Weigerung der Palästinenser und großer Teile der arabischen Staaten
besteht, das legitime Existenzrecht des jüdischen Staates im Nahen Osten
anzuerkennen. Wenn Arafat gewollt hätte, hätte er bereits vor 20 Monaten
einen palästinensischen Staat in der Westbank ausrufen und damit mehr
als 1400 Menschen ihren Tod ersparen können. Doch Arafat ist kein Mann
des Friedens, des Kompromisses und der historischen Vision. Im
Gegenteil, er hat die Friedensvorschläge von Camp David torpediert und
die Umsetzung des Mitchell- und Tenet-Planes verhindert. Bis jetzt
weigert er sich hartnäckig, den Waffenstillstand auszurufen.
„Arafat hat verschiedene
politische Gelegenheiten versäumt und die Menschen um ihre Hoffnungen
betrogen, statt ihr politischer Führer zu sein“, erklärte Präsident Bush
vor einigen Tagen. In den letzten acht Jahren, die seit dem Händedruck
mit Jitzhak Rabin vergangen sind und bei dem sich Arafat zu einer
Beendigung des Terrors verpflichtete, hätte er sein Volk zum Frieden mit
Israel erziehen können. Stattdessen hat er eine Generation von Kindern
erzogen, die bereit dazu ist, ihr Leben als Märtyrer zu beenden. Es ist
eine erschreckende Kultur des Todes, die eine moralische und
militärische Herausforderung für die zivilisierte Welt bedeutet. Die
jüdisch-christliche Welt befürwortet eindeutig das Recht des Lebens.
Arafat hat mit seinen eigenen Händen eine Gesellschaft geformt, deren
kulturelle Persönlichkeiten nicht Denker, Wissenschaftler oder Musiker
sind, sondern junge Menschen, die davon träumen, sich in den
israelischen Einkaufszentren in die Luft zu sprengen.
Trotz der Kämpfe und der
Verluste hegen wir immer noch die Hoffnung, daß aus der von Arafat
verursachten Verwüstung eine positive Zukunft für den Nahen Osten
hervorgehen kann. Israel tritt als starker, vereinigter Staat in sein
55. Lebensjahr, als ein Staat, der an seine Stärke und an die
Gerechtigkeit glaubt. Trotz der derzeitigen Krise zählt die Geschichte
Israels zu einer der größten Erfolgsgeschichten des 20. Jahrhunderts.
Nur wenige Jahre nach der Vernichtung des jüdischen Volkes in Europa
haben wir einen Staat mit einer Flagge, einer Armee und einer Hymne. Wir
haben die hebräische Sprache wiederbelebt und vierzig Prozent des
jüdischen Volkes in unserem Land versammelt. Die Einwanderung aus
verschiedenen Ländern hält weiterhin an. Juden in Israel sind stolz,
Staatsbürger Israels zu sein.
Israelis wissen beim
Kampf gegen den Terror, daß sie ihr Zuhause, ihre Ehefrau und ihre
Kinder verteidigen. Israel ist nicht nur führend in der Technologie,
sondern auch in seiner beispiellosen kulturellen Entfaltung.
Ich möchte Sie anläßlich
des Yom Ha'atzma'ut herzlich grüßen und uns allen ein ruhiges,
friedliches Jahr wünschen. Möge unser Bund sich als Quelle der Hoffnung
und des Glaubens erweisen.
Mit herzlichen Grüßen und
Shalom,
Shimon Stein
Botschafter des Staates Israel
Paul Spiegel
Präsident des Zentralrates der Juden
keren-hayessod.de / 16-04-02
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